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Bulletin No 35 - Winter 2002/03

Martina Glebocki/Alexander Wicker
Zwischen den Stühlen:
Australiens Rolle in der Raketenabwehrfrage

1. Rahmenbedingungen

Am 11. September 2001 war der australische Premierminister John Howard zu Besuch in Washington, D.C. Am Tag zuvor hatte er mit dem amerikanischen Präsidenten eine gemeinsame Stellungnahme unterzeichnet, in der es unter anderem heißt:

President Bush and Prime Minister Howard expressed shared concern about the threat to global stability posed by ballistic missile proliferation and weapons of mass destruction and increasingly capable ballistic missiles as a means of delivery. They agreed on the need for a comprehensive approach to counter these threats, including enhanced non-proliferation and counter-proliferation measures as well as continued nuclear arms reductions. They also agreed that missile defense could play a role in strengthening deterrence and stability as part of this comprehensive approach. The Prime Minister looked forward to further consultation with the United States on these issues and welcomed the Administration's active dialogue on the issue with allies as well as Russia and China.[1]

Es ist allgemein bekannt, dass diese Bedrohungseinschätzung nur einen Tag später überholt war. Zugleich verdeutlicht die Stellungnahme aber mehrere Bestimmungsfaktoren australischer Außenpolitik. Auf Grund seiner geopolitischen Lage als "westliches" Land in Südostasien und Ozeanien ist es in besonderer Weise darauf angewiesen, gute Beziehungen zu China zu unterhalten. Zum anderen pflegt Australien eine lange Tradition der Förderung internationaler Abkommen und Regime zu Abrüstung und Rüstungskontrolle. So unterstützte die pazifische Mittelmacht an vorderster Front unter anderem die Chemiewaffenkonvention, den Umfassenden Teststoppvertrag und die so genannte "Australia Group" zur Koordination nationaler Exportkontrollen für chemische und biologische Waffen.[2]

2. Das Verhältnis zu den USA

Die Vereinigten Staaten sind Canberras wichtigster Verbündeter. Sie verbindet der ANZUS-Vertrag, der im September 1951 während der Unterzeichnung des Friedensvertrages mit Japan ins Leben gerufen wurde.[3] Diesem Bündnis gehörte ursprünglich auch Neuseeland an, das jedoch im August 1986 nach der Missbilligung der amerikanischen Praxis, die Existenz von Nuklearwaffen an Bord seiner Militärschiffe und -Flugzeuge "weder zu bestätigen noch zu bestreiten",[4] suspendiert wurde. Ursprünglich war das System kooperativer Sicherheit gegen eine eventuelle japanische Wiederbewaffnung gerichtet.

Mittlerweile erwartet Washington Canberras Führung in Indonesien und dem Südpazifik, eine Haltung, die sich vor allem 1999 in den Anfängen der Ost-Timor-Krise zeigte. Australien, so die Forderung der Vereinigten Staaten, sollte bei der UN-Mission die tonangebende Rolle spielen. Die USA zögerten anfangs, um nach massivem australischen Druck dann zumindest logistische und geheimdienstliche Unterstützung zu liefern. Australien, das mit den USA in der Ost-Timor-Frage eng zusammen gearbeitet hatte, machte jedoch in seiner "größten außenpolitischen Krise seit Vietnam" deutlich, es "als sehr seltsam"[5] zu empfinden, wenn die Vereinigten Staaten nicht eine angemessene militärische Unterstützung beisteuerten - gemeint waren "boots and all", amerikanische Truppen.[6] Letztendlich waren sich die Analytiker einig, dass diese Episode das australisch-amerikanische Verhältnis eher gestärkt als geschwächt hat,[7] dies gilt auch für das Scheitern des Umfassenden Teststoppvertrages vor dem US-Senat, der für Canberra gleich in mehrfacher Hinsicht von großer strategischer Bedeutung war.[8] Australien geht offensiv mit der ihm zugedachten Rolle um, Premier Howard diente sich nach der australischen Führung der Friedenserhaltungsmission in Ost-Timor den Vereinigten Staaten sogar als "Hilfssheriff" für deren Interessen in Südostasien an.[9] Stärkster Ausdruck der gefestigten Beziehungen zwischen Canberra und Washington dürfte - eher auf Grund ihrer Symbolkraft und nicht so sehr wegen ihrer rechtlichen Auswirkungen - die Anwendung des Artikels IV des ANZUS sein, die nach den Terroranschlägen von Washington und New York von der australischen Regierung beschlossen wurde. Diese Regelung bezieht sich dem Wortlaut nach ausschließlich auf einen "bewaffneten Angriff im pazifischen Raum" und ist in etwa vergleichbar mit dem Artikel 5 des NATO-Vertrages. Der Beistand Australiens konnte so jedoch trotzdem wirkungsvoll demonstriert werden.

3. Die Rolle Australiens in den Raketenabwehrplänen der USA - Entwicklungen und Reaktionen

Um ihre Satelliten über dem ost- und südostasiatischen Raum steuern zu können, benötigen die Vereinigten Staaten in der Region eine Relaisstation. Ursprünglich gab es derer zwei auf dem Fünften Kontinent, Nurrangar im Bundesstaat South Australia und das zentral gelegene Pine Gap in New South Wales. 1999 wurde die gemeinsame Raketenfrühwarnstation in Nurrangar jedoch geschlossen, da sie mittlerweile technisch überholt war, und ihre Schwestereinrichtung in Pine Gap im Gegenzug ausgebaut. F. Whitten Peters, letzter Secretary of the Air Force der Regierung Clinton, sah Pine Gap "as absolutely critical to the functioning of theatre missile defence and ultimately to national missile defence as well".[10] Drohenden diplomatischen Spannungen mit China begegnete die australische Regierung vorerst gelassen und charakterisierte Pine Gap als "intrinsically defensive, and not a threat to anyone's security".[11] In der australischen Regierung setzte sich zudem die Sprachregelung durch, "Verständnis" für die amerikanischen NMD-Pläne zu äußern. Sie betonte immer wieder den Selbstverteidigungsaspekt des Systems und wurde nicht müde, öffentlich zu erklären, dass dies keine "neue, destabilisierende Schlag- oder Abschreckungsfähigkeit" sei.[12]

China zeigte sich im Laufe des Jahres 2000 zusehends verärgert und bezeichnete Australien in ungewohnt scharfer Form als Marionette der USA. Obwohl die Howard-Regierung Pekings Unbehagen herunterspielte, setzte sie nun aber immer mehr auf ihre guten diplomatischen Kontakte und drängte Washington verstärkt, keine den ABM-Vertrag gefährdenden Schritte zu unternehmen. Antworten zu ihrem eigenen militärisch-technischem Engagement in diesem Zusammenhang blieb sie jedoch schuldig. Im ersten Halbjahr 2000 vertieften Washington und Canberra diese Zusammenarbeit sogar noch und schlossen ein Forschungs- und Entwicklungsabkommen für neue Waffensysteme, um die Interoperabilität ihrer Streitkräfte, vor allem im Hinblick auf die australischen U-Boote der Collins-Klasse, zu verbessern. Zudem sollte Australien von den amerikanischen Entwicklungen bei der taktischen Raketenabwehr profitieren. Auf dem Raketenabwehrsektor arbeiten die australische Defence Science and Technology Organisation und die Ballistic Missile Defense Organization[13] seit 1997 zusammen.[14] Auch der damalige Verteidigungsminister Peter Reith sah einen weiteren Nutzen in dem amerikanischen Vorhaben, der im australischen Interesse läge: Die entsprechenden Technologien wären für die australischen Streitkräfte über die Raketenabwehr hinaus interessant.[15]

Unter Verteidigungsminister Ian McLachlan hatte es 1997 die letzte Überprüfung der strategischen Ausrichtung australischer Sicherheitspolitik gegeben. Mit der so genannten "forward response" sollte der Fünfte Kontinent auf die neuen Anforderungen nach dem Ende des Ost-West-Gegensatzes mit einer Verschiebung weg von der einstigen "continental defence" hin zu einer engagierteren und selbstbewussteren Rolle in der Region reagieren.[16] Ende Juni 2000 veröffentlichte die Regierung, vor allem im Lichte des Ost-Timor-Konflikts, die "Defence Review 2000". Sie kam zu dem Ergebnis, dass die Australian Defence Force (ADF) mit ihrem derzeitigen Budget unmöglich gleichzeitig ihre Ausrüstung und Technik modernisieren, das australische Territorium verteidigen, an friedenserhaltenden Missionen teilnehmen und, wenn nötig, entfernte Kriege führen könne. Zwar sprach sich die Öffentlichkeit, von einem eigens zu diesem Zweck eingesetzten Komitee unter der Leitung des ehemaligen Außenministers Andrew Peacock während einer sechswöchigen Reise durch das Land dazu befragt, dafür aus. Doch regierungsinterne Konsultationen führten zu einer geringeren Aufstockung des Verteidigungshaushaltes als zunächst geplant. 23 Mrd. australische Dollar, gestreckt über zehn Jahre, sollten vor allem dem ersten oben genannten Ziele dienen: der Modernisierung der Streitkräfte. Endgültig zu Fall gebracht wurde damit die Doktrin der "forward response".[17]

Der zunehmend schwieriger werdende Drahtseilakt zwischen den australischen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten und der Einbettung Australiens in Asien, die man seit Jahrzehnten programmatisch unter dem Titel "Engaging With Asia" gefasst hatte, wurde jetzt auch innenpolitisch auf die Tagesordnung gebracht. Sowohl die Labor Party als auch die ehemaligen Premierminister Malcolm Fraser und Paul Keating meldeten sich zu Wort. Die Oppositionspartei ließ durchblicken, dass sie - im Gegensatz zur Regierungskoalition aus Liberal Party und National Party - NMD nicht unterstütze und unter ihrer Ägide die australische Beteiligung an den Plänen überdenken würde.[18] Der ehemalige Premierminister Malcolm Fraser war der Ansicht, dass sich Australien nicht leichtfertig an einem Programm beteiligen sollte, das nur dem amerikanischen Schutz dient. Im Gegenzug könnte Australien bei einer resultierenden militärischen Bedrohung nicht mit der Unterstützung der USA rechnen.[19] Keating ging auf das zentrale Argument ein, ob NMD eine Prüfung für die australisch-amerikanische Partnerschaft sei:

And so it is: a test of whether this relationship is robust and deep enough for us to say to our friends, 'You have got this wrong, and we don't want to be part of it'. We've done it before. We should do it again.[20]

Außenminister Downer antwortete in einem Interview auf die Position Keatings:

It would be a tough call for us to turn around and say that we wouldn't give any support whatsoever to the Americans setting up some sort of system which could stop a missile from North Korea or somewhere landing on Los Angeles or Seattle.[21]

Drei Wochen später fügte er in einer Rede in Perth hinzu: "I can't for the life of me believe the US would keep Pine Gap going and maintain ANZUS if this [die Oppositionshaltung, M.G./A.W.] were Australia's policy."[22]

Schon Mitte Juli 2000 war es beim American-Australian Leadership Dialogue in Washington, dessen Hauptthema die amerikanischen NMD-Pläne waren, zu einem Disput in der australischen Delegation gekommen. Downer sicherte den amerikanischen Gesprächspartnern breite Unterstützung zu, während andere Teilnehmer wie der ehemalige Außenminister Stuart Harris oder der General John Baker Bedenken in Bezug auf den ABM-Vertrag äußerten.[23] So blieb die offizielle australische Position mehrdeutig.

Dies blieb auch im Jahr 2001 so. Selbst als nach der Rede des neu gewählten amerikanischen Präsidenten George W. Bush zur Raketenabwehr am 1. Mai[24] der Nachbar Neuseeland die amerikanischen Pläne kritisierte,[25] blieb es bei dieser Ambivalenz. Bei den Konsultationsgesprächen wenige Tage später stieß der Assistant Secretary of State for East Asian and Pacific Affairs James A. Kelly auf eine zunehmend raketenabwehrkritische Haltung vor allem in den australischen Medien und der Opposition. Aber auch Außenminister Downer zeigte sich nicht mehr so enthusiastisch über die amerikanischen Pläne. Zweifel an der Verzichtbarkeit des ABM-Vertrages bestimmten seine Position, denn die Abqualifizierung des einstigen Ecksteins strategischer Stabilität als Relikt des Kalten Krieges könnte schließlich auch Schatten auf den ANZUS-Vertrag werfen.[26] Gleichzeitig kündigte er an, dass die Satelliten-Relaisstation in Pine Gap weiterhin zur amerikanischen Verfügung stünde.[27]

Downer betonte, dass das strategische Raketenabwehrsystem niemanden bedrohe, und die Vereinigten Staaten hätten ihm versichert, dass sich NMD nicht gegen China richte, sondern nur gegen die Raketenproliferation in den so genannten Problemstaaten. Denn Australien möchte seine guten Beziehungen zu China nicht beeinträchtigt sehen.[28] Diese waren jedoch durch die australische Unterstützung Washingtons während des so genannten Spy Plane-Incidents zumindest angespannt. Verschärft wurde die Situation noch durch Premierminister Howard, der Präsident Bush beipflichtete, als dieser Taiwan jegliche Unterstützung für den Fall eines chinesischen Angriffs anbot. Australiens "Ein China-Politik" schien gefährdet. Denn bei einer Krise um die abtrünnige Insel könnten die USA Australien unter Druck setzen, sie militärisch zu unterstützen. Damit würde der Fünfte Kontinent seine beharrlich aufgebauten politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu China und anderen Staaten in der Region torpedieren. Hatte sich Canberra doch während der Clinton-Administration dagegen ausgesprochen, China die Meistbegünstigungsklausel zu verweigern, um die Volksrepublik in der Menschenrechtsfrage unter Druck zu setzen. Australien kann seinen Einfluss auf die Vereinigten Staaten zwar geltend machen, doch: "Australia is not in position to impose a veto on American policies."[29]

4. 9/11 - Das vorläufige Ende der Debatte

Der 11. September 2001 erstickte nicht nur die innenpolitische Diskussion - Australiens Beteiligung an "Enduring Freedom" in Afghanistan bescherte der Regierung Howard die Bestätigung im Amt -, sondern nahm der Debatte um die Rolle Canberras in den amerikanischen Raketenabwehrplänen auch jegliche Dynamik. Nach der einseitigen, vertragskonformen Aufkündigung des ABM-Abkommens durch die Vereinigten Staaten zum 13. Juni 2002 gab es nicht einmal eine offizielle Reaktion der australischen Regierung. Nur Kevin Rudd, der Außenminister im Schattenkabinett der Labor Party, nannte den US-Rückzug einen bedauerlichen Schritt. Statt einer Beteiligung am amerikanischen Raketenabwehrprogramm befürwortete er multilaterale Versuche, um die Proliferation von Massenvernichtungsmitteln einzudämmen.[30]

Am 5. Februar 2002 war es weniger die inhaltliche Auseinandersetzung mit Australiens Beteiligung an der strategischen Raketenabwehr der USA, die dem Thema neue Schlagzeilen bescherte, sondern lediglich Fragen des politischen Stils. Das Magazin "The Age" zitierte aus einem angeblichen Bericht des Office of National Assessments (ONA), dass NMD nicht in Australiens Interesse wäre, da vor allem Russland und China aufrüsten würden. Eine Schwächung des internationalen Rüstungskontrollregimes hätte negative Auswirkungen auf Australiens Sicherheit.[31] Einen Tag später dementierte Außenminister Alexander Downer, dass es sich bei diesem Dokument um eine ONA-Studie handelte.[32] Die gleiche Haltung nahm ONA-Generaldirektor Kim Jones in einem Leserbrief an den Herausgeber von "The Age" ein. Die geheimdienstliche Einschätzung der amerikanischen Raketenabwehrpläne weiche erheblich von der angeblichen ONA-Quelle ab.[33] Möglich, dass es sich bei der Studie tatsächlich um ein authentisches Dokument gehandelt hat, das die Behörde jedoch nach innenpolitischem Druck zurückziehen musste oder wenigstens nicht veröffentlicht sehen wollte. Dazu würde der höchst unübliche Vorgang passen, dass sich nun ausgerechnet der Leiter eines Geheimdienstes genötigt sieht, sich fast drei Wochen später in einem Leserbrief öffentlich an das Magazin zu wenden. Ob Jones nun widerwillig oder hintersinnig an "The Age" geschrieben hat, darüber kann nur spekuliert werden.

5. Australiens Rolle in Südostasien - Schlussfolgerungen

Der Fünfte Kontinent kann die Rolle als Statthalter, die ihm die Vereinigten Staaten für den pazifischen Raum zugedacht haben, gegenwärtig nicht erfüllen. Canberra sitzt zwischen den Stühlen, hin- und hergerissen zwischen amerikanischen Forderungen, deren Formulierung an Eindeutigkeit zurzeit keine Fragen offen lassen, und den eigenen stabilitätspolitischen und wirtschaftlichen Interessen, die ihm Zurückhaltung gegenüber China, den Dialog mit Nordkorea und zumindest die Assoziation mit der südostasiatischen Sicherheitsarchitektur gebieten. Hinzu kommt die multilaterale außenpolitische Tradition von Rüstungskontrolle und Abrüstung, die in der australischen politischen Kultur tief verwurzelt ist.

Die Regierung John Howard bringt zurzeit scheinbar nicht den politischen Mut auf, sich eindeutig zu positionieren, ihr politisches Handeln ist geleitet von dem Bestreben, es möglichst allen recht machen zu wollen. Aber solche Intentionen fallen nicht nur Australien, in Zeiten, in denen Washington die Dichotomisierung der Weltpolitik vorantreibt, schwer. Der ehemalige australische Premier Malcolm Fraser, der sich als Gegner einer Beteiligung Canberras an den Raketenabwehrplänen der Administration von George W. Bush zu erkennen gegeben hat, hat den für die derzeitige Regierung fast sakrosankten ANZUS-Vertrag bereits im September 2000 als "mit dem Ende des Kalten Krieges seines primären Nutzens" beraubt bezeichnet.[34] Howard jedoch steht zu dem Vertrag und sagte bei der Feier zu dessen fünfzigjährigem Bestehen am 30. Mai 2001 im Opernhaus von Sydney:

It is the foundation stone to what has become a vital, comprehensive and evolving security relationship. A contemporary example of the alliance's ongoing value to both Australia and the United States is our ability to contribute to the discussion of missile defence issues. This is of course a sensitive and complex matter and one needing careful consideration by all nations affected. We have told our American friends that we well understand their desire to develop a missile defence system. Equally, we appreciate their readiness to consult close allies such as Australia and their recognition of the need to work with others such as Russia and China.[35]

Der sicherheitspolitische Spagat, der die australische Außenpolitik bestimmt, schlägt sich also auch in ihrer Haltung in der Raketenabwehrfrage nieder.

Zu den bereits erwähnten Bedenken, die auf dem Fünften Kontinent einem Engagement bei dieser Technologie entgegen gehalten werden, kommt hinzu, dass Australien in fataler Weise von der Dislozierung eines solchen Systems betroffen sein könnte: Es würde als einziges westliches Land, das von Raketen aus so genannten Schurkenstaaten erreicht und getroffen werden könnte, "leichte Beute" sein, ein von den Vorzügen eines funktionierenden, vielleicht sogar auf die Verbündeten der nördlichen Hemisphäre ausgedehnten Abwehrschildes ausgeschlossenes Objekt der Erpressung.

Das ist umso bedauerlicher, als Australien in leicht verändertem Kontext ein wertvoller Bündnispartner der USA sein könnte - dieses Mal allerdings nicht im engen militärischen, sondern vielmehr im diplomatischen Sinne. Seine geopolitische Lage und seine guten wirtschaftlichen Kontakte können die Türen öffnen helfen, die Washington in der Region zugeschlagen hat.

[1] Auszüge aus einer gemeinsamen Stellungnahme der USA und Australiens vom 10. September 2001, zitiert nach Raketenabwehrforschung International, entnommen aus dem Internet unter http://www.hsfk.de/abm/bushadmi/ bush/100901.htm am 26. Oktober 2002.

[2] William Tow/Henry Albinski, ANZUS - Alive and Well after Fifty Years. In: Australian Journal of Politics and History, Jg. 48, Nr. 2, 2002, S. 153-173 (S. 168).

[3] ANZUS = Security Treaty between (A)ustralia, (N)ew (Z)ealand and the (U)nited (S)tates.

[4] Tow/Albinski, ANZUS, S. 159.

[5] Der australische Premierminister John Howard zu US-Präsident Bill Clinton, zitiert nach Henry S. Albinski, Issues in Australian Foreign Policy. July to December 1999. In: Australian Journal of Politics and History, Jg. 46, No. 2, 2000, S. 194-213 (S. 206).

[6] Ebd.

[7] Vgl. ebd., S. 207.

[8] Australiens Außenminister Alexander Downer zeigte sich nach Bekanntwerden des Abstimmungsergebnisses "beunruhigt" ob der Wirkung, die von einer solchen Haltung des US-Senats ausginge. Wörtlich sagte er: "[W]hat the American Senate is saying to the rest of the world is … we are not prepared to take a measure like that [while the rest of the world will say] … if you're not prepared to as the leaders of the world, why should we?" [Auslassung und Hinzufügung in der Quelle], zitiert nach: ebd., S. 210. Die australische Botschaft betrieb gar vor der Senatsabstimmung zum Umfassenden Teststoppvertrag (Comprehensive Test Ban Treaty, CTBT) intensive Lobbyarbeit bei einigen Senatoren und ihren Mitarbeitern. Ziel war zum einen, die regionale Stabilität in Ostasien nicht durch erneute Nukleartests Chinas, Russlands, Indiens und Pakistans zu gefährden. Zum anderen sollte der gerade erst begonnene und durch Australiens Beitrag zur KEDO (Korean Peninsula Energy Development Organisation) unterstützte Dialog mit Nordkorea nicht gefährdet werden.

[9] Tow/Albinski, ANZUS, S. 161.

[10] F. Whitten Peters, zitiert in: Albinski, Issues 1999, S. 209.

[11] Ein Sprecher des australischen Verteidigungsministers, zitiert nach: ebd.

[12] Vgl. Henry S. Albinski, Issues in Australian Foreign Policy. January to June 2000. In: Australian Journal of Politics and History, Jg. 46, Nr. 4, 2000, S. 536-557 (S. 553).

[13] Anfang Januar 2002 wurde die BMDO in Missile Defense Agency umbenannt.

[14] Gary Brown/Gary Klintworth, The US National Missile Defense Program: Vital Shield or Modern-Day Maginot Line?, Parliament of Australia, Department of the Parliamentary Library, Research Paper 16, 2000-2001, entnommen aus dem Internet unter http://www.aph.gov.au/library/pubs/rp/2000-01/01RP16.htm am 25. Juli 2002.

[15] Vgl. The Australian vom 30. Juni 2001.

[16] Australian Department of Defence, Australia's Strategic Policy, AGPS, Canberra 1997.

[17] David Goldsworthy, Issues in Australian Foreign Policy. July to December 2000. In: Australian Journal of Politics and History, Jg. 47, Nr. 2, 2001, S. 225-244 (S. 239f.).

[18] So der außenpolitische Sprecher der Labor Party, Laurie Brereton, zitiert in: Australia could become a NMD target, Melbourne South News vom 18. Juli 2000.

[19] Vgl. ebd.; Mark Forbes/Annabel Crabb, Shun US missile strategy: Fraser, The Age vom 11. Mai 2001, entnommen aus dem Internet unter http://www.theage.com.au/news/2001/05/11/FFX9O8DEJMC.html am 25. Juli 2002.

[20] Zitiert in: Albinski, Issues 2000, S. 556.

[21] Zitiert in: ebd.

[22] Brown/ Klintworth, The US National Missile Defense Program.

[23] Vgl. Goldsworthy, Issues 2000, S. 235f.

[24] Vgl. Rede von George W. Bush vor der National Defense University am 1. Mai 2001, Raketenabwehrforschung International, entnommen aus dem Internet unter http://www.hsfk.de/abm/bushadmi/bush/010501.html am 3. November 2002.

[25] Vgl. Pressestatement des neuseeländischen Außenministers Phil Goff im Mai 2001, Raketenabwehrforschung International, entnommen aus dem Internet unter http://www.hsfk.de/abm/ausland/nz/nz0501.html am 3. November 2002; Craig Skehan, Australia's help with missile defence risks further upsetting China, Sydney Morning Herald vom 3. Mai 2001, entnommen aus dem Internet unter http://old.smh.com.au/news/0105/03/pageone/pageone3.html am 25. Juli 2002.

[26] Rod Lyon, Issues in Australian Foreign Policy. January to June 2001. In: Australian Journal of Politics and History, Jg. 47, Nr. 4, 2001, S. 516-530 (S. 518).

[27] Red Harrison, Australia backs ‚Son of Star Wars', BBC News Online vom 12. Mai 2001, entnommen aus dem Internet unter http://news.bbc.co.uk/1/low/world/Europe/1326826.stm am 25. Juli 2001.

[28] Harrison, Australia backs.

[29] Tow/Albinski, ANZUS, S. 163.

[30] Kevin Rudd, United States Withdrawal From ABM Treaty, Presseerklärung vom 14. Dezember 2001, entnommen aus dem Internet unter http://www.alp.org.au/print.html?link=/media/0202/20000185.html am 25. Juli 2002.

[31] Mark Forbes, Warning to PM on missile shield, The Age vom 5. Februar 2002.

[32] Alexander Downer, 'The Age' and missile defence, Presseerklärung vom 6. Februar 2002, entnommen aus dem Internet unter http://www.foreignminister.gov.au/releases/2002/fa017_02.html am 25. Juli 2002.

[33] Kim Jones, Letter to the Editor, 25. Februar 2002, entnommen aus dem Internet unter http://www.ona.gov.au/LetterToEditor.htm am 30. Juli 2002.

[34] Malcolm Fraser, All the way with the USA? Not necessarily, Australian vom 25. November 2000.

[35] Transcript of the Prime Minister The Hon John Howard MP, Address at reception on the occasion of 50 years of the Australia-United States Alliance, Opera House, Sydney, 30. Mai 2001, entnommen aus dem Internet unter http://www.pm.gov.au/news/speeches/2001/speech1090.htm am 25. Juli 2002.

Bitte zitieren als: Martina Glebocki/Alexander Wicker, Zwischen den Stühlen: Australiens Rolle in der Raketenabwehrfrage, Raketenabwehrforschung International, Bulletin No. 35 (Winter 2002/03), Frankfurt am Main 2003.

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