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Programmbereiche
Genese, Struktur und Funktionsweise gewaltförmiger Systeme sozialer Kontrolle. Ein inter- und intra-nationaler Vergleich zwischen Indonesien und den Philippinen

Ein zentraler Aspekt von Herrschaft ist die Sicherung allgemeiner Regelbefolgung. Gewalt zum Zweck sozialer Kontrolle ist in der OECD-Welt generell in staatlicher Hand monopo­lisiert, doch gilt dies in vielen anderen Ländern nicht oder nur mit Einschränkungen. Hier finden sich unterschiedlichste Mischungen privater und staatlicher Akteure, die Gewalt zum Zweck der Kontrolle von Sozialbeziehungen einsetzen. Vom gängigen Verständnis stellen sich derartige Ordnungen als Bestandteile „defizitärer Staatlichkeit“ dar.

 

Aus der Perspektive eines „Staats in der Gesellschaft“ (Joel Migdal) können sie auch als alternative normativen Ordnungen sozialer Organisation verstanden werden, insoweit als sie kulturell angemessene Antworten auf die Frage sozialer Kontrolle spiegeln. Sie lassen sich dann als spezifisch konfigurierte Systeme gewalthaltiger sozialer Kontrolle beschreiben, denen eine eigene normative Ordnung eingeschrieben ist. Gleichzeitig spiegeln sie die gesellschaftlichen Macht- und Herrschaftsverhältnisse, die kaum je so offenbar werden wie in der Frage der Anwendung von Gewalt zur Durchsetzung einer (herrschenden) Ordnung.

 

Im Projekt geht es darum, im Vergleich mehrerer Regionen in den Philippinen und Indonesien herauszuarbeiten, welche Akteure gewaltförmig handeln, welche konkreten Formen der Devianz mit gewaltförmiger sozialer Kontrolle unterbunden oder bestraft werden, welche Gewaltformen hierfür Verwendung finden, inwieweit sie in der betreffenden Gesellschaft als sozial angemessen gelten und wie sich diese Faktoren über Zeit wandeln.

 

Das Projekt wurde von Juli bis Dezember 2008 vom Exzellenzcluster der Goethe-Universität Frankfurt "Die Herausbildung normativer Ordnungen" gefördert.

 

Ab Sommer 2009 fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) dieses Projekt für zwei Jahre.

 

Mitglieder
Projekt- verantwortlich:
Lothar Brock
Projektleitung:
Peter Kreuzer
Mitarbeiter/innen:
Alexandra Landmann