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Mit diesem Projekt suchen wir nach einem Modell normativer und prozeduraler Vorkehrungen, das geeignet ist, große Mächte mit unterschiedlichen Wertsystemen in das gemeinsame Projekt der Kriegsverhütung einzubinden. Ein Prototyp eines solchen Modell liegt im „Europäischen Konzert“ des neunzehnten Jahrhunderts vor: Es installierte eine von gemeinsamen Normen und Verfahren gekennzeichnete Kooperation der vier, später fünf führenden europäischen Mächte, der es gelang, für eine ganze Generation den Großmächtekrieg in Europa zu verhindern und in begrenztem Maße politischen Wandel zu „managen“, die nachfolgenden Großmachtkriege räumlich zu begrenzen und nach der Gründung des Deutschen Reiches bis zum Vorabend des ersten Weltkrieges ein relativ erfolgreiches Krisenmanagement zu betreiben. Bemerkenswerterweise vereinte das Konzert eher liberale (Großbritannien, nach 1830 Frankreich), und konservative (Österreich-Ungarn, Preußen, Russland) Mitglieder und wirkte in einer Zeit rapiden wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Wandels.
Das Projekt leuchtet die Bedingungen für Erfolg und späteres Scheitern des „Konzerts“ gewesen sind. Es gibt zu dieser Thematik einen reichen geschichtswissenschaftlichen Forschungsstand, der die Ressource für eine derartige Sekundäranalyse ist. Jede einzelne Erfolgsbedingung ist dann daraufhin zu prüfen, ob sie plausibel in einem „Konzert des 21. Jahrhunderts“ reproduziert oder durch ein funktionales Äquivalent ergänzt werden muss, um das Konfliktpotential unter den heutigen Großmächten zu bearbeiten. Ebenso notwendig ist es, nach Vorkehrungen zu suchen, um die Wirkungsmacht derjenigen Faktoren, die zum Scheitern geführt haben, einzuhegen - wenn wir derartige Faktoren auch in den heutigen Großmachtbeziehungen auffinden.
Dabei müssen die unterschiedlichen Rahmenbedingungen angemessen berücksichtigt werden. Ein heutiges Konzert spielt sich nicht in einem regionalen Raum ab und lässt den Großmächten damit Ausdehnungschancen anderswo, es ist von vornherein global angelegt. Rüstungskontrolle und Abrüstung, im klassischen Konzert ausgeklammert, sind heute eine zentrale Bedingung der Großmachtkooperation. Eine Welt mit zweihundert Staaten, darunter Mittelmächte mit einem erheblichen Einflusspotential, verlangt nach weit höherer Legitimität und “Ownership” für den Rest der internationalen Gemeinschaft als im exklusiven 19. Jahrhundert. Schließlich muss auch die Institution eines heutigen Konzerts mit den weit dichteren und robusteren rechtlichen und organisatorischen Gegebenheiten in Einklang gebracht werden, die heute im internationalen Raum etabliert sind.
Das Projekt wird von einer internationalen Studiengruppe mit Experten aus den USA, China, Indien, Russland, Frankreich, Großbritannien und Deutschland durchgeführt. |
Mitglieder
Projektleitung:
Harald MüllerMitarbeiter/innen:
Marco FeyKonstanze Jüngling Carsten Rauch |
WAS IST FRIEDENSFORSCHUNG?


