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Bulletin No 45 - Herbst 2004
Rachel Adam
USA und Nordkorea: Konfliktwahrnehmung und Konfliktdynamiken
Der Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten
und Nordkorea spitzte sich in den neunziger Jahren durch
die unerwartet weite Entwicklung des nordkoreanischen Nuklear-
und Raketenprogramms zu. Die USA sehen in diesen Programmen
ein erhebliches Risiko oder sogar eine Bedrohung für
ihre Sicherheit und die Sicherheit in der ostasiatischen
Region.
Für Pjöngjang betrifft der Konflikt
seit Ende des Ost-West-Gegensatzes verstärkt die Stabilität
des Regimes, da diese zunehmend vom Konfliktverlauf abhängig
wird. Die US-Sanktionen gegen Nordkorea machen die wirtschaftliche
und humanitäre Situation im Land noch schwieriger und
stellen das Überleben des Regimes in Frage. Dies ist
für Pjöngjang der zentrale Konfliktgegenstand
und wird als Bedrohung gesehen.
Jedoch sollte diese gegenseitige Bedrohung
nicht von vornherein als gegeben angesehen werden. Bedrohung
bedeutet hier, dass nicht nur die Möglichkeit zu militärischen
Handeln, sondern auch die Absicht besteht. Obwohl beide
Parteien eine militärische Aktion nicht ausschließen,
besteht auf beiden Seiten ein Interesse Verhandlungen den
Vorzug zu geben. Daher kann man hier auch von Risiko sprechen.
Das entscheidende Element ist die Unsicherheit der beiden
Parteien, ob es nun ein Risiko oder eine Bedrohung handelt.
Hier stellt sich die Frage, ob das Nuklearwaffen- und Raketenprogramm
Nordkoreas wirklich der Kern des Problems ist, oder ob es
nicht vielmehr die gegenseitige Wahrnehmung des Konflikts
ist.
Dieser Beitrag möchte die Konfliktsituation
sowie die Wahrnehmung des Konflikts analysieren und dabei
die zentralen Konfliktdynamiken herausarbeiten. Unter Konfliktdynamiken
werden hier zentrale Eigenschaften des Konfliktes verstanden,
die eine Lösung fördern oder hemmen können,
wie z.B. die Unsicherheit über die Intention und Motivation
des anderen. Die Idee hinter dieser Herangehensweise ist
zu zeigen, dass das allgemeine Problem der "Schurkenstaaten"
oder "states of concern" durchaus zwei "Gesichter"
hat. Einerseits gibt es schwer einschätzbare, potentiell
aggressive Problemstaaten, andererseits aber auch einen
Hegemon mit regionalen Interessen und einem Aggressionspotential.
Es ist nicht nur der "Schurkenstaat", der eine
Lösung des Konflikts so erschwert, sondern auch die
Wahrnehmung und damit auch ein gewisses Interesse der Vereinigten
Staaten, ihn als solchen bezeichnen zu können. Man
könnte hier provokant fragen, ob die Wahrnehmung der
USA diesen nicht erst zum "Schurkenstaat" macht.
Denn vorausgesetzt, Nordkorea ist wirklich ein aggressiver
Problemstaat und eine unberechenbare Gefahr, so stellt sich
gleichzeitig die Frage, wie die USA mit ihrer Wahrnehmung
und ihren Interessen sowie internen Interessengegensätzen
den Konflikt verschärfen oder entschärfen.
Ich möchte zunächst ein theoretisches
Konzept in Form eines Analyserasters über die Entstehung
von Wahrnehmung, Erwartungshaltung und Konfliktverhalten
entwerfen. Der Schwerpunkt des Beitrags befasst sich mit
dem Konfliktgegenstand, der Wahrnehmung sowie der Erwartungshaltung
und dem Konfliktverhalten der USA bzw. Nordkoreas. Abschließend
sollen daraus die grundlegenden Konfliktdynamiken1[1] bestimmt
werden, für die sich dann die Fragen stellen, ob sie
eine Lösung des Konflikts hemmen oder fördern
und welchen Anteil jeweils die Washington und Pjöngjang
daran haben.
1. Analyseraster
Der Konflikt soll sowohl von der Seite der
Vereinigten Staaten als auch von der Seite Nordkoreas aus
analysiert werden. Der Konfliktgegenstand bzw. die Konfliktgegenständen
der jeweiligen Partei stehen am Anfang der Untersuchung.
Dabei wird zwischen direktem und indirektem Konfliktgegenstand
unterschieden. Direkte Konfliktgegenstände sind Thema
von Verhandlungen und Gesprächen. Indirekte Konfliktgegenstände
sind Probleme, die "indirekt" mit den direkten
Konfliktgegenständen zusammenhängen und auch deren
Wert für die jeweilige Konfliktpartei mitbestimmen.
Dem Konfliktgegenstand folgt die Analyse der
Wahrnehmung des Konflikts und der anderen Konfliktpartei.[2]
Die Wahrnehmung setzt sich aus äußeren und inneren
Faktoren zusammen. Äußere Faktoren sind solche,
die sich auf das Verhalten der anderen Konfliktpartei beziehen,
und innere solche, die eigene bereits bestehende Vorstellungen
betreffen.
Was die "äußeren Faktoren"
der Wahrnehmung betrifft, so wirkt sich die Art und Weise
einer Handlung stärker aus als die Handlung an sich.[3]
Als bedrohlich erscheint eine Handlung vor allem dann, wenn
sie aus dem Rahmen fällt. Das kann zum einen ein Verstoß
gegen direkte oder indirekte Regeln bzw. gegen den etablierten
Verhaltenskodex internationaler Politik sein, aber auch
großes Interesse und unproportionale finanzielle Investitionen
in militärische Projekte.[4] Im Prinzip bedeutet das
jedes Anzeichen, welches eine Handlung aggressiv erscheinen
lässt.
"Innere Faktoren" sind eigene, bereits
bestehende Vorstellungen oder Neigungen, welche die Wahrnehmung
und damit die Beurteilung des Verhaltens der anderen Konfliktpartei
beeinflussen. Gerade im Bezug auf diese inneren Faktoren
kann auch ein Wertekonflikt innerhalb einer Konfliktpartei
bestehen bzw. entstehen.[5] Robert Jervis unterscheidet
diese Vorstellungen nach "unmotivated bias" und
"motivated bias" ,[6] das heißt bereits
bestehende unbeabsichtigte und beabsichtigte Vorstellungen.
"Unmotivated biases" sind Vorstellungen darüber,
wie internationale Politik bzw. das internationale System
funktioniert, Erfahrungen mit der anderen Konfliktpartei
sowie allgemeine geschichtliche Erfahrungen und das intuitive
Einordnen bzw. Zuordnen der Problematik durch ein bestimmtes
Muster in eine bestimme Kategorie.[7]
"Motivated biases" stehen im Zusammenhang
mit den Interessen, die mit dem Konfliktgegenstand verbunden
sind. Die Frage, ob eine Bedrohung durch die andere Konfliktpartei
im eigenen Interesse ist, bestimmt in hohem Maße,
wie diese Bedrohung eingeschätzt und wie mit ihr umgegangen
wird, das heißt das eigene Konfliktverhalten.[8] Gerade
an diesem Punkt ist die Gefahr einer Fehlperzeption sehr
hoch, da die Fakten auf dem Hintergrund eigener Interessen
interpretiert werden.
Die Erwartungshaltung ist das Ergebnis aus
der Verknüpfung von eigenem Konfliktgegenstand und
der Wahrnehmung des Konflikts bzw. des Konfliktpartners.
Die Erwartungshaltung bestimmt den Umgang mit dem Konflikt,
das heißt das Konfliktverhalten.[9]
Die Konfliktdynamiken ergeben sich dann aus
den Wechselwirkungen zwischen dem jeweiligen Verhalten der
beiden Konfliktparteien und der Wahrnehmung sowie der Reaktion
auf diese Wechselwirkungen durch die beiden Parteien. In
diesem Zusammenhang wird das Konfliktverhalten auch von
Verhandlungstaktiken bestimmt, die im Prinzip darauf ausgerichtet
sind bestimmte Wechselwirkungen zu erzielen.[10]
In Bezug auf den Konflikt zwischen den USA
und Nordkorea ist es sinnvoll zu betrachten, welche Rolle
der jeweilige Konfliktgegenstand und die Wahrnehmung, das
heißt das Konfliktverhalten des anderen sowie die
eigenen unbeabsichtigte und beabsichtigte Vorstellungen,
spielen. Denn daraus ergibt sich eine bestimmte Erwartungshaltung,
die das Konfliktverhalten und damit die grundlegenden Konfliktdynamiken
bestimmen. Diese Konfliktdynamiken sind die zentralen Eigenschaften
des Konflikts, das heißt die Faktoren, die den Konflikt
prägen, und es wird ersichtlich, was den Konflikt verschärft
oder entschärft.
2. Die Vereinigten Staaten
2.1 Konfliktgegenstand
Der direkte Gegenstand des Konfliktes für
die Vereinigten Staaten ist das Nuklearwaffen- und Raketenprogramm
Nordkoreas, sowie die damit verbundenen Exporte. Dazu kommt
das große Arsenal an konventionellen Waffen, was unter
Clinton im Hintergrund stand und jetzt unter Bush wieder
größere Beachtung findet.[11]
Das Nuklearwaffen- und Raketenprogramm ist
zunächst ein Risikofaktor für die nationale Sicherheit
der USA. Unter Umständen haben nordkoreanische Langstreckenraketen
bereits eine Reichweite, die sie amerikanisches Territorium
erreichen lassen könnten. Dies ist vor allem im Hinblick
auf den Besitz und die Entwicklung von Massenvernichtungsmitteln
Pjöngjangs wie Nuklearwaffen von größter
Bedeutung. Vor allem sind jedoch die in Südkorea stationierten
US-Truppen und Südkorea selbst sowie Japan als amerikanische
Verbündete betroffen.[12]
Das eigentliche Risiko besteht dennoch weniger
in der Möglichkeit eines tatsächlichen Angriffes,
sondern viel mehr in der "Erpressbarkeit" der
Vereinigten Staaten, die durch die Unsicherheit möglich
wird. Die Tatsache, dass Nordkorea sehr wahrscheinlich[13]
über Nuklearwaffen und Langstreckenraketen verfügt,
schwächt bzw. könnte die Verhandlungsposition
der USA schwächen, das heißt, es stellt eine
Verwundbarkeit dar.
Der Export von Nuklear- und Raketentechnologie
betrifft zum einen das allgemeine Problem der Weiterverbreitung
von Massenvernichtungswaffen, aber auch die spezielle Schwierigkeit,
dass Pjöngjang hauptsächlich in Staaten exportiert,
die ein problematisches Verhältnis zu Washington haben,
wie der Iran oder Pakistan.
Zu dem bereits genannten, direkten Konfliktgegenstand
kommen indirekte Konfliktgegenstände hinzu. Dies sind
keine Probleme, über die direkt verhandelt wird, die
jedoch für den Konflikt zentral bzw. aus dem direkten
Konfliktgegenstand folgen.
Der wichtigste indirekte Konfliktgegenstand
ist das auflehnende Verhalten Nordkoreas gegenüber
den Vereinigten Staaten. Es wird als "schlechtes Beispiel"
für andere Staaten angesehen und fordert den hegemonialen
Ruf und Anspruch der USA heraus. Der hegemonialem Ruf und
Anspruch der Vereinigten Staaten betreffen ihre dominierende
Stellung als stärkste internationale Macht, sowohl
in politisch wie militärischer als auch in wirtschaftlicher
Hinsicht. Diese dominierende Stellung äußert
sich gegenüber demokratischen Staaten in einer gemäßigten
Form, die auf einen gemeinsamen Konsens ausgerichtet ist.
Im Unterschied dazu stehen nicht-demokratische Staaten wie
Nordkorea in einem anderen Verhältnis zu der Dominanz
Washingtons, da es kaum eine gemeinsame Basis in Form von
Werten gibt. Die dominierende Stellung Amerikas wird nur
gezwungenermaßen akzeptiert[14] und von den USA durch
ihre überlegene Machtposition gewissermaßen erzwungen.
Dieses Verhältnis ist daher von einer gewissen Unsicherheit
geprägt in Hinblick auf ein mögliches Aufbegehren
gegen eine nicht nur diplomatisch, sondern auch militärisch
bestimmende Macht. Ein Auflehnen Nordkoreas fordert demnach
von den USA eine Klarstellung der Machtposition, um zu verhindern,
dass sich weitere Staaten gegen ihre hegemoniale Stellung
"rebellieren". Dies würde zunächst die
amerikanische Dominanz zwar nicht gefährden, aber die
Durchsetzung von Interessen erschweren.
"To the extent that Pyongyang stands
up to Washington, there is a challenge to U.S. credibility,
resolve, and commitments. When nations like North Korea
confront Washington's resolve, the likelihood of deterrence
failure elsewhere increases."[15]
Ferner kommt die allgemeine Stabilität
in Korea und in Ostasien hinzu, die für Washington
in Hinblick auf ihre Allianzen, die amerikanischen Zivilisten
und Truppen sowie den Weltmarkt von Interesse ist.[16] In
diesem Zusammenhang steht auch eine mögliche regionale
Aufrüstung durch einen weiteren Aufbau militärischer
Macht Nordkoreas. Ansätze dafür lassen sich bereits
im ambitionierten Raketenprogramm Südkoreas erkennen.
Auch die amerikanisch-japanischen Pläne für eine
regionale Raketenabwehr in der Region könnte man, entgegen
amerikanischen Aussagen und Beteuerungen, als Aufrüstung
werten.[17] Dies wird von China, Russland und Nordkorea
auch so gesehen.[18]
Ein weiteres Problem hinsichtlich der Stabilität
in der Region bzw. zunächst in Bezug auf das unmittelbare
Umfeld Pjöngjang ist die extrem schlechte wirtschaftliche[19]
und innenpolitisch instabile Lage des Landes. Wie instabil
ist Nordkorea wirklich, das ist die Frage. Zum einen muss
man mit möglichen innenpolitische Auseinandersetzungen
rechnen, die zu einem Zusammenbruch des Systems führen
könnten, oder zum anderen mit Überflutungen und
Hungersnöten, wie sie bereits aufgetreten sind. Problematisch
ist hierbei, inwieweit die Regierung in Pjöngjang diesen
Situationen gewachsen ist.[20] In Washington geht man davon
aus, dass es nach einem Zusammenbruch des Regimes zu Flüchtlingsströmen
und sogar zu einem "letzten militärischen Aufbegehren"
des Regimes kommen kann.[21] Beides würde eine Herausforderung
für die regionale Sicherheit darstellen. Nicht nur
das aggressive Verhalten Pjöngjang ist demnach ein
Sicherheitsrisiko, sondern auch der mögliche Zusammenbruch
Nordkoreas.[22]
2.2 Wahrnehmung
des Konfliktes und Nordkoreas
2.2.1 Äußere
Faktoren
Die amerikanische Wahrnehmung des Konfliktes
und Nordkoreas beruht, wie bereits dargelegt, auf inneren
und äußeren Faktoren. Die äußeren
Faktoren sind die Art und Weise, wie Pjöngjang sich
verhält.
Das Verhalten Nordkoreas ist gekennzeichnet
durch aggressive Provokationen. Die gravierendsten Beispiele
waren der angedrohte Austritt aus dem NPT 1993 und der Test
einer Langstreckenrakete 1998. Beide Handlungen verstießen
jedoch nicht direkt gegen Völkerrecht. Der Austritt
aus dem NPT innerhalb einer bestimmten Frist, die Pjöngjang
auch einhalten wollte, ist legitim. Jedoch ist der Grund
für den Austritt fragwürdig, da die International
Atomic Energy Agency (IAEA) festgestellt hatte, dass Nordkorea
offensichtlich seit seinem Beitritt zum NPT sein Nuklearwaffenprogramm
dennoch weiterentwickelte und die IAEA weitere Inspektionen
von verdächtigen Anlagen verlangte, die von Pjöngjang
nicht deklariert worden waren.[23]
Ferner hat der Raketentest 1998 gegen kein
internationales Recht oder eine Konvention verstoßen,
da Nordkorea ein souveräner Staat ist.[24] Dabei ist
umstritten, ob der Raketenabschuss eine beabsichtigte Provokation
darstellt oder ob: "the launch was more likely an unsuccessful
attempt to mark Kim Jong Il's formal accession to power
by boosting a small satellite into space than a brazen act
of intimidation aimed at Japan".[25]
Zu den aggressiven Provokationen kommt die
Verweigerungshaltung Pjöngjangs.[26] Ein Beispiel hierfür
ist die Weigerung Nordkoreas, eine schriftliche Vereinbarung
einzugehen, die einen dauerhaften Verzicht auf Test und
Export von Raketentechnologie beinhaltet.[27]
Auch wenn Pjöngjang zu einem unilateralen
Moratorium für das Raketenprogramm bereit war, so bleibt
immer noch die Verlässlichkeit einer solchen Zusage
ungeklärt. In diesen Bereich fällt ebenfalls das
Problem der Überprüfbarkeit von Vereinbarungen.
Zum Teil ist die Möglichkeit aufgrund der Art der Vereinbarungen
nicht gegeben bzw. schwer möglich oder wird von Pjöngjang
erschwert. In diese Problematik fallen vor allem Inspektionen
bezüglich des Nuklearwaffen- und Raketenprogramms.
Ein Beispiel hierfür ist die im Genfer Abkommen 1994
vereinbarte Bedingung für die Lieferung der beiden
Leichtwasserreaktoren, die Entwicklungsgeschichte des nordkoreanischen
Nuklearwaffenprogramms offen zu legen. Dies sollte unter
anderem klären, ob Nordkorea bereits Nuklearwaffen
besitzt oder nicht.[28] Ferner betrifft das Problem der
Überprüfbarkeit jedoch auch die Verwendung von
finanziellen wie materiellen Hilfen, deren Nutzung nicht
klar ersichtlich ist. In Bezug auf das Raketenprogramm ist
die Überprüfbarkeit jedoch eher gegeben, da zu
einer qualitativen Weiterentwicklung der Langstreckenraketen
Tests notwendig sind.[29]
Aus der mangelnden Überprüfbarkeit
entsteht eine Unsicherheit über die Intentionen Pjöngjangs.
Ohne die Möglichkeit das Moratorium für das Nuklearwaffen-
und Raketenprogramm überprüfen zu können,
kann man nicht sicher davon ausgehen, dass Nordkorea wirklich
bereit ist, seine militärischen Ambitionen den Vorteilen
von wirtschaftlicher Unterstützung und politischer
Einbindung unterzuordnen. Diese Unsicherheit wirkt sich
vor allem auf die Frage aus, ob Nordkorea an einer Veränderung
interessiert ist, oder ob das Regime lediglich versucht
sich außen- wie innenpolitisch zu stabilisieren, indem
es ein Interesse an Veränderung vorgibt.[30]
Die Unsicherheit betrifft aber auch die innere
Situation Nordkoreas und damit die Frage, wie stabil das
System wirklich ist. Die offiziellen nordkoreanischen Pressemitteilungen
geben eher das gewünschte Image als die tatsächliche
Situation wieder.[31]
Die Tatsache, dass Pjöngjang trotz seiner extrem schlechten
wirtschaftlichen Lage keine Tendenzen zeigt, sein Nuklearwaffen-
und Raketenprogramm aufzugeben, wirkt angesichts der durch
Unsicherheit geprägten Situation irritierend. Hier
stellt sich die Frage nach der Prioritätensetzung Pjöngjangs
und damit wieder nach seiner Intention.
Demgegenüber steht die Tatsache, dass
Nordkorea durch seine schlechte wirtschaftliche Lage gezwungen
ist, seine autarke Position aufzugeben und internationalen
Einfluss durch die benötigte Hilfe zuzulassen. Pjöngjang
zeigt eine gewisse Schwäche und auch eine Veränderung
seines Selbstverständnisses, als es 1996 und 1997 bei
der Bewältigung von Flut- und Hungerkatastrophen um
internationale Hilfe bittet.[32]
Zudem zeigt eine Äußerung auf dem
innerkoreanischen Gipfel 2000, dass Nordkorea die Präsenz
amerikanischer Truppen in Südkorea akzeptiere, eine
gewisse Veränderung der Atmosphäre, auch wenn
diese Äußerung wenig später durch eine gegenteilige
Äußerungen des Verteidigungsministers wieder
in frage gestellt wurde.[33] Nicht zuletzt jedoch widerstrebt
das innenpolitische Verhalten Pjöngjangs, das heißt
die Unterdrückung der Bevölkerung mit Gewalt,
amerikanischen Idealen und Wertvorstellungen.
2.2.2 Innere Faktoren
Die inneren Faktoren der amerikanischen Wahrnehmung
sind durch einen inneramerikanischen Wertekonflikt oder
"clash of American biases"[34] gekennzeichnet.
Unmotivated Biases
Die "unmotivated biases" basieren
zum einen auf der amerikanischen Überzeugung, wie die
internationale Politik funktioniert. Hier spielen unter
anderem Ideale und Werte eine Rolle. Ferner wirken allgemeine
Erfahrungen oder Erfahrungen, die mit Nordkorea im speziellen
gemacht wurden, als "unmotivated biases". Aufgrund
der amerikanischen Weltbilder und der gemachten Erfahrungen
kommt es zu einem intuitiven Einordnen des Konfliktes durch
ein bestimmtes Muster in eine bestimmte Kategorie.
Die amerikanische Überzeugung, wie internationale Politik
abläuft, ist nicht zwangsläufig einheitlich. Vielmehr
besteht eine gewisse "Bipolarität", die durch
die Republikanische und Demokratische Partei verkörpert
wird. Hinter den jeweiligen Parteien stehen entsprechende
wissenschaftliche Institute, die jedoch zum Teil auch Zwischenpositionen
einnehmen. Es besteht jedoch kein umfassender Gegensatz,
sondern vielmehr ein nuancierter Unterschied in den verschiedenen
Auffassungen.
Allgemein stellt sich für die amerikanischen
Weltbilder die Frage, ob und wie weit ein staatlicher Akteur
wie Nordkorea rational denkt, entscheidet und handelt, das
heißt wie "rational" Pjöngjang ist.[35]
Je nachdem wie viel Rationalität Nordkorea zugesprochen
wird, wird sein Verhalten interpretiert und eine entsprechende
Konfliktstrategie entwickelt. Dies bedeutet, dass die Interpretationen
des Verhaltens zwischen zu starkem aggressiven Staat und
schwachen verwundbarem Staat schwanken. Bezüglich der
Konfliktstrategie bewegt sich die Regierung in Washington
demnach zwischen Einbindung und Eindämmung.
Aber auch die Frage, ob Pjöngjang an einer Veränderung
interessiert ist oder ob das Regime nur seine Position innen-
wie außenpolitisch stabilisieren will, ist stark mit
dem jeweils dominierenden Weltbild verbunden. Nach der hauptsächlich
von Republikanern vertretenen Überzeugung ist das Interesse
Nordkoreas an einer Veränderung sehr unwahrscheinlich,
da es einen Machtverlust oder sogar Machtwechsel für
das Regime bedeuten würde. Im Unterschied dazu wäre
bei der hauptsächlich von Demokraten vertretenen Vorstellung
das Interesse an einer selbst eingeleiteten Veränderung
durchaus im Rahmen des Möglichen.
Ferner sind hierbei auch charakteristische
amerikanische und westliche Ideale und Werte wie Freiheit
des Individuums, Menschenrechte und Demokratie entscheidend
für die Wahrnehmung Pjöngjangs in Form von "unmotivated
biases". So wurde unter Clinton die demokratische Verfasstheit
eines Staates als Garant für eine vertrauensvolle Kooperation
und als friedenswahrende Komponente gesehen. Demokratie
sollte daher geschützt und Demokratisierung unterstützt
werden. Autokratische Regime wurden von vornherein als problematisch
eingestuft, da man davon ausging, dass ihre außenpolitischen
Konzepte aufgrund der innenpolitischen Verhältnisse
aggressiv seien.[36] Unter Bush taucht diese Sichtweise
auch auf. Die gemeinsamen Werte der demokratischen Staaten,
wie Rechtsstaatlichkeit und wirtschaftliche Freiheit, sollen
"soweit wie möglich verbreitet werden".[37]
Die allgemeinen Erfahrungen, die für
die USA in Bezug auf Nordkorea eine Rolle spielen, sind
durch den Kalten Krieg und durch den Koreakrieg im Besonderen
geprägt.[38] Das Feindbild des stalinistischen Staates
erschwert einen normalen Umgang und wirkt sich auf die Vertrauensbildung
aus. Allgemein herrscht ein tiefer Skeptizismus gegenüber
diktatorischen Regimen.[39]
Abschreckung bleibt auch für beide außenpolitischen
Sichtweisen in den Vereinigten Staaten, wenn auch mit unterschiedlicher
Gewichtung, von Bedeutung. Dies bezieht sich sowohl auf
die Stationierung amerikanischer Truppen in Südkorea
als auch auf das Demonstrieren von Entschlossenheit in Verhandlungen
oder Äußerungen.
Ein Abzug der Truppen wäre ohne entscheidende
Veränderungen im außen- wie im innenpolitischen
Verhalten Pjöngjangs innenpolitisch für die USA
nicht möglich. Die amerikanische Fehleinschätzung
der Relevanz Südkoreas, die Nordkorea dazu veranlasste,
anzugreifen und so zum Koreakrieg führte, ist nicht
vergessen. Zum einen macht die Angst, dass ein Abzug der
Truppen sowohl innenpolitisch als auch außenpolitisch
als Schwäche ausgelegt werden könnte, dies unmöglich.
Zum andern spielt der Glaube eine entscheidende Rolle, dass
ohne glaubwürdige und entschlossene Abschreckung Niederlagen
allgemein vorprogrammiert sind.[40] Dieser Glaube basiert
sowohl auf einer sehr machtpolitisch geprägten außenpolitischen
Wahrnehmung als auch auf den gemachten Erfahrungen vor allem
während des Kalten Krieges.
Eine weitere Erfahrung, welche die amerikanische
Wahrnehmung prägt, ist, dass Krisen im Konfliktverlauf
mit Nordkorea nicht unnormal sind. Dies kann unter Umständen
dazu führen, dass Krisen falsch eingeschätzt bzw.
unterschätzt werden.[41]
Ferner spielt auch die Tatsache eine Rolle, dass die Stabilität
Pjöngjangs beim Genfer Rahmenabkommen 1994 unterschätzt
wurde. Man nahm damals teilweise an, dass Nordkorea innerhalb
des Zeitrahmens des Abkommens zusammenbrechen werde.[42]
Zum einen trifft die Prognose einer extremen Verschlechterung
auf die wirtschaftliche und humanitäre Situation Nordkoreas
zu.[43] Gleichzeitig entwickelte sich die militärische
Kapazität Pjöngjangs in die entgegengesetzte Richtung,
wie der nordkoreanische Raketentest 1998 und der daraufhin
von der Clinton-Administration in Auftrag gegebene Perry-Bericht
bestätigen.
Das intuitive Einordnen Pjöngjangs in ein bestimmtes
Muster und eine bestimmte Kategorie - was man auch umgangssprachlich
mit "in eine Schublade stecken" ausdrücken
könnte - erfolgt hauptsächlich im negativen Bereich:
von der Bezeichnung "black hole",[44] über
"Schurkenstaat", "illegitimes Regime"
bis zur Bezeichnung Bushs als Teil der "Achse des Bösen".[45]
Bestenfalls wird Nordkorea in die Schublade der unberechenbaren
Problemstaaten gesteckt und schlimmstenfalls in die des
"bösen" Feindes. Pjöngjang wird bereits
aufgrund der Tatsachen, dass es die Rechte seiner Bevölkerung
mit Gewalt unterdrückt und über ein großes
militärisches Potential im konventionellen Bereich
sowie unter Umständen über Massenvernichtungswaffen
verfügt, als gefährlich eingeordnet. Zum einen
ist sein innenpolitisches Verhalten nicht mit amerikanischen
Wertvorstellungen vereinbar und zum anderen ist es ein Risikofaktor
für die Sicherheit der Vereinigten Staaten.
Motivated Biases
Die "motivated biases" sind Interessen
der USA, für die entweder eine Konfliktlösung
oder eine Konflikterhaltung und unter Umständen auch
eine Konfliktverschärfung mit Nordkorea vorteilhaft
wäre. Diese "motivated biases" wirken sich
besonders stark auf das Konfliktverhalten aus.
Der wichtigste amerikanische "motivated
bias" sind innenpolitische Interessen[46] der jeweiligen
Regierung. Während des Kalten Krieges war es vorteilhaft
für amerikanische Regierungen, eine feindliche Haltung
gegenüber Pjöngjang zu haben.[47] Nach dem Ende
des Ost-West-Konfliktes und dem Verlust der sowjetischen
Bedrohung werden die "Schurkenstaaten" allgemein
zum neuen Risiko oder auch zur neuen Bedrohung. Ob diese
mögliche Bedrohung und somit auch die durch Nordkorea
nicht aus Interessengründen übertrieben wird,
ist fraglich.
Für die Clinton-Administration war die
Entspannungs- und Normalisierungspolitik gegenüber
Nordkorea günstig, da ein niedrigeres US-Verteidigungsbudget
höhere innerstaatliche Ausgaben erlaubte. Ferner ermöglichte
eine solche Politik gute wirtschaftliche Beziehungen mit
China und erhöhte Sicherheit zum geringeren Preis für
Alliierte wie Südkorea und Japan.[48] Dem stehen jedoch
republikanische Interessen, wie vor allem der Aufbau eines
strategischen oder nationalen Abwehrschildes und eines regionalen
Systems für den nordasiatischen Raum, entgegen. Für
beides ist sowohl das Risiko aber vor allem die Bedrohung
durch nordkoreanische Massenvernichtungswaffen eine zentrale
Begründung.[49] Nicht zu unterschätzen ist in
diesem Zusammenhang auch das Interesse der USA, Einfluss
in der Region auszuüben. Unter Bush stehen diese Interessen
nun im Vordergrund. Dies wird auch durch das offensichtlich
veränderte Konfliktverhalten deutlich.[50]
2.3 Erwartungshaltung
Die amerikanische Erwartungshaltung ist aufgrund
der verschiedenen innenpolitischen Wahrnehmungen ebenfalls
unterschiedlich. Diese uneinheitliche Erwartungshaltung
wirkt sich auf das Konfliktverhalten aus mit der Folge,
dass es zu keiner konstanten Politik gegenüber Pjöngjang
kommt. Ein gutes Beispiel sind die Lieferungen von Schweröl
für Nordkorea, die von der Clinton-Administration 1994
im Genfer Rahmenabkommen zugesichert worden waren, und das
Genfer Rahmenabkommen selbst.
Die Schweröllieferungen wurden durch den Widerstand
der Republikaner im Kongress verzögert.[51] Ferner
fordern die Republikaner eine Revision des Genfer Rahmenabkommens,
da sie die Lieferung von zwei Leichtwasserreaktoren als
zu gefährlich und zu weitgehend einschätzen. Dazu
kommt, dass in Nordkorea andere geheime oder nicht deklarierte
Nuklearanlagen bestehen könnten, die vom Genfer Rahmenabkommen
nicht erfasst werden.[52] Ebenso kritisieren die Republikaner
die mangelnde Überprüfbarkeit des Abkommens. Diese
Differenzen zwischen Republikanern und Demokraten, die in
den unterschiedlichen Wahrnehmungen begründet liegen,
führen zu einer uneinheitlichen Politik gegenüber
Nordkorea bzw. zu einem uneinheitlichen Konfliktverhalten.[53]
Im Folgenden sollen die beiden konkurrierenden
Erwartungshaltungen[54] grob skizziert werden.
Die Erwartungshaltung der Demokraten geht
davon aus, dass Pjöngjang als rational denkend und
handelnd einzuschätzen ist. Daher ist es "abschreckbar".
Eine Ausnahme wäre der unkontrollierte Zusammenbruch
Nordkoreas z.B. durch innenpolitische Auseinandersetzungen
oder Naturkatastrophen. Die politische wie wirtschaftliche
Schwäche Pjöngjangs gilt mittlerweile ebenso als
Sicherheitsrisiko wie sein provokantes Verhalten und seine
militärischen Ambitionen. Daher wird ein "soft
landing", das heißt eine langsame Veränderung,
dem schnellen Zusammenbruch vorgezogen.[55]
Die Motivationen und Intentionen, die hinter
dem nordkoreanischen Nuklearwaffen- und Raketenprogramm
stecken, zielen aus dieser Sicht vor allem auf Verhandlungsvorteile
und finanzielle Gewinne durch den Export ab. Gleichzeitig
sehen die Demokraten das Programm auch als Reaktion auf
die "robuste" Abschreckung durch Südkorea
und die Vereinigten Staaten sowie deren militärische
Kapazitäten. Der Reformwillen Nordkoreas wird nicht
kategorisch ausgeschlossen, wenn es die Möglichkeit
hat diese Reformen ohne Druck von außen selbst einleiten
zu können.[56] Hierbei wird das Ziel nicht unbedingt
in der Wiedervereinigung mit Seoul gesehen. Eine Beibehaltung
des Status quo bei gleichzeitiger Veränderung des Regimeverhaltens
wäre ausreichend. Trotz dieser gemäßigten
Einstellung schließen die Demokraten nicht aus, dass
das Entgegenkommen und die Hilfe von Nordkorea ausgenutzt
werden könnten. Aus diesem Grund ist gleichzeitig eine
glaubhafte Abschreckung nötig.
Die Erwartungshaltung der Republikaner geht
davon aus, dass Nordkorea kein rationaler Akteur ist, der
nur sehr bedingt bzw. gar nicht abgeschreckt werden kann.
Die Abschreckung muss daher durch ein strategisches oder
auch regionales Abwehrsystem ergänzt werden.
Es wird angenommen, dass Pjöngjang nicht
wirklich an Veränderungen oder Reformen interessiert
sei, sondern nur an einer Zusammenarbeit, die für es
politisch und wirtschaftlich vorteilhaft ist und das Regime
stabilisiert. Gleichzeitig nutze es sein Nuklearwaffen-
und Raketenprogramm um Verhandlungsvorteile für sich
zu erzielen, ohne an Abrüstung interessiert zu sein.[57]
Als Lösung des Konflikts und Ziel der Veränderung
Nordkoreas wird die Wiedervereinigung mit Südkorea
angesehen.
"Pyongyang, after all, was a child of the Cold War,
and its behavior would change only with the fall of the
regime and reunification of the Korean Peninsula under the
sovereignty of Seoul."[58]
Die Republikaner gehen davon aus, dass das
Entgegenkommen und die Hilfe für Nordkorea ohne überprüfbare
Veränderungen in Pjöngjang ausgenutzt werden und
nur der Stabilisierung des Regimes dienen.
Die beiden Erwartungshaltungen sind jedoch
nicht trennscharf. Je nach äußeren Umständen
bzw. nach dem Konfliktverhalten Nordkoreas geht die Neigung
in die eine oder andere Richtung.
2.4 Konfliktverhalten
Auch das Konfliktverhalten bzw. die Konfliktstrategie
der USA ist uneinheitlich. Die Tendenz, Nordkorea einzudämmen,
ist allein durch den Vorbehalt, es mit einem Schurkenstaat
oder auch nicht-demokratischen Staat zu tun zu haben, in
gewisser Weise mehr oder weniger ausgeprägt immer vorhanden.[59]
Trotzdem überwiegt der Kooperationskurs.
Obwohl eine Einbindungspolitik immer mit der
Clinton-Administration verbunden wird, ist eine solche Strategie
nicht neu.[60] Bereits Ende der achtziger Jahre hatten die
Vereinigten Staaten unter Bush Vater den Dialog mit Nordkorea
eröffnet.[61] Nachdem die nuklearen Ambitionen Pjöngjang
immer offensichtlicher wurden, reagierte die erste Bush-Administration,
indem sie Anfang der neunziger Jahre ihre Nuklearraketen
aus Südkorea abzogen. Nordkorea sollte dadurch der
Druck genommen werden, selbst Nuklearwaffen zu entwickeln.
Gleichzeitig sollte Nordkorea verdeutlicht werden, dass
es im Sinne seiner nationalen Interessen das Beste sei,
sein Nuklearprogramm zu beenden und von einer sich entwickelnden
Kooperation mit den USA zu profitieren. Um die Nachteile
einer Verweigerung der Zusammenarbeit zu verdeutlichen,
drohten die Vereinigten Saaten mit Sanktionen.[62] 1992
kam es zum ersten hochrangigen Treffen zwischen Washington
und Pjöngjang.[63] Die Lage verschlechterte sich jedoch
Ende 1992 durch die massiven Probleme bei und durch die
Inspektionen der IAEA in Nordkorea.
Zu Beginn der Clinton-Administration 1993
befanden sich Washington und Pjöngjang bereits in der
Krise.[64] Die Tatsache, dass die amerikanische Regierung
sich danach durch ihre Normalisierungs- und Einbindungspolitik
mit einem gewissen Maß an Abschreckung, dem "carrots
and sticks-Ansatz",[65] auszeichnete, steht damit in
direkter Verbindung. Washington setzte mehr auf Einbindung
als auf Sanktionen, da in der Krise 1993-1994 die Verhandlungsoption
und nicht eine verstärkte "punishment strategy"
zur Beilegung sowie zu einem Teilerfolg geführt hat.[66]
Der Ansatz der Clinton-Administration gegenüber Nordkorea
unterschied sich von der Zeit während des Ost-West-Konfliktes
dadurch, dass er vor allem darauf abzielte, das Verhalten
des Regimes zu ändern und nicht es zu bestrafen.[67]
Dies hängt zum Teil auch mit den neuen Möglichkeiten
im Umgang mit dem Konflikt nach Ende des Kalten Krieges
zusammen.[68] Eine vollständige Aufhebung der Sanktionen
war aber politisch nicht möglich, solange Pjöngjang
keine umfassenderen Veränderungen zeigte.[69]
Mitte der neunziger Jahre erwies sich, dass
Nordkorea stabiler - oder besser zäher - war als man
am Anfang beim Genfer Abkommen 1994 angenommen hatte. Gleichzeitig
wurde in Washington befürchtet, dass Flut- und Hungerkatastrophen
wie 1996 und 1997, aber auch innenpolitische Rivalität
möglicherweise zu unkontrollierten Krisen in Pjöngjang
führen könnten. Die Stabilität in Korea und
in der Region sollte jedoch nicht durch einen unkontrollierten
Zusammenbruch - einem so genannten "hard landing"
- Nordkoreas gefährdet werden. Daher entschloss Washington
sich, Pjöngjang humanitäre sowie wirtschaftliche
Hilfe und politische Einbindung ohne große Gegenleistungen
von Nordkorea zur Verfügung zu stellen. Dies sollte
langsam Reformen einleiten und zu einem friedlichen Wandel
- einem so genannten "soft landing" - führen,
gegebenenfalls auch ohne Wiedervereinigung der beiden Koreas.[70]
Die Clinton-Administration beabsichtigte, eine Tradition
des Vertrauens aufzubauen, da sie den nordkoreanischen Hang
zu provokativer Politik auch als Folge der wirtschaftlichen
Schwäche und politischen Isolation Pjöngjangs
sah.
Ein Einbruch dieser Politik erfolgte 1998,
als Nordkorea eine Langstreckenrakete testete. Der Einbindungskurs
der Clinton-Administration kam durch diese Provokation in
den USA unter massiven Beschuss.[71] Damit kam die Diskussion
über die Effektivität des Genfer Abkommens von
1994 auf, deren Ergebnis die Einsetzung der Perry-Kommission
war. Ihr Ziel sollte es sein, die Politik der Clinton-Administration
gegenüber Pjöngjang zu analysieren und zu bewerten.[72]
Der Perry-Bericht bestätigte zum einen den Ansatz der
Clinton-Administration der Stabilisierungs- und Normalisierungspolitik.
Zum anderen wies er darauf hin, dass sich die Sicherheitslage
seit 1994 vor allem hinsichtlich der Defizite des Genfer
Abkommens im Bereich des nordkoreanischen Nuklearprogramms
sowie bezüglich des Raketenprogramms geändert
hat. Gleichwohl weist der Bericht jedoch auch auf die sich
destabilisierende Situation innerhalb Nordkoreas durch schwerwiegende
wirtschaftliche und humanitäre Probleme hin.
Die Bestätigung ihrer Politik durch den
Perry-Bericht ermöglichte unter anderem die guten Fortschritte,
die die Clinton-Administration bis zum Herbst 2000 in den
Verhandlungen mit Pjöngjang erzielen konnte.[73] Die
Verhandlungen zu einem weiteren Abkommen wurden kurz vor
einer Einigung wegen der bevorstehenden Präsidentschaftswahlen
abgebrochen.
Der Clinton-Administration steht die Politik der Bush-Administration
gegenüber, die einen härteren Kurs einschlägt
und vor allem auf eine strategische Abwehr zu setzen scheint.
Die Politik Bushs basiert auf der Überzeugung, dass
Nordkorea wirtschaftliche sowie politische Hilfe und Einbindung
nur nutzt, um sein Überleben zu sichern. Provokatives
Verhalten und starke militärische Ambitionen werden
nicht als Reaktion, sondern als eine Eigenschaft Pjöngjangs
gesehen, die in der gewaltsamen Herrschaft des nordkoreanischen
Regimes begründet liegt.
Auffällig bei Bushs Nordkorea-Politik
ist, dass der Norden unter Zugzwang gebracht wird. Zunächst
ließ der Präsident kurz nach seinem Amtsantritt
bei einem Besuch des südkoreanischen Präsidenten
im März 2001 durchblicken, dass der Dialog mit Pjöngjang
keine Dringlichkeit für Washington habe.[74] Im Sommer
2001 machte die USA dann ein Verhandlungsangebot, das verschiede
Themen verbindet, das heißt einen "package deal".
Der "package deal" koppelt nun Einschränkungen
und die Abrüstung im Bereich des Nuklearwaffen- und
Raketenprogramms mit einer Reduzierung im Bereich der konventionellen
Waffen. Ferner soll ohne Überprüfbarkeit und Sanktionierbarkeit
auf nichts eingegangen werden. Dies betrifft auch die Beziehungen
zwischen Nord und Südkorea. In der Nordkorea-Politik
Bushs kommt vor allem die Kritik am Konzept von Clinton
zu tragen. Ihr wird vorgeworfen, das "tyrannische"
nordkoreanische Regime durch übertriebene Zugeständnisse
stabilisiert zu haben.[75]
Die Regierung Bush übernimmt nun die
Initiative, indem sie sich Abstand zu den Verhandlungen
und Gesprächen unter Clinton schafft, indem sie die
Wiederaufnahme des Dialoges als nicht dringlich bezeichnet.
Dem folgte ein neues Verhandlungsangebot, das jedoch die
konventionellen Waffen in die Verhandlungen mit einbezog.
Dies war unter Clinton vermieden worden, da die Abrüstung
im konventionellen Bereich ein sensibles Thema für
Pjöngjang ist[76] und eine umfassende Lösung im
Bereich des Nuklearwaffenprogramms sowie des Raketenprogramms
hemmt.
Durch die Initiative Bushs war Nordkorea zunächst
gezwungen, zu reagieren und auf der Basis der amerikanischen
Bedingungen zu verhandeln, da die Vereinigten Staaten sich
selbst durch das Angebot gebunden haben. Durch diese Selbstbindung[77]
"schieben" die USA zunächst Pjöngjang
die Verantwortung für den weiteren Verlauf des Konfliktes
zu. Diese Strategie der Selbstbindung durch ein erstes Angebot
und der des "package deals"[78] ist zentral für
die Wechselwirkungen im Konflikt.
Das Konfliktverhalten der US-Regierung ist vor allem aufgrund
der innenpolitischen Differenzen durch mangelnde Kontinuität
und Unbeständigkeit gekennzeichnet. Die neue Politik
unter Bush zielt darauf ab, die Oberhand im Konflikt zu
gewinnen und den Einfluss Nordkoreas auf die Verhandlungen
gering zu halten. Teilweise erwecken die Äußerungen
Bushs den Eindruck, als existiere kein Konflikt zwischen
den Washington und Pjöngjang, den es gemeinsam zu lösen
gilt. Sondern vielmehr als stelle Nordkorea ein Problem
dar, das die Vereinigten Staaten zusammen mit seinen Verbündeten
lösen müssen.
Äußerungen dieser Art sind vor
allem die Bezeichnung des nordkoreanischen Regimes als Teil
einer "Achse des Bösen". Ebenso zeigt dies
die Erwartungshaltung, dass eine vollständige Lösung
des Konfliktes nur mit einer Wiedervereinigung der beiden
koreanischen Staaten enden kann.[79]
3. Nordkorea
3.1 Konfliktgegenstand
Die direkten Konfliktgegenstände für
Nordkorea sind vor allem die von den USA verhängten
Sanktionen und in diesem Zusammenhang auch, dass Nordkorea
auf der amerikanischen Liste "terrorismusfreundlicher"
Staaten steht.[80] Die Sanktionen erschweren die wirtschaftliche
Lage Pjöngjangs zusätzlich. Damit gefährden
sie die Stabilität und das Überleben des nordkoreanischen
Regimes bzw. das Überleben des nordkoreanischen Staates
an sich, vor allem nach Ende des Ost-West-Konfliktes und
dem Wegfall der gewohnten russischen und chinesischen Unterstützung.[81]
Ferner stellen die in Südkorea stationierten US-Truppen[82]
zusammen mit dessen militärischem Potenzial einen Risikofaktor
für Pjöngjang dar. Dazu kommt, dass eine Anerkennung
der Souveränität und territorialen Integrität
Nordkoreas nur bedingt vorhanden ist. Dies unterstreicht
vor allem die neue Nordkorea-Politik unter Bush.
Einer der sekundären Konfliktgegenstände
ist für Pjöngjang, dass die Exporte von Waffentechnologie
eine zweischneidige Angelegenheit sind. Auf der einen Seite
sind sie die entscheidende Einnahmequelle für Pjöngjang
und auf der anderen ein Problem im Hinblick auf die Sanktionen
gegen Nordkorea sowie auf eine Verbesserung seines Verhältnisses
zu westlichen Staaten. Diese Beziehungen sind notwendig,
um die wirtschaftliche und politische Lage Pjöngjangs
dauerhaft zu verändern und zu stabilisieren. Hier stehen
die kurzfristigen Gewinne durch Exporte den langfristigen
Gewinnen durch die Aufhebung der Sanktionen und durch verbesserte
Beziehungen gegenüber.
Die extremen wirtschaftlichen Probleme sowie
die Schwierigkeiten bei der Energieversorgung und vor allem
bei der Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung machen
Nordkorea verwundbar für Sanktionen. Erschwerend kommt
die politische Isolation des Landes hinzu. Eine Einbindung
in die internationale Gemeinschaft - mit Vorteilen, aber
auch Verpflichtungen - ist für das Regime gerade durch
die schlechte wirtschaftliche Lage des Landes unumgänglich
geworden, da Pjöngjang auf internationale Hilfe angewiesen
ist. Hier spielt auch die Etablierung einer geachteten und
gefestigten internationalen Position sowie einer entscheidenden
Position in der Region eine Rolle. Dies soll nicht zuletzt,
und unter Umständen aus Mangel an Alternativen, mit
der militärischen Kapazität Nordkoreas erreicht
werden.
Ein Vergleich zwischen Nord- und Südkorea
ergibt, dass Seoul politisch[83] wie wirtschaftlich Pjöngjang
weit überlegen ist. Dagegen ist Pjöngjang militärisch
überlegen, da in diesem Bereich der Süden auf
die Vereinigten Staaten angewiesen und auch an diese gebunden
ist. Um seine politische wie wirtschaftliche Situation zu
verbessern, kann Nordkorea nur sein militärisches Potential
nutzen, da es das einzige ist, was ihm regional wie international
Gewicht verleiht.[84] Bei dem Konflikt geht es für
Nordkorea bzw. vor allem für das nordkoreanische Regime
um seine Stabilität und damit um sein Überleben.
Dieser Konfliktwert unterscheidet sich fundamental von dem
der USA, bei der es um das Risiko der Erpressbarkeit im
Sicherheitsbereich geht. Die starke Verwundbarkeit Nordkoreas[85]
steht einer wesentlich geringeren Verletzlichkeit der Vereinigten
Staaten gegenüber.
3.2 Wahrnehmung
des Konfliktes und der USA
3.2.1 Äußere
Faktoren
Die äußeren Faktoren der Konfliktwahrnehmung
ergeben sich aus der Art und Weise, wie sich die USA gegenüber
Nordkorea verhalten. Das Verhalten der Vereinigten Staaten
ist aufgrund der innenpolitischen Differenzen sehr zwiespältig.
Dies bedeutet für Pjöngjang, dass es sich nicht
sicher sein kann, welche Intentionen Washington hat und
ob es sich auf bestehende Vereinbarungen verlassen kann.
Gleichzeitig gingen die USA aber auch auf die Provokationen
Nordkoreas ein. Dies gab Pjöngjang die Möglichkeit
einen Dialog mit ihnen auf gleicher Ebene zu führen,
was gerade ohne Provokationen nicht möglich erschienen
war.[86] Die Äußerungen und Handlungsansätze
der Bush-Administration scheinen nun das Gegenteil zu signalisieren.
Wie dies von Nordkorea aufgefasst wird, lässt sich
hier nicht mit Sicherheit sagen.
Die drei entscheidenden Punkte, die durch
die Zwiespältigkeit der US-Politik betroffen sind,
sind der Legitimitätsstatus des nordkoreanischen Regimes,
die Implementierung des Genfer Rahmenabkommen und die amerikanischen
Pläne für ein Raketenabwehrsystem in der Region.
Einerseits machen Vereinbarungen mit Nordkorea
dieses Land zu einem legitimen Verhandlungspartner.[87]
Andrerseits stehen dem aber die Äußerungen Bushs
gegenüber, er lehne das nordkoreanische Regime ab und
sehe eine Wiedervereinigung der beiden koreanischen Staaten
als Lösung des Konfliktes.[88] Gerade das Thema der
Wiedervereinigung ist für Pjöngjang problematisch,[89]
da es das Ende des nordkoreanischen Regimes und die Unterordnung
Pjöngjangs unter amerikanischen Einfluss bedeuten würde.
Gleichzeitig hat Bush jedoch auch geäußert, dass
die USA nicht die Absicht haben, in Nordkorea einzufallen.[90]
Dies muss dennoch nicht unbedingt positiv gewertet werden.
Zum einen sagt diese Feststellung zwar aus, dass keine aggressiven
militärischen Maßnahmen gegenüber Pjöngjang
getroffen werden. Zum anderen kann die Äußerung
auch so gewertet werden, dass solche Maßnahmen im
Rahmen des Möglichen sind, wenn dies überhaupt
ausgesprochen werden muss.[91] Gegenüber einem befreundeten
Land würde eine solche Bemerkung nie gemacht werden.
Ferner wirken sich die Aufrechterhaltung der
Sanktionen und die Verzögerung der Heizöllieferungen[92]
nachteilig auf das Vertrauen zu Washington und auf die Motivation
Pjöngjangs aus, sich seinerseits an das Abkommen zu
halten.
Ebenso werten Nordkorea, aber auch China und
Russland, die regionalen und strategischen Abwehrpläne
der Amerikaner und ihrer Verbündeten als militärische
Hegemoniebestrebungen in der Region.[93] Dies trägt
nicht dazu bei, dass Pjöngjang seine Haltung in Bezug
auf eine Abrüstung ändert.
3.3.2 Innere Faktoren
Die inneren Faktoren der Konfliktwahrnehmung
sind, wie bereits dargestellt, die unbeabsichtigte und beabsichtigte
Vorstellungen, das heißt "motivated biases"
und die "unmotivated biases".
Unmotivated Biases
Die "unmotivated biases" Nordkoreas
betreffen sein Weltbild, seine Erfahrungen und das darauf
aufbauende intuitive Einordnen der USA. Das Weltbild des
nordkoreanischen Regimes ist stalinistisch geprägt.
Primäres Ziel ist es eine möglichst weitreichende
Unabhängigkeit aufrecht zu erhalten und möglichst
wenig externe Einflüsse zuzulassen.[94] Darüber
hinaus ist Pjöngjang durch den Ost-West-Konflikt und
das Feindbild einer aggressiven, expansionistisch orientierten
USA geprägt.[95] Die amerikanischen Pläne für
ein strategisches und ein nationales Abwehrsystem scheinen
für Nordkorea die hegemonialen Interessen Washingtons
zu bestätigen. Eine zentrale Rolle in der Wahrnehmung
Pjöngjangs spielt die Angst, unterminiert zu werden.[96]
Diese Angst wird vor allem durch das offensichtliche Interesse
der USA an einer Wiedervereinigung der beiden koreanischen
Staaten und der fehlenden offiziellen Anerkennung der Souveränität
sowie territorialen Integrität Nordkoreas angesprochen.
Die Erfahrungen, die Pjöngjang in Bezug
auf die Verhandlungen mit Washington gemacht haben, zeigen,
dass die Provokations- oder Krisenstrategie Nordkoreas durchaus
vorteilhaft und erfolgreich ist. Nordkorea hat dadurch in
den Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten wichtige Zugeständnisse
erringen können und erhält die meiste finanzielle
Hilfe in der Region.[97] Dies birgt jedoch die Gefahr in
sich, dass die Wirkung einer Provokation auf die Beziehungen
zwischen Nordkorea und den Vereinigten Staaten falsch eingeschätzt
wird und die Krise eskaliert.[98]
Motivated Biases
"Motivated biases" sind Interessen
Nordkoreas, die sich auf seine Wahrnehmung in Bezug auf
die USA bzw. auf den Konflikt mit den USA auswirken. Die
beiden zentralen "motivated biases" Pjöngjangs
arbeiten gegeneinander. Auf der einen Seite steht das innenpolitische
Interesse, die Bedrohung durch die Vereinigten Staaten zu
dramatisieren, um den politischen Zusammenhalt zu stärken
und das Interesse, externe Einflüsse so gering wie
möglich zu halten. Auf der anderen Seite steht die
Notwendigkeit, die Beziehungen zu den USA, zu Südkorea
und Japan zu normalisieren, um die sehr schlechte wirtschaftliche
Situation Nordkoreas zu verbessern.[99] Denn dieser wirtschaftliche
Druck wirkt sich auch negativ auf die Stabilität aus,
man ist bereits in größerem Ausmaß auf
internationale Hilfe angewiesen. Dieser Gegensatz zwischen
Notwendigkeit zu einer Öffnung nach außen und
gleichzeitiger Existenzangst in Bezug auf eine Reform Nordkoreas,
beeinflusst das nordkoreanische Konfliktverhalten sehr stark.
3.3 Erwartungshaltung
Die Erwartungshaltung Pjöngjangs gegenüber
Washington besteht einerseits aus dem Vertrauen darauf,
dass die USA durch Provokationen sowie durch heraufbeschworene
Krisen dazu gebracht werden können, sich auf Pjöngjang
zuzubewegen. Da die Unsicherheit über die Intentionen
sowie über das tatsächliche militärische
Potential Nordkoreas sie in gewisser Weise dazu zwingt.
Andererseits traut Pjöngjang dem Entgegenkommen der
Vereinigten Staaten in Form einer Normalisierungs- und Entspannungspolitik
nicht. Das Regime nimmt an, dass Washington durch seine
Entgegenkommen Nordkorea wirtschaftlich und vor allem politisch
ändern[100] und damit das nordkoreanische Regime unterminieren
will.
3.4 Konfliktverhalten
Das auffälligste am Konfliktverhalten
Pjöngjangs ist die Taktik, Krisen heraufzubeschwören,
um die Situation für Verhandlungsvorteile zu nutzen.[101]
Diese Taktik ist notwendig, da Nord Korea angesichts seiner
schwachen politischen wie wirtschaftlichen Stellung und
damit der offensichtlichen Unterlegenheit gegenüber
den Vereinigten Staaten kaum Alternativen zur Verfügung
stehen,[102] um seine Verhandlungsposition aufzuwerten.
"The North Koreans have demonstrated
to us over the years that they think the way to get our
attention is to do something provocative, like starting
to produce plutonium or testing a long-range missile. And
when they get our attention, they try to negotiate an agreement."[103]
Das klarste Beispiel dafür ist der angedrohte
Austritt aus dem NPT 1993. Die Androhung sorgte für
eine Krise, und die vertragsgemäße Austrittsfrist
von 90 Tagen erzeugte Zeitdruck. Gleichzeitig zeigte sich
Nordkorea verhandlungsbereit, schränkte aber die Alternativen
der USA ein und verschärfte die Spannungen in hohem
Maße, indem es klarstellte, dass es Sanktionen gegen
seinen Austritt als Kriegserklärung auffasse.[104]
Die Initiative oder der Vorteil der Selbstbindung, die Pjöngjang
erreicht hatte, ermöglichte es ihm in bilaterale Verhandlungen
mit den Vereinigten Staaten zu treten und dabei eine gleichwertige
Verhandlungsposition zu haben.[105]
"When it had sought dialogue under normal
circumstances, the United States seemed to signal that,
without fundamental (and possibly regime-threatening) change
in North Korean politics, the best North Korea could hope
for was a one-time, one-way discussion - not a dialogue
in which mutual interests might be explored on a 'level
playing field'."[106]
Ein weiteres Merkmal des nordkoreanischen
Konfliktverhaltens ist die Aufrechterhaltung der Unsicherheit
sowohl in Bezug auf seine Intentionen als auch hinsichtlich
seines militärischen Potentials. Zum einen ist diese
Unsicherheit nachteilig für Nordkorea, da sie in den
USA zu Fehlperzeptionen führen kann. Andererseits ist
sie aus taktischen Gründen für Verhandlungen notwendig,
um Pjöngjang ein gewisses Maß an Verhandlungsgewicht
zu verleihen. Darüber hinaus ermöglicht die Aufrechterhaltung
der Unsicherheit die Pflichten von Vereinbarungen zu umgehen.
Ein Beispiel dafür ist das im Genfer Abkommen vereinbarte
Offenlegen der Entwicklung des Nuklearprogramms und der
Wiederaufarbeitungsaktivitäten. Dies würde Auskunft
darüber geben, ob Nordkorea bereits Nuklearwaffen hat
oder nicht.[107] Inspektionen durch die IAEA in diesem Bereich
werden von Pjöngjang verschleppt und behindert.[108]
Auch die verweigerte schriftliche Vereinbarung von Nordkorea
über einen dauerhaften Test- und Exportverzicht,[109]
kann im Zusammenhang mit der Aufrechterhaltung der Unsicherheit
stehen. Die zu erkennende Verhandlungsbereitschaft Pjöngjangs
hingegen scheint vor allem durch den Druck der wirtschaftlichen
Situation und die politisch isolierte Position zustande
zu kommen.
4. Abschließende Betrachtung
Abschließend sollen wie eingangs erwähnt
die grundlegenden Konfliktdynamiken bestimmt werden. Bei
der Wahrnehmung ist zwischen einem Risiko bzw. einer Bedrohung
durch den Konflikt in Bezug auf den Konfliktgegenstand und
einem Risiko bzw. einer Bedrohung allein durch die "Person"
des Konfliktpartners zu unterscheiden.
In Bezug auf den Konfliktpartner wirkt das
jeweilige Feindbild aus dem Ost-West Konflikt noch weiter.
Die USA haben dieses Feindbild sogar ausgebaut, indem sie
Nordkorea als "Schurkenstaat" werten. Für
Pjöngjang bleibt das Feindbild insofern gleich, als
dass die Vereinigten Staaten eine Regimegefährdung
darstellen. Das Feindbild gewinnt jedoch durch die schlechte
wirtschaftliche Lage Nordkoreas und seine isolierte politische
Situation an Gewicht.
Diese Aufrechterhaltung eines Feindbildes
wird auf beiden Seiten durch Interessen unterstützt.
In den USA stellt eine mögliche Bedrohung durch Pjöngjang
einen zentralen Rechtfertigungsgrund für ein strategisches
und regionales Abwehrsystem dar. In Nordkorea stärkt
eine mögliche außenpolitische Bedrohung durch
die Vereinigten Staaten den innenpolitischen Zusammenhalt
und damit die Stabilität des Regimes.
Das wahrgenommene Risiko oder sogar auch Bedrohung
in Hinblick auf den Konfliktgegenstand bezieht sich vor
allem auf die Unsicherheit über die Intention und Motivation
des Anderen. Dies gilt sowohl für Washington als auch
für Pjöngjang. Diese Unsicherheit existiert nicht
zuletzt aufgrund des zwiespältigen Konfliktverhaltens
der beiden Parteien.
In Bezug auf Nordkorea betrifft dies zwei
Punkte. Zum einen handelt es sich um das Dilemma zwischen
einer notwendigen Öffnung nach außen und der
Angst vor einer Reform. Die Schwierigkeit für das Regime
in Pjöngjang liegt darin, dass nur die richtige Balance
zwischen beidem sein Überleben sichert. Denn sowohl
der wirtschaftliche Verfall als auch eine Unterminierung
des Regimes durch äußere Einflüsse stellen
eine Gefahr dar. Dies ist eine Unsicherheit, die für
Pjöngjang selbst besteht und sich in seiner Politik
widerspiegelt.
Zum anderen geht es um das Problem, dass die
Aufrechterhaltung der Unsicherheit - zusammen mit dem militärischen
Potential - die einzige Sicherheit darstellt, von den USA
in Verhandlungen nicht "überrannt" zu werden.
An diesem Punkt ist auch die Krisenstrategie Nordkoreas
während Gesprächen einzuordnen. Für Pjöngjang
besteht die Schwierigkeit, genügend Unsicherheit beizubehalten,
um ihr Verhandlungsgewicht nicht zu verlieren und gleichzeitig
durch die bestehende Unsicherheit keine Überreaktionen
der Vereinigten Staaten zu provozieren.
Was die USA betrifft, so beruht die Unsicherheit
für Nordkorea auf den bereits dargelegten innenpolitischen
Wahrnehmungs- und Interessendifferenzen. Dies führt
dazu, dass sich Pjöngjang nur bedingt auf Vereinbarungen
verlassen kann. Dies ist keine beabsichtigte Unsicherheit.
Insgesamt verursachen die Unsicherheit und das zwiespältige
Verhalten der beiden Parteien den krisengeprägten Konfliktverlauf.
Ein weiterer zentraler Faktor ist das Interesse
an Stabilität. Pjöngjang hat Interesse an der
Stabilität seines Regimes, das die Vereinigten Staaten
partiell teilen. Washington hat kein Interesse an einem
unkontrollierten Zusammenbruch Nordkoreas, der die Stabilität
in der Region gefährdet. Langfristig streben die USA
jedoch eine Wiedervereinigung der beiden Koreas an. Dies
führt dazu, dass Nordkoreas Angst vor einer Unterminierung
seines Regimes begründet ist. Daher ist Pjöngjang
bestrebt sein Überleben durch den Ausbau bzw. die Aufrechterhaltung
seiner militärischen Macht zu sichern. Dies steht dem
Interesse der Vereinigten Staaten an einer Stabilität
in der Region entgegen, da dies einen Rüstungswettlauf
provozieren könnte. Ein Anzeichen dafür sind die
südkoreanischen Ambitionen, das eigene Raketenprogramm
auszubauen. Die Reaktion der USA und Japans zur Stabilisierung
der Region einen taktischen Schutzschild zu errichten erscheint
im Zusammenhang mit einem Rüstungswettlauf sehr zwiespältig,
vor allem im Hinblick auf China. Hier erscheint der amerikanische
Ansatz zur Stabilisierung der Region eher einen hegemonialen
Charakter zu haben als tatsächliches Interesse an der
Verhinderung eines Rüstungswettlaufs zu zeigen. Es
stellt sich auch die Frage, wie sich ein strategisches Abwehrsystem
mit den Abrüstungsforderungen gegenüber Nordkorea
verträgt. Dazu kommt der neue Verhandlungsvorschlag
Washingtons, der eine Abrüstung im konventionellen
Bereich mit einbezieht. Zusammengenommen dürfte dies
die Abrüstungsbereitschaft Nordkoreas nicht gerade
fördern.
Der amerikanische Ansatz scheint sich hier
selbst aufzuheben und es stellt sich die Frage, inwieweit
die Bush-Administration eine wirkliche Lösung des Konflikts
wünscht oder ob vielleicht die Aufrechterhaltung der
Konfliktsituation günstiger erscheint.
Insgesamt kann man sagen, dass im Konflikt
zwischen den USA und Nordkorea die Faktoren, die eine Lösung
hemmen, relativ gleich verteilt sind. Es ist nicht nur Pjöngjang,
das durch seine Provokationen und zwiespältiges Verhalten
eine Lösung erschwert, sondern gleichermaßen
Washington.
[1] Im Prinzip sind das die Wechselwirkungen
zwischen der Erwartungshaltung sowie dem Konfliktverhalten
der beiden Konfliktparteien.
[2] Dieser Teil des Analyserasters wird in
Anlehnung an Robert Jervis entwickelt.
[3] Vgl. Robert Jervis, Perceiving and Coping
with Threat. In: ders./Richard Ned Lebow/Janice Gross Stein
(Hg.): Psychology and Deterrence, Baltimore, Md. 1985, S.
13-33 (S. 14-15).
[4] Vgl. Jervis, Perceiving, S. 14-15.
[5] Vgl. Glenn H. Snyder/Paul Diesing, Conflict
Among Nations. Bargaining, Decision Making, and System Structure
in International Crisis, Princeton 1977, S. 9.
[6] Jervis, Perceiving, S. 18.
[7] Vgl. ebd., S. 18, 19, 22, 23.
[8] Vgl. ebd., S. 25.
[9] Vgl. Robert Jervis, System Effects. Complexity
in Political and Social Life, Princeton, N.J. 1997, S. 253.
[10] Vgl. ebd., S. 253; Thomas C. Schelling,
The Strategy of Conflict, Cambridge, Mass. 1960, S. 21-46
(S. 21-22).
[11] Vgl. Kai Möller, Korea 2001. Neue
Konfliktlinien, SWP-Aktuell 9, Stiftung Wissenschaft und
Politik, Berlin 2001, S. 3.
[12] Vgl. Raymond Tanter, Chapter: North Korea.
Contain and Embrace, in: ders., Rogue Regimes. Terrorism
and Proliferation, London 1998, S. 217-260 (S. 259).
[13] Obwohl das nordkoreanische Eingeständnis
im Raum steht, Nuklearwaffen zu besitzen, sehe ich dies
zum jetzigen Zeitpunkt zwar als höchst wahrscheinlich,
jedoch nicht als ausreichend bestätigt an. Ferner ist
bei den Langstreckenraketen umstritten, ob sie funktionieren.
[14] Vgl. Bernd W. Kubbig, Between Self-Restraint
and 'All Options Open': Positioning the US Hegemon in the
Democratic/Non-Democratic Divide. Conclusions. In: ders.
(Guest Ed.), Bernd W. Kubbig (Guest Editor), Toward a New
American Century? The US Hegemon in Motion. Amerikastudien/American
Studies, Jg. 46, Nr. 4, 2001, S. 661-686 (S. 662-665).
[15] Tanter, Chapter: North Korea, S. 239.
[16] Vgl. ebd., S. 239; Joel Wit, The United
States and North Korea, Policy Brief 74, The Brookings Institution,
Washington, D.C. 2001, S. 1.
[17] Vgl. Sebastian Harnisch, Erst verhandeln,
dann rüsten? Die nordkoreanische Bedrohung in der amerikanischen
Raketenabwehrdebatte, Raketenabwehrforschung International,
Bulletin No. 14, 2000, S. 3, entnommen aus dem Internet
unter http://www.hsfk.de/abm/bulletin/pdfs/harnis1.pdf
am 12. Oktober 2002.
[18] Hier stellt sich die Frage nach der tatsächlichen
Vereinbarkeit von Stabilität in Ostasien und eines
TMD, das gerade als ein Mittel für eine solche Stabilität
deklariert wird. Darauf soll im Rahmen dieser Arbeit jedoch
nicht eingegangen werden.
[19] Vgl. Kim Keun Tae, The Korea - United
States Relationship under Kim and Bush. A Common Approach
to North Korea, Bulletin 12, 3, May 2001, The Atlantic Council,
Washington, D.C. 2001, S. 1.
[20] Vgl. Scott Snyder, North Korean Crises
and American Choices. Managing U.S. Policy Toward the Korean
Peninsula. In: Wonmo Dong (Hg.), The Two Koreas and the
United States, Armonk, N.Y./London 2000, S. 234-263 (S.
243).
[21] Tanter, Chapter: North Korea, S. 236.
[22] Vgl. Snyder, North Korean Crises, S.
260; Wit, United States, S. 5.
[23] Vgl. Michael J. Mazarr, Opportunity Seized:
Preventive Diplomacy in Korea. In: Bruce W. Jentleson (Hg.),
Opportunities Missed, Opportunities Seized, New York, N.Y.
2000, S. 295-316 (S. 297, 299).
[24] Vgl. Chung Min Lee, North Korean Missiles.
Strategic Implications and Policy Responses. In: The Pacific
Review, Jg. 14, Nr. 1, 2001, S. 85-120 (S. 91).
[25] Leon Sigal. In: Lee, North Korean Missiles,
S. 96.
[26] Vgl. Tanter, Chapter: North Korea, S.
238.
[27] Vgl. Möller, Korea, S. 2.
[28] Vgl. Sebastian Harnisch, Wieviel ist
genug? Zur Normalisierung der US-amerikanischen Nordkoreapolitik,
ZOPS - Occasional Paper No. 13, Zentrum für Ostasien-Pazifik-Studien,
Trier 1999, S. 14.
[29] Vgl. Spurgeon M. Keeny Jr., in: Bush's
Deferral of Missile Negotiations With North Korea. A Missed
Opportunity. An ACA Press Conference. In: Arms Control Today,
Jg. 31, Nr. 3, 2001, S. 13-20 (S. 13).
[30] Vgl. Möller, Korea, S. 5-6; Lee,
North Korean Missiles, S. 88.
[31] Vgl. Snyder, North Korean Crises, S.
238-239.
[32] Vgl. ebd., S. 252.
[33] Vgl. Möller, Korea, S. 2.
[34] Tanter, Chapter: North Korea, S. 256.
[35] Ebd., S. 235.
[36] Vgl. Sebastian Harnisch, The Hegemon
and the Demon. US Nuclear Learning vis-à-vis North
Korea. In: Kubbig (Guest Editor), Toward a New American
Century, S. 607-627.
[37] Condoleezza Rice, Unsere gemeinsamen
Werte. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 19. Oktober 2002,
S. 10.
[38] Vgl. Snyder, North Korean Crises, S.
254.
[39] Vgl. Morton H. Halperin, in: Bush's Deferral
of Missile Negotiations With North Korea. A Missed Opportunity.
An ACA Press Conference. In: Arms Control Today, Jg. 31,
Nr. 3, 2001, S. 13-20 (S. 19).
[40] Vgl. Tanter, Chapter: North Korea, S.
239, 243, 259.
[41] Vgl. Snyder, North Korean Crises, S.
260.
[42] Vgl. ebd., S.249.
[43] Vgl. ebd., S. 244-245.
[44] Ebd., S.238.
[45] Vgl. Bush bittet Peking um Unterstützung
in Nordkorea, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 22 Februar
2002, S. 1, 6.
[46] Vgl. Möller, Korea, S. 5.
[47] Vgl. Tanter, Chapter: North Korea, S.
255.
[48] Vgl. ebd., S. 255.
[49] Vgl. Harnisch, Erst verhandeln, S. 3;
Harnisch, Wieviel, S. 16; Möller, Korea, S. 5.
[50] Siehe dazu Kapitel 3.4.
[51] Vgl. Möller, Korea, S. 4.
[52] Vgl. Harnisch, Wieviel, S. 4.
[53] Vgl. ebd., S.1.
[54] Genau genommen gibt es in den beiden
Parteien jeweils nicht nur eine Erwartungshaltung sondern
eine Vielzahl von Erwartungshaltungen, die hier aber nicht
alle dargestellt werden können. Daher wird eine allgemeine
grundlegende Erwartungshaltung skizziert.
[55] Vgl. Snyder, North Korean Crises, S.
249-250; Tanter, Chapter: North Korea, S. 220.
[56] Vgl. Lee, North Korean Missiles, S. 97.
[57] Vgl. ebd., S. 95, 110.
[58] Tanter, Chapter: North Korea, S. 258.
[59] Vgl. ebd., S. 256.
[60] Vgl. Wit, United States, S. 1.
[61] Vgl. Keun Tae, The Korea - United States
Relationship, S. 4.
[62] Vgl. Mazarr, Opportunity, S. 307.
[63] Vgl. Keun Tae, The Korea - United States
Relationship, S. 4.
[64] Vgl. Robert Galluci, in: Bush's Deferral
of Missile Negotiations With North Korea. A Missed Opportunity.
An ACA Press Conference. In: Arms Control Today, Jg. 31,
Nr. 3, 2001, S. 13-20 (S. 16).
[65] Harnisch, Wieviel, S.4-5.
[66] Vgl. Harnisch, The Hegemon, S. 625.
[67] Vgl. Tanter, Chapter: North Korea, S.
236.
[68] Vgl. Mazarr, Opportunity, S. 302.
[69] Vgl. Snyder, North Korean Crises, S.
258.
[70] Vgl. Tanter, Chapter: North Korea, S.
222.
[71] Vgl. Harnisch, Erst verhandeln, S. 3.
[72] Vgl. Halperin, ACA Press Conference,
S. 14; Harnisch, Erst verhandeln, S. 3.
[73] Vgl. Halperin, ACA Press Conference,
S. 15, Hans-Joachim Schmidt, Konfrontation oder Dialog?
Entwicklung, Stand und Probleme der US-nordkoreanischen
Beziehungen vor Georg W. Bushs Asienreise. Raketenabwehrforschung
International, Bulletin No. 30, 2001/02, S. 6, entnommen
aus dem Internet unter http://www.hsfk.de/abm/bulletin/pdfs/schmidt2.pdf
am 12. Oktober 2002.
[74] Vgl. Möller, Korea, S. 3.
[75] Vgl. ebd.
[76] Vgl. Keeny, ACA Press Conference, S.
15.
[77] Selbstbindung bedeutet hier eine taktische
Bindung an eine eigene Aussage, um die eigenen Verhandlungsspielräume
im Hinblick auf Konzessionen zugunsten der anderen Partei
gering zu halten.
[78] Vgl. Schelling, Strategy, S. 23, 30.
[79] Vgl. Keine Nation sollte ein Gefängnis
sein, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 21. Februar 2002,
S. 1, 2; Bush bittet Peking um Unterstützung in Nordkorea,
S. 1-6.
[80] Möller, Korea, S. 3.
[81] Vgl. Snyder, North Korean Crises, S.
252.
[82] Vgl. Tanter, Chapter: North Korea, S.
259.
[83] Politisch insofern, als dass es innenpolitisch
stabil und außenpolitisch vor allem als Verbündeter
der USA eine geachtete sowie gefestigte internationale Rolle
spielt.
[84] Siehe dazu auch: Keun Tae, Korea - United
States Relationship, S. 4.
[85] Vgl. Tanter, Chapter: North Korea, S.
238.
[86] Vgl. Snyder, North Korean Crises, S.
241.
[87] Vgl. ebd., S. 249.
[88] Vgl. Keine Nation sollte ein Gefängnis
sein, S. 1, 2; Bush bittet Peking um Unterstützung
in Nordkorea, S. 1, 6.
[89] Vgl. Snyder, North Korean Crises, S.
260.
[90] Vgl. Bush bittet Peking um Unterstützung
in Nordkorea, S. 1.
[91] Zu diesem Interpretationsproblem siehe:
Jervis, System Effects, S. 257.
[92] Vgl. Möller, Korea, S. 4; Snyder,
North Korean Crises, S. 258.
[93] Vgl. Lee, North Korean Missiles, S. 90.
[94] Vgl. Möller, Korea, S. 6; Tanter,
Chapter: North Korea, S. 238.
[95] Vgl. Snyder, North Korean Crises, S.
254; Tanter, Chapter: North Korea, S. 256.
[96] Vgl. ebd., S. 237.
[97] Vgl. Harnisch, The Hegemon, S. 607, 624.
[98] Vgl. Snyder, North Korean Crises, S.
239, 260.
[99] Vgl. Tanter, Chapter: North Korea, S.
256.
[100] Dies wird von den USA auch so als allgemeines
außenpolitisches Ziel genannt, siehe dazu: Rice. Unsere
gemeinsamen Werte.
[101] Vgl. Keun Tae, Korea - United States
Relationship, S. 4.
[102] Vgl. Snyder, North Korean Crises, S.
243.
[103] Vgl. Halperin, ACA Press Conference,
S. 19.
[104] Vgl. Harnisch, The Hegemon, S. 617-618;
Snyder, North Korean Crises, S. 240-241, 260.
[105] Vgl. Harnisch, Erst verhandeln, S. 1;
Schelling, Strategy, S. 23.
[106] Snyder, North Korean Crises, S. 241.
[107] Vgl. Harnisch, Wieviel, S. 14.
[108] Vgl. Möller, Korea, S. 2, 4.
[109] Vgl. ebd., S. 2.
Bitte zitieren als: Rachel Adam, USA und Nordkorea:
Konfliktwahrnehmung und Konfliktdynamiken, Raketenabwehrforschung
International, Bulletin No. 45 (Herbst 2004), Frankfurt
am Main 2004.
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