Die globale Aufwertung der Region des Fernen Ostens zur neuen wirtschaftlichen Mitte Asiens reflektiert die historisch einzigartige Entwicklungs- und Wachstumsdynamik der VR China zur weltweit drittgrößten Handelsmacht in nur drei Jahrzehnten. Während der Bedeutungszuwachs Chinas in Asien und anderen Weltregionen und die daraus resultierenden Herausforderungen und Konflikte international im Fokus wissenschaftlicher Analyse stehen, führt die an Ostasien angrenzende Region des Südpazifiks, häufig subsumiert im Begriff des asiatisch-pazifischen Raumes, weltweit eher ein Schattendasein. Dabei ist die Region, die in den letzten 150 Jahren dem Einflussbereich des Westens zuzuordnen war, von einer Asien vergleichbaren Dynamik gekennzeichnet, die auch die Nähe zum asiatischen Festland und hier insbesondere zu China reflektiert. Der weitgehende Rückzug der USA und der europäischen Staaten aus der Region seit Ende des Kalten Krieges und verstärkt seit der Fokussierung auf den „Krieg gegen den Terror“ haben ein Vakuum hinterlassen, das China beständig ausgefüllt hat.
Die Volksrepublik stellt heute nicht nur hinsichtlich Diplomatie und Personal den wichtigsten Akteur in der Region dar. Es ist auch beim Handel, den Investitionen und der Entwicklungszusammenarbeit zum bedeutenden Konkurrenten der USA und ihrer regionalen Alliierten Japan, Australien, Neuseeland und Frankreich aufgestiegen. Die Fallstudie thematisiert die Konsequenzen dieser regionalen Machtverschiebung, die sich in der These vom künftigen „Hinterhof“ Chinas zuspitzen lässt. Analysiert werden nicht nur die Motive und Strategien Chinas in der Region, sondern auch die sozio-ökonomischen sowie die innen- und entwicklungspolitischen Implikationen dieses Engagements. Schließlich ist zu klären, inwieweit der wirtschaftliche und diplomatische Aufstieg Chinas eine potenzielle militärische Herausforderung oder gar Bedrohung der etablierten US-geführten Sicherheitsarchitektur in der Region darstellt. Zu berücksichtigen ist hier insbesondere Australien, das zwar einerseits seine Kapazitäten als regionale Ordnungsmacht beständig ausbaut, andererseits aber wie kaum ein zweiter Staat wirtschaftlich von der Kooperation mit Peking profitiert.