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Bulletin No 45 - Herbst 2004

Rachel Adam
USA und Nordkorea: Konfliktwahrnehmung und Konfliktdynamiken

Der Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und Nordkorea spitzte sich in den neunziger Jahren durch die unerwartet weite Entwicklung des nordkoreanischen Nuklear- und Raketenprogramms zu. Die USA sehen in diesen Programmen ein erhebliches Risiko oder sogar eine Bedrohung für ihre Sicherheit und die Sicherheit in der ostasiatischen Region.

Für Pjöngjang betrifft der Konflikt seit Ende des Ost-West-Gegensatzes verstärkt die Stabilität des Regimes, da diese zunehmend vom Konfliktverlauf abhängig wird. Die US-Sanktionen gegen Nordkorea machen die wirtschaftliche und humanitäre Situation im Land noch schwieriger und stellen das Überleben des Regimes in Frage. Dies ist für Pjöngjang der zentrale Konfliktgegenstand und wird als Bedrohung gesehen.

Jedoch sollte diese gegenseitige Bedrohung nicht von vornherein als gegeben angesehen werden. Bedrohung bedeutet hier, dass nicht nur die Möglichkeit zu militärischen Handeln, sondern auch die Absicht besteht. Obwohl beide Parteien eine militärische Aktion nicht ausschließen, besteht auf beiden Seiten ein Interesse Verhandlungen den Vorzug zu geben. Daher kann man hier auch von Risiko sprechen. Das entscheidende Element ist die Unsicherheit der beiden Parteien, ob es nun ein Risiko oder eine Bedrohung handelt. Hier stellt sich die Frage, ob das Nuklearwaffen- und Raketenprogramm Nordkoreas wirklich der Kern des Problems ist, oder ob es nicht vielmehr die gegenseitige Wahrnehmung des Konflikts ist.

Dieser Beitrag möchte die Konfliktsituation sowie die Wahrnehmung des Konflikts analysieren und dabei die zentralen Konfliktdynamiken herausarbeiten. Unter Konfliktdynamiken werden hier zentrale Eigenschaften des Konfliktes verstanden, die eine Lösung fördern oder hemmen können, wie z.B. die Unsicherheit über die Intention und Motivation des anderen. Die Idee hinter dieser Herangehensweise ist zu zeigen, dass das allgemeine Problem der "Schurkenstaaten" oder "states of concern" durchaus zwei "Gesichter" hat. Einerseits gibt es schwer einschätzbare, potentiell aggressive Problemstaaten, andererseits aber auch einen Hegemon mit regionalen Interessen und einem Aggressionspotential. Es ist nicht nur der "Schurkenstaat", der eine Lösung des Konflikts so erschwert, sondern auch die Wahrnehmung und damit auch ein gewisses Interesse der Vereinigten Staaten, ihn als solchen bezeichnen zu können. Man könnte hier provokant fragen, ob die Wahrnehmung der USA diesen nicht erst zum "Schurkenstaat" macht. Denn vorausgesetzt, Nordkorea ist wirklich ein aggressiver Problemstaat und eine unberechenbare Gefahr, so stellt sich gleichzeitig die Frage, wie die USA mit ihrer Wahrnehmung und ihren Interessen sowie internen Interessengegensätzen den Konflikt verschärfen oder entschärfen.

Ich möchte zunächst ein theoretisches Konzept in Form eines Analyserasters über die Entstehung von Wahrnehmung, Erwartungshaltung und Konfliktverhalten entwerfen. Der Schwerpunkt des Beitrags befasst sich mit dem Konfliktgegenstand, der Wahrnehmung sowie der Erwartungshaltung und dem Konfliktverhalten der USA bzw. Nordkoreas. Abschließend sollen daraus die grundlegenden Konfliktdynamiken1[1] bestimmt werden, für die sich dann die Fragen stellen, ob sie eine Lösung des Konflikts hemmen oder fördern und welchen Anteil jeweils die Washington und Pjöngjang daran haben.

1. Analyseraster

Der Konflikt soll sowohl von der Seite der Vereinigten Staaten als auch von der Seite Nordkoreas aus analysiert werden. Der Konfliktgegenstand bzw. die Konfliktgegenständen der jeweiligen Partei stehen am Anfang der Untersuchung. Dabei wird zwischen direktem und indirektem Konfliktgegenstand unterschieden. Direkte Konfliktgegenstände sind Thema von Verhandlungen und Gesprächen. Indirekte Konfliktgegenstände sind Probleme, die "indirekt" mit den direkten Konfliktgegenständen zusammenhängen und auch deren Wert für die jeweilige Konfliktpartei mitbestimmen.

Dem Konfliktgegenstand folgt die Analyse der Wahrnehmung des Konflikts und der anderen Konfliktpartei.[2] Die Wahrnehmung setzt sich aus äußeren und inneren Faktoren zusammen. Äußere Faktoren sind solche, die sich auf das Verhalten der anderen Konfliktpartei beziehen, und innere solche, die eigene bereits bestehende Vorstellungen betreffen.

Was die "äußeren Faktoren" der Wahrnehmung betrifft, so wirkt sich die Art und Weise einer Handlung stärker aus als die Handlung an sich.[3] Als bedrohlich erscheint eine Handlung vor allem dann, wenn sie aus dem Rahmen fällt. Das kann zum einen ein Verstoß gegen direkte oder indirekte Regeln bzw. gegen den etablierten Verhaltenskodex internationaler Politik sein, aber auch großes Interesse und unproportionale finanzielle Investitionen in militärische Projekte.[4] Im Prinzip bedeutet das jedes Anzeichen, welches eine Handlung aggressiv erscheinen lässt.

"Innere Faktoren" sind eigene, bereits bestehende Vorstellungen oder Neigungen, welche die Wahrnehmung und damit die Beurteilung des Verhaltens der anderen Konfliktpartei beeinflussen. Gerade im Bezug auf diese inneren Faktoren kann auch ein Wertekonflikt innerhalb einer Konfliktpartei bestehen bzw. entstehen.[5] Robert Jervis unterscheidet diese Vorstellungen nach "unmotivated bias" und "motivated bias" ,[6] das heißt bereits bestehende unbeabsichtigte und beabsichtigte Vorstellungen.
"Unmotivated biases" sind Vorstellungen darüber, wie internationale Politik bzw. das internationale System funktioniert, Erfahrungen mit der anderen Konfliktpartei sowie allgemeine geschichtliche Erfahrungen und das intuitive Einordnen bzw. Zuordnen der Problematik durch ein bestimmtes Muster in eine bestimme Kategorie.[7]

"Motivated biases" stehen im Zusammenhang mit den Interessen, die mit dem Konfliktgegenstand verbunden sind. Die Frage, ob eine Bedrohung durch die andere Konfliktpartei im eigenen Interesse ist, bestimmt in hohem Maße, wie diese Bedrohung eingeschätzt und wie mit ihr umgegangen wird, das heißt das eigene Konfliktverhalten.[8] Gerade an diesem Punkt ist die Gefahr einer Fehlperzeption sehr hoch, da die Fakten auf dem Hintergrund eigener Interessen interpretiert werden.

Die Erwartungshaltung ist das Ergebnis aus der Verknüpfung von eigenem Konfliktgegenstand und der Wahrnehmung des Konflikts bzw. des Konfliktpartners. Die Erwartungshaltung bestimmt den Umgang mit dem Konflikt, das heißt das Konfliktverhalten.[9]

Die Konfliktdynamiken ergeben sich dann aus den Wechselwirkungen zwischen dem jeweiligen Verhalten der beiden Konfliktparteien und der Wahrnehmung sowie der Reaktion auf diese Wechselwirkungen durch die beiden Parteien. In diesem Zusammenhang wird das Konfliktverhalten auch von Verhandlungstaktiken bestimmt, die im Prinzip darauf ausgerichtet sind bestimmte Wechselwirkungen zu erzielen.[10]

In Bezug auf den Konflikt zwischen den USA und Nordkorea ist es sinnvoll zu betrachten, welche Rolle der jeweilige Konfliktgegenstand und die Wahrnehmung, das heißt das Konfliktverhalten des anderen sowie die eigenen unbeabsichtigte und beabsichtigte Vorstellungen, spielen. Denn daraus ergibt sich eine bestimmte Erwartungshaltung, die das Konfliktverhalten und damit die grundlegenden Konfliktdynamiken bestimmen. Diese Konfliktdynamiken sind die zentralen Eigenschaften des Konflikts, das heißt die Faktoren, die den Konflikt prägen, und es wird ersichtlich, was den Konflikt verschärft oder entschärft.

2. Die Vereinigten Staaten

2.1 Konfliktgegenstand

Der direkte Gegenstand des Konfliktes für die Vereinigten Staaten ist das Nuklearwaffen- und Raketenprogramm Nordkoreas, sowie die damit verbundenen Exporte. Dazu kommt das große Arsenal an konventionellen Waffen, was unter Clinton im Hintergrund stand und jetzt unter Bush wieder größere Beachtung findet.[11]

Das Nuklearwaffen- und Raketenprogramm ist zunächst ein Risikofaktor für die nationale Sicherheit der USA. Unter Umständen haben nordkoreanische Langstreckenraketen bereits eine Reichweite, die sie amerikanisches Territorium erreichen lassen könnten. Dies ist vor allem im Hinblick auf den Besitz und die Entwicklung von Massenvernichtungsmitteln Pjöngjangs wie Nuklearwaffen von größter Bedeutung. Vor allem sind jedoch die in Südkorea stationierten US-Truppen und Südkorea selbst sowie Japan als amerikanische Verbündete betroffen.[12]

Das eigentliche Risiko besteht dennoch weniger in der Möglichkeit eines tatsächlichen Angriffes, sondern viel mehr in der "Erpressbarkeit" der Vereinigten Staaten, die durch die Unsicherheit möglich wird. Die Tatsache, dass Nordkorea sehr wahrscheinlich[13] über Nuklearwaffen und Langstreckenraketen verfügt, schwächt bzw. könnte die Verhandlungsposition der USA schwächen, das heißt, es stellt eine Verwundbarkeit dar.

Der Export von Nuklear- und Raketentechnologie betrifft zum einen das allgemeine Problem der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen, aber auch die spezielle Schwierigkeit, dass Pjöngjang hauptsächlich in Staaten exportiert, die ein problematisches Verhältnis zu Washington haben, wie der Iran oder Pakistan.

Zu dem bereits genannten, direkten Konfliktgegenstand kommen indirekte Konfliktgegenstände hinzu. Dies sind keine Probleme, über die direkt verhandelt wird, die jedoch für den Konflikt zentral bzw. aus dem direkten Konfliktgegenstand folgen.

Der wichtigste indirekte Konfliktgegenstand ist das auflehnende Verhalten Nordkoreas gegenüber den Vereinigten Staaten. Es wird als "schlechtes Beispiel" für andere Staaten angesehen und fordert den hegemonialen Ruf und Anspruch der USA heraus. Der hegemonialem Ruf und Anspruch der Vereinigten Staaten betreffen ihre dominierende Stellung als stärkste internationale Macht, sowohl in politisch wie militärischer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Diese dominierende Stellung äußert sich gegenüber demokratischen Staaten in einer gemäßigten Form, die auf einen gemeinsamen Konsens ausgerichtet ist. Im Unterschied dazu stehen nicht-demokratische Staaten wie Nordkorea in einem anderen Verhältnis zu der Dominanz Washingtons, da es kaum eine gemeinsame Basis in Form von Werten gibt. Die dominierende Stellung Amerikas wird nur gezwungenermaßen akzeptiert[14] und von den USA durch ihre überlegene Machtposition gewissermaßen erzwungen. Dieses Verhältnis ist daher von einer gewissen Unsicherheit geprägt in Hinblick auf ein mögliches Aufbegehren gegen eine nicht nur diplomatisch, sondern auch militärisch bestimmende Macht. Ein Auflehnen Nordkoreas fordert demnach von den USA eine Klarstellung der Machtposition, um zu verhindern, dass sich weitere Staaten gegen ihre hegemoniale Stellung "rebellieren". Dies würde zunächst die amerikanische Dominanz zwar nicht gefährden, aber die Durchsetzung von Interessen erschweren.

"To the extent that Pyongyang stands up to Washington, there is a challenge to U.S. credibility, resolve, and commitments. When nations like North Korea confront Washington's resolve, the likelihood of deterrence failure elsewhere increases."[15]

Ferner kommt die allgemeine Stabilität in Korea und in Ostasien hinzu, die für Washington in Hinblick auf ihre Allianzen, die amerikanischen Zivilisten und Truppen sowie den Weltmarkt von Interesse ist.[16] In diesem Zusammenhang steht auch eine mögliche regionale Aufrüstung durch einen weiteren Aufbau militärischer Macht Nordkoreas. Ansätze dafür lassen sich bereits im ambitionierten Raketenprogramm Südkoreas erkennen. Auch die amerikanisch-japanischen Pläne für eine regionale Raketenabwehr in der Region könnte man, entgegen amerikanischen Aussagen und Beteuerungen, als Aufrüstung werten.[17] Dies wird von China, Russland und Nordkorea auch so gesehen.[18]

Ein weiteres Problem hinsichtlich der Stabilität in der Region bzw. zunächst in Bezug auf das unmittelbare Umfeld Pjöngjang ist die extrem schlechte wirtschaftliche[19] und innenpolitisch instabile Lage des Landes. Wie instabil ist Nordkorea wirklich, das ist die Frage. Zum einen muss man mit möglichen innenpolitische Auseinandersetzungen rechnen, die zu einem Zusammenbruch des Systems führen könnten, oder zum anderen mit Überflutungen und Hungersnöten, wie sie bereits aufgetreten sind. Problematisch ist hierbei, inwieweit die Regierung in Pjöngjang diesen Situationen gewachsen ist.[20] In Washington geht man davon aus, dass es nach einem Zusammenbruch des Regimes zu Flüchtlingsströmen und sogar zu einem "letzten militärischen Aufbegehren" des Regimes kommen kann.[21] Beides würde eine Herausforderung für die regionale Sicherheit darstellen. Nicht nur das aggressive Verhalten Pjöngjang ist demnach ein Sicherheitsrisiko, sondern auch der mögliche Zusammenbruch Nordkoreas.[22]

2.2 Wahrnehmung des Konfliktes und Nordkoreas

2.2.1 Äußere Faktoren

Die amerikanische Wahrnehmung des Konfliktes und Nordkoreas beruht, wie bereits dargelegt, auf inneren und äußeren Faktoren. Die äußeren Faktoren sind die Art und Weise, wie Pjöngjang sich verhält.

Das Verhalten Nordkoreas ist gekennzeichnet durch aggressive Provokationen. Die gravierendsten Beispiele waren der angedrohte Austritt aus dem NPT 1993 und der Test einer Langstreckenrakete 1998. Beide Handlungen verstießen jedoch nicht direkt gegen Völkerrecht. Der Austritt aus dem NPT innerhalb einer bestimmten Frist, die Pjöngjang auch einhalten wollte, ist legitim. Jedoch ist der Grund für den Austritt fragwürdig, da die International Atomic Energy Agency (IAEA) festgestellt hatte, dass Nordkorea offensichtlich seit seinem Beitritt zum NPT sein Nuklearwaffenprogramm dennoch weiterentwickelte und die IAEA weitere Inspektionen von verdächtigen Anlagen verlangte, die von Pjöngjang nicht deklariert worden waren.[23]

Ferner hat der Raketentest 1998 gegen kein internationales Recht oder eine Konvention verstoßen, da Nordkorea ein souveräner Staat ist.[24] Dabei ist umstritten, ob der Raketenabschuss eine beabsichtigte Provokation darstellt oder ob: "the launch was more likely an unsuccessful attempt to mark Kim Jong Il's formal accession to power by boosting a small satellite into space than a brazen act of intimidation aimed at Japan".[25]

Zu den aggressiven Provokationen kommt die Verweigerungshaltung Pjöngjangs.[26] Ein Beispiel hierfür ist die Weigerung Nordkoreas, eine schriftliche Vereinbarung einzugehen, die einen dauerhaften Verzicht auf Test und Export von Raketentechnologie beinhaltet.[27]

Auch wenn Pjöngjang zu einem unilateralen Moratorium für das Raketenprogramm bereit war, so bleibt immer noch die Verlässlichkeit einer solchen Zusage ungeklärt. In diesen Bereich fällt ebenfalls das Problem der Überprüfbarkeit von Vereinbarungen. Zum Teil ist die Möglichkeit aufgrund der Art der Vereinbarungen nicht gegeben bzw. schwer möglich oder wird von Pjöngjang erschwert. In diese Problematik fallen vor allem Inspektionen bezüglich des Nuklearwaffen- und Raketenprogramms. Ein Beispiel hierfür ist die im Genfer Abkommen 1994 vereinbarte Bedingung für die Lieferung der beiden Leichtwasserreaktoren, die Entwicklungsgeschichte des nordkoreanischen Nuklearwaffenprogramms offen zu legen. Dies sollte unter anderem klären, ob Nordkorea bereits Nuklearwaffen besitzt oder nicht.[28] Ferner betrifft das Problem der Überprüfbarkeit jedoch auch die Verwendung von finanziellen wie materiellen Hilfen, deren Nutzung nicht klar ersichtlich ist. In Bezug auf das Raketenprogramm ist die Überprüfbarkeit jedoch eher gegeben, da zu einer qualitativen Weiterentwicklung der Langstreckenraketen Tests notwendig sind.[29]

Aus der mangelnden Überprüfbarkeit entsteht eine Unsicherheit über die Intentionen Pjöngjangs. Ohne die Möglichkeit das Moratorium für das Nuklearwaffen- und Raketenprogramm überprüfen zu können, kann man nicht sicher davon ausgehen, dass Nordkorea wirklich bereit ist, seine militärischen Ambitionen den Vorteilen von wirtschaftlicher Unterstützung und politischer Einbindung unterzuordnen. Diese Unsicherheit wirkt sich vor allem auf die Frage aus, ob Nordkorea an einer Veränderung interessiert ist, oder ob das Regime lediglich versucht sich außen- wie innenpolitisch zu stabilisieren, indem es ein Interesse an Veränderung vorgibt.[30]

Die Unsicherheit betrifft aber auch die innere Situation Nordkoreas und damit die Frage, wie stabil das System wirklich ist. Die offiziellen nordkoreanischen Pressemitteilungen geben eher das gewünschte Image als die tatsächliche Situation wieder.[31]
Die Tatsache, dass Pjöngjang trotz seiner extrem schlechten wirtschaftlichen Lage keine Tendenzen zeigt, sein Nuklearwaffen- und Raketenprogramm aufzugeben, wirkt angesichts der durch Unsicherheit geprägten Situation irritierend. Hier stellt sich die Frage nach der Prioritätensetzung Pjöngjangs und damit wieder nach seiner Intention.

Demgegenüber steht die Tatsache, dass Nordkorea durch seine schlechte wirtschaftliche Lage gezwungen ist, seine autarke Position aufzugeben und internationalen Einfluss durch die benötigte Hilfe zuzulassen. Pjöngjang zeigt eine gewisse Schwäche und auch eine Veränderung seines Selbstverständnisses, als es 1996 und 1997 bei der Bewältigung von Flut- und Hungerkatastrophen um internationale Hilfe bittet.[32]

Zudem zeigt eine Äußerung auf dem innerkoreanischen Gipfel 2000, dass Nordkorea die Präsenz amerikanischer Truppen in Südkorea akzeptiere, eine gewisse Veränderung der Atmosphäre, auch wenn diese Äußerung wenig später durch eine gegenteilige Äußerungen des Verteidigungsministers wieder in frage gestellt wurde.[33] Nicht zuletzt jedoch widerstrebt das innenpolitische Verhalten Pjöngjangs, das heißt die Unterdrückung der Bevölkerung mit Gewalt, amerikanischen Idealen und Wertvorstellungen.

2.2.2 Innere Faktoren

Die inneren Faktoren der amerikanischen Wahrnehmung sind durch einen inneramerikanischen Wertekonflikt oder "clash of American biases"[34] gekennzeichnet.

Unmotivated Biases

Die "unmotivated biases" basieren zum einen auf der amerikanischen Überzeugung, wie die internationale Politik funktioniert. Hier spielen unter anderem Ideale und Werte eine Rolle. Ferner wirken allgemeine Erfahrungen oder Erfahrungen, die mit Nordkorea im speziellen gemacht wurden, als "unmotivated biases". Aufgrund der amerikanischen Weltbilder und der gemachten Erfahrungen kommt es zu einem intuitiven Einordnen des Konfliktes durch ein bestimmtes Muster in eine bestimmte Kategorie.
Die amerikanische Überzeugung, wie internationale Politik abläuft, ist nicht zwangsläufig einheitlich. Vielmehr besteht eine gewisse "Bipolarität", die durch die Republikanische und Demokratische Partei verkörpert wird. Hinter den jeweiligen Parteien stehen entsprechende wissenschaftliche Institute, die jedoch zum Teil auch Zwischenpositionen einnehmen. Es besteht jedoch kein umfassender Gegensatz, sondern vielmehr ein nuancierter Unterschied in den verschiedenen Auffassungen.

Allgemein stellt sich für die amerikanischen Weltbilder die Frage, ob und wie weit ein staatlicher Akteur wie Nordkorea rational denkt, entscheidet und handelt, das heißt wie "rational" Pjöngjang ist.[35] Je nachdem wie viel Rationalität Nordkorea zugesprochen wird, wird sein Verhalten interpretiert und eine entsprechende Konfliktstrategie entwickelt. Dies bedeutet, dass die Interpretationen des Verhaltens zwischen zu starkem aggressiven Staat und schwachen verwundbarem Staat schwanken. Bezüglich der Konfliktstrategie bewegt sich die Regierung in Washington demnach zwischen Einbindung und Eindämmung.
Aber auch die Frage, ob Pjöngjang an einer Veränderung interessiert ist oder ob das Regime nur seine Position innen- wie außenpolitisch stabilisieren will, ist stark mit dem jeweils dominierenden Weltbild verbunden. Nach der hauptsächlich von Republikanern vertretenen Überzeugung ist das Interesse Nordkoreas an einer Veränderung sehr unwahrscheinlich, da es einen Machtverlust oder sogar Machtwechsel für das Regime bedeuten würde. Im Unterschied dazu wäre bei der hauptsächlich von Demokraten vertretenen Vorstellung das Interesse an einer selbst eingeleiteten Veränderung durchaus im Rahmen des Möglichen.

Ferner sind hierbei auch charakteristische amerikanische und westliche Ideale und Werte wie Freiheit des Individuums, Menschenrechte und Demokratie entscheidend für die Wahrnehmung Pjöngjangs in Form von "unmotivated biases". So wurde unter Clinton die demokratische Verfasstheit eines Staates als Garant für eine vertrauensvolle Kooperation und als friedenswahrende Komponente gesehen. Demokratie sollte daher geschützt und Demokratisierung unterstützt werden. Autokratische Regime wurden von vornherein als problematisch eingestuft, da man davon ausging, dass ihre außenpolitischen Konzepte aufgrund der innenpolitischen Verhältnisse aggressiv seien.[36] Unter Bush taucht diese Sichtweise auch auf. Die gemeinsamen Werte der demokratischen Staaten, wie Rechtsstaatlichkeit und wirtschaftliche Freiheit, sollen "soweit wie möglich verbreitet werden".[37]

Die allgemeinen Erfahrungen, die für die USA in Bezug auf Nordkorea eine Rolle spielen, sind durch den Kalten Krieg und durch den Koreakrieg im Besonderen geprägt.[38] Das Feindbild des stalinistischen Staates erschwert einen normalen Umgang und wirkt sich auf die Vertrauensbildung aus. Allgemein herrscht ein tiefer Skeptizismus gegenüber diktatorischen Regimen.[39]
Abschreckung bleibt auch für beide außenpolitischen Sichtweisen in den Vereinigten Staaten, wenn auch mit unterschiedlicher Gewichtung, von Bedeutung. Dies bezieht sich sowohl auf die Stationierung amerikanischer Truppen in Südkorea als auch auf das Demonstrieren von Entschlossenheit in Verhandlungen oder Äußerungen.

Ein Abzug der Truppen wäre ohne entscheidende Veränderungen im außen- wie im innenpolitischen Verhalten Pjöngjangs innenpolitisch für die USA nicht möglich. Die amerikanische Fehleinschätzung der Relevanz Südkoreas, die Nordkorea dazu veranlasste, anzugreifen und so zum Koreakrieg führte, ist nicht vergessen. Zum einen macht die Angst, dass ein Abzug der Truppen sowohl innenpolitisch als auch außenpolitisch als Schwäche ausgelegt werden könnte, dies unmöglich. Zum andern spielt der Glaube eine entscheidende Rolle, dass ohne glaubwürdige und entschlossene Abschreckung Niederlagen allgemein vorprogrammiert sind.[40] Dieser Glaube basiert sowohl auf einer sehr machtpolitisch geprägten außenpolitischen Wahrnehmung als auch auf den gemachten Erfahrungen vor allem während des Kalten Krieges.

Eine weitere Erfahrung, welche die amerikanische Wahrnehmung prägt, ist, dass Krisen im Konfliktverlauf mit Nordkorea nicht unnormal sind. Dies kann unter Umständen dazu führen, dass Krisen falsch eingeschätzt bzw. unterschätzt werden.[41]
Ferner spielt auch die Tatsache eine Rolle, dass die Stabilität Pjöngjangs beim Genfer Rahmenabkommen 1994 unterschätzt wurde. Man nahm damals teilweise an, dass Nordkorea innerhalb des Zeitrahmens des Abkommens zusammenbrechen werde.[42] Zum einen trifft die Prognose einer extremen Verschlechterung auf die wirtschaftliche und humanitäre Situation Nordkoreas zu.[43] Gleichzeitig entwickelte sich die militärische Kapazität Pjöngjangs in die entgegengesetzte Richtung, wie der nordkoreanische Raketentest 1998 und der daraufhin von der Clinton-Administration in Auftrag gegebene Perry-Bericht bestätigen.
Das intuitive Einordnen Pjöngjangs in ein bestimmtes Muster und eine bestimmte Kategorie - was man auch umgangssprachlich mit "in eine Schublade stecken" ausdrücken könnte - erfolgt hauptsächlich im negativen Bereich: von der Bezeichnung "black hole",[44] über "Schurkenstaat", "illegitimes Regime" bis zur Bezeichnung Bushs als Teil der "Achse des Bösen".[45] Bestenfalls wird Nordkorea in die Schublade der unberechenbaren Problemstaaten gesteckt und schlimmstenfalls in die des "bösen" Feindes. Pjöngjang wird bereits aufgrund der Tatsachen, dass es die Rechte seiner Bevölkerung mit Gewalt unterdrückt und über ein großes militärisches Potential im konventionellen Bereich sowie unter Umständen über Massenvernichtungswaffen verfügt, als gefährlich eingeordnet. Zum einen ist sein innenpolitisches Verhalten nicht mit amerikanischen Wertvorstellungen vereinbar und zum anderen ist es ein Risikofaktor für die Sicherheit der Vereinigten Staaten.

Motivated Biases

Die "motivated biases" sind Interessen der USA, für die entweder eine Konfliktlösung oder eine Konflikterhaltung und unter Umständen auch eine Konfliktverschärfung mit Nordkorea vorteilhaft wäre. Diese "motivated biases" wirken sich besonders stark auf das Konfliktverhalten aus.

Der wichtigste amerikanische "motivated bias" sind innenpolitische Interessen[46] der jeweiligen Regierung. Während des Kalten Krieges war es vorteilhaft für amerikanische Regierungen, eine feindliche Haltung gegenüber Pjöngjang zu haben.[47] Nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes und dem Verlust der sowjetischen Bedrohung werden die "Schurkenstaaten" allgemein zum neuen Risiko oder auch zur neuen Bedrohung. Ob diese mögliche Bedrohung und somit auch die durch Nordkorea nicht aus Interessengründen übertrieben wird, ist fraglich.

Für die Clinton-Administration war die Entspannungs- und Normalisierungspolitik gegenüber Nordkorea günstig, da ein niedrigeres US-Verteidigungsbudget höhere innerstaatliche Ausgaben erlaubte. Ferner ermöglichte eine solche Politik gute wirtschaftliche Beziehungen mit China und erhöhte Sicherheit zum geringeren Preis für Alliierte wie Südkorea und Japan.[48] Dem stehen jedoch republikanische Interessen, wie vor allem der Aufbau eines strategischen oder nationalen Abwehrschildes und eines regionalen Systems für den nordasiatischen Raum, entgegen. Für beides ist sowohl das Risiko aber vor allem die Bedrohung durch nordkoreanische Massenvernichtungswaffen eine zentrale Begründung.[49] Nicht zu unterschätzen ist in diesem Zusammenhang auch das Interesse der USA, Einfluss in der Region auszuüben. Unter Bush stehen diese Interessen nun im Vordergrund. Dies wird auch durch das offensichtlich veränderte Konfliktverhalten deutlich.[50]

2.3 Erwartungshaltung

Die amerikanische Erwartungshaltung ist aufgrund der verschiedenen innenpolitischen Wahrnehmungen ebenfalls unterschiedlich. Diese uneinheitliche Erwartungshaltung wirkt sich auf das Konfliktverhalten aus mit der Folge, dass es zu keiner konstanten Politik gegenüber Pjöngjang kommt. Ein gutes Beispiel sind die Lieferungen von Schweröl für Nordkorea, die von der Clinton-Administration 1994 im Genfer Rahmenabkommen zugesichert worden waren, und das Genfer Rahmenabkommen selbst.
Die Schweröllieferungen wurden durch den Widerstand der Republikaner im Kongress verzögert.[51] Ferner fordern die Republikaner eine Revision des Genfer Rahmenabkommens, da sie die Lieferung von zwei Leichtwasserreaktoren als zu gefährlich und zu weitgehend einschätzen. Dazu kommt, dass in Nordkorea andere geheime oder nicht deklarierte Nuklearanlagen bestehen könnten, die vom Genfer Rahmenabkommen nicht erfasst werden.[52] Ebenso kritisieren die Republikaner die mangelnde Überprüfbarkeit des Abkommens. Diese Differenzen zwischen Republikanern und Demokraten, die in den unterschiedlichen Wahrnehmungen begründet liegen, führen zu einer uneinheitlichen Politik gegenüber Nordkorea bzw. zu einem uneinheitlichen Konfliktverhalten.[53]

Im Folgenden sollen die beiden konkurrierenden Erwartungshaltungen[54] grob skizziert werden.

Die Erwartungshaltung der Demokraten geht davon aus, dass Pjöngjang als rational denkend und handelnd einzuschätzen ist. Daher ist es "abschreckbar". Eine Ausnahme wäre der unkontrollierte Zusammenbruch Nordkoreas z.B. durch innenpolitische Auseinandersetzungen oder Naturkatastrophen. Die politische wie wirtschaftliche Schwäche Pjöngjangs gilt mittlerweile ebenso als Sicherheitsrisiko wie sein provokantes Verhalten und seine militärischen Ambitionen. Daher wird ein "soft landing", das heißt eine langsame Veränderung, dem schnellen Zusammenbruch vorgezogen.[55]

Die Motivationen und Intentionen, die hinter dem nordkoreanischen Nuklearwaffen- und Raketenprogramm stecken, zielen aus dieser Sicht vor allem auf Verhandlungsvorteile und finanzielle Gewinne durch den Export ab. Gleichzeitig sehen die Demokraten das Programm auch als Reaktion auf die "robuste" Abschreckung durch Südkorea und die Vereinigten Staaten sowie deren militärische Kapazitäten. Der Reformwillen Nordkoreas wird nicht kategorisch ausgeschlossen, wenn es die Möglichkeit hat diese Reformen ohne Druck von außen selbst einleiten zu können.[56] Hierbei wird das Ziel nicht unbedingt in der Wiedervereinigung mit Seoul gesehen. Eine Beibehaltung des Status quo bei gleichzeitiger Veränderung des Regimeverhaltens wäre ausreichend. Trotz dieser gemäßigten Einstellung schließen die Demokraten nicht aus, dass das Entgegenkommen und die Hilfe von Nordkorea ausgenutzt werden könnten. Aus diesem Grund ist gleichzeitig eine glaubhafte Abschreckung nötig.

Die Erwartungshaltung der Republikaner geht davon aus, dass Nordkorea kein rationaler Akteur ist, der nur sehr bedingt bzw. gar nicht abgeschreckt werden kann. Die Abschreckung muss daher durch ein strategisches oder auch regionales Abwehrsystem ergänzt werden.

Es wird angenommen, dass Pjöngjang nicht wirklich an Veränderungen oder Reformen interessiert sei, sondern nur an einer Zusammenarbeit, die für es politisch und wirtschaftlich vorteilhaft ist und das Regime stabilisiert. Gleichzeitig nutze es sein Nuklearwaffen- und Raketenprogramm um Verhandlungsvorteile für sich zu erzielen, ohne an Abrüstung interessiert zu sein.[57] Als Lösung des Konflikts und Ziel der Veränderung Nordkoreas wird die Wiedervereinigung mit Südkorea angesehen.
"Pyongyang, after all, was a child of the Cold War, and its behavior would change only with the fall of the regime and reunification of the Korean Peninsula under the sovereignty of Seoul."[58]

Die Republikaner gehen davon aus, dass das Entgegenkommen und die Hilfe für Nordkorea ohne überprüfbare Veränderungen in Pjöngjang ausgenutzt werden und nur der Stabilisierung des Regimes dienen.

Die beiden Erwartungshaltungen sind jedoch nicht trennscharf. Je nach äußeren Umständen bzw. nach dem Konfliktverhalten Nordkoreas geht die Neigung in die eine oder andere Richtung.

2.4 Konfliktverhalten

Auch das Konfliktverhalten bzw. die Konfliktstrategie der USA ist uneinheitlich. Die Tendenz, Nordkorea einzudämmen, ist allein durch den Vorbehalt, es mit einem Schurkenstaat oder auch nicht-demokratischen Staat zu tun zu haben, in gewisser Weise mehr oder weniger ausgeprägt immer vorhanden.[59] Trotzdem überwiegt der Kooperationskurs.

Obwohl eine Einbindungspolitik immer mit der Clinton-Administration verbunden wird, ist eine solche Strategie nicht neu.[60] Bereits Ende der achtziger Jahre hatten die Vereinigten Staaten unter Bush Vater den Dialog mit Nordkorea eröffnet.[61] Nachdem die nuklearen Ambitionen Pjöngjang immer offensichtlicher wurden, reagierte die erste Bush-Administration, indem sie Anfang der neunziger Jahre ihre Nuklearraketen aus Südkorea abzogen. Nordkorea sollte dadurch der Druck genommen werden, selbst Nuklearwaffen zu entwickeln. Gleichzeitig sollte Nordkorea verdeutlicht werden, dass es im Sinne seiner nationalen Interessen das Beste sei, sein Nuklearprogramm zu beenden und von einer sich entwickelnden Kooperation mit den USA zu profitieren. Um die Nachteile einer Verweigerung der Zusammenarbeit zu verdeutlichen, drohten die Vereinigten Saaten mit Sanktionen.[62] 1992 kam es zum ersten hochrangigen Treffen zwischen Washington und Pjöngjang.[63] Die Lage verschlechterte sich jedoch Ende 1992 durch die massiven Probleme bei und durch die Inspektionen der IAEA in Nordkorea.

Zu Beginn der Clinton-Administration 1993 befanden sich Washington und Pjöngjang bereits in der Krise.[64] Die Tatsache, dass die amerikanische Regierung sich danach durch ihre Normalisierungs- und Einbindungspolitik mit einem gewissen Maß an Abschreckung, dem "carrots and sticks-Ansatz",[65] auszeichnete, steht damit in direkter Verbindung. Washington setzte mehr auf Einbindung als auf Sanktionen, da in der Krise 1993-1994 die Verhandlungsoption und nicht eine verstärkte "punishment strategy" zur Beilegung sowie zu einem Teilerfolg geführt hat.[66] Der Ansatz der Clinton-Administration gegenüber Nordkorea unterschied sich von der Zeit während des Ost-West-Konfliktes dadurch, dass er vor allem darauf abzielte, das Verhalten des Regimes zu ändern und nicht es zu bestrafen.[67] Dies hängt zum Teil auch mit den neuen Möglichkeiten im Umgang mit dem Konflikt nach Ende des Kalten Krieges zusammen.[68] Eine vollständige Aufhebung der Sanktionen war aber politisch nicht möglich, solange Pjöngjang keine umfassenderen Veränderungen zeigte.[69]

Mitte der neunziger Jahre erwies sich, dass Nordkorea stabiler - oder besser zäher - war als man am Anfang beim Genfer Abkommen 1994 angenommen hatte. Gleichzeitig wurde in Washington befürchtet, dass Flut- und Hungerkatastrophen wie 1996 und 1997, aber auch innenpolitische Rivalität möglicherweise zu unkontrollierten Krisen in Pjöngjang führen könnten. Die Stabilität in Korea und in der Region sollte jedoch nicht durch einen unkontrollierten Zusammenbruch - einem so genannten "hard landing" - Nordkoreas gefährdet werden. Daher entschloss Washington sich, Pjöngjang humanitäre sowie wirtschaftliche Hilfe und politische Einbindung ohne große Gegenleistungen von Nordkorea zur Verfügung zu stellen. Dies sollte langsam Reformen einleiten und zu einem friedlichen Wandel - einem so genannten "soft landing" - führen, gegebenenfalls auch ohne Wiedervereinigung der beiden Koreas.[70] Die Clinton-Administration beabsichtigte, eine Tradition des Vertrauens aufzubauen, da sie den nordkoreanischen Hang zu provokativer Politik auch als Folge der wirtschaftlichen Schwäche und politischen Isolation Pjöngjangs sah.

Ein Einbruch dieser Politik erfolgte 1998, als Nordkorea eine Langstreckenrakete testete. Der Einbindungskurs der Clinton-Administration kam durch diese Provokation in den USA unter massiven Beschuss.[71] Damit kam die Diskussion über die Effektivität des Genfer Abkommens von 1994 auf, deren Ergebnis die Einsetzung der Perry-Kommission war. Ihr Ziel sollte es sein, die Politik der Clinton-Administration gegenüber Pjöngjang zu analysieren und zu bewerten.[72] Der Perry-Bericht bestätigte zum einen den Ansatz der Clinton-Administration der Stabilisierungs- und Normalisierungspolitik. Zum anderen wies er darauf hin, dass sich die Sicherheitslage seit 1994 vor allem hinsichtlich der Defizite des Genfer Abkommens im Bereich des nordkoreanischen Nuklearprogramms sowie bezüglich des Raketenprogramms geändert hat. Gleichwohl weist der Bericht jedoch auch auf die sich destabilisierende Situation innerhalb Nordkoreas durch schwerwiegende wirtschaftliche und humanitäre Probleme hin.

Die Bestätigung ihrer Politik durch den Perry-Bericht ermöglichte unter anderem die guten Fortschritte, die die Clinton-Administration bis zum Herbst 2000 in den Verhandlungen mit Pjöngjang erzielen konnte.[73] Die Verhandlungen zu einem weiteren Abkommen wurden kurz vor einer Einigung wegen der bevorstehenden Präsidentschaftswahlen abgebrochen.
Der Clinton-Administration steht die Politik der Bush-Administration gegenüber, die einen härteren Kurs einschlägt und vor allem auf eine strategische Abwehr zu setzen scheint. Die Politik Bushs basiert auf der Überzeugung, dass Nordkorea wirtschaftliche sowie politische Hilfe und Einbindung nur nutzt, um sein Überleben zu sichern. Provokatives Verhalten und starke militärische Ambitionen werden nicht als Reaktion, sondern als eine Eigenschaft Pjöngjangs gesehen, die in der gewaltsamen Herrschaft des nordkoreanischen Regimes begründet liegt.

Auffällig bei Bushs Nordkorea-Politik ist, dass der Norden unter Zugzwang gebracht wird. Zunächst ließ der Präsident kurz nach seinem Amtsantritt bei einem Besuch des südkoreanischen Präsidenten im März 2001 durchblicken, dass der Dialog mit Pjöngjang keine Dringlichkeit für Washington habe.[74] Im Sommer 2001 machte die USA dann ein Verhandlungsangebot, das verschiede Themen verbindet, das heißt einen "package deal".

Der "package deal" koppelt nun Einschränkungen und die Abrüstung im Bereich des Nuklearwaffen- und Raketenprogramms mit einer Reduzierung im Bereich der konventionellen Waffen. Ferner soll ohne Überprüfbarkeit und Sanktionierbarkeit auf nichts eingegangen werden. Dies betrifft auch die Beziehungen zwischen Nord und Südkorea. In der Nordkorea-Politik Bushs kommt vor allem die Kritik am Konzept von Clinton zu tragen. Ihr wird vorgeworfen, das "tyrannische" nordkoreanische Regime durch übertriebene Zugeständnisse stabilisiert zu haben.[75]

Die Regierung Bush übernimmt nun die Initiative, indem sie sich Abstand zu den Verhandlungen und Gesprächen unter Clinton schafft, indem sie die Wiederaufnahme des Dialoges als nicht dringlich bezeichnet. Dem folgte ein neues Verhandlungsangebot, das jedoch die konventionellen Waffen in die Verhandlungen mit einbezog. Dies war unter Clinton vermieden worden, da die Abrüstung im konventionellen Bereich ein sensibles Thema für Pjöngjang ist[76] und eine umfassende Lösung im Bereich des Nuklearwaffenprogramms sowie des Raketenprogramms hemmt.

Durch die Initiative Bushs war Nordkorea zunächst gezwungen, zu reagieren und auf der Basis der amerikanischen Bedingungen zu verhandeln, da die Vereinigten Staaten sich selbst durch das Angebot gebunden haben. Durch diese Selbstbindung[77] "schieben" die USA zunächst Pjöngjang die Verantwortung für den weiteren Verlauf des Konfliktes zu. Diese Strategie der Selbstbindung durch ein erstes Angebot und der des "package deals"[78] ist zentral für die Wechselwirkungen im Konflikt.
Das Konfliktverhalten der US-Regierung ist vor allem aufgrund der innenpolitischen Differenzen durch mangelnde Kontinuität und Unbeständigkeit gekennzeichnet. Die neue Politik unter Bush zielt darauf ab, die Oberhand im Konflikt zu gewinnen und den Einfluss Nordkoreas auf die Verhandlungen gering zu halten. Teilweise erwecken die Äußerungen Bushs den Eindruck, als existiere kein Konflikt zwischen den Washington und Pjöngjang, den es gemeinsam zu lösen gilt. Sondern vielmehr als stelle Nordkorea ein Problem dar, das die Vereinigten Staaten zusammen mit seinen Verbündeten lösen müssen.

Äußerungen dieser Art sind vor allem die Bezeichnung des nordkoreanischen Regimes als Teil einer "Achse des Bösen". Ebenso zeigt dies die Erwartungshaltung, dass eine vollständige Lösung des Konfliktes nur mit einer Wiedervereinigung der beiden koreanischen Staaten enden kann.[79]

3. Nordkorea

3.1 Konfliktgegenstand

Die direkten Konfliktgegenstände für Nordkorea sind vor allem die von den USA verhängten Sanktionen und in diesem Zusammenhang auch, dass Nordkorea auf der amerikanischen Liste "terrorismusfreundlicher" Staaten steht.[80] Die Sanktionen erschweren die wirtschaftliche Lage Pjöngjangs zusätzlich. Damit gefährden sie die Stabilität und das Überleben des nordkoreanischen Regimes bzw. das Überleben des nordkoreanischen Staates an sich, vor allem nach Ende des Ost-West-Konfliktes und dem Wegfall der gewohnten russischen und chinesischen Unterstützung.[81] Ferner stellen die in Südkorea stationierten US-Truppen[82] zusammen mit dessen militärischem Potenzial einen Risikofaktor für Pjöngjang dar. Dazu kommt, dass eine Anerkennung der Souveränität und territorialen Integrität Nordkoreas nur bedingt vorhanden ist. Dies unterstreicht vor allem die neue Nordkorea-Politik unter Bush.

Einer der sekundären Konfliktgegenstände ist für Pjöngjang, dass die Exporte von Waffentechnologie eine zweischneidige Angelegenheit sind. Auf der einen Seite sind sie die entscheidende Einnahmequelle für Pjöngjang und auf der anderen ein Problem im Hinblick auf die Sanktionen gegen Nordkorea sowie auf eine Verbesserung seines Verhältnisses zu westlichen Staaten. Diese Beziehungen sind notwendig, um die wirtschaftliche und politische Lage Pjöngjangs dauerhaft zu verändern und zu stabilisieren. Hier stehen die kurzfristigen Gewinne durch Exporte den langfristigen Gewinnen durch die Aufhebung der Sanktionen und durch verbesserte Beziehungen gegenüber.

Die extremen wirtschaftlichen Probleme sowie die Schwierigkeiten bei der Energieversorgung und vor allem bei der Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung machen Nordkorea verwundbar für Sanktionen. Erschwerend kommt die politische Isolation des Landes hinzu. Eine Einbindung in die internationale Gemeinschaft - mit Vorteilen, aber auch Verpflichtungen - ist für das Regime gerade durch die schlechte wirtschaftliche Lage des Landes unumgänglich geworden, da Pjöngjang auf internationale Hilfe angewiesen ist. Hier spielt auch die Etablierung einer geachteten und gefestigten internationalen Position sowie einer entscheidenden Position in der Region eine Rolle. Dies soll nicht zuletzt, und unter Umständen aus Mangel an Alternativen, mit der militärischen Kapazität Nordkoreas erreicht werden.

Ein Vergleich zwischen Nord- und Südkorea ergibt, dass Seoul politisch[83] wie wirtschaftlich Pjöngjang weit überlegen ist. Dagegen ist Pjöngjang militärisch überlegen, da in diesem Bereich der Süden auf die Vereinigten Staaten angewiesen und auch an diese gebunden ist. Um seine politische wie wirtschaftliche Situation zu verbessern, kann Nordkorea nur sein militärisches Potential nutzen, da es das einzige ist, was ihm regional wie international Gewicht verleiht.[84] Bei dem Konflikt geht es für Nordkorea bzw. vor allem für das nordkoreanische Regime um seine Stabilität und damit um sein Überleben. Dieser Konfliktwert unterscheidet sich fundamental von dem der USA, bei der es um das Risiko der Erpressbarkeit im Sicherheitsbereich geht. Die starke Verwundbarkeit Nordkoreas[85] steht einer wesentlich geringeren Verletzlichkeit der Vereinigten Staaten gegenüber.

3.2 Wahrnehmung des Konfliktes und der USA

3.2.1 Äußere Faktoren

Die äußeren Faktoren der Konfliktwahrnehmung ergeben sich aus der Art und Weise, wie sich die USA gegenüber Nordkorea verhalten. Das Verhalten der Vereinigten Staaten ist aufgrund der innenpolitischen Differenzen sehr zwiespältig. Dies bedeutet für Pjöngjang, dass es sich nicht sicher sein kann, welche Intentionen Washington hat und ob es sich auf bestehende Vereinbarungen verlassen kann. Gleichzeitig gingen die USA aber auch auf die Provokationen Nordkoreas ein. Dies gab Pjöngjang die Möglichkeit einen Dialog mit ihnen auf gleicher Ebene zu führen, was gerade ohne Provokationen nicht möglich erschienen war.[86] Die Äußerungen und Handlungsansätze der Bush-Administration scheinen nun das Gegenteil zu signalisieren. Wie dies von Nordkorea aufgefasst wird, lässt sich hier nicht mit Sicherheit sagen.

Die drei entscheidenden Punkte, die durch die Zwiespältigkeit der US-Politik betroffen sind, sind der Legitimitätsstatus des nordkoreanischen Regimes, die Implementierung des Genfer Rahmenabkommen und die amerikanischen Pläne für ein Raketenabwehrsystem in der Region.

Einerseits machen Vereinbarungen mit Nordkorea dieses Land zu einem legitimen Verhandlungspartner.[87] Andrerseits stehen dem aber die Äußerungen Bushs gegenüber, er lehne das nordkoreanische Regime ab und sehe eine Wiedervereinigung der beiden koreanischen Staaten als Lösung des Konfliktes.[88] Gerade das Thema der Wiedervereinigung ist für Pjöngjang problematisch,[89] da es das Ende des nordkoreanischen Regimes und die Unterordnung Pjöngjangs unter amerikanischen Einfluss bedeuten würde. Gleichzeitig hat Bush jedoch auch geäußert, dass die USA nicht die Absicht haben, in Nordkorea einzufallen.[90] Dies muss dennoch nicht unbedingt positiv gewertet werden. Zum einen sagt diese Feststellung zwar aus, dass keine aggressiven militärischen Maßnahmen gegenüber Pjöngjang getroffen werden. Zum anderen kann die Äußerung auch so gewertet werden, dass solche Maßnahmen im Rahmen des Möglichen sind, wenn dies überhaupt ausgesprochen werden muss.[91] Gegenüber einem befreundeten Land würde eine solche Bemerkung nie gemacht werden.

Ferner wirken sich die Aufrechterhaltung der Sanktionen und die Verzögerung der Heizöllieferungen[92] nachteilig auf das Vertrauen zu Washington und auf die Motivation Pjöngjangs aus, sich seinerseits an das Abkommen zu halten.

Ebenso werten Nordkorea, aber auch China und Russland, die regionalen und strategischen Abwehrpläne der Amerikaner und ihrer Verbündeten als militärische Hegemoniebestrebungen in der Region.[93] Dies trägt nicht dazu bei, dass Pjöngjang seine Haltung in Bezug auf eine Abrüstung ändert.

3.3.2 Innere Faktoren

Die inneren Faktoren der Konfliktwahrnehmung sind, wie bereits dargestellt, die unbeabsichtigte und beabsichtigte Vorstellungen, das heißt "motivated biases" und die "unmotivated biases".

Unmotivated Biases

Die "unmotivated biases" Nordkoreas betreffen sein Weltbild, seine Erfahrungen und das darauf aufbauende intuitive Einordnen der USA. Das Weltbild des nordkoreanischen Regimes ist stalinistisch geprägt. Primäres Ziel ist es eine möglichst weitreichende Unabhängigkeit aufrecht zu erhalten und möglichst wenig externe Einflüsse zuzulassen.[94] Darüber hinaus ist Pjöngjang durch den Ost-West-Konflikt und das Feindbild einer aggressiven, expansionistisch orientierten USA geprägt.[95] Die amerikanischen Pläne für ein strategisches und ein nationales Abwehrsystem scheinen für Nordkorea die hegemonialen Interessen Washingtons zu bestätigen. Eine zentrale Rolle in der Wahrnehmung Pjöngjangs spielt die Angst, unterminiert zu werden.[96] Diese Angst wird vor allem durch das offensichtliche Interesse der USA an einer Wiedervereinigung der beiden koreanischen Staaten und der fehlenden offiziellen Anerkennung der Souveränität sowie territorialen Integrität Nordkoreas angesprochen.

Die Erfahrungen, die Pjöngjang in Bezug auf die Verhandlungen mit Washington gemacht haben, zeigen, dass die Provokations- oder Krisenstrategie Nordkoreas durchaus vorteilhaft und erfolgreich ist. Nordkorea hat dadurch in den Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten wichtige Zugeständnisse erringen können und erhält die meiste finanzielle Hilfe in der Region.[97] Dies birgt jedoch die Gefahr in sich, dass die Wirkung einer Provokation auf die Beziehungen zwischen Nordkorea und den Vereinigten Staaten falsch eingeschätzt wird und die Krise eskaliert.[98]

Motivated Biases

"Motivated biases" sind Interessen Nordkoreas, die sich auf seine Wahrnehmung in Bezug auf die USA bzw. auf den Konflikt mit den USA auswirken. Die beiden zentralen "motivated biases" Pjöngjangs arbeiten gegeneinander. Auf der einen Seite steht das innenpolitische Interesse, die Bedrohung durch die Vereinigten Staaten zu dramatisieren, um den politischen Zusammenhalt zu stärken und das Interesse, externe Einflüsse so gering wie möglich zu halten. Auf der anderen Seite steht die Notwendigkeit, die Beziehungen zu den USA, zu Südkorea und Japan zu normalisieren, um die sehr schlechte wirtschaftliche Situation Nordkoreas zu verbessern.[99] Denn dieser wirtschaftliche Druck wirkt sich auch negativ auf die Stabilität aus, man ist bereits in größerem Ausmaß auf internationale Hilfe angewiesen. Dieser Gegensatz zwischen Notwendigkeit zu einer Öffnung nach außen und gleichzeitiger Existenzangst in Bezug auf eine Reform Nordkoreas, beeinflusst das nordkoreanische Konfliktverhalten sehr stark.

3.3 Erwartungshaltung

Die Erwartungshaltung Pjöngjangs gegenüber Washington besteht einerseits aus dem Vertrauen darauf, dass die USA durch Provokationen sowie durch heraufbeschworene Krisen dazu gebracht werden können, sich auf Pjöngjang zuzubewegen. Da die Unsicherheit über die Intentionen sowie über das tatsächliche militärische Potential Nordkoreas sie in gewisser Weise dazu zwingt. Andererseits traut Pjöngjang dem Entgegenkommen der Vereinigten Staaten in Form einer Normalisierungs- und Entspannungspolitik nicht. Das Regime nimmt an, dass Washington durch seine Entgegenkommen Nordkorea wirtschaftlich und vor allem politisch ändern[100] und damit das nordkoreanische Regime unterminieren will.

3.4 Konfliktverhalten

Das auffälligste am Konfliktverhalten Pjöngjangs ist die Taktik, Krisen heraufzubeschwören, um die Situation für Verhandlungsvorteile zu nutzen.[101] Diese Taktik ist notwendig, da Nord Korea angesichts seiner schwachen politischen wie wirtschaftlichen Stellung und damit der offensichtlichen Unterlegenheit gegenüber den Vereinigten Staaten kaum Alternativen zur Verfügung stehen,[102] um seine Verhandlungsposition aufzuwerten.

"The North Koreans have demonstrated to us over the years that they think the way to get our attention is to do something provocative, like starting to produce plutonium or testing a long-range missile. And when they get our attention, they try to negotiate an agreement."[103]

Das klarste Beispiel dafür ist der angedrohte Austritt aus dem NPT 1993. Die Androhung sorgte für eine Krise, und die vertragsgemäße Austrittsfrist von 90 Tagen erzeugte Zeitdruck. Gleichzeitig zeigte sich Nordkorea verhandlungsbereit, schränkte aber die Alternativen der USA ein und verschärfte die Spannungen in hohem Maße, indem es klarstellte, dass es Sanktionen gegen seinen Austritt als Kriegserklärung auffasse.[104] Die Initiative oder der Vorteil der Selbstbindung, die Pjöngjang erreicht hatte, ermöglichte es ihm in bilaterale Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten zu treten und dabei eine gleichwertige Verhandlungsposition zu haben.[105]

"When it had sought dialogue under normal circumstances, the United States seemed to signal that, without fundamental (and possibly regime-threatening) change in North Korean politics, the best North Korea could hope for was a one-time, one-way discussion - not a dialogue in which mutual interests might be explored on a 'level playing field'."[106]

Ein weiteres Merkmal des nordkoreanischen Konfliktverhaltens ist die Aufrechterhaltung der Unsicherheit sowohl in Bezug auf seine Intentionen als auch hinsichtlich seines militärischen Potentials. Zum einen ist diese Unsicherheit nachteilig für Nordkorea, da sie in den USA zu Fehlperzeptionen führen kann. Andererseits ist sie aus taktischen Gründen für Verhandlungen notwendig, um Pjöngjang ein gewisses Maß an Verhandlungsgewicht zu verleihen. Darüber hinaus ermöglicht die Aufrechterhaltung der Unsicherheit die Pflichten von Vereinbarungen zu umgehen. Ein Beispiel dafür ist das im Genfer Abkommen vereinbarte Offenlegen der Entwicklung des Nuklearprogramms und der Wiederaufarbeitungsaktivitäten. Dies würde Auskunft darüber geben, ob Nordkorea bereits Nuklearwaffen hat oder nicht.[107] Inspektionen durch die IAEA in diesem Bereich werden von Pjöngjang verschleppt und behindert.[108] Auch die verweigerte schriftliche Vereinbarung von Nordkorea über einen dauerhaften Test- und Exportverzicht,[109] kann im Zusammenhang mit der Aufrechterhaltung der Unsicherheit stehen. Die zu erkennende Verhandlungsbereitschaft Pjöngjangs hingegen scheint vor allem durch den Druck der wirtschaftlichen Situation und die politisch isolierte Position zustande zu kommen.

4. Abschließende Betrachtung

Abschließend sollen wie eingangs erwähnt die grundlegenden Konfliktdynamiken bestimmt werden. Bei der Wahrnehmung ist zwischen einem Risiko bzw. einer Bedrohung durch den Konflikt in Bezug auf den Konfliktgegenstand und einem Risiko bzw. einer Bedrohung allein durch die "Person" des Konfliktpartners zu unterscheiden.

In Bezug auf den Konfliktpartner wirkt das jeweilige Feindbild aus dem Ost-West Konflikt noch weiter. Die USA haben dieses Feindbild sogar ausgebaut, indem sie Nordkorea als "Schurkenstaat" werten. Für Pjöngjang bleibt das Feindbild insofern gleich, als dass die Vereinigten Staaten eine Regimegefährdung darstellen. Das Feindbild gewinnt jedoch durch die schlechte wirtschaftliche Lage Nordkoreas und seine isolierte politische Situation an Gewicht.

Diese Aufrechterhaltung eines Feindbildes wird auf beiden Seiten durch Interessen unterstützt. In den USA stellt eine mögliche Bedrohung durch Pjöngjang einen zentralen Rechtfertigungsgrund für ein strategisches und regionales Abwehrsystem dar. In Nordkorea stärkt eine mögliche außenpolitische Bedrohung durch die Vereinigten Staaten den innenpolitischen Zusammenhalt und damit die Stabilität des Regimes.

Das wahrgenommene Risiko oder sogar auch Bedrohung in Hinblick auf den Konfliktgegenstand bezieht sich vor allem auf die Unsicherheit über die Intention und Motivation des Anderen. Dies gilt sowohl für Washington als auch für Pjöngjang. Diese Unsicherheit existiert nicht zuletzt aufgrund des zwiespältigen Konfliktverhaltens der beiden Parteien.

In Bezug auf Nordkorea betrifft dies zwei Punkte. Zum einen handelt es sich um das Dilemma zwischen einer notwendigen Öffnung nach außen und der Angst vor einer Reform. Die Schwierigkeit für das Regime in Pjöngjang liegt darin, dass nur die richtige Balance zwischen beidem sein Überleben sichert. Denn sowohl der wirtschaftliche Verfall als auch eine Unterminierung des Regimes durch äußere Einflüsse stellen eine Gefahr dar. Dies ist eine Unsicherheit, die für Pjöngjang selbst besteht und sich in seiner Politik widerspiegelt.

Zum anderen geht es um das Problem, dass die Aufrechterhaltung der Unsicherheit - zusammen mit dem militärischen Potential - die einzige Sicherheit darstellt, von den USA in Verhandlungen nicht "überrannt" zu werden. An diesem Punkt ist auch die Krisenstrategie Nordkoreas während Gesprächen einzuordnen. Für Pjöngjang besteht die Schwierigkeit, genügend Unsicherheit beizubehalten, um ihr Verhandlungsgewicht nicht zu verlieren und gleichzeitig durch die bestehende Unsicherheit keine Überreaktionen der Vereinigten Staaten zu provozieren.

Was die USA betrifft, so beruht die Unsicherheit für Nordkorea auf den bereits dargelegten innenpolitischen Wahrnehmungs- und Interessendifferenzen. Dies führt dazu, dass sich Pjöngjang nur bedingt auf Vereinbarungen verlassen kann. Dies ist keine beabsichtigte Unsicherheit. Insgesamt verursachen die Unsicherheit und das zwiespältige Verhalten der beiden Parteien den krisengeprägten Konfliktverlauf.

Ein weiterer zentraler Faktor ist das Interesse an Stabilität. Pjöngjang hat Interesse an der Stabilität seines Regimes, das die Vereinigten Staaten partiell teilen. Washington hat kein Interesse an einem unkontrollierten Zusammenbruch Nordkoreas, der die Stabilität in der Region gefährdet. Langfristig streben die USA jedoch eine Wiedervereinigung der beiden Koreas an. Dies führt dazu, dass Nordkoreas Angst vor einer Unterminierung seines Regimes begründet ist. Daher ist Pjöngjang bestrebt sein Überleben durch den Ausbau bzw. die Aufrechterhaltung seiner militärischen Macht zu sichern. Dies steht dem Interesse der Vereinigten Staaten an einer Stabilität in der Region entgegen, da dies einen Rüstungswettlauf provozieren könnte. Ein Anzeichen dafür sind die südkoreanischen Ambitionen, das eigene Raketenprogramm auszubauen. Die Reaktion der USA und Japans zur Stabilisierung der Region einen taktischen Schutzschild zu errichten erscheint im Zusammenhang mit einem Rüstungswettlauf sehr zwiespältig, vor allem im Hinblick auf China. Hier erscheint der amerikanische Ansatz zur Stabilisierung der Region eher einen hegemonialen Charakter zu haben als tatsächliches Interesse an der Verhinderung eines Rüstungswettlaufs zu zeigen. Es stellt sich auch die Frage, wie sich ein strategisches Abwehrsystem mit den Abrüstungsforderungen gegenüber Nordkorea verträgt. Dazu kommt der neue Verhandlungsvorschlag Washingtons, der eine Abrüstung im konventionellen Bereich mit einbezieht. Zusammengenommen dürfte dies die Abrüstungsbereitschaft Nordkoreas nicht gerade fördern.

Der amerikanische Ansatz scheint sich hier selbst aufzuheben und es stellt sich die Frage, inwieweit die Bush-Administration eine wirkliche Lösung des Konflikts wünscht oder ob vielleicht die Aufrechterhaltung der Konfliktsituation günstiger erscheint.

Insgesamt kann man sagen, dass im Konflikt zwischen den USA und Nordkorea die Faktoren, die eine Lösung hemmen, relativ gleich verteilt sind. Es ist nicht nur Pjöngjang, das durch seine Provokationen und zwiespältiges Verhalten eine Lösung erschwert, sondern gleichermaßen Washington.

[1] Im Prinzip sind das die Wechselwirkungen zwischen der Erwartungshaltung sowie dem Konfliktverhalten der beiden Konfliktparteien.

[2] Dieser Teil des Analyserasters wird in Anlehnung an Robert Jervis entwickelt.

[3] Vgl. Robert Jervis, Perceiving and Coping with Threat. In: ders./Richard Ned Lebow/Janice Gross Stein (Hg.): Psychology and Deterrence, Baltimore, Md. 1985, S. 13-33 (S. 14-15).

[4] Vgl. Jervis, Perceiving, S. 14-15.

[5] Vgl. Glenn H. Snyder/Paul Diesing, Conflict Among Nations. Bargaining, Decision Making, and System Structure in International Crisis, Princeton 1977, S. 9.

[6] Jervis, Perceiving, S. 18.

[7] Vgl. ebd., S. 18, 19, 22, 23.

[8] Vgl. ebd., S. 25.

[9] Vgl. Robert Jervis, System Effects. Complexity in Political and Social Life, Princeton, N.J. 1997, S. 253.

[10] Vgl. ebd., S. 253; Thomas C. Schelling, The Strategy of Conflict, Cambridge, Mass. 1960, S. 21-46 (S. 21-22).

[11] Vgl. Kai Möller, Korea 2001. Neue Konfliktlinien, SWP-Aktuell 9, Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin 2001, S. 3.

[12] Vgl. Raymond Tanter, Chapter: North Korea. Contain and Embrace, in: ders., Rogue Regimes. Terrorism and Proliferation, London 1998, S. 217-260 (S. 259).

[13] Obwohl das nordkoreanische Eingeständnis im Raum steht, Nuklearwaffen zu besitzen, sehe ich dies zum jetzigen Zeitpunkt zwar als höchst wahrscheinlich, jedoch nicht als ausreichend bestätigt an. Ferner ist bei den Langstreckenraketen umstritten, ob sie funktionieren.

[14] Vgl. Bernd W. Kubbig, Between Self-Restraint and 'All Options Open': Positioning the US Hegemon in the Democratic/Non-Democratic Divide. Conclusions. In: ders. (Guest Ed.), Bernd W. Kubbig (Guest Editor), Toward a New American Century? The US Hegemon in Motion. Amerikastudien/American Studies, Jg. 46, Nr. 4, 2001, S. 661-686 (S. 662-665).

[15] Tanter, Chapter: North Korea, S. 239.

[16] Vgl. ebd., S. 239; Joel Wit, The United States and North Korea, Policy Brief 74, The Brookings Institution, Washington, D.C. 2001, S. 1.

[17] Vgl. Sebastian Harnisch, Erst verhandeln, dann rüsten? Die nordkoreanische Bedrohung in der amerikanischen Raketenabwehrdebatte, Raketenabwehrforschung International, Bulletin No. 14, 2000, S. 3, entnommen aus dem Internet unter http://www.hsfk.de/abm/bulletin/pdfs/harnis1.pdf am 12. Oktober 2002.

[18] Hier stellt sich die Frage nach der tatsächlichen Vereinbarkeit von Stabilität in Ostasien und eines TMD, das gerade als ein Mittel für eine solche Stabilität deklariert wird. Darauf soll im Rahmen dieser Arbeit jedoch nicht eingegangen werden.

[19] Vgl. Kim Keun Tae, The Korea - United States Relationship under Kim and Bush. A Common Approach to North Korea, Bulletin 12, 3, May 2001, The Atlantic Council, Washington, D.C. 2001, S. 1.

[20] Vgl. Scott Snyder, North Korean Crises and American Choices. Managing U.S. Policy Toward the Korean Peninsula. In: Wonmo Dong (Hg.), The Two Koreas and the United States, Armonk, N.Y./London 2000, S. 234-263 (S. 243).

[21] Tanter, Chapter: North Korea, S. 236.

[22] Vgl. Snyder, North Korean Crises, S. 260; Wit, United States, S. 5.

[23] Vgl. Michael J. Mazarr, Opportunity Seized: Preventive Diplomacy in Korea. In: Bruce W. Jentleson (Hg.), Opportunities Missed, Opportunities Seized, New York, N.Y. 2000, S. 295-316 (S. 297, 299).

[24] Vgl. Chung Min Lee, North Korean Missiles. Strategic Implications and Policy Responses. In: The Pacific Review, Jg. 14, Nr. 1, 2001, S. 85-120 (S. 91).

[25] Leon Sigal. In: Lee, North Korean Missiles, S. 96.

[26] Vgl. Tanter, Chapter: North Korea, S. 238.

[27] Vgl. Möller, Korea, S. 2.

[28] Vgl. Sebastian Harnisch, Wieviel ist genug? Zur Normalisierung der US-amerikanischen Nordkoreapolitik, ZOPS - Occasional Paper No. 13, Zentrum für Ostasien-Pazifik-Studien, Trier 1999, S. 14.

[29] Vgl. Spurgeon M. Keeny Jr., in: Bush's Deferral of Missile Negotiations With North Korea. A Missed Opportunity. An ACA Press Conference. In: Arms Control Today, Jg. 31, Nr. 3, 2001, S. 13-20 (S. 13).

[30] Vgl. Möller, Korea, S. 5-6; Lee, North Korean Missiles, S. 88.

[31] Vgl. Snyder, North Korean Crises, S. 238-239.

[32] Vgl. ebd., S. 252.

[33] Vgl. Möller, Korea, S. 2.

[34] Tanter, Chapter: North Korea, S. 256.

[35] Ebd., S. 235.

[36] Vgl. Sebastian Harnisch, The Hegemon and the Demon. US Nuclear Learning vis-à-vis North Korea. In: Kubbig (Guest Editor), Toward a New American Century, S. 607-627.

[37] Condoleezza Rice, Unsere gemeinsamen Werte. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 19. Oktober 2002, S. 10.

[38] Vgl. Snyder, North Korean Crises, S. 254.

[39] Vgl. Morton H. Halperin, in: Bush's Deferral of Missile Negotiations With North Korea. A Missed Opportunity. An ACA Press Conference. In: Arms Control Today, Jg. 31, Nr. 3, 2001, S. 13-20 (S. 19).

[40] Vgl. Tanter, Chapter: North Korea, S. 239, 243, 259.

[41] Vgl. Snyder, North Korean Crises, S. 260.

[42] Vgl. ebd., S.249.

[43] Vgl. ebd., S. 244-245.

[44] Ebd., S.238.

[45] Vgl. Bush bittet Peking um Unterstützung in Nordkorea, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 22 Februar 2002, S. 1, 6.

[46] Vgl. Möller, Korea, S. 5.

[47] Vgl. Tanter, Chapter: North Korea, S. 255.

[48] Vgl. ebd., S. 255.

[49] Vgl. Harnisch, Erst verhandeln, S. 3; Harnisch, Wieviel, S. 16; Möller, Korea, S. 5.

[50] Siehe dazu Kapitel 3.4.

[51] Vgl. Möller, Korea, S. 4.

[52] Vgl. Harnisch, Wieviel, S. 4.

[53] Vgl. ebd., S.1.

[54] Genau genommen gibt es in den beiden Parteien jeweils nicht nur eine Erwartungshaltung sondern eine Vielzahl von Erwartungshaltungen, die hier aber nicht alle dargestellt werden können. Daher wird eine allgemeine grundlegende Erwartungshaltung skizziert.

[55] Vgl. Snyder, North Korean Crises, S. 249-250; Tanter, Chapter: North Korea, S. 220.

[56] Vgl. Lee, North Korean Missiles, S. 97.

[57] Vgl. ebd., S. 95, 110.

[58] Tanter, Chapter: North Korea, S. 258.

[59] Vgl. ebd., S. 256.

[60] Vgl. Wit, United States, S. 1.

[61] Vgl. Keun Tae, The Korea - United States Relationship, S. 4.

[62] Vgl. Mazarr, Opportunity, S. 307.

[63] Vgl. Keun Tae, The Korea - United States Relationship, S. 4.

[64] Vgl. Robert Galluci, in: Bush's Deferral of Missile Negotiations With North Korea. A Missed Opportunity. An ACA Press Conference. In: Arms Control Today, Jg. 31, Nr. 3, 2001, S. 13-20 (S. 16).

[65] Harnisch, Wieviel, S.4-5.

[66] Vgl. Harnisch, The Hegemon, S. 625.

[67] Vgl. Tanter, Chapter: North Korea, S. 236.

[68] Vgl. Mazarr, Opportunity, S. 302.

[69] Vgl. Snyder, North Korean Crises, S. 258.

[70] Vgl. Tanter, Chapter: North Korea, S. 222.

[71] Vgl. Harnisch, Erst verhandeln, S. 3.

[72] Vgl. Halperin, ACA Press Conference, S. 14; Harnisch, Erst verhandeln, S. 3.

[73] Vgl. Halperin, ACA Press Conference, S. 15, Hans-Joachim Schmidt, Konfrontation oder Dialog? Entwicklung, Stand und Probleme der US-nordkoreanischen Beziehungen vor Georg W. Bushs Asienreise. Raketenabwehrforschung International, Bulletin No. 30, 2001/02, S. 6, entnommen aus dem Internet unter http://www.hsfk.de/abm/bulletin/pdfs/schmidt2.pdf am 12. Oktober 2002.

[74] Vgl. Möller, Korea, S. 3.

[75] Vgl. ebd.

[76] Vgl. Keeny, ACA Press Conference, S. 15.

[77] Selbstbindung bedeutet hier eine taktische Bindung an eine eigene Aussage, um die eigenen Verhandlungsspielräume im Hinblick auf Konzessionen zugunsten der anderen Partei gering zu halten.

[78] Vgl. Schelling, Strategy, S. 23, 30.

[79] Vgl. Keine Nation sollte ein Gefängnis sein, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 21. Februar 2002, S. 1, 2; Bush bittet Peking um Unterstützung in Nordkorea, S. 1-6.

[80] Möller, Korea, S. 3.

[81] Vgl. Snyder, North Korean Crises, S. 252.

[82] Vgl. Tanter, Chapter: North Korea, S. 259.

[83] Politisch insofern, als dass es innenpolitisch stabil und außenpolitisch vor allem als Verbündeter der USA eine geachtete sowie gefestigte internationale Rolle spielt.

[84] Siehe dazu auch: Keun Tae, Korea - United States Relationship, S. 4.

[85] Vgl. Tanter, Chapter: North Korea, S. 238.

[86] Vgl. Snyder, North Korean Crises, S. 241.

[87] Vgl. ebd., S. 249.

[88] Vgl. Keine Nation sollte ein Gefängnis sein, S. 1, 2; Bush bittet Peking um Unterstützung in Nordkorea, S. 1, 6.

[89] Vgl. Snyder, North Korean Crises, S. 260.

[90] Vgl. Bush bittet Peking um Unterstützung in Nordkorea, S. 1.

[91] Zu diesem Interpretationsproblem siehe: Jervis, System Effects, S. 257.

[92] Vgl. Möller, Korea, S. 4; Snyder, North Korean Crises, S. 258.

[93] Vgl. Lee, North Korean Missiles, S. 90.

[94] Vgl. Möller, Korea, S. 6; Tanter, Chapter: North Korea, S. 238.

[95] Vgl. Snyder, North Korean Crises, S. 254; Tanter, Chapter: North Korea, S. 256.

[96] Vgl. ebd., S. 237.

[97] Vgl. Harnisch, The Hegemon, S. 607, 624.

[98] Vgl. Snyder, North Korean Crises, S. 239, 260.

[99] Vgl. Tanter, Chapter: North Korea, S. 256.

[100] Dies wird von den USA auch so als allgemeines außenpolitisches Ziel genannt, siehe dazu: Rice. Unsere gemeinsamen Werte.

[101] Vgl. Keun Tae, Korea - United States Relationship, S. 4.

[102] Vgl. Snyder, North Korean Crises, S. 243.

[103] Vgl. Halperin, ACA Press Conference, S. 19.

[104] Vgl. Harnisch, The Hegemon, S. 617-618; Snyder, North Korean Crises, S. 240-241, 260.

[105] Vgl. Harnisch, Erst verhandeln, S. 1; Schelling, Strategy, S. 23.

[106] Snyder, North Korean Crises, S. 241.

[107] Vgl. Harnisch, Wieviel, S. 14.

[108] Vgl. Möller, Korea, S. 2, 4.

[109] Vgl. ebd., S. 2.

Bitte zitieren als: Rachel Adam, USA und Nordkorea: Konfliktwahrnehmung und Konfliktdynamiken, Raketenabwehrforschung International, Bulletin No. 45 (Herbst 2004), Frankfurt am Main 2004.

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