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Bulletin No 33 - Frühjahr 2002
Martina Glebocki/Mirko Jacubowski/Bernd
W. Kubbig/Alexander Wicker
Variationen des Themas Raketenabwehr im historischen Längsschnitt
(Dieser Beitrag ist im Rahmen eines Schwerpunktthemas
"Raketenabwehr" in der Friedens-Warte
(Band 76, Heft 4, 2001) erschienen.)
Veränderte inneramerikanische
und internationale Rahmenbedingungen: Die "ewige Wiederkehr"
der gleichen Argumente
'Amerikanische Administrationen kommen und
gehen - das Thema Raketenabwehr bleibt bestehen.' Unter
diesem Motto ließe sich dieses Politikfeld seit Mitte
der sechziger Jahre mit Blick auf die US-Debatten und -Entscheidungsprozesse
zusammenfassen. Allerdings bedarf dieser Blick im historischen
Längsschnitt der Fokussierung. Denn es war ein beständiges
Auf und Ab, das die Entwicklung der Raketenabwehr und die
inneramerikanischen Diskurse bis heute kennzeichnet. Diese
zyklische Wiederkehr ist ferner dadurch charakterisiert,
daß sie kaum an das Kommen und Gehen der Administrationen
gebunden ist. Sie hängt vielmehr in erster Linie mit
den Veränderungen im jeweiligen gesellschaftlichen
Umfeld der Vereinigten Staaten zusammen, auf die die Regierungen
reagieren müssen.
Die erste "Große ABM-Debatte"
bahnte sich 1967/68 und damit für die Johnson-Administration
im Vorwahlkampf an. Dieser Regierung hinterließ unter
dem Eindruck des Vietnam-Kriegs der im Januar 1969 nachfolgenden
republikanischen Nixon/Kissinger-Administration auf dem
Feld der Raketenabwehr eine brisante politische Erbschaft.
Der Schatten des Vietnam-Krieges lag auch über den
Protesten, die sich am Ende der Johnson-Ära gegen die
Aufstellung von Abwehrsystemen richteten. Die neu gewählte
Nixon/Kissinger-Regierung löste das Raketenabwehrproblem
mit der Sowjetunion auf politischem Wege - nämlich
in bilateralen Rüstungskontroll-Verhandlungen als Teil
eines neuen Konzepts gegenüber dem Antagonisten UdSSR.
Mit dem Abschluß des Raketenabwehr-Vertrages (Anti-Ballistic
Missile Treaty, ABM-Vertrag) begann eine elfjährige
Zeit ohne öffentliche Kontroversen, bis Ronald Reagan
mit seiner berühmten "Star Wars"-Rede am
23. März 1983 die zweite "Große Debatte"
eröffnete. Aus ABM wurde SDI, die Strategic Defense
Initiative (Strategische Verteidigungsinitiative).
Die konservativen Gruppierungen in den USA
- und zwar im gesellschaftlichen Umfeld wie im Kongreß
- hatten sich mit dem Vertragsabschluß und der mit
ihm verbundenen Sicherheitsphilosophie nicht zufrieden gegeben.
Daß es in den siebziger Jahren und zu Beginn der achtziger
zu keinem öffentlichen Diskurs gekommen war, lag hauptsächlich
daran, daß es keinen Anlaß und keine Protestbewegung
gab, die das rüstungspolitische Unbehagen am ABM-Vertrag
kanalisieren, bündeln und zur Explosion bringen konnten.
Aufgrund seiner politischen Statur und seiner Beharrlichkeit,
mit er seine "Star Wars"-Vision verfolgte, schuf
Ronald Reagan ein Forum für den öffentlichen Diskurs
über die Raketenabwehr. Im Unterschied zur Nixon/Kissinger-Administration
hatte diese republikanische Regierung die Raketenabwehrfrage
nicht geerbt, sondern selbst vorangetrieben, und Reagan
reagierte nicht nur, sondern machte bewußte und einschneidende
politische Vorgaben, indem er Vorschläge gesellschaftlicher
Gruppen bündelte und eigene Präferenzen setzte.
Daß mit der Reagan-Ära auch die
zweite Abwehrdebatte endete, lag nicht in erster Linie an
der starken Kopplung zwischen diesem Präsidenten und
"seinem" wichtigstem Militärprogramm. Das
Ende der zweiten "großen Debatte" fiel zeitgleich
mit der Implosion der Sowjetunion zusammen. Unter Reagans
republikanischem Nachfolger George Bush hatte die Raketenabwehr
angesichts der sich dramatisch und fundamental veränderten
Rahmenbedingungen nicht mehr die gleiche Bedeutung. Dies
galt auch für einen Teil der ersten Amtszeit des Demokraten
William Clinton, der im Januar 1993 die Regierungsgeschäfte
übernahm. Aber die konservativen Gruppierungen auf
gesellschaftlicher Ebene - vorzüglich organisiert und
mit ihren Verbündeten im Kongreß eng vernetzt
- ruhten nicht. Die Sowjetunion als Feind existierte nicht
mehr, aber ein anderes Problem schob sich immer mehr in
den Vordergrund: das Problem der Weiterverbreitung von Massenvernichtungsmitteln
und Trägersystemen hauptsächlich durch neue Staaten,
durch die sich die USA bisher nicht bedroht sahen.
Wie einst Johnson sah sich Clinton rund dreißig
Jahre später gezwungen, auf den merklich ansteigenden
Druck aus Gesellschaft und Kongreß zu reagieren. Gegen
seinen politischen Willen nahm er eine wichtige Weichenstellung
zugunsten der Raketenabwehr vor. Die derzeitige George W.
Bush-Regierung ist mit großer Verve dabei, Pflöcke
für die Aufstellung von Abwehrwaffen einzurammen. Entsprechend
ist sie dabei, den wichtigsten Stolperstein - den ABM-Vertrag
- aus dem Weg zu räumen. Am 13. Dezember 2001 kündigte
der Präsident an, daß sich die USA, wie im Abkommen
erlaubt, aus dem Vertrag zurückziehen. Damit leitet
sie - wie seinerzeit die Nixon/Kissinger-Administration
zumindest vorübergehend - eine Kehrtwende in der jahrzehntelangen
Raketenabwehrpolitik ein. Über die bloße Forschung,
Entwicklung und das Testen hinaus wäre dieser Kurs
dann - und nur dann - mehr als eine neue Variation des alten
Themas, wenn eine solche Dislozierung von Dauer wäre
und sich in der Militärstrategie und in der operativen
Politik bleibend umsetzte. Hiervon sind wir trotz aller
Entschlossenheit der Bush-Administration gegenwärtig
noch weit entfernt. Es ist dieser Weg, den der folgende
Aufsatz in einem Überblick nachzuzeichnen versucht;
eine Einschätzung und rüstungskontrollgeleitete
Perspektiven schließen ihn ab.
Raketenabwehr im Schatten des Vietnam-Kriegs:
Die erste "Große Debatte"
Die erste inneramerikanische Kontroverse um
die Raketenabwehr muß im Zusammenhang mit dem Vietnam-Krieg
gesehen werden. Er erschütterte den Grundoptimismus
der US-Bevölkerung mit seiner zum Teil ausgeprägten
Technologiegläubigkeit und Technikfaszination, mit
seinem bis dahin weitgehend nicht hinterfragten Vertrauen
in "technical fixes" zur Lösung im Kern nicht-technischer
Probleme. Die Kritik der Öffentlichkeit gegenüber
der Politik der Regierungen Johnson und Nixon macht auch
vor dem Politikfeld Raketenabwehr nicht Halt.
Die Debatte begann in den beiden letzten Jahren
der demokratischen Johnson-Administration, 1967/68, erreichte
in der republikanischen Kissinger-Regierung ihren Höhepunkt
und endete 1972 mit dem Abschluß des Raketenabwehr-Vertrages.
Hier wurden besonders von vielen Naturwissenschaftlern die
Argumente gegen die Pläne einer Raketenabwehr vorgebracht,
die in der Reagan-Ära die Diskussion bestimmen sollten.
Auch heute - 35 Jahre nach dem anfänglichen Vorhaben
der Johnson-Regierung - führen die Gegner sie weitgehend
unverändert an.
Ende der sechziger Jahre drehte sich die Raketenabwehrdebatte
vorwiegend um die vermeintliche chinesische Bedrohung. Entschiedene
Befürworter eines Raketenabwehrsystems verwiesen auf
die gesellschaftlichen Entwicklungen in China, aus denen
sie die Schlußfolgerung zogen, daß "Rot
China" eine "bedeutsame Bedrohung" für
die Vereinigten Staaten darstelle.[1] Dahinter stand die
Befürchtung, die chinesische Führung könne
sich der nuklearen Abschreckung entziehen und im Falle eines
Atomkrieges Millionen Opfer in Kauf nehmen. Zudem könnten
sich die USA durch die chinesische Drohung mit einem nuklearen
Erstschlag in ihren Handlungsoptionen eingeschränkt
sehen. Die Johnson-Regierung reagierte darauf mit der geplanten
Aufstellung von Raketenabwehrwaffen ("Sentinel")
in der unmittelbaren Nähe von Städten wie Boston,
Seattle, Chicago und Detroit zum Schutz der Bevölkerung.
Dieses Vorhaben mobilisierte jedoch von Ende 1968 bis zum
Spätsommer 1969 opponierende US-Bürger in einem
beispiellosen Ausmaß - auch wenn die öffentliche
Meinung insgesamt kein klares Bild ergab.[2] Die Protestierenden
sahen sich nicht durch die geplanten Anlagen geschützt,
sondern im Falle eines Krieges durch sie bedroht.
Doch nicht nur von Seiten der Öffentlichkeit,
auch durch den Kongreß geriet die nachfolgende Nixon/Kissinger-Regierung
unter Druck. Führende Senatoren unterstützten
die Zielsetzung ihrer Abwehrpläne nicht.[3] Die Exekutive
sah sich gezwungen, ihre Interessen in Sachen ABM substantiell
neu zu definieren, vor allem als mit dem Beginn der neuen
amerikanischen China-Politik der Große Vorsitzende
Mao, bis vor kurzem noch der Prototyp eines irrationalen
nicht-abschreckbaren Akteurs, für die Nixon-Regierung
zum begehrten Partner wurde. Der Besuch des US-Präsidenten
und seines Sicherheitsberaters Kissinger 1971 in Beijing
stellte den ersten Höhepunkt der innovativen China-Politik
dar. Das Regime in Beijing verlor so zumindest bei einem
Teil der US-Elite das Image, daß es einen Atomkrieg
leichtfertig in Kauf nehmen würde. An die Stelle der
chinesischen Bedrohung als Begründung für die
ABM-Politik trat die allbekannte sowjetische Gefahr. Schon
das klare Votum des Streitkräfteausschusses des Senats
vom 14. Juli 1970 verwarf das Argument der China-Bedrohung
formell. Statt dessen rückte die Vernichtbarkeitsfrage
der landgestützten Minuteman-Interkontinentalraketen
(Intercontinental Ballistic Missiles, ICBMs) in den Mittelpunkt,
für deren Schutz der Kongreß zwei Safeguard-Stellungen
bewilligte.
Diese Neubewertung der Bedrohungslage sollte
allerdings vor einem veränderten politischen Hintergrund
geschehen. Die neue Administration hatte noch aus der Johnson-Ära
die Zusage geerbt, mit den Sowjets Gespräche zur Begrenzung
der strategischen Nuklearpotentiale zu führen. Dies
versuchte sie produktiv für ein neues Konzept amerikanischer
UdSSR-Politik zu nutzen. Sie wurde jetzt als Entspannungspolitik
fortgesetzt und vollzog sich auf der Grundlage einer neuen
Prämisse, die sich die Sowjets errüstet hatten
und die zur Anerkennung Moskaus als gleichwertigem militärstrategischem
Partner führte: der militärischen Parität
bei den Nuklearwaffen. Sie ließ Rüstungskontrolle
für die US-Regierung attraktiv und notwendig erscheinen,
um die sowjetische Rüstungspolitik zu steuern und kalkulierbar
zu machen sowie den eigenen technologischen Vorsprung zu
sichern.
So sollte die Raketenabwehrfrage als Druckmittel
gegenüber der Sowjetunion dienen, um in den anstehenden
SALT-Gesprächen (Strategic Arms Limitation Talks) Moskau
zu Konzessionen zwingen zu können. Allerdings war der
Kongreß nur bedingt bereit, die Raketenabwehrpolitik
der Administration hierbei zu unterstützen. Im Zuge
des Vietnam-Debakels pochte er zusehends auf Mitsprache
bei der Gestaltung der Außen- und Sicherheitspolitik
und machte sich auf die Suche nach einer neuen Rolle. Das
Parlament entdeckte sich zunehmend selbst als Kontrollinstitution
der Regierung, mußte aber dafür die internen
hierarchischen Strukturen abbauen. Für das neue Selbstverständnis
und das neue Aufgabenprofil war eines wichtig: die Akquisition
und die Institutionalisierung von Wissen. Erstmals lud die
Legislative Kritiker und Gegner eines von der Administration
für zentral gehaltenen Waffenprogramms als Gegenexperten
zu Anhörungen ein. Dies stellt einen Traditionsbruch
dar. Zur Furcht vor einem neuen Rüstungswettlauf bei
den offensiven und defensiven Waffen kamen die Einwände
vieler Naturwissenschaftler hinzu: Sie wiesen darauf hin,
daß die Raketenabwehrtechnologie einfach nicht ausgereift
sei, leicht von sowjetischen Nuklearwaffen ausgeschaltet
werden könne - und darüber hinaus extrem teuer
sei.
Führende Senatoren machten sich diese
Argumentation zu eigen und versuchten, die Raketenabwehrpläne
zu torpedieren. Die Befürworter einer umfassenden Raketenabwehr
konnten sich dagegen nicht durchsetzen. Wenngleich es ihnen
gelang, einen Aufstellungsbeschluß durchzusetzen,
erzielten die Abwehrgegner doch einen beachtlichen Erfolg.
Denn das 1970 bewilligte ABM-System war nur eine spärliche
Version der ursprünglichen Pläne. Statt einem
Schutzschild zur Verteidigung von Städten mußte
sich die Administration mit zwei Abfangstellungen zum Schutz
von Interkontinentalraketen begnügen. Die Debatte war
damit jedoch nicht beendet: Das Rüstungsvorhaben spaltete
in der Folgezeit weiterhin die öffentliche Meinung
und den Kongreß, vor allem den Senat. Es blieb jahrelang
bis zur Paraphierung und Verabschiedung des ABM-Vertrages
im Senat das vorrangige sicherheitspolitische Thema.
Angesichts dieses Erfolgs der Raketenabwehrgegner
blieb das Abwehrvorhaben in der Administration Nixon/Kissinger
das, was es in der vorangegangenen Regierung gewesen war:
ein primär politisch motiviertes Rüstungsvorhaben.
In der Regierung Johnson hatten innenpolitische und wahltaktische
Motive die Hauptrolle bei dem Beschluß für die
Aufstellung von Sentinel gespielt.[4] In der Nixon/Kissinger-Regierung
gerieten angesichts der verhärteten Fronten im Kongreß
mit den SALT/ABM-Verhandlungen außen- und verhandlungspolitische
Überlegungen in den Vordergrund. Damit verlagerte sich
die Dynamik, die der Kongreß anfänglich durch
seine Hearings entfacht hatte, auf die beiden wichtigsten
Akteure der Administration: Präsident Nixon und seinen
Sicherheitsberater Kissinger. Für sie hatte eben der
Abschluß des Rüstungskontroll-Abkommens Priorität.
Hinzu kamen die technische Verwundbarkeit der Anlage und
der Kostenfaktor. Für die USA war es in dieser Situation
erfolgversprechender, auf SALT zu setzen und auf ABM-Systeme
weitgehend zu verzichten, zumal sie sich ebenso wie die
Sowjets mit Verve auf eine neue und erfolgversprechendere
Technologie stürzten, die den Rüstungswettlauf
anheizen sollte: die nuklearen Mehrfachsprengköpfe.
Das ABM-Abkommen machte die ursprünglichen
Pläne der Nixon/Kissinger-Administration endgültig
zur Makulatur. Es verbietet die Entwicklung, Erprobung und
Aufstellung von landesweiten Raketenabwehrsystemen. Beide
Seiten einigten sich auf Wunsch der US-Regierung im Sommer
1974, durch ein Zusatzabkommen zum Vertrag die erlaubten
zwei Stellungen auf jeweils eine zu verringern - entweder
zum Schutz einer Raketenbasis oder der Landeshauptstadt.
Das Safeguard-System in Grand Forks ging im Oktober 1975
voll in Betrieb, bereits im Monat darauf beschloß
der Kongreß jedoch, die als ineffizient angesehene
Anlage mit Ausnahme der Radartechnologie abzureißen.
Das wohl kurzlebigste militärische Großprojekt
in der Geschichte der USA verschlang nahezu $ 6 Mrd.[5]
Versuchte Kehrtwende (I): Die Debatte
um SDI in der Ära Ronald Reagan
Die SDI-bezogenen Passagen aus Reagans haushaltspolitischen
Fernsehansprache an die Nation vom 23. März 1983 leiteten
die zweite "Große ABM-Debatte" ein - und
damit eine neue Ära in der Geschichte der Raketenabwehr.[6]
Die SDI-Befürworter favorisierten zunächst jedenfalls
exotische Technologien, die zwar nur langfristig dislozierbar
waren, aber über kurz oder lang dem ABM-Vertrag den
Garaus gemacht hätten. Dies gilt um so mehr für
die Vorschläge der sogenannten Frühstationierer.
Sie wollten technologisch weniger anspruchsvolle kinetische
Abfangraketen, die das feindliche Ziel durch die Wucht des
Aufpralls zerstören, möglichst bald aufstellen.
Das Konzept und der Zeitpunkt unterschieden sie von SDI-Unterstützern
der Reagan-Linie.
Die SDI-Befürworter in Administration
und Senat und die Frühstationierer
Den wesentlichen Entscheidungsträgern
in Administration und Kongreß ging es vorrangig darum,
die Vorsprünge der Vereinigten Staaten bei der Raketenabwehr
zu erweitern oder zu bewahren. Dies zeigt schon das angestrebte
Tempo bei der Strategischen Verteidigungsinitiative. Die
nach der "Star Wars"-Rede für die Haushaltsjahre
1985 bis 1989 geplanten SDI-Gelder lagen fast 100% über
den Mitteln, die die Reagan-Administration vor März
1983 vorgesehen hatte. Wenn überhaupt, dann ließ
sich eine langfristig anvisierte amerikanische Superiorität
nur auf der Basis einer überlegenen F&E-Strategie
(Forschung & Entwicklung) erreichen.
Konzeptionell ging es hier nicht in erster
Linie um den Schutz der Bevölkerung, sondern der landgestützten
Raketen. Das war ein traditionelles und vergleichsweise
unkontroverses Ziel. Anders verhielt es sich mit dem (partiellen)
Bevölkerungsschutz. In dieser Frage war die US-Armee
ein gebranntes Kind, hatte sie doch in völliger Fehleinschätzung
der Lage die erste "Große ABM-Debatte" dadurch
ausgelöst, daß sie mit ihrem Sentinel-System
die Bevölkerung in einigen großen Städten
schützen wollte. US-Präsident Reagan hatte nicht
explizit von einem perfekten Schutz gesprochen. Allerdings
erweckte er durch seine Wortwahl den Eindruck, er erachte
eine vollkommene Verteidigung als möglich. Reagans
Zielvorgabe des Bevölkerungsschutzes wurde bald zu
einer Herausforderung umfunktioniert, oder man ließ
die spezifische Verteidigungsfunktion von SDI - ob Menschen
oder als verwundbar geltende Nuklearwaffen geschützt
werden sollten - gänzlich offen.
Im Sommer 1986 wurden erste Gerüchte
laut, daß das Pentagon dieses zentrale Rüstungsprogramm
insgeheim umstrukturiere. Verteidigungsminister Weinberger
- in Sachen SDI loyales Sprachrohr Reagans - hielt bis 1987
rhetorisch an einem Bevölkerungsschutz als Ziel fest.
Es gebe nur ein Raketenabwehrkonzept, nicht zwei oder drei.
SDI bedeute Bevölkerungsschutz. Als er sich am 12.
Januar 1987 wiederum zur Verteidigung von Mensch und Kontinent
bekannte, geschah dies in einem veränderten Zusammenhang
der politischen SDI-Strategie. Als Versuchsballon lancierte
Weinberger an jenem Tag zum erstenmal die Option, sobald
wie möglich mit einer in Phasen verlaufenden Aufstellung
von Raketenabwehrsystemen zu beginnen, statt zu warten,
bis das System vollständig vorhanden sei.
Präsident Reagans Vision, Nuklearwaffen
unwirksam und überflüssig zu machen, lief konzeptionell
darauf hinaus, die auf atomarer Vergeltung beruhende Abschreckung
("Mutual Assured Destruction", MAD) durch ein
neues System zu ersetzen. Befürworter dieser sicherheitspolitischen
Fernvorstellung prägten hierfür den euphemistischen
Begriff der "Wechselseitig Gesicherten Sicherheit"
("Mutual Assured Security"). Auf dem Gipfeltreffen
mit Gorbatschow im Oktober 1986 in Reykjavik präsentierte
Reagan eine zeitlich präzisierte Version seiner Vision:
Binnen zehn Jahren sollten alle (ballistischen) Offensivraketen
eliminiert sein. In der in Island erstmals öffentlich
angestrebten Vision einer nuklearwaffenfreien Welt sollte
SDI kein sicherheitspolitisches Allheilmittel mehr sein.
Es hatte jetzt lediglich die Funktion einer Versicherungspolice
vor allem für den Fall, daß die Sowjets sich
nicht an ein entsprechendes Abkommen hielten und insgeheim
Nuklearwaffen produzierten.
Den ersten Versuch, Reagans Vision auf eine
abschreckungspolitische Grundlage zu stellen, hatte Rüstungskontrollberater
Paul Nitze in seiner Philadelphia-Rede am 20. Mai 1985 unternommen.
Diese Vision blieb das Fernziel, zur nuklearen Abschreckung
gab es jedoch auf absehbare Zeit keine Alternative. Aber
dies war nicht neu in der SDI-Debatte, wenn es auch zum
Teil so wahrgenommen wurde. Neu aber war vor allem, daß
der Berater des Präsidenten und des Außenministers
zwei strikte Kriterien in die Diskussion einführte:
Überlebensfähigkeit ("survivability")
und Kostenwirksamkeit ("cost-effectiveness at the margin").
Beide mußten erfüllt sein, bevor sich eine zukünftige
Administration entscheiden sollte, ob sie die erforschten
Abwehrsysteme auch entwickeln und aufstellen wolle.
Daß die außenpolitischen Grundorientierungen
der relevanten Entscheidungsträger in der Reagan-Administration
nicht einheitlich waren, schlug sich auch auf SDI nieder.
Zwischen den ideologischen und pragmatischen Konservativen
im Pentagon und im Außenministerium gab es Friktionen
bei zentralen Fragen. Im Kongreß unterstützten
etwa 60 bis 70 Abgeordnete und schätzungsweise 40 bis
45 Senatoren den Umfang und die konzeptionelle Ausrichtung,
wie sie das Verteidigungsministerium in seinen jeweiligen
Budgets vorsah. Für die Zusammensetzung dieser Gruppe
von sicherheitspolitisch (sehr) konservativen Parlamentariern
spielten die Zugehörigkeit zur Republikanischen Partei
und die Leitbildfunktion des Präsidenten eine besondere
Rolle.
Was diese Gruppierung von den Frühstationierern
vor allem trennte, war, daß sie erst dann für
eine möglichst rasche Aufstellung von Abwehrsystemen
eintreten wollte, wenn diese Politik auch von Reagan und
seiner Administration favorisiert wurde. Die Frühstationierer,
auf deren Vorstellungen sich die Reagan-Administration konzeptionell
mehr und mehr zu bewegte (siehe unten), waren in beiden
Häusern des Kongresses vertreten. Insgesamt befürworteten
etwa 120 der 435 Abgeordneten im Repräsentantenhaus
dieses Konzept; diese Gruppe war damit nur geringfügig
größer als die der Gegner in dieser Kammer. Im
Senat gab es maximal zwanzig Frühstationierer. Sie
teilten mit vielen SDI-Befürwortern die moralisch begründete
Kritik am Abschreckungssystem und strebten langfristig seine
Überwindung an.
Die Skeptiker und Gegner von SDI
Die Skeptiker bezweifelten, daß die
Raketenabwehrvision Ronald Reagans realistisch war. Anders
als die Gegner waren sie aber eher geneigt, die technischen
Möglichkeiten der BMD-Forschung (Ballistic Missile
Defense, Raketenabwehr) auch für eine landesweite Verteidigung
auszuloten. Stärker als die Gegner begründeten
die Skeptiker die von ihnen bevorzugten Haushaltsansätze
mit den von der Größenordnung her vergleichbaren
sowjetischen Raketenabwehraktivitäten. Ihre spezifische
Haltung zur Strategischen Verteidigungsinitiative war besonders
von der konfusen Zieldiskussion in der Administration bestimmt:
War SDI als Ersatz oder als Stärkung des nuklearen
Abschreckungssystems gedacht?
Im Repräsentantenhaus machten die Skeptiker
mit 100 Abgeordneten ein knappes Viertel aller Mitglieder
dieser Kammer aus, im Senat waren es zwischen 20 und 25
Parlamentarier. Fiskalkonservative bildeten in beiden Häusern
einen festen Bestandteil dieser Gruppierung. In der Administration
konnten die führenden Militärs, Teile des State
Department und Sonderberater Paul Nitze insofern als SDI-skeptisch
bezeichnet werden, als sie gegen eine enorme Ausweitung
des Budgets waren, sich gegen eine verfrühte Stationierung
aussprachen und restriktive Kriterien für die Raketenabwehrpolitik
befürworteten.
Die Gegner hielten ein System zum Schutz der
amerikanischen Bevölkerung weder für machbar noch
für wünschenswert. Die verworrenen und widersprüchlichen
SDI-Ziele der Administration waren für sie der beste
Beweis, daß wichtige Entscheidungsträger von
Anfang an die Abschreckung nicht überwinden, sondern
nur "verbessern" wollten. Das aber war ein ganz
anderes Konzept, als es Reagans Traum suggerierte; denn
es bewegte sich nach wie vor innerhalb der herkömmlichen
Logik der Abschreckung. Die "verbesserte Abschreckung",
das heißt die erhöhte Ungewißheit der sowjetischen
militärischen Planer über den Erfolg eines Angriffes
auf die Vereinigten Staaten, war für die SDI-Gegner
nicht notwendig.
Ihr Angelpunkt war vielmehr ihre Sorge um
die Zukunft der Rüstungskontrolle und, entsprechend,
um die Folgen der mit diesem Militärprogramm verbundenen
Rüstungsdynamik für die nationale Sicherheit.
SDI oder Rüstungskontrolle - auf diese Alternative
lief ihre Kritik an der Strategischen Verteidigungsinitiative
hinaus. Die größte Sorge der SDI-Gegner galt
dem Erhalt des zentralen Elements im Rüstungskontrollregime:
dem ABM-Vertrag. Diese Gruppierung umfaßte im Repräsentantenhaus
etwa ein Viertel bis ein Drittel der insgesamt 435 Abgeordneten,
hinzu kamen maximal 30 der 100 Senatoren. In der Administration
gab es keine erklärten Gegner von Reagans Rüstungsinitiative.
Die Umsetzung der Raketenabwehrkonzepte
Anders als die Gegner und Skeptiker der Strategischen
Verteidigungsinitiative spielten die Frühstationierer
nicht auf Zeit, sondern wollten sie ausnutzen: Die noch
in der Amtszeit Reagans zu treffende Entscheidung, eine
erste Generation von SDI-Komponenten möglichst früh
zu stationieren, sollte für die folgenden Regierungen
vollendete Tatsachen schaffen. Die Vorschläge, die
diese Gruppierung im Kongreß einbrachte, waren jedoch
kein Raketenabwehrkonzept, sondern lediglich Versatzstücke.
Daß die Wirksamkeit der Technologien gering war, spielte
für sie keine Rolle. Die Hauptsache war, daß
der Stationierungsprozeß endlich begann. Dabei war
diese Fraktion auf die entsprechenden Überlegungen
der gesellschaftlichen Gruppen angewiesen, die ebenfalls
auf eine Frühstationierung hinarbeiteten. So brachte
der Abgeordnete Courter im August 1986 einen von der Heritage
Foundation formulierten Antrag ein, 100 ABM-Abfangsysteme
vertragskonform zu dislozieren. Später fand der Vorschlag
des konservativen Marshall Institute vom Dezember 1986 im
Vergleich zu den Plänen der entschiedenen Raketenabwehrbefürworter
aus den Institutionen High Frontier und Heritage Foundation
die größte Beachtung. Sie alle beruhten auf den
herkömmlichen kinetischen BMD-Technologien, die im
Zeitraum von dreieinhalb bis siebeneinhalb Jahren aufgestellt
sein könnten. Die Kosten bewegten sich, je nach Umfang
und militärischer Aufgabe, zwischen $ 3,5 und $ 121
Mrd., andere Einschätzungen lagen mit $ 200-300 Mrd.
noch viel höher.[7]
Den Kritikern ging es dagegen darum, das SDI-Programm
zu verlangsamen und verfrühte Entscheidungen hinauszuzögern.
Deshalb forderten sie ab 1986, die von der Administration
beantragten Zuwachsraten des SDI-Haushalts beträchtlich
zu vermindern. Die Gegner gingen in ihren Vorstellungen
noch einen beträchtlichen Schritt weiter als die Skeptiker.
Sie wollten das präsidiale Programm stoppen oder auf
ein wesentlich weniger umfangreiches Forschungsprojekt zurückstutzen.
In konkreten Zahlen hieß dies: den von den Befürwortern
geforderten Haushalt auf das Ausmaß von rund $ 1 Mrd.
zu reduzieren, das er vor Reagans "Star Wars"-Rede
ungefähr hatte.
Diese Auseinandersetzungen zwischen Administration
und Kongreß müssen vor dem Hintergrund der inneramerikanischen
Konstellationen betrachtet werden. Allerdings läßt
sich die Haltung der Öffentlichkeit zu einer bestimmten
SDI-Politik oder gar zu bestimmten technologiepolitischen
Konzepten (etwa zur Frühstationierung) nicht klar ermitteln.
Dies ist nicht zuletzt auf das Unwissen der Bevölkerung
zurückzuführen. Eines wußte sie jedoch:
Die Strategische Verteidigungsinitiative war das Herzensprogramm
Ronald Reagans. Ihr kontinuierliches Nichtwissen setzte
sie, solange Reagan als stark perzipiert wurde, in ebenso
beständiges politisches Vertrauen in ihn um.
Im Längsschnitt gesehen hatte Reagan
es besser als Nixon und Kissinger: Das damalige Führungsduo
stand während der ersten ABM-Debatte einer gespaltenen
Öffentlichkeit gegenüber. Selbst wenn die Mehrheit
die ABM-Politik der Regierung unterstützt hätte,
hätte sich dies angesichts der noch nie dagewesenen
regionalen Massenproteste kaum für das damalige Raketenabwehrsystem
instrumentalisieren lassen. Dies war der große Unterschied
zwischen der ersten und der zweiten Debatte. Aufgrund der
Proteste während der ersten Kontroverse ist es deshalb
auch im Hinblick auf die Reagan-Ära unangebracht, von
einem festen Konsens in der Bevölkerung in Sachen SDI
zu sprechen. Diesen Befund bestärken die Umfragen genauso
wie die polarisierten gesellschaftlichen Gruppierungen -
auf der Seite der Gegner zählen zu ihnen etwa die Naturwissenschaftler-Vereinigungen
Federation of American Scientists und die Union of Concerned
Scientists oder die Arms Control Association; auf der Seite
der Abwehrbefürworter ist in erster Linie die Heritage
Foundation zu nennen.
Raketenabwehr und Rüstungskontroll-Politik
Anfang Oktober 1985, ein halbes Jahr nach
der Wiederaufnahme der Genfer Rüstungskontrollverhandlungen
mit der UdSSR, deutete die Reagan-Administration (zunächst
gegen den Widerstand des State Department) unilateral auf
einer juristisch kaum haltbaren Grundlage den ABM-Vertrag
in einem entscheidenden Punkt neu. Danach sollten plötzlich
Tests und Entwicklung von zukünftigen weltraumgestützten
Technologien erlaubt sein. Hierzu zählten Laser- und
Teilchenstrahlenwaffen, also das Kernstück der Strategic
Defense Initiative. Mit dieser sogenannten weiten Interpretation
des ABM-Vertrages brach die Regierung Reagan mit der sogenannten
engen Deutung aller US-Administrationen seit Nixon/Kissinger.
Sie brach auch mit der Auslegung des ABM-Abkommens, das
bis dahin in der Reagan-Bürokratie selbst verbindlich
gewesen war.
Die einseitig vorgenommene Neuauslegung war
der Versuch der amerikanischen Regierung, sich einen Freifahrtsschein
für ihre Raketenabwehrpolitik zu verschaffen und ihr
den Anschein der Legalität zu geben. Gleichzeitig sollte
mit diesem unilateralen Akt der ABM-Vertrag aufgeweicht
werden, wenn man ihn angesichts der vorherrschenden Kräfteverhältnisse
schon nicht aufkündigen konnte. Die Sowjets, die Europäer
und die amerikanischen Kongreßabgeordneten protestierten
energisch. Die Regierung Reagan sah sich daraufhin im Oktober
1985 zu einem Kompromiß gezwungen. Er bestand aus
einem juristischen Ja und einem politischen Nein zur neuen
Interpretation: Über die reine Forschung hinaus seien
Tests und Entwicklung erlaubt - die weite Auslegung sei
völlig legitim; aber SDI werde in Übereinstimmung
mit der alten, restriktiven Deutung durchgeführt. Außenminister
Shultz erklärte jedoch im Februar 1987 vor dem Kongreß,
die Administration erörtere gegenwärtig, ob man
das SDI-Programm an der weiten Interpretation des ABM-Vertrages
ausrichten solle. Die neue Position des State Department
war offensichtlich das Ergebnis eines weiteren bürokratischen
Kompromisses mit den entschiedenen SDI-Befürwortern
vor allem im Pentagon. Sie drängten Anfang 1987 auf
eine baldige Entscheidung Reagans für eine möglichst
rasche Aufstellung von Raketenabwehrsystemen im Weltraum.
Weinberger hatte offenbar auf diese Option verzichtet, und
Shultz hatte dafür seine Zustimmung zur weiten Deutung
des ABM-Vertrages gegeben.
Im Kongreß wuchs der Widerstand, es
kam zu einer Machtprobe, die auf der Seite des Senats von
Senator Nunn angeführt wurde, dem ausgewiesenen konservativen
Militärfachmann. Er prophezeite in seinem Brief an
Reagan vom 6. Februar 1987, die einseitige Entscheidung
der Administration, die traditionelle Deutung zu mißachten,
werde eine verfassungsrechtliche Konfrontation großen
Ausmaßes nach sich ziehen. Im Senat brachten Sam Nunn
und Carl Levin einen Zusatzantrag ein, der die Möglichkeit
des Kongresses, mit der traditionellen Interpretation zu
brechen, beträchtlich erschwerte: Eine Mehrheit in
beiden Häusern müsse einem solchen Beschluß
zustimmen. Auch im Repräsentantenhaus verabschiedete
man 1987 einen Zusatzantrag, der die traditionelle, enge
Interpretation des ABM-Vertrages für verbindlich erklärte.
Der erste inneradministrative Kompromiß vom Oktober
1985 blieb daher unangetastet, die weite Interpretation
gab es weiterhin nur auf dem Papier. Der Kompromiß
führte dazu, daß das Pentagon einige Experimente
verschieben und so umstrukturieren mußte, daß
sie mit der engen Auslegung des ABM-Vertrages vereinbar
waren.
Was die bilateralen Gespräche mit den
Sowjets anbelangt, so durchzog der unantastbare Vorrang
von SDI in der Ära Reagan die gesamten Genfer Verhandlungen,
die im März 1985 begannen. Er bestimmte auch Reagans
Politik in Reykjavik und die US-Position in Genf im Jahr
1987 (siehe oben). Reagan plädierte auf dem Gipfel
am 10./11. Oktober 1986 für eine Aufstellung von ABM-Systemen
nach zehn Jahren; allerdings sollten Forschung, Entwicklung
und Tests im Rahmen der weiten Interpretation des ABM-Vertrages
fortgesetzt werden, während beide Seiten ihre ballistischen
Raketen gleichzeitig in diesem Zeitraum abschaffen sollten.
Die US-Position lief auf eine Beendigung des unbegrenzt
geltenden Abkommens und entsprechend auf ein unkontrolliertes
SDI-Programm hinaus, ferner stellte er eine baldige Stationierung
von Raketenabwehrsystemen in Aussicht. Die Moskauer Regierung
blieb auf ihre Weise vorübergehend unbeweglich. Sie
strebte eine nuklearwaffenfreie Welt ohne Raketenabwehrpotentiale
im Orbit an.
Die gegensätzlichen Auffassungen zur
Weltraumrüstung kamen auch am Genfer Verhandlungstisch
am deutlichsten in der Interpretation des ABM-Abkommens
zum Ausdruck. Beide Supermächte bewegten sich in dieser
Frage zunehmend voneinander weg; gleichzeitig entfernten
sie sich stärker vom Vertragstext. Nach dem Gipfeltreffen
deutete Gorbatschow beim Shultz-Besuch Mitte April 1987
eine flexiblere Position bei den erlaubten SDI-Aktivitäten
an. Offensichtlich schlug dies bei den Verhandlungen in
Genf aber nicht zu Buche. Die abrüstungspolitische
Dynamik, die bei den Mittelstreckenwaffen im Dezember 1987
zu einem historischen Vertrag führte, der eine ganze
Kategorie von zum Teil modernsten nuklearen Vernichtungswaffen
beseitigte, ließ sich nicht auf das Kernstück
der Reaganschen Militärprogramme übertragen. Im
sich eröffnenden Meer von Rüstungskontrolle blieb
SDI verhandlungspolitisch der unbewegliche Fels.
Das insgesamt ambivalente Ergebnis der zweiten
"Großen Debatte" in konzeptioneller, budgetärer
und rüstungskontrollpolitischer Hinsicht zusammengefaßt:
Reagans langfristige Vision und die mit ihr verbundene Rhetorik,
von denen zunächst eine mobilisierende Wirkung ausgegangen
war, wirkte am Ende der Ära antiquiert. Sie hatte spätestens
ab 1986 bei der informierten Öffentlichkeit an Schubkraft
verloren. Die Kluft zwischen den exotischen Technologien
auf dem Reißbrett und den propagierten Anforderungen
in einem möglichen Krieg mit der Sowjetunion war unübersehbar.
Das spätere, auf eine baldige Stationierung von kinetischen
Waffen ausgerichtete SDI-Konzept hielt einer kritischen
Evaluierung unter dem Aspekt der Machbarkeit ebenfalls nicht
stand. Trotz allem wurde SDI im Haushalt großzügig
ausgestattet: Der gesamte Raketenabwehrbereich blieb mit
cirka $ 3,5 Mrd. auf einem hohen Niveau, das ungefähr
Dreifache des Etats (1982) vor Reagans "Star Wars"-Rede.
Aus rüstungskontrollpolitischer Sicht
kann nicht hoch genug veranschlagt werden, daß sich
die Pläne für eine möglichst frühe Aufstellung
von Abwehrsystemen nicht verwirklichen ließen. Es
kam zu keiner unilateralen Aufkündigung des ABM-Vertrages,
wie dies die Frühstationierer anstrebten. Die Reagan-Administration
verlor auch den Kampf um die weite versus enge Deutung des
ABM-Vertrages und hielt sich bis zum Schluß formell
an die traditionelle Interpretation. Die Gründe für
die Niederlage: Durch ihr politisch unsensibles Vorpreschen
schuf sie eine Koalition von liberalen Rüstungskontrolleuren
und moderaten bis konservativen Parlamentariern.
Dennoch blieb die Raketenabwehr auch unter
Reagans Nachfolger George Bush das größte militärische
Programm. Es änderte seinen Namen - aus SDI wurde GPALS,
das die USA gegen weltweite und gleichzeitig begrenzte Raketenangriffe
insbesondere aus Staaten der Dritten Welt schützen
sollte (Global Protection Against Limited Strikes). Es bestand
auch weiterhin aus weltraumgestützten Komponenten ("Brilliant
Pebbles") zur Abwehr feindlicher Raketen strategischer
Reichweite, wertete aber auch die taktischen Systeme auf.
Damit wollte die neue republikanische Administration die
Raketenabwehr an die Rahmenbedingungen nach dem Ende des
Ost-West-Konflikts anpassen, die Schurkenstaaten-Problematik
hat hier ihren Ausgangspunkt. Insgesamt jedoch verlor die
Raketenabwehr in Bushs Amtszeit - wie auch in den ersten
Jahren der Clinton-Administration - an Schwung.[8]
Weichenstellung: Die dritte
große Kontroverse in der Amtszeit Bill Clintons[9]
Strategische Stabilität durch
Verzicht auf umfassende Raketenabwehr
Der Amtsantritt der Clinton-Administration
bedeutete zugleich eine neue Prioritätensetzung der
amerikanischen Raketenabwehrpolitik. Die demokratische Regierung,
die mit dem Anspruch angetreten war, die marode US-Wirtschaft
zu sanieren und sich der Innenpolitik zu widmen, betonte
außenpolitisch einen zupackenden Multilateralismus.
Den Proliferationsgefahren wollte sie in erster Linie durch
Rüstungskontrolle begegnen. So sprach sie sich für
eine unbefristete Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags
aus und machte sich zum Vorreiter eines Umfassenden Nuklearen
Teststopps.
In der Raketenabwehrpolitik vollzog die Exekutive
in Washington eine Abkehr von den umfassenden Plänen
ihrer Vorgängerregierungen. Konzeptionell und budgetär
betonte sie die Entwicklung von weltweit aufstellbaren regionalen
Raketenabwehrsystemen zur Verteidigung von amerikanischen
Truppen gegen Flugkörper mit kurzer und mittlerer Reichweite
(TMD, Theater Missile Defense). Demgegenüber rückte
die territoriale Raketenverteidigung (National Missile Defense,
NMD) ins zweite Glied. Die Clinton-Regierung stutzte diese
Abwehrvariante auf den Status eines bloßen Forschungsprogramms
zurück, das die Vereinigten Staaten am Ende in die
Lage versetzen sollte, ein landesweites Raketenabwehrsystem
zu stationieren - eine entsprechende Bedrohungslage vorausgesetzt.
Diese Neuorientierung spiegelte sich auch
in der Struktur der beantragten Haushaltsmittel wider. So
beantragte die Administration für das Fiskaljahr 1995
insgesamt $ 3,25 Mrd. in diesem Bereich, davon waren $ 2,1
Mrd. für regionale Raketenabwehrsysteme vorgesehen,
während für die NMD nur $ 587 Mio. ausgegeben
werden sollten.[10]
Die US-Regierung bekannte sich zudem zur engen
Deutung und damit zur Stärkung und dem Erhalt des ABM-Vertrags.[11]
Die unilaterale Uminterpretation des Raketenabwehrvertrags
durch die Reagan- und Bush-Administraton - nach der die
Entwicklung und das Testen von weltraumstationierten ABM-Systemen
und Komponenten vertragskompatibel seien, solange sie sich
auf "exotische" Technologien stützten - revidierte
die Clinton-Administration in einem Brief an den Kongreß
vom 13. Juli 1993 offiziell. Der ABM-Vertrag leitete auch
die Politik gegenüber Moskau an. So bekräftigten
Clinton und der russische Präsident Jelzin auf ihren
Gipfeltreffen wiederholt, das Abkommen als "Eckstein
strategischer Stabilität" anzuerkennen und aufrechtzuerhalten.
Konflikte zwischen Rußland und Moskau
entzündeten sich jedoch im Bereich der regionalen Raketenabwehr.
Da der ABM-Vertrag Systeme zur Abwehr strategischer Waffen
verbietet, ohne klarzustellen, wie dieser Terminus zu definieren
ist, ergibt sich eine Grauzone. Dies veranlaßte die
Administration dazu, mit den Russen ab November 1993 über
die Abgrenzung zwischen taktischer und strategischer Abwehr
zu verhandeln. Mehr als ein Kompromiß kam dabei nicht
heraus: TMD-Systeme, deren Abfangkörper nicht schneller
als 3 km/s fliegen und gegen Ziele mit einer Geschwindigkeit
bis zu 5 km/s und einer Reichweite von bis zu 3500 km eingesetzt
werden können, sind vertragskompatibel. Bis zu einer
vertraglichen Einigung können die USA und Rußland
unilateral entscheiden, ob Abfangraketen, die schneller
fliegen, mit dem Abkommen vereinbar sind.[12]
Die republikanische Revolution als
Auslöser der dritten Abwehrdebatte
Der Sieg der Republikaner bei den Midtermwahlen
1994 in beiden Kammern des Kongresses veränderte auch
die Parameter der Raketenabwehrdebatte. In den Reihen dieser
Partei vollzog sich ein erheblicher Rechtsruck. Ihr extrem
konservativer Flügel aus den Südstaaten sowie
die religiöse Rechte gewannen zusehends an Einfluß.
Dies nutzten äußerst konservative Institutionen
wie die Heritage Foundation und das Center for Security
Policy, die sich für die Raketenabwehr stark machten.
Schon im Wahlkampf hatten die Republikaner die von diesen
gesellschaftlichen Akteuren erhobene Forderung nach einem
umfassenden Raketenschutzschild an zentraler Stelle in ihr
Wahlprogramm aufgenommen. Ausgestattet mit klaren Mehrheiten
in Repräsentantenhaus und Senat machten sie sich daran,
ihre außenpolitischen Ziele in die Tat umzusetzen:
die Wiederbelebung amerikanischer militärischer Stärke
und der Verzicht auf multilaterale UNO-Engagements.
Der von ihnen anvisierte Raketenschutzschild
war nicht mehr dazu gedacht, das US-Territorium gegen einen
massiven Raketenangriff zu schützen. Es sollte vielmehr
als elementarer Bestandteil republikanischer sicherheitspolitischer
Vorstellungen ein Maximum amerikanischer Handlungsfreiheit
gewährleisten. Dahinter steckt die Überzeugung,
die Verwundbarkeit der USA gegen Angriffe mit ballistischen
Raketen könnte die Vereinigten Staaten in Krisensituationen
erpreßbar machen und sie davon abhalten, ihre nationalen
Interessen durch ein internationales Eingreifen zu verteidigen.[13]
Die nukleare Abschreckungsstrategie erweist sich aus dieser
Sicht in derartigen Situationen als unzureichend, da es
sich bei dem Iran, Irak, Libyen, Syrien oder Nordkorea um
irrationale Akteure handelt, die der Logik der Abschreckung
nicht zugänglich sind.
Das Streben dieser "Schurkenstaaten"
nach Massenvernichtungsmitteln und Langstreckenträgerraketen
beurteilen die Abwehrbefürworter weniger aus regionalen
sicherheitspolitischen Motiven, sondern erachten es als
unmittelbare Bedrohung der USA und deren Interessen. Zudem
sind die Republikaner der Ansicht, daß sich die Weiterverbreitung
von WMD und Trägersystemen durch Verträge und
Abkommen wie dem Raketentechnologiekontrollregime nicht
verhindern lasse. Deshalb setzen sie stärker auf unilaterale
militärtechnologische Strategien, um das Proliferationsproblem
zu bekämpfen. Dies traf nicht nur auf die Raketenabwehrfrage
zu, vielmehr liefen die Republikaner gegen jegliche Form
der multilateralen Rüstungskontrolle Sturm. So weichte
gerade der Senat mit dem ultrakonservativen Vorsitzenden
des Auswärtigen Ausschusses, Jesse Helms, die Chemiewaffenkonvention
auf, und auch der Umfassende Nukleare Teststoppvertrag geriet
von Anfang an unter Druck.
Das ABM-Abkommen, das die Dislozierung eines
landesweiten Abwehrsystems verbietet, stand im Zentrum ihrer
Attacken. Er sei in seiner derzeitigen Form nicht länger
im Interesse der Vereinigten Staaten und solle entweder
bilateral mit Moskau an die amerikanischen Raketenabwehrpläne
angepaßt oder bei russischem Widerstand einseitig
aufgekündigt werden. Die russischen Bedenken, ein amerikanisches
Raketenabwehrsystem werde Moskaus nukleare Zweitschlagsfähigkeit
in Frage stellen und zu einem neuen Rüstungswettlauf
führen, der die bisherigen Fortschritte der nuklearen
Abrüstung gefährde, ignorierten die Republikaner
schlichtweg. Im Gegensatz zur Clinton-Administration und
den Demokraten im Kongreß wollten sie eine Abkehr
von der "Russia First!"-Politik erreichen.
Bereits kurz nach dem Zusammentreten des neuen
Kongresses brachten die Republikaner im Repräsentantenhaus
den National Security Revitalization Act ein, der vorsah,
daß das Pentagon innerhalb von 60 Tagen einen verbindlichen
Plan für die schnellstmögliche Aufstellung eines
Nationalen Raketenabwehrschirms vorlegen sollte. Er beinhaltete
zusätzlich die Steigerung des Etats in diesem Bereich
von $ 3 Mrd. auf $ 4 Mrd.
Diese Pläne scheiterten jedoch nicht
zuletzt wegen am Widerstand der auf einen Haushaltsausgleich
bedachten Defizitfalken aus der eigenen Fraktion. Vierundzwanzig
von ihnen stimmten im Frühjahr mit den Demokraten für
einen stark abgeschwächten Vorschlag. Aus der verbindlichen
Aufstellung wurde die "Entwicklung von Optionen für
die Stationierung", das Abwehrsystem sollte ferner
aus bodenstationierten Elementen anstatt aus anspruchsvolleren
weltraumgestützten Komponenten bestehen.
Verhärtete Konstellationen
in der Debatte
Langsam reagierte die Administration jedoch
auf den Druck aus den Reihen der Republikaner. Die vom Verteidigungsministerium
Anfang 1996 durchgeführte Ballistic Missile Defense
Program Review nahm eine erhebliche Umorientierung des bisherigen
bloßen Forschungsprogramms zur Entwicklung von Aufstellungsoptionen
vor. National Missile Defense wurde - und das stellt einen
großen Sprung dar - von einem Forschungsprojekt zu
einem Programm zur Dislozierung. Das neu formulierte Ziel
firmierte unter dem Etikett "3+3": Einer dreijährigen
Entwicklungs- und Planungsphase sollte, falls die Bedrohungslage
dies notwendig mache, eine dreijährige Beschaffungs-
und Aufstellungsperiode bis zum Jahre 2003 folgen. Damit
legte die Clinton-Administration zum ersten Mal Pläne
vor, die eine konkrete Dislozierung territorialer Abwehrsysteme
in Betracht zogen.
Dieses Entgegenkommen der Administration in
der Raketenabwehrfrage war jedoch den Republikanern nicht
ausreichend. Sie drängten weiterhin auf einen verbindlichen
Aufstellungsbeschluß. Ferner versuchten sie, Robert
Dole, dem republikanischen Präsidentschaftskandidat
und als Mehrheitsführer im Senat Sponsor des Defend
America Act of 1996, ein klares verteidigungspolitisches
Profil zu verleihen. Auf diese Weise sollte er sich als
deutliche Alternative zu Präsident Clinton präsentieren.
Jedoch scheiterten die republikanischen Vorhaben
immer wieder an vier Faktoren:[14] Erstens gelang es ihnen
nicht, die Gesellschaft für dieses Vorhaben einzunehmen.
Die Prioritäten der Amerikaner lagen eindeutig auf
der Innenpolitik, Außen- und Sicherheitspolitik rangierte
nicht einmal unter den zehn Themen, denen sie ihre Hauptaufmerksamkeit
widmeten.[15] Zweitens sahen auch viele republikanische
Parlamentarier die Kosten der Raketenabwehrpläne als
zu hoch an. So bezifferte das Congressional Budget Office
die finanziellen Aufwendungen für ein mehrschichtiges
System bis zum Jahre 2010 auf $ 31 Mrd. bis 60 Mrd. Drittens
teilten zentrale Akteure der Regierung, des Militärs
und der Demokraten im Kongreß die Bedrohungseinschätzung
der Republikaner nicht. Sie setzten weiterhin auf diplomatisch-politische
Mittel, um das Proliferationsproblem zu bekämpfen Viertens
gelang es den Republikanern nicht, das Militär als
Verbündeten zu gewinnen. Es lehnte einen Crashkurs
in der Raketenabwehrfrage weiterhin ab. Die republikanischen
Pläne erreichten noch nicht die kritische Masse, um
die Regierung auf die Aufstellung eines Nationalen Raketenabwehrsystems
verpflichten zu können.
Jedoch machten sich gerade die Republikaner
im Senat zum Vorreiter einer aggressiven Raketenabwehrpolitik.
Sie versuchten 1996, das "Gesetz zur Verteidigung Amerikas"
unter allen Umständen zur Abstimmung zu bringen, um
"[...] eine klaffende Lücke in der Politik der
nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten zu schließen".[16]
Sie scheiterten jedoch am geschlossenen Widerstand der Demokraten,
die die Abstimmung über das "Gesetz, um Amerika
unsicherer zu machen"[17] durch einen Filibuster verhinderten:
Den Republikanern gelang es trotz der Mobilisierung aller
52 Stimmen aus der eigenen Fraktion nicht, mehr als eine
Stimme aus dem demokratischen Lager zu gewinnen, um die
notwendigen 60 Stimmen zu erreichen und so die Abstimmung
zu erzwingen.
Angesichts dieser Konstellationen schienen
die republikanischen Versuche, die Regierung durch Gesetzgebungsbeschlüsse
dazu zu veranlassen, vor dem Jahr 2000 über eine Dislozierung
zu entscheiden, erneut zum Scheitern verurteilt. Zwar waren
diese Vorhaben in beiden Kammern mehrheitsfähig. Wie
in den Vorjahren war jedoch absehbar, daß die Republikaner
weiterhin nicht über die erforderlichen Mehrheiten
verfügen würden, um ein Veto des Präsidenten
zu überstimmen bzw. einen demokratischen Filibuster
im Senat zu verhindern.
Weiterhin zogen sich die Demokraten im Senat
auf den Standpunkt zurück, ballistische Raketen in
den Händen von "Schurkenstaaten" stellten
zwar eine Bedrohung dar. Die Regierung trete ihr jedoch
mit dem Raketenabwehrprogramm angemessen entgegen. Zudem
existierten unkonventionelle Arten der Verbringung von Massenvernichtungsmitteln
- so z.B. Kofferbomben oder das Versprühen von biologischen
Kampfstoffen -, gegen die ein NMD-System nichts auszurichten
vermag. Die Abwehrpläne könnten sich sogar für
den Fall als kontraproduktiv erweisen, daß sie die
Russen veranlassen, bestehende Abrüstungsverträge
nicht zu ratifizieren bzw. aufzukündigen. Der ABM-Vertrag
sei hingegen weiterhin ein wichtiges Rüstungskontrollinstrument.
Sein Wert liege darin, tiefe Reduktionen im offensiven nuklearen
Bereich erst zu ermöglichen.
Raketenabwehr als gesetzlicher Auftrag
Während die Gegner der republikanischen
Pläne ihre Reihen weiterhin geschlossen hielten, veränderten
zwei Geschehnisse im Sommer 1998 den Diskurs über Raketenabwehrsysteme
im politischen System dauerhaft und leiteten die amerikanische
Wende in diesem Politikfeld ein. Im Juni 1998 legte die
Rumsfeld-Kommission ihren Bericht[18] über die Bedrohung
der USA durch ballistische Raketen vor. Sie war auf Initiative
des Kongresse eingerichtet worden. Ihre Aufgabe war es,
die Bedrohungsanalyse der Geheimdienste zu überprüfen.
Die Vorstellung ihrer Hauptergebnisse sollten
die Debatte um die Bedrohung der USA nachhaltig verändern,
stellte das Gremium doch fest, daß Staaten, die nach
Interkontinentalraketen streben, in fünf Jahren (im
Falle des Iraks in zehn Jahren) in der Lage seien, durch
Raketenangriffe massive Zerstörungen auf dem Territorium
der Vereinigten Staaten anzurichten. Zudem wären die
USA über Jahre hinweg nicht in der Lage, den Beginn
eines solchen Beschaffungsprogramms festzustellen. Die Bedrohung
sei somit akuter, als es die offiziellen Geheimdienstanalysen
angenommen hatten. Was sie besonders besorgniserregend macht,
sei die abnehmende Fähigkeit der US-Geheimdienste,
diese Raketenprogramme aufzuspüren. Zudem könnten
Problemstaaten bei der Entwicklung von ballistischen Raketen
und Massenvernichtungsmitteln zunehmend auf ausländische
Hilfe setzen.
Zusätzliche Munition erhielten die Raketenabwehrbefürworter
durch ein zweites Ereignis: den Raketentest Nordkoreas.
Am 31. August 1998 testete Pjöngjang eine Taepo Dong
1-Rakete, um einen Satelliten in den Weltraum zu befördern.
Die Tatsache, daß das Trägersystem entgegen allen
Einschätzungen der amerikanischen Geheimdienste über
eine dritte Antriebsstufe verfügte, lieferte eine anschauliche
Bestätigung der Feststellungen des Rumsfeld-Reports
- das also die Vorwarnzeit der USA, ein fortgeschrittenes
Raketenprogramm aufzuspüren, drastisch gesunken sei.
Der wegen der Lewinsky-Affäre durch das
von den Republikanern initiierte Impeachment-Verfahren bedrohte
Präsident holte in dieser Situation angesichts des
zunehmenden republikanischen Drucks zum Befreiungsschlag
aus und verfolgte eine Strategie, die ihm in den Vorjahren
schon in der Innenpolitik Erfolg beschert hatte: Er ging
auf die Vorstellungen der Republikaner zu, um ihnen so den
Wind aus den Segeln zu nehmen. In seiner State of the Union-Ansprache
vom 19. Januar 1999 sprach er sich dafür aus, die Verteidigungsausgaben,
die seit 1985 gesunken waren, wieder zu erhöhen. Am
Folgetag ließ Verteidigungsminister Cohen dann bei
einer Pressekonferenz die Bombe platzen: Angesichts der
im Juni 2000 anstehenden Entscheidung über die Aufstellung
eines NMD-Systems werde die Administration in den nächsten
sechs Jahren Finanzmittel in Höhe von $ 6,6 Mrd. zusätzlich
zu den schon veranschlagten $ 4 Mrd. bereitstellen, als
Grund nannte er die reale und ansteigende Bedrohung. Der
Rumsfeld-Report sowie der nordkoreanische Raketentest hätten
deutlich gemacht, daß "[...] sich die Vereinigten
Staaten tatsächlich einer Raketenbedrohung unseres
Territoriums aus einem Schurkenstaat ausgesetzt sehen, gegen
die wir das amerikanische Volk verteidigen müssen."[19]
Die Administration erwarte - so Verteidigungsminister
Cohen -, daß das Kriterium der Bedrohung bald eine
Aufstellung rechtfertige, so daß die technologische
Machbarkeit der entscheidende Faktor sei. Aus diesem Grunde
streckte die Regierung das "3+3"-Programm auf
ein "3+5"-Programm, um den Vorwürfen der
Kritiker zu begegnen, die Vereinigten Staaten würde
vorschnell auf noch nicht ausgereifte Technologien setzen.
Bis zum Jahre 2005 werde die Technologie dann verfügbar
sein.[20]
Um die amerikanischen Raketenabwehrpläne
zu ermöglichen, solle der ABM-Vertrag in bilateralen
Verhandlungen mit Rußland entsprechend abgeändert
werden. Allerdings betonte Verteidigungsminister Cohen ausdrücklich,
daß die USA für den Fall, daß Moskau nicht
mit sich reden läßt, die Option hätten,
den Vertrag mit sechsmonatiger Vorlaufzeit einseitig aufzukündigen.
Damit erzielten die Republikaner nach jahrelangen
Versuchen, die Administration von der Notwendigkeit einer
territorialen Raketenabwehr zu überzeugen, einen Triumph.
Die Administration schwenkte auf den republikanischen Kurs
ein und machte sich selber zum Advokaten einer nationalen
Raketenverteidigung. In dieser Situation brachten die Republikaner
den National Missile Defense Act of 1999 ein, um einen unmittelbaren
Aufstellungsbeschluß zu erreichen. Angesichts des
Positionswechsels der Administration gaben die Demokraten
ihren Widerstand auf, und der National Missile Defense Act
wurde im Senat mit nur drei demokratischen Gegenstimmen
verabschiedet, auch im Repräsentantenhaus stimmten
317 Abgeordnete bei 105 Gegenstimmen für den Gesetzesentwurf.
Die Debatte um die Raketenabwehr blieb jedoch
unverändert kontrovers. Zwar unterzeichnete der Präsident
am 27. Juli 1999 die Gesetzesvorlage, einen endgültigen
Aufstellungsbeschluß bedeutete dies jedoch noch lange
nicht. Während Clinton und die Demokraten im Kongreß
zuvörderst eine einvernehmliche Änderung mit Rußland
über die Zukunft des ABM-Vertrages erzielen wollten,
drängten die Republikaner auf eine schnelle Dislozierung.
Ein Einvernehmen ließ sich im Wahljahr 2000 nicht
mehr erzielen. Präsident Clinton entschied sich vielmehr
dafür, sich nicht zu entscheiden. Er überließ
es damit seinem Nachfolger, über eine Aufstellung zu
beschließen. Clinton bezog sich in seiner Rede vom
1. September 2000 auf die vier Kriterien für ein Raketenabwehrsystem,
die ihm schon die Kritiker im Senat ins Stammbuch schrieben.
Sie knüpften ihre Zustimmung zum National Missile Defense
Act an vier Kriterien: die Bedrohungslage, die operative
Wirksamkeit, die Kostenabwägung gegenüber anderen
Militärvorhaben und die Reaktionen anderer Staaten
(insbesondere Rußland und China).
Versuchte Kehrtwende (II): George
W. Bush
Argumente, Abwehr und ABM-Vertrag
vor dem 11. September in Administration und Senat
Bereits im Wahlkampf um die Präsidentschaft
war die schnellstmögliche Aufstellung eines Abwehrsystems
gegen eine Handvoll feindlicher Raketen der wichtigste sicherheitspolitische
Programmpunkt des republikanischen Herausforderers George
W. Bush gewesen. Seit seinem Amtsantritt hat die Verwirklichung
eines solchen Schirms oberste rüstungstechnologische
und militärpolitische Priorität. Dafür stehen
insbesondere Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und sein
Stellvertreter Paul Wolfowitz. Die große Entschlossenheit
drückt sich ferner dadurch aus, daß die Regierung
die Akzeptanz des Programms im eigenen Land und international
erhöhen will. Sie hat hier aus den "Fehlern"
der Clinton-Administration gelernt, vor allem in konzeptioneller
und technologischer Hinsicht. Ein "Nationales"
Raketenabwehrprojekt, das in erster Linie die USA schützen
soll, gibt es nicht mehr - aus "National Missile Defense"
ist allgemein "Missile Defense" geworden. Damit
entfällt ein Kritikpunkt von Seiten der Verbündeten,
bei denen man Zonen unterschiedlicher Sicherheit befürchtete.
Hinsichtlich der Systemarchitektur macht sich
die Bush-Regierung wenn nicht immun, so doch schwerer angreifbar.
Denn sie will die "Fortschritte" und "Leistungen"
ihres Rüstungsvorhabens nicht durch klare, transparente
und damit einklagbare Standards und Zielmarken ("requirements")
definieren. Ihr neuer Ansatz orientiert sich vielmehr an
den Fähigkeiten der einzelnen zu entwickelnden und
zu testenden Projekte, aus denen es die meistversprechenden
auszuwählen und umzusetzen gilt. Die Entschiedenheit
der republikanischen Administration macht sich schließlich
an konkreten Haushaltsforderungen fest. Sie beantragte für
das Fiskaljahr 2002 $ 8,3 Mrd. Das sind 57 Prozent mehr
als die Clinton-Administration 2000 für die Abwehr
gefordert hatte; dieser Zuwachs stellt die Steigerungsraten
aller anderen Militärprogramme in den Schatten.
Mit außerordentlicher Energie ist die
Regierung Bush seit ihrem Amtsantritt bestrebt, für
die Notwendigkeit eines neuen strategischen Konzepts zu
werben, das nicht mehr allein auf nuklearen Offensivwaffen
beruht, sondern zusätzlich und verstärkt Abwehrwaffen
berücksichtigt, um auf die neuen sicherheitspolitischen
Herausforderungen angemessen reagieren zu können. Sie
ergeben sich aus der Weiterverbreitung von Massenvernichtungsmitteln
im atomaren, biologischen und chemischen Bereich sowie bei
den Trägersystemen, die dieses Zerstörungspotential
an ihr Ziel bringen sollen. Problemstaaten, die dem Westen
feindlich gegenüberstehen, sind aus dieser Sicht bereits
zu einer realen Gefahr geworden (Nordkorea) oder werden
in absehbarer Zeit wahrscheinlich (Iran) oder möglicherweise
(Irak) zu einer militärischen Bedrohung für die
USA und ihre Verbündeten.
Gegenüber Rußland ist die Maximalposition
der US-Regierung eindeutig: der ABM-Vertrag soll überwunden
werden. Das neue strategische Konzept dürfe nicht nur
den veränderten internationalen Rahmenbedingungen Rechnung
tragen, sondern der Administration gleichzeitig völlig
freie Hand lassen, um ihre Raketenabwehrpläne umzusetzen.
Entsprechend lehnt die Regierung einen 'Anwalts-Ansatz'
ab, in dessen Rahmen von Mal zu Mal nicht ohne Juristen
zu entscheiden ist, welche der anstehenden Tests mit dem
Vertrag vereinbar sind und welche nicht. In vielen Fällen
ergeben sich es weiterhin interpretationsbedürftige
Grauzonen, die nicht nur zwischen den amerikanischen Akteuren
ausgehandelt werden müssen, sondern auch mit dem Vertragspartner
Rußland. Die hiermit verbundenen Verzögerungen
sind gerade nicht im Sinne einer zügigen und ungehinderten
Durchführung der Abwehrvorhaben.
Weil die US-Administration nicht mit Moskau
im Detail über mögliche Vertragsverletzungen streiten
möchte, will sie sich möglichst einvernehmlich
mit Rußland über den ABM-Vertrag hinaus bewegen.
Deshalb hat Washington im Laufe des Jahres 2001 den zeitlichen
Druck auf die russische Regierung erhöht. Ab Sommer
verminderten führende US-Politiker die Auslaufzeit
der "Handschelle"[21] ABM-Vertrag auf nur einige
Monate. Während seines Besuches in Moskau Mitte August
2001 stellte Verteidigungsminister Rumsfeld seinen russischen
Gesprächspartnern zwar kein Ultimatum. Laut Interfax
machte er jedoch klar, daß die US-Regierung im Oktober
oder November eine endgültige Entscheidung über
das Abkommen treffen wolle.[22] Vor dem 11. September war
das endgültige Aus für den ABM-Vertrag bereits
beim Novembergipfel in Crawford wohl beschlossene Sache.
Um Entschlossenheit auch gegenüber der republikanischen
Klientel zu demonstrieren, legte das Pentagon ab Juli einen
schnelleren Gang bei den geplanten Tests ein, die in Konflikt
mit dem ABM-Vertrag geraten könnten. Das ging erstmals
aus der Erklärung des Stellvertretenden Verteidigungsministers
Paul Wolfowitz am 12. Juli vor dem Verteidigungsausschuß
des Senats hervor: Es sei nunmehr eine Sache von Monaten
und nicht von Jahren, daß die Abwehrvorhaben mit dem
Vertrag in Konflikt gerieten.[23]
Das von der US-Seite angestrebte neue strategische
Konzept blieb nur in Umrissen erkennbar. Klar ist, daß
es in seinen abwehrbezogenen Elementen (Abschied vom ABM-Vertrag)
auf ein Konstrukt zu amerikanischen Bedingungen hinauslaufen
sollte. Klar war auch, daß die Administration die
Anzahl der strategischen Nuklearwaffen unter den START II-Rahmen
(Strategic Arms Reduction Talks) von je 3500 vermindern
wollte ("Großer Handel"/"Grand Bargain");
allerdings nannte sie keine konkreten Zahlen. Gemutmaßt
wurde immer wieder über 2500 bis 2000 Sprengköpfe
- die Grenze, die schon Bushs Vorgänger Clinton angestrebt
hatte. Diese Offerte, die sich in Wirklichkeit an den strategischen
Interessen der USA orientiert, gilt als Entgegenkommen im
Rahmen eines "Großen Handels", ist aber
von den Vorstellungen der Russen - 1500 Atomgefechtsköpfe
- weit entfernt. Die Abwehr der republikanischen Administration
gegenüber jeder Form der vertraglichen und einklagbaren
Selbstbindung betrifft nicht nur den ABM-Vertrag. Sie bezieht
sich auch auf den angestrebten, völkerrechtlich nicht
verbindlichen, strategischen Rahmen und auf die bevorzugte,
einseitig vorgenommene Verminderung bei den Nuklearsprengköpfen.
Die Administration will keine jahrelangen Verhandlungen
wie während des Ost-West-Konflikts. Vielmehr setzt
sie auf rasche Ergebnisse. Nicht-vertragliche Regelungen
haben aus der Sicht der Bush-Regierung noch zwei weitere
Vorteile: Sie müssen nicht von dem jeweiligen Parlament
ratifiziert werden und können jederzeit wieder korrigiert
oder gar rückgängig gemacht werden.
Seitdem die Demokraten nach dem Parteiaustritt
des republikanischen Senators Jeffords die Mehrheit in dieser
Kammer erlangt und damit alle Schlüsselposten besetzt
haben, ist der Anspruch des Kongresses auf seine Kontrollfunktion
("divided government") gestiegen. Hierzu gehören
insbesondere der Mehrheitsführer Tom Daschle sowie
die Vorsitzenden der Ausschüsse für Verteidigung
und Auswärtiges, Carl Levin und Joseph Biden. Die Raketenabwehr
gehört zu den Politikfeldern, bei denen neben Übereinstimmungen
auch beträchtliche Differenzen zur Administration deutlich
wurden. Führende Senatoren teilen die Bedrohungseinschätzung
der Regierung etwa im Hinblick auf Nordkorea nicht. Sie
haben die Gefahr terroristischer Angriffe etwa mit Kofferbomben
in den Mittelpunkt ihrer Argumentation gerückt. Derartige
Attacken, gegen die das Abwehrsystem unwirksam sei, seien
am wahrscheinlichsten - vor allem Senator Levin hat dies
immer wieder betont und sich dabei auf eine entsprechende
Analyse der höchsten amerikanischen Militärs,
der Joint Chiefs of Staff, berufen.[24]
Führende demokratische Senatoren sind
einerseits mit der Administration der Auffassung, daß
der ABM-Vertragspartner Rußland kein Veto über
die US-Entscheidungen haben solle. Dennoch liefen sie anfangs
Sturm gegen die in Bushs Grundsatzrede vom 1. Mai vorgezeichnete
Option, notfalls unilateral aus dem ABM-Vertrag auszusteigen.[25]
Die abwehrskeptischen Senatoren plädierten mit Verweis
auf den Missile Defense Act of 1999 eindeutig dafür,
das Nukleararsenal gemeinsam mit den Russen drastisch zu
vermindern. Aber es ging aus ihren Ausführungen nicht
klar hervor, wie ein solches Arrangement aussehen könnte
- also ob sich die Veränderungen innerhalb des Abkommens
bewegen sollen, ob es einen vertraglich verbindlichen Ersatz
geben, oder ob es sich (entsprechend den Vorstellungen der
Administration) um einen völlig neuen strategischen
Rahmen handeln soll. Vieles spricht dafür, daß
die maßgeblichen Senatoren den ABM-Vertrag nicht in
einem Handstreich zur Makulatur werden lassen wollen. Sie
ziehen es offenbar vor, ihn einvernehmlich mit Rußland
Stück für Stück an die Rüstungspläne
der Administration anzupassen. Maßgebliche demokratische
und republikanische Senatoren haben der Administration unmißverständlich
geraten, die Kammer vor einem unilateralen Rückzug
aus dem ABM-Vertrag zu konsultieren.
Als die Regierung das Tempo, in dem sie ihr
Testprogramm durchzuführen gedachte, ab Sommer steigerte,
verstärkten die Demokraten im Gegenzug die Kontrollfunktion
des Senats. Der Kollisionskurs des Pentagon mit dem ABM-Vertrag
war beabsichtigt, Wolfowitz scheute auch deshalb die Konfrontation
mit den Abwehrkritikern im Verteidigungssauschuß nicht.
Die am 7. September verabschiedete Gesetzesvorlage
für den kommenden Rüstungshaushalt trägt
die deutliche Handschrift der verärgerten Senatoren.[26]
Der Verteidigungsausschuß machte den Anspruch des
Kongresses aktenkundig, daß die Bush-Administration
die Gelder für Abwehrprogramme bewilligen lassen muß,
die gegen den ABM-Vertrag verstoßen. Die problematischen
Vorhaben muß sie dem Parlament vorher vorlegen. Damit
hat die Legislative hier die Möglichkeit der Steuerung
der Raketenabwehraktivitäten bis in die Feinheiten
hinein ("micromanagement"). Der Ausschuß
empfahl zudem, die vom Pentagon beantragten Gelder in Höhe
von $ 8,3 Mrd. um $ 1,3 Mrd. zu kürzen. Gleichzeitig
schrieb er, wenn auch in abgeschwächter Form, jene
vier Kriterien in die Gesetzesvorlage hinein, die bereits
Präsident Clinton bei seinem Entschluß für
die Aufstellung eines Abwehrsystems berücksichtigen
mußte (siehe oben). Der Ausschuß wies nicht
ohne skeptischen Unterton darauf hin, daß die Administration
den größten Zuwachs für ein Programm fordere,
das eine Antwort auf eine der am wenigsten wahrscheinlichen
Bedrohungen durch Massenvernichtungsmittel für die
USA darstelle. Vier Tage vor dem 11. September schienen
damit auch in dieser Gesetzesvorlage die Szenarien der abwehrkritischen
Senatoren durch, die nicht von Schurkenstaaten ausgehende
Raketenangriffe, sondern vielmehr Terroranschläge mit
Massenvernichtungsmitteln für die wahrscheinlichste
Bedrohung hielten.
Argumente, Abwehr und ABM-Vertrag
nach dem 11. September
Eigentlich war der 11. September eine Bestätigung
der Abwehrgegner. Art und Ausführung der Anschläge
bekräftigen ihre Bedrohungsanalysen, ihre Zweifel an
der rüstungspolitischen und budgetären Konzentration
auf die Raketenabwehr. Gegen ein solches Vorgehen von Terroristennetzwerken
und dem Einsatz derartiger Waffen bleiben Abwehrwaffen jedoch
stumpf. Diese Einschätzung drängte sich jedenfalls
nach jenem Dienstag im September auf, dennoch hat sie sich
als falsch erwiesen. Denn die Katastrophe hat die Dynamik
im Senat gebrochen, der gerade bei der Raketenabwehr zunehmend
selbstbewußt und kritisch gegenüber der Exekutive
aufgetreten war. Die Argumente der Abwehrkritiker im Senat
ließen sich nicht in eine wirksame Handlungsstrategie
umsetzen. Dem Senat blieben bisher politisch die Hände
gebunden.
Die Nation scharte sich im Zuge der beispiellosen
Welle von Patriotismus und Einheit im Kampf gegen den Terrorismus
hinter ihren Präsidenten. Jegliche Kritik an Bush hätte
von den Terroristen als Schwäche der USA am entschlossenen,
konsensualen Handeln der Weltmacht ausgelegt werden können.
Dieser Situation fiel auch die von den Abwehrskeptikern
angestrebte verstärkte Kontrollfunktion des Senats
zum Opfer; die Senatoren zogen die Bestimmung zurück,
die das Pentagon verpflichtete, alle gegen den ABM-Vertrag
verstoßenden Abwehraktivitäten dem Kongreß
zur Bewilligung vorzulegen. Auch zu der vom Verteidigungsausschuß
vorgeschlagenen Verminderung des Pentagon-Haushalts für
die Raketenabwehr kam es nicht; es waren schließlich
nur $ 400 Mio. weniger. Die Abwehrskeptiker machten indes
deutlich, daß die Kontrollklausel aufgeschoben, nicht
aber aufgehoben sei.[27]
Die Administration nutzte diese unerwartete
Gunst der Stunde für sich in glänzender und entschlossener
Weise. Es gelang ihr, ihre sprunghaft angestiegene Macht
für das präsidentiale Abwehrprogramm und für
den Kampf gegen den ABM-Vertrag in Definitionsmacht umzusetzen.
Denn die kompromißlosen Abwehrbefürworter in
der Regierung (auch die im Kongreß und im gesellschaftlichen
Umfeld) nahmen die Ereignisse des 11. Septembers nicht nur
als Bestätigung ihrer Position. Sie bauten die Katastrophe
vielmehr als verstärkendes Element in ihre Begründungen
für die Notwendigkeit der Abwehr ein. Dort, wo die
Befürworter vor dem schrecklichen Dienstag ausschließlich
Saddam Hussein und Kim Jong-Il als größte Bedrohung
durch Schurkenstaaten aufführten, reihten sie nach
dem 11. September Osama bin Laden nahtlos ein. Hätten
die Terroristen Massenvernichtungsmittel gehabt, so die
Begründung, hätten sie diese anstatt der Teppichmesser
eingesetzt - daß die geplante Raketenabwehr gegen
solche Aktivitäten nicht ausgelegt ist, war nicht Teil
der Argumentation. Kein geringerer als Präsident Bush
entwickelte dieses Szenario als einen weiteren Grund für
die schnellstmögliche Aufkündigung des ABM-Vertrages.[28]
Die mögliche Übernahme der Macht
in Islamabad durch radikale Muslime und deren Zugriff auf
die pakistanischen Atomsprengköpfe war ein weiteres
Szenario, mit dem die Abwehrbefürworter für die
Dringlichkeit dieses Rüstungsvorhabens warben - daß
eine solche fundamentalistische Regierung mit der Androhung
des Einsatzes von Nuklearwaffen einen Gegenschlag oder einen
vorbeugenden Angriff der USA und damit ihre Auslöschung
riskierte, blieb unerwähnt; zu bedenken gilt hier,
daß extreme Regierungen kaum mit individuellen Selbstmordattentätern
zu verwechseln sind. Zudem gibt es für diesen Fall
offenbar Pläne der Bush-Administration, die Atomsprengköpfe
durch eine Spezialeinheit aufzuspüren und unschädlich
zu machen.[29] Schließlich wiesen die Abwehrbefürworter
auf den Abschuß eines Verkehrsflugzeugs durch eine
irrtümlich abgefeuerte ukrainische Rakete hin - daß
ein weltumspannender Schirm, der gegen alle aus Versehen
abgeschossenen Raketen an allen Orten schützt, technisch
kaum möglich und nicht bezahlbar ist, erwähnen
die Abwehrbefürworter in den USA nicht.[30]
Kurzum, wie grob und brüchig diese Argumentation
auch war: Die Administration konnte die sich vor dem 11.
September anbahnende Konfliktsituation zwischen ihr und
den Abwehrkritikern in der Legislative nicht nur entschärfen,
sondern - bis jetzt jedenfalls - sogar für sich entscheiden.
Verschiebungen gab es indes auch im Verhältnis
gegenüber dem ABM-Vertragspartner Rußland, und
zwar zugunsten Moskaus. Putin positionierte sich und sein
Land dadurch gegenüber den USA - allerdings nur vorübergehend
- besser, daß er außerordentlich schnell auf
die Katastrophe reagierte und umfassende Hilfe und Zusammenarbeit
anbot. Rußland ist zu einem wichtigen Partner in der
Anti-Terror-Allianz geworden, auf dessen Unterstützung
die Vereinigten Staaten angewiesen sind. Im Vorfeld des
Gipfels auf der Crawford Ranch war nicht nur Moskau, sondern
auch Washington bemüht, Kompromißbereitschaft
zu zeigen, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß.
Rußland zeigte "Verständnis" für
die amerikanischen Bestrebungen nach Überwindung des
Vertrages - Verteidigungsminister Iwanow übernahm sogar
die amerikanische Sprachregelung für den ABM-Vertrag
als "Relikt des Kalten Krieges".[31] Ende Oktober
kündigte Verteidigungsminister Donald Rumsfeld an,
daß anstehende Abwehrtests, von denen einer wohl gegen
den ABM-Vertrag verstoßen hätte, verschoben würden.
Dieses taktische Verhalten war nicht nur als Signal an die
Russen, sondern auch an den Senat zu verstehen.
Allerdings hat die Bush-Administration mit
ihrer Ankündigung vom 13. Dezember 2001, den ABM-Vertrag
einseitig aufzukündigen, einen völlig neuen Kurs
eingeschlagen. In der Geschichte amerikanischer Raketenabwehrpolitik
leitet er eine neue Etappe ein. Die Zeichen stehen derzeit
untrüglich auf Dislozierung von Abwehrsystemen und
Eröffnung eines völlig neuen Bereichs der Rüstungsdynamik:
Die perspektivische Aufstellung von Waffen im Weltraum.
Das Ende des ABM-Vertrags als Ende
der Rüstungskontrolle?
Die amerikanische Regierung betont immer wieder
zu Recht, daß es darum gehen müsse, die Verträge,
Waffenarsenale und Streitkräfte der Vereinigten Staaten
und Rußlands der Zeit nach dem zu Ende gegangenen
Ost-West-Konflikt anzupassen. Deshalb wird sich das politische
Washington fragen lassen müssen, wozu beide Seiten
nach dem Ende des Ost-West-Konflikts auch in zehn Jahren
noch über Tausende von nuklearen Gefechtsköpfen
verfügen wollen - und warum die USA und Rußland
ihre jeweiligen Zerstörungsmittel immer noch auf unzählige
militärische, zivile und industrielle Ziele gerichtet
haben. Entgegen ihrem Anspruch verharren beide Seiten in
ihrem Denken und in ihrer Militärpolitik in den Kategorien
des Kalten Krieges. Die US-Regierung legt dabei zusätzlich
unterschiedliche Geschwindigkeiten an den Tag. Während
Washington den Raketenabwehr-Vertrag als Überbleibsel
aus der Zeit des Ost-West-Konflikts bereits aufgekündigt
hat, läßt sie sich bei der Verminderung nuklearer
Offensivwaffen viel mehr Zeit.
China dürfte die Ausformulierung eines
strategischen Konzeptes zwischen Rußland und den USA
mit großer Skepsis verfolgen. Putin wird der chinesischen
Führung erklären müssen, was der im Juli
2001 von Moskau und Beijing geschlossene Freundschaftsvertrag
angesichts der zurückhaltenden Kritik an dem amerikanischen
Rückzug aus dem ABM-Vertrag wert ist. Beide Seiten
hatten darin nicht nur ihre Ablehnung der US-Raketen Abwehrpläne
bekräftigt. Vielmehr waren sie auch bestrebt, ein Widerlager
zum Übergewicht der USA zu bilden. Der Kreml wollte
sich damals wohl bei der chinesischen Führung rückzuversichern,
nun aber scheint er die Aufkündigung des Raketenabwehrabkommens
hinzunehmen, um einer wie auch immer gearteten Anbindung
an den Westen den Vorrang zu geben.
Auch nach dem offiziellen Rückzug der
Vereinigten Staaten aus dem Raketenabwehrvertrag stellt
sich die Frage, warum man in großem Tempo den ABM-Vertrag
zerstört hat, ohne ein gleichwertiges Nachfolgeabkommen
ausarbeiten zu wollen. Denn was unter Clinton galt, trifft
auch für Bush zu. Die USA haben in den nächsten
Jahren keine vertragswidrigen Raketenabwehrsysteme aufzustellen.
Es gibt sie nicht. Kein geringerer als der Leiter der Testprogramme
im Pentagon der Clinton-Ära vertritt die Auffassung,
die Tests könne man in den nächsten Jahren so
gestalten, daß sie nicht gegen den Vertrag verstoßen.
Wenn man nur gewollt hätte. Aber die jetzige Administration
setzt auf uneingeschränkte Tests, weil sie sich unter
dem Druck ihrer konservativen Wählerschaft sieht.
Es wäre wünschenswert, wenn beide
Seiten die russisch-amerikanischen Beziehungen in einer
Weise auf eine neue Grundlage stellten, die den 11. September
gerade nicht ignoriert. Jetzt käme es darauf an, die
Bedrohungslage aus den "Schurkenstaaten" erneut
zu überprüfen, nach den Erfahrungen in der multinationalen
Anti-Terror-Allianz die Chancen für multilaterale Lösungen
in der Rüstungskontrolle auszuloten und Programme verstärkt
zu fördern, die Terroristen den Zugang zu bombenfähigem
Material in Rußland und anderswo erschweren.
Hier sind mehr denn je die Europäer gefragt,
die sich Mitte des Jahres 2001 aus der Raketenabwehrdebatte
ausgeklinkt hatten. In mindestens drei Punkten ist ihr Engagement
erforderlich: Erstens geht es darum, das internationale
Rüstungskontrollregime zu stärken. Die Europäer
sollten die Präsidenten Putin und Bush drängen,
die vereinbarten Reduktionen bei den strategischen nuklearen
Offensivwaffen auf 1.700 bis 2.200 Gefechtsköpfe zu
kodifizieren; vor allem kommt es darauf an, bilaterale Gespräche
über weiterreichende Verminderungen zu beginnen. Gleichzeitig
sollten die Regierungen auf dem alten Kontinent gegenüber
ihrem wichtigsten Bündnispartner ihr Gewicht in die
Waagschale werfen, damit die USA gegenüber der Rüstungskontrolle
eine generell aufgeschlossene Haltung einnehmen. Hier kommt
es vor allem darauf an, das Nonproliferationsregime zu stärken
- also den Nuklearen Nichtverbreitungsvertrag zu erhalten,
den Umfassenden Teststoppabkommen zu ratifizieren und das
Raketentechnologiekontrollregime wirksamer zu gestalten.
Zweitens sollte die Politik der Europäer
darauf abzielen, einen Rüstungswettlauf insbesondere
in Zentralasien zu vermeiden. Deshalb sollten sie die Bush-Administration
dazu bewegen, mit China in einen ernsthaften rüstungspolitischen
Dialog einzutreten. Er müßte Beijing glaubhaft
versichern, daß sich die amerikanischen Pläne
weder gegen das chinesische Nuklearpotential richten noch
taiwanesische Unabhängigkeitsbestrebungen fördern.
Drittens ist es wichtig, unter den Europäern eine grundsätzliche
Übereinstimmung bei einigen wichtigen Fragen zu erzielen.
Ein solcher Konsens betrifft zunächst den Weltraum.
Denn der einseitige Rückzug der USA aus dem ABM-Vertrag
wird die Beschränkungen des Abkommens im Hinblick auf
die Weltraumrüstung aufheben. Dies ist ein Bereich,
in denen es verhältnismäßig leicht sein
dürfte, eine gemeinsame europäische Position zu
erarbeiten, um so die Aufstellung von Waffen im All zu verhindern.
Wenn die Europäer die eigenen rüstungskontrollpolitischen
Standards, die sie verbal immer betont haben, gegenüber
Washington ernsthaft zur Geltung bringen, tragen sie auf
ihre Weise dazu bei, die Rüstungskontrolle als sicherheitsstiftendes
Instrument auch unter schwierigen internationalen Rahmenbedingungen
zu legitimieren und am Leben zu erhalten.
[1] So der Abgeordnete Pucinski, in: Congressional
Record, 11.3.1969, S. 5973.
[2] James Stephen Bowman, The 1969 ABM Debate,
Dissertation, University of Nebraska, 1973, S. 127ff.
[3] Henry A. Kissinger, Memoiren 1968-1973,
München, 1979, S. 578.
[4] Rudolf Witzel, Von ABM zu SDI: Die Raketenabwehrdebatte
in den USA ab 1955, in: Bernd W. Kubbig (Hg.), Die militärische
Eroberung des Weltraums, Erster Band, Frankfurt/M., 1990,
S. 23-55, hier S. 28ff.; Morton H. Halperin, The Decision
to Deploy the ABM: Bureaucratic and Domestic Politics in
the Johnson Administration, in: World Politics, 25 (1972)
1, S. 62-95.
[5] Rudolf Witzel (Fn. 4), S. 37, 44.
[6] Die folgenden Ausführungen präsentieren
frühere Arbeiten des Verfassers in kondensierter Form,
vgl. insbesondere Bernd W. Kubbig, Die SDI-Debatte in der
Reagan-Administration und im Kongreß ab 1983, in:
ders. (Hg.), Die militärische Eroberung des Weltraums,
Erster Band, Frankfurt/M., 1990, S. 94-167; siehe demnächst
auch ders., Die elitäre kritische Masse. Amerikanische
Naturwissenschaftler, die Raketenabwehr und der Ost-West-Konflikt,
DFG-Bericht (im Erscheinen).
[7] Erik K. Pratt, Selling Strategic Defense.
Interests, Ideologies, and the Arms Race, Boulder / London,
1990, S. 96.
[8] Zu George Bush siehe Bernd W. Kubbig /
Harald Müller, Nuklearexport und Aufrüstung: Neue
Bedrohungen und Friedensperspektiven, Frankfurt/M., 1993,
S. 37-68.
[9] Dieses Kapitel basiert auf Mirko Jacubowski,
Kehrtwende: Strategische
Rüstungs- und Rüstungskontrollpolitik während
der Clinton-Administration (1993-1999), Diplomarbeit,
Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt/M., 2001.
[10] Vgl. Malcolm R. O'Neill, Direktor der
Ballistic Missile Defense Organization, in: 103/2 U.S. Congress,
Senate, Committee on Armed Services, Department of Defense
Authorization for Appropriations for Fiscal Year 1995 and
the Future Years Defense Program: Part 7, Nuclear Deterrence,
Arms Control, and Defense Intelligence, Hearings, Washington,
D.C., 1994, S. 520f.
[11] Vgl. Dunbar Lockwood, Administration
Backs 'Narrow' Interpretation of ABM Treaty, in: Arms Control
Today, 23 (1993) 7, S. 22.
[12] Vgl. Brian P. Curran, Charting a Middle
Course: The Clinton Administration, Theatre Missile Defence
and the ABM Treaty, in: Contemporary Security Policy, 17
(1996) 3, S. 395-429, hier S. 402.
[13] Vgl. den Aufsatz von Curt Weldon, einem
der vehementesten Befürworter eines NMD-Systems im
Repräsentantenhaus: Curt Weldon, Why We Must Act at
Once, in: Orbis, 40 (1996) 1, 1996, S. 63-69.
[14] Vgl. hierzu Joseph Cirincione, Why the
Right Lost the Missile Defense Debate, in: Foreign Policy,
Nr. 106, Frühjahr 1997, S. 39-55.
[15] Vgl. John E. Rielly (Hg.), American Public
Opinion and Foreign Policy 1999, Chicago, 1999., S. 7-8.
[16] So Senator Strom Thurmond (R-SC) in:
Congressional Record, 23.5.1996, S. S 5627.
[17] So betitelte Senator Levin (D-MI) den
Defend America Act. In: Congressional Record, 23.5.1996,
S. S 5628.
[18] Die der Öffentlichkeit zugängliche
Zusammenfassung des Berichts ist u.a. abgedruckt in: 105/2
U.S. Congress, House, Committee on National Security, Findings
and Conclusions of the Commission to Assess the Ballistic
Missile Threat to the United Stares, Hearing, Washington,
D.C., 1998, S. 43-115.
[19] Washington Hyperfile, 20.1.1999, Nr.
307.
[20] Vgl. Bernd W. Kubbig, Die Demontage des
ABM-Vertrags gefährdet die gesamte Rüstungskontrolle,
in: Bruno Schoch / Ulrich Ratsch / Reinhard Mutz (Hg.),
Friedensgutachten 1999, Münster, 1999, S. 219-227.
[21] Statement von Sen. Jeff Sessions; in:
Anhörung von Paul Wolfowitz vor dem Senate Armed Services
Committee am 12. Juli 2001 mit anschließender Debatte,
Raketenabwehrforschung International, www.hsfk.de/abm/bushadmi/wolfowit/071201a.html
(30.11.2001).
[22] Süddeutsche Zeitung, 14./15.8.2001.
[23] Vorbereitetes Statement von Paul Wolfowitz
vor dem Senate Armed Services Committee am 12. Juli 2001,
Raketenabwehrforschung International, www.hsfk.de/abm/bushadmi/wolfowit/071201.html
(30.11.2001).
[24] Rede von Senator Carl Levin: National
Defense University, 11.5.2001, Raketenabwehrforschung International,
www.hsfk.de/abm/kongress/docs/opinion/lv110501.html
(30.11.2001).
[25] Siehe z. B. Reaktionen auf Präsident
Bushs Rede zu NMD am 1. Mai 2001: News Conference with Senate
Majority Leader Thomas Daschle (D-SD); Senator Joseph Biden,
Jr. (D-DE); Senator Carl Levin (D-MI), Senator Jack Reed
(D-RI), Raketenabwehrforschung International, www.hsfk.de/abm/kongress/docs/01052001/democonf.htm
(30.11.2001).
[26] Vgl. Press Release: Senate Armed Services
Committee Completes Markup of National Defense Authorization
Bill for Fiscal Year 2002, www.senate.gov/~armed_services/press/02mark.pdf
(30.11.2001).
[27] Vgl. Abgespeckte Raketenabwehr: Weniger
Geld nach Anschlägen, www.n-tv.de/2724753.html
(30.11.2001)
[28] Auszüge einer Pressekonferenz mit
Präsident George W. Bush am 11. Oktober 2001 in Washington,
DC, Raketenabwehrforschung International, www.hsfk.de/abm/bushadmi/bush/111001.html
(30.11.2001).
[29] Frankfurter Rundschau, 30.10.2001.
[30] Statement von Rep. Bob Schaffer, in:
Congressional Record, 5.10.2001, S. E 1827f.
[31] Auszüge aus einer Pressekonferenz
mit Donald Rumsfeld und dem russischen Verteidigungsminister
Sergei Iwanow am 3. November 2001 in Moskau, Raketenabwehrforschung
International, www.hsfk.de/abm/bushadmi/rumsfeld/031101.html
(30.11.2001).
Bitte zitieren als: Martina Glebocki/Mirko
Jacubowski/Bernd W. Kubbig/Alexander Wicker, Variationen
des Themas Raketenabwehr im historischen Längsschnitt,
Raketenabwehrforschung International, Bulletin No. 33 (Frühjahr
2002), Frankfurt am Main 2002.
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