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Bulletin No 37 - Winter 2002/03
Andreas Hahn
Zwischen globalem und regionalem Hegemon:
Die Position Taiwans in der Raketenabwehrfrage
Der seit 1949 schwelende Konflikt zwischen
der VR China und Taiwan gilt als einer der gefährlichsten
der Welt. Die im Januar 2002 fertiggestellte neue Nuklearplanung
der USA nennt nur drei Krisenregionen, in denen die Vereinigten
Staaten unmittelbar in einen zwischenstaatlichen Krieg hineingezogen
werden können: den Irak, die koreanische Halbinsel
und Taiwan.[1] Doch nur bei einer Auseinandersetzung in
der Taiwan-Straße besteht für die USA derzeit
die ernsthafte Gefahr, dass es zu einem nuklearen Schlagabtausch
mit einer anderen Atommacht kommt. Nachdem die VR China
im März 1996 mit Raketentests in den taiwanischen Hoheitsgewässern
versuchte, die erste freie Präsidentschaftswahl auf
der Insel zu beeinflussen, sah sich Washington gezwungen,
zwei Flugzeugträgergruppen nach Taiwan zu entsenden
- dies war die größte Demonstration amerikanischer
Militärmacht in Asien seit dem Ende des Vietnamkrieges.
Die seitdem entbrannte Diskussion über
die Notwendigkeit einer Stationierung von regionalen Raketenabwehrsystemen
(Theater Missile Defense, TMD)[2] in der Inselrepublik stellte
in den vergangenen Jahren den wesentlichen sicherheitspolitischen
Streitpunkt im Beziehungsgeflecht zwischen Taiwan, der VR
China und den USA dar. Dieser Beitrag soll die Diskussion
nachvollziehen und die Positionen Taipehs, Washingtons und
Pekings analysieren. Neben der Frage, welchen militärischen
Nutzen Abwehrsysteme für Taiwan haben und ob es Alternativen
gibt, sollen die innen- und außenpolitischen Faktoren
erörtert werden, die Einfluss auf den Verlauf der TMD-Kontroverse
in Taiwan haben.
1. Die Rahmenbedingungen
1.1 Das Sicherheitsumfeld Taiwans
Im Gegensatz zu den meisten westlich orientierten
Staaten bedeutete das Ende des Kalten Krieges für Taiwan
keine Verbesserung seines Sicherheitsumfeldes. Nach dem
Scheitern einer behutsamen politischen Annäherung beider
Seiten zwischen 1987 und 1995 beobachtet die Regierung in
Taipeh den anhaltenden Machtzuwachs der VR China, mit der
sich die Insel seit 1949 im (Bürger-)Kriegszustand
befindet, mit zunehmender Sorge.
Bedingt durch den Zusammenbruch der Sowjetunion
und die Schließung der amerikanischen Basen auf den
Philippinen begann die chinesische Führung, das von
den Supermächten in Südostasien hinterlassene
Machtvakuum auszufüllen und dadurch die eigene Bedeutung
in der Region zu stärken. Das damit verbundene neue
chinesische Selbstbewusstsein erfuhr durch die "Rückkehr"
der ehemaligen Kolonien Hongkong und Macao zum Festland
eine weitere Stärkung und platzierte die Frage der
Wiedervereinigung mit Taiwan in den Mittelpunkt des Interesses
in Peking. Ausdruck der wachsenden Ungeduld der chinesischen
Regierung in dieser Frage ist die seit 1995 von offizieller
Seite regelmäßig wiederholte Drohung, einen Anschluss
der "abtrünnigen Provinz" notfalls mit Gewalt
zu erzwingen. Peking hat den Einsatz militärischer
Mittel niemals ausgeschlossen. Die Liste der Umstände,
unter denen die VR China zwingend Gewalt anwenden würde
- wie z.B. eine Unabhängigkeitserklärung der Insel
- wurde im Weißbuch "The One-China Principle
and the Taiwan Issue" vom Februar 2000 jedoch um einen
entscheidenden Punkt erweitert:
[
, A.H.] if the Taiwan authorities
refuse, sine die, the peaceful settlement of cross strait
reunification through negotiations, then the Chinese Government
will only be forced to adopt all drastic measures possible,
including the use of force, to safeguard China's sovereignty
and territorial integrity and fulfill the great cause
of reunification.[3]
Den zeitlichen Rahmen für die Wiedervereinigung
hatte der Militärausschuss des Zentralkomitees der
Kommunistischen Partei Chinas, das höchste politisch-militärische
Gremium der Volksrepublik, bereits im Oktober 1994 bis maximal
2010 festgelegt.[4]
Diese aggressive Haltung gegenüber Taiwan äußert
sich auch in der strategischen Neuausrichtung der chinesischen
Streitkräfte. Waren diese während des Kalten Krieges
noch voll auf einen kontinentalen Konflikt mit der Sowjetunion
eingestellt, ließ die chinesisch-russische Annäherung
seit Ende der achtziger Jahre die maoistische Doktrin eines
auf Quantität ausgelegten "Volkskrieges"
obsolet erscheinen. Statt dessen gehen die chinesischen
Militärs seit 1993 von der Möglichkeit eines "begrenzten
Krieges unter High-Tech-Bedingungen"[5] aus, um die
Interessen der VR China in den verbliebenen Konfliktfällen
- den territorialen Auseinandersetzungen im Südchinesischen
Meer, vor allem aber Taiwan - durchzusetzen. Da Peking seine
Macht bisher kaum in diese Regionen projizieren konnte,
liegt der Schwerpunkt der militärischen Modernisierung
bei den Luft- und Seestreitkräften. Wesentlichen Einfluss
auf die neue Strategie hatte die von den USA seit dem Golfkrieg
von 1991 mehrfach demonstrierte Überlegenheit der sogenannten
Revolution in Military Affairs, die durch den Einsatz modernster
Technologien und Präzisionswaffen wie Marschflugkörper
u.a. die Kontrolle des gegnerischen Luftraums und eine Kriegsführung
aus der Distanz ermöglicht.
1.2 Das militärische Kräfteverhältnis
in der Taiwan-Straße
Dieser strategische Paradigmenwechsel der
VR China wirkt sich jedoch nachteilig auf Taiwan aus. Die
Schwerpunktverlagerung von der Armee zur Luftwaffe und zur
Marine droht, die bisherige qualitative Überlegenheit
der taiwanischen Streitkräfte in diesen Bereichen in
Frage zu stellen. Zusätzlich erhöhte Peking seinen
offiziellen Verteidigungshaushalt seit 1989 jährlich
um einen zweistelligen Prozentbetrag - allein 2001 um fast
18 Prozent - auf nunmehr US-$ 17,2 Mrd. (2001).[6] Nach
vorsichtigen Schätzungen des unabhängigen Stockholm
International Peace Research Institute betragen die tatsächlichen
chinesischen Vereidigungsaufwendungen allerdings das 1,8fache
der offiziellen Angaben.[7] Die Zuwächse lagen in den
neunziger Jahren somit deutlich über dem durchschnittlichen
chinesischen Wirtschaftswachstum von 8 Prozent.
Da die Waffen aus chinesischer Produktion
gemeinhin als hoffnungslos veraltet gelten und die einheimische
Rüstungsindustrie mit Ausnahme einiger "pockets
of excellence" (noch) nicht in der Lage ist, komplexe
Hightech-Waffensysteme herzustellen, kaufte Peking zwischen
1991 und 1998 russisches Material im Gesamtwert von über
US-$ 14 Mrd.[8] Zu den größeren Posten gehören
250 Kampfflugzeuge vom Typ SU-27 und 40 Mehrzweckflugzeuge
vom Typ SU-30.[9] Zusammen mit der jüngst in Produktion
gegangenen chinesischen J-10, die mit der amerikanischen
F-16 vergleichbar sein soll, werden diese Flugzeuge mittelfristig
die über 3.500 alten Jets mit geringen Reichweiten
von 700 bis 900 km ersetzen. Die chinesische Marine, von
deren 53 größeren Schiffen lediglich die sechs
Fregatten der Jiangwei-Klasse und die zwei Zerstörer
der Luhu-Klasse mit westlichen Schiffen vergleichbar sind,
erfuhr durch den Kauf von vier Lenkwaffenzerstörern
der Sovremenny-Klasse und vier taktischen U-Booten der Kilo-Klasse
eine signifikante Verstärkung.[10] Russische Technologie
spielt auch bei der Entwicklung der nuklear angetriebenen
taktischen und strategischen U-Boot-Typen 093 und 094, die
um 2005 einsatzbereit sein sollen, eine entscheidende Rolle.
Zudem erwarb die VR China von Moskau S-300-Flugabwehrraketen
mit einer Reichweite von 150 km, die entlang der Taiwan-Straße
stationiert wurden, sowie Flugzeuge für die Luft- und
Seeraumüberwachung.
Der vom Pentagon im März 1999 veröffentlichte
Bericht "The Security Situation in the Taiwan Strait"
warnt nicht zuletzt aufgrund dieser Zukäufe davor,
dass Taipeh seine bisherige Luft- und Seeüberlegenheit
ab 2005 verlieren könnte.[11] Die Mehrheit der westlichen
Militärexperten stimmt zwar der Einschätzung zu,
dass sich der qualitative Abstand der chinesischen und taiwanischen
Waffen in der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts zu Gunsten
von Peking verschieben wird, jedoch nicht in einem Maße,
das Taiwan ernsthaft gefährden könnte. Ferner
weisen sie darauf hin, dass die VR China Probleme hat, die
im Ausland erworbenen Systeme in ihre Streitkräfte
zu integrieren.[12]
Außerdem wird Taiwan die Modernisierung
seiner Streitkräfte parallel zur chinesischen Aufrüstung
fortsetzen. Das Rückgrat der taiwanischen Luftwaffe
besteht heute aus 130 Ching-kuo-Kampfflugzeugen aus eigener
Produktion, 150 amerikanischen F-16, 60 französischen
Mirage 2000-5 sowie zwei E-2T AWACS-Flugzeugen zur Luftraumüberwachung.
Im Bereich der Seestreitkräfte hält Taiwan mit
acht in Lizenz gebauten Fregatten der Perry-Klasse, acht
von den USA geleasten Fregatten der Knox-Klasse und sechs
von Frankreich erworbenen Fregatten der Lafayette-Klasse
zumindest im Bereich der Großkampfschiffe eine numerische
und qualitative Überlegenheit über die chinesischen
Einheiten. Ferner boten die Vereinigten Staaten Taipeh im
April 2001 den Verkauf von vier Zerstörern der Kidd-Klasse
an.
Zwar hat auch Taiwan Probleme, die technologisch
anspruchsvollen ausländischen Waffensysteme in seine
Streitkräfte zu integrieren, jedoch nicht im gleichen
Maße, in dem dies auf dem Festland der Fall ist.[13]
Der Pentagon-Bericht vom März 1999 - in dem u.a. auch
die Peking gegen die "abtrünnige Provinz"
zur Verfügung stehenden militärischen Möglichkeiten
diskutiert werden - kommt zu dem Schluss:
In order for an invasion to succeed [
,
A.H.] Beijing would have to possess the capability to
conduct a multi-faceted campaign, involving air assault,
airborne insertion, special raids, amphibious landings,
maritime area denial operations, air superiority operations
[
, A.H.]. The PLA likely would encounter real difficulty
conducting such a sophisticated campaign by 2005.[14]
So dürfte die VR China einerseits nicht
in der Lage sein, die für eine Invasion notwendigen
Truppen unbemerkt in der Küstenregion zusammenzuziehen.
Andererseits bemüht sich das chinesische Militär
derzeit auch nicht um einen Ausbau der aus ca. 50 Schiffen
bestehenden Landungsflotte, mit der 15.000 Soldaten und
400 Fahrzeuge transportiert werden können. Weitere
6.000 Soldaten können mit Transportflugzeugen auf die
Insel gebracht werden. Um die 220.000 Mann starke und gut
ausgerüstete taiwanische Armee besiegen zu können,
müsste die VR China jedoch bereits in der ersten Phase
der Invasion 400.000 Soldaten samt Material zum Einsatz
bringen.[15] Da die chinesischen Militärs derzeit nicht
davon ausgehen können, im Konfliktfall die Lufthoheit
über der Taiwan-Straße zu erobern, wären
die Landungsschiffe und Transportflugzeuge während
der Überquerung der 175 km breiten Meerenge zusätzlich
den Angriffen der taiwanischen Marine und Luftwaffe ausgesetzt.
Ähnliches gilt für die andere häufig
diskutierte Option der VR China: eine Blockade der Insel,
um Taiwan wirtschaftlich in die Knie zu zwingen. Dies würde
der internationalen Staatengemeinschaft Zeit geben, auf
Seiten Taipehs zu intervenieren. Zudem müssten die
zur Durchsetzung einer Blockade oder Quarantäne notwendigen
chinesischen Marineeinheiten mit den Angriffen taiwanischer
Schiffe rechnen und würden überwiegend außerhalb
der Reichweite der eigenen, aber innerhalb der Reichweite
der taiwanischen Luftwaffe operieren. Die einzige Alternative
aus chinesischer Sicht wäre der Einsatz von U-Booten,
da die taiwanischen Anti-U-Boot-Kapazitäten allgemein
als nicht ausreichend betrachtet werden.[16]
1.3 Die chinesische Raketenrüstung
Da auch der chinesischen Führung bewusst
ist, dass ihre militärischen Optionen gegen Taiwan
stark eingeschränkt sind, verfolgt die Volksrepublik
seit einigen Jahren eine Strategie der asymmetrischen Kriegsführung,
indem sie auf die Entwicklung von Waffensystemen setzt,
gegen die sich Taiwan nicht verteidigen kann. Neben dem
eher unwahrscheinlichen Einsatz von Atomwaffen[17] handelt
es sich hierbei vor allem um ballistische Raketen.
Während der Schwerpunkt der chinesischen
Raketenrüstung während des Kalten Krieges auf
Mittelstreckensystemen zur Abschreckung der Sowjetunion
lag, hatte die Modernisierung der strategischen Raketenflotte
und die Entwicklung von Kurzstreckenraketen (short-range
ballistic missiles, SRBMs) in den vergangenen Jahren Priorität.
Anfang der neunziger Jahre begann Peking mit der Stationierung
von DF-15 mit einer Reichweite von 600 km entlang der Taiwan-Straße.
Auch die Entwicklung der DF-11, die 300 km weit fliegt,
ist mittlerweile abgeschlossen.[18] Die DF-11 Mod. 2 (Reichweite:
480 km) wurde erstmals 1999 der Öffentlichkeit präsentiert.
Diese Trägersysteme sind mobil und können wahrscheinlich
mit atomaren Sprengköpfen bestückt werden.[19]
Während sich 1995 noch 30 bis 50 SRBMs im chinesischen
Inventar befanden, wächst ihre Zahl seither jährlich
um ca. 50 Stück. Der Pentagon-Bericht "Selected
Military Capabilities of the People's Republic of China"
ging daher 1999 davon aus, dass 2005 bis zu 650 chinesische
Raketen gegen Taiwan gerichtet sein könnten.[20]
Zwar ist der militärische Nutzen von
konventionell bestückten Flugkörpern aufgrund
ihrer geringen Treffgenauigkeit umstritten. Diese lässt
sich jedoch durch frei verfügbare dual use-Technologien
mit militärischem und zivilem Nutzen wie dem Global
Positioning System oder dem Inertial Navigation Guidance
System von derzeit 300 m auf 20 bis 30 m reduzieren. Das
taiwanische Weißbuch von 2000 kommt daher zu dem Schluss,
dass die chinesischen Raketen wohl gegen die wichtigsten
politischen, wirtschaftlichen und militärischen Einrichtungen
der Insel eingesetzt werden sollen.[21] Zu einer ähnlichen
Einschätzung kommt auch der Pentagon-Bericht vom März
1999:
An expanded arsenal of accurate, conventional
SRBMs [
, A.H.] targeted against critical facilities,
such as key airfields and C4I (Command, Control, Communications,
Computers, Intelligence, A.H.) nodes, will complicate
Taiwan's ability to conduct military operations.[22]
Die beiden Taiwan-Krisen im Juli 1995 und
März 1996 zeigten zudem, dass der Einsatz von Raketen
auch eine psychologische Wirkung hat. Damals reagierte die
VR China auf einen Besuch des taiwanischen Präsidenten
Lee Teng-hui in den Vereinigten Staaten bzw. die erste freie
Präsidentschaftswahl in Taiwan mit Raketentests in
der Nähe der wichtigen Häfen Keelung und Kaohsiung.
Allein während der Versuche im März 1996 verließ
ausländisches Kapital im Wert von US-$ 15 Mrd. fluchtartig
die Insel, und der taiwanische Aktienindex fiel innerhalb
von drei Tagen um 1.000 Punkte.[23] Die chinesischen Militärs
haben durchaus erkannt, dass ihnen der Einsatz von Raketen
eine Möglichkeit der Machtprojektion gegenüber
Taiwan gibt, die die Rückstände auf anderen Gebieten
zumindest teilweise kompensiert. Peking steht durch eine
"Raketen-Blockade" somit ein Mittel zur Verfügung,
Taiwan auch ohne Kriegserklärung ökonomisch unter
Druck zu setzen.
1.4 Die Antwort Taiwans: Raketenabwehr
Als Folge der chinesischen Raketenrüstung
begann sich Taipeh Anfang der neunziger Jahre für Abwehrtechnologien
zu interessieren. Zunächst kaufte Taiwan 1993 drei
Batterien der im Zweiten Golfkrieg gegen irakische Scuds
eingesetzten Patriot PAC-2 mit insgesamt 200 Abfangraketen.
Sie wurden 1997 in einer technologisch aufgewerteten Version
von den USA geliefert und als Modified Air Defense System
zum Schutz von Taipeh stationiert.
Nach den chinesischen Raketentests 1995/96
signalisierte die taiwanische Armeeführung erstmals
ihr Interesse an einer direkten Partizipation im amerikanischen
TMD-Forschungsprogramm und plante den Aufbau einer umfassenden
Raketenabwehr, die sowohl auf amerikanische als auch taiwanische
Technologie zurückgreifen soll. Das Weißbuch
von 2000 führt hierzu aus:
The defense system will be built stage by
stage [
, A.H.]. The underlying principle of the
progress schedule is: 'Lower levels to higher ones, expansion
from points to areas, west (coast of Taiwan) before the
east, equal emphasis on land and sea.'[24]
Im Juli 1998 bekräftigte der damalige
taiwanische Verteidigungsminister Chiang Chung-ling den
Wunsch seines Landes, in die amerikanischen TMD-Planungen
einbezogen zu werden, und äußerte die Bereitschaft
Taiwans, US-$ 1 Mrd. zur Entwicklung einer gemeinsamen lower
tier-Abwehr beizusteuern.[25] Nachdem sich das Kabinett
in Taipeh im August 1999 für den Bau einer Raketenabwehr
ausgesprochen hatte, stellte auch der taiwanische Präsident
Lee Teng-hui fest: "Setting up an advanced missile
defense system has become an ever-pressing task [
,
A.H.] given the saber-rattling of the Chinese communists
by launching ballistic missiles".[26]
Zum Schutz der südlichen Landesteile
wollte Taiwan daher drei Batterien der modernisierten Patriot
PAC-3 kaufen, deren Entwicklung im vergangenen Jahr abgeschlossen
wurde. Die amerikanische Regierung lehnte im April 2001
jedoch ihre Lieferung genauso ab wie den Verkauf von vier
Zerstörern der Arleigh Burke-Klasse im Wert von US-$
6,5 Mrd., die dem Aufbau einer seegestützten Abwehrkapazität
dienen sollten. Diese Schiffe sind mit dem Aegis-Feuerleitsystem
ausgerüstet, das gleichzeitig über 100 Flugobjekte
aufspüren, verfolgen und bekämpfen kann und als
Plattform für die sich in der Entwicklung befindlichen
TMD-Systeme der amerikanischen Marine dienen soll. Taipehs
Interesse an seegestützten Systemen erhielt durch die
Ankündigung der amerikanischen Regierung, die Entwicklung
einer lower tier-Raketenabwehr für die Marine einzustellen,
am 14. Dezember 2001 einen weiteren Rückschlag.
Ein vom damaligen Verteidigungsminister Tang
Fei 1999 in Aussicht gestelltes eigenes Abwehrsystem soll
dagegen auf der in Taiwan entwickelten Tien Kung (Sky Bow)
Luftabwehrrakete basieren, die bereits 1985 erfolgreich
gegen eine Rakete getestet wurde. Das seit 1996 einsatzbereites
Nachfolgemodell Tien Kung II mit einer Reichweite von 80
km soll im August 1998 ebenfalls eine Rakete abgefangen
haben. Die Tien Kung III befindet sich seit 1996 in der
Entwicklung. Anders als die Patriot vernichten diese Raketen
ihr Ziel nicht durch eine direkte Kollision ("hit-to-kill"),
sondern durch eine Explosion in dessen Nähe ("blast
fragmentation"). Gemäß den ursprünglichen
Planungen soll das Abwehrsystem bis 2005 einsatzbereit sein.[27]
Der derzeitige taiwanische Präsident
Chen Shui-bian betont hingegen sein Interesse an einer Kooperation
mit den USA. So verglich er im Juli 2001 die chinesische
Raketenbedrohung mit der Kuba-Krise von 1962 und schlug
vor, dass die Vereinigten Staaten, Japan und Taiwan gemeinsam
ein Abwehrsystem entwickeln.[28]
2. TMD als Problem der taiwanisch-amerikanischen
Beziehungen
2.1 Der Einfluss der USA auf die Stationierung
von Raketenabwehrsystemen auf Taiwan
Taipehs Interesse an Abwehrsystemen findet
seine Begründung jedoch nicht nur in der chinesischen
Raketenrüstung, sondern auch darin, dass sich die Regierung
im Fall eines Krieges mit der VR China nicht auf die Unterstützung
der USA verlassen kann. Seit der Regierungszeit von Präsident
Dwight D. Eisenhower betreiben die Vereinigten Staaten eine
Politik der "strategischen Ambiguität", die
sowohl Peking als auch Taipeh im Unklaren darüber lassen
soll, unter welchen Bedingungen Washington in einen Konflikt
zwischen Insel und Festland eingreifen würde. Ziel
dieser Politik ist es, beide Seiten von provokativen Schritten
abzuhalten.
Dennoch stellt das Verhältnis zu den Vereinigten Staaten
neben der vom Festland ausgehenden Gefahr den zweiten großen
Bezugspunkt der taiwanischen Sicherheitspolitik dar. Insbesondere
im rüstungspolitischen Bereich ist Taipeh von Washington
abhängig: Zwischen 1991 und 1999 kaufte die Inselrepublik
ausländische Waffen im Wert von US-$ 20 Mrd., davon
allein US-$ 18 Mrd. in den Vereinigten Staaten.[29] Auch
im Bereich der Raketenabwehr ist Taiwan auf eine Kooperation
mit den USA angewiesen, die in dieser Frage somit großen
Einfluss auf die taiwanische Regierung nehmen kann. Zum
einen stehen Taipeh keine Konkurrenzprodukte zur Verfügung,
die technologisch ähnlich weit vorangeschritten wären
wie die amerikanischen Systeme, zum anderen scheint auch
die Entwicklung einer taiwanischen Raketenabwehr nicht ohne
amerikanischen Technologietransfer möglich.
Nachdem Taiwan im Zuge der amerikanisch-chinesischen
Annäherung 1979 den Abbruch der diplomatischen Beziehungen
und die Aufkündigung des Verteidigungsabkommens von
1954 hinnehmen musste, hat Taipeh allerdings wenig Möglichkeiten,
seine Interessen gegenüber den USA durchzusetzen. Auch
wenn die zwischenstaatlichen Kontakte nie vollständig
gelöst wurden, ist Taipeh der schwächere Partner
in den inoffiziellen Beziehungen zu seiner Schutzmacht.
Dies wird schon im Taiwan Relations Act deutlich, den der
Kongress am 10. April 1979 als Basis des neuen Verhältnisses
zu Taiwan verabschiedete. Das Gesetz legt zwar fest, dass
die USA weiterhin genug defensive Waffen an Taiwan ausgeführt
werden, um dessen Verteidigungsfähigkeit aufrecht zu
erhalten, Taipeh kann daraus aber keine Ansprüche ableiten.
Ob geliefert wird, und wenn ja welche Systeme, liegt laut
Taiwan Relations Act ausschließlich im Ermessen der
USA: "The President and the Congress shall determine
the nature and quantity of such defense articles [
,
A.H.] based solely upon their judgment of the needs of Taiwan
[
, A.H.]".[30] Somit erlaubt das Gesetz die Lieferung
von Raketenabwehrsystemen - solange sie als defensive Waffen
verstanden werden - macht sie jedoch nicht obligatorisch.
Hinzu kommt, dass die Vereinigten Staaten der VR China am
17. August 1982 zugesagt hatten
[
, A.H.] not [
, A.H.] to carry
out a longterm policy of arms sales to Taiwan, that its
arms sales to Taiwan will not exceed, either in qualitative
or in quantitative terms, the level of those supplied
in recent years since the establishment of diplomatic
relations between the United States and China and that
it intends gradually to reduce its arms sales to Taiwan
[
, A.H.].[31]
Zwar überstieg der Wert der amerikanischen
Waffenlieferungen in den vergangenen Jahren deutlich die
ca. US-$ 900 Mio. der Referenzjahre 1979 bis 1982, doch
kann die Regierung in Taipeh auch hieraus keinerlei Ansprüche
für die Zukunft ableiten. Die Volksrepublik rückte
die Problematik der Waffenlieferungen an Taiwan in den neunziger
Jahren zudem in den Mittelpunkt der amerikanisch-chinesischen
Beziehungen, auf die Taipeh wenig Einfluss hat. Die taiwanische
Regierung fürchtet daher, dass ihre Sicherheitsinteressen
zum Spielball der beiden Großmächte in der asiatischen
Region werden und besseren Beziehungen zwischen Washington
und Peking zum Opfer fallen könnten.
2.2 Der globale Hegemon auf Schlingerkurs:
TMD für Taiwan als inneramerikanischer Zankapfel
Die Waffenlieferungen der Vereinigten Staaten
an Taiwan werden jedoch nicht nur im Rahmen der amerikanisch-chinesischen
Beziehungen thematisiert, sondern sind in den USA auch Munition
innenpolitischer Auseinandersetzungen zwischen Kongress
und Regierung sowie zwischen Konservativen und Liberalen.
Dies gilt besonders für die Frage einer Lieferung von
Raketenabwehrtechnologie an Taipeh. Da eine kriegerische
Auseinandersetzung zwischen der VR China und Taiwan das
Risiko birgt, dass die Vereinigten Staaten in einen Konflikt
mit einer Atommacht gezogen werden, agiert die amerikanische
Regierung auffallend zurückhaltend. Daneben spielt
sicherlich auch die Überlegung eine Rolle, dass US-Raketenabwehrtechnologie
im Fall einer friedlichen oder erzwungenen Wiedervereinigung
Taiwans mit dem Festland in chinesische Hände fallen
könnte.
Anders als im Fall von Japan und Südkorea
forderte Washington Taiwan beispielsweise bisher nicht auf,
sich an TMD-Forschungsprojekten zu beteiligen. Ein wesentlicher
Grund hierfür dürfte sein, dass das Weiße
Haus nichts unternehmen möchte, was die Unabhängigkeitsbewegung
auf Taiwan stärken könnte. Den durch die Entsendung
der zwei Flugzeugträgergruppen während der chinesischen
Raketentests im März 1996 entstandenen Eindruck, die
USA würden Taiwan in einem Konflikt mit dem Festland
auf jeden Fall zur Seite stehen, bemühte sich Präsident
Clinton durch seine sogenannten "3-Nein" vom Juni
1998 zu relativieren:[32] keine Unabhängigkeit für
Taiwan, keine "zwei Chinas" und keine Mitgliedschaft
Taiwans in internationalen Organisationen, in denen Eigenstaatlichkeit
Voraussetzung ist. Bis heute beobachtet Washington die Mitte
der achtziger Jahre eingeleitete Demokratisierung auf der
Insel misstrauisch, da sie die Frage einer Unabhängigkeitserklärung
zum Gegenstand einer demokratischen Auseinandersetzung und
somit des Volkswillens macht.[33]
Lediglich während des Wahlkampfs 1996
zeigte sich die Clinton-Administration gegenüber den
taiwanischen Wünschen nach Abwehrsystemen aufgeschlossen.
Nachdem der republikanische Kandidat Bob Dole Taipeh im
Rahmen eines Pacific Democracy Defense Program mit dem sich
noch in der Entwicklung befindlichen THAAD-Raketenabwehrsystem
(Theater High Altitude Area Defense, THAAD) ausstatten wollte,
genehmigte Präsident Clinton unverzüglich die
Auslieferung der 1993 von Taiwan bestellten Patriot PAC-2-Batterien.
Die Bush-Administration bemühte sich in den ersten
Monaten ihrer Amtszeit dagegen, die China-freundliche Politik
der Vorgängerregierung zu revidieren. Im März
2001 erklärte das Außenministerium, die "3-Nein"
Clintons seien nicht mehr in Kraft, und Präsident Bush
deutete im April 2001 in einer später allerdings relativierten
Aussage sogar an, dass die USA Taiwan aktiv gegen einen
chinesischen Angriff verteidigen würden.[34] Dennoch
lehnte auch er noch im selben Monat die Lieferung der modernisierten
Patriot PAC-3 an Taipeh ab und bezog während seines
Besuchs in Peking im Februar 2002 keine eindeutige Position
zur Problematik einer taiwanischen Raketenabwehr.
Die China-kritische Fraktion im Kongress teilt
die Bedenken der amerikanischen Regierungen bezüglich
der Lieferung von Abwehrsystemen an Taiwan dagegen nicht.
Bereits 1995 zwang das Repräsentantenhaus die Regierung
mit einer 395:1 Entscheidung, dem taiwanischen Präsidenten
Lee Teng-hui ein zuvor abgelehntes Visum für die USA
zu erteilen. Wie bereits dargestellt kam es daraufhin zur
ersten Raketenkrise in der Taiwan-Straße. Die chinesischen
Tests 1995/96 stärkten jedoch die Befürworter
einer vertieften amerikanisch-taiwanischen Verteidigungskooperation
in den beiden Kammern des amerikanischen Parlaments weiter.
Die Haltung der Kongressmitglieder wird entweder
durch sicherheitspolitische, ideologische oder wirtschaftliche
Erwägungen bestimmt. So finden sich gerade in der Legislative
viele Anhänger der "China threat"-These,
die von einem unvermeidbaren Krieg zwischen der VR China
und den USA um die Vorherrschaft in Asien ausgeht. Andere
Abgeordnete und Senatoren wollen dagegen die taiwanische
Demokratie vor dem kommunistischen Regime auf dem Festland
schützen oder einfach nur die Interessen von Rüstungsfirmen
vertreten, die in ihren Wahlkreisen oder Bundesstaaten ansässig
sind.
So verabschiedete das Repräsentantenhaus
am 6. November 1997 den United States-Taiwan Anti-Ballistic
Missile Defense Cooperation Act (H.R. 2386), mit dem Taiwan
in einen amerikanischen Raketenabwehrschirm in Asien eingebunden
werden sollte. Über dieses Gesetz wurde jedoch nie
im Senat abgestimmt. Am 2. Januar 2000 passierte dann der
Taiwan Security Enhancement Act (H.R. 1838) mit 341:70 Stimmen
das Repräsentantenhaus. Das Gesetz nimmt zwar nicht
direkt Bezug auf TMD, bestätigt aber noch einmal, dass
Taiwan alle zur Selbstverteidigung nötigen Waffen von
den Vereinigten Staaten geliefert bekommt. Auch dieses Gesetz
kam im Senat nie zur Abstimmung. Dieser hatte allerdings
bereits am 24. März 1999 eine wesentlich schärfer
formulierte Fassung des Taiwan Security Enhancement Act
(S. 693) angenommen, die parteiübergreifend von den
konservativen Senatoren Jesse Helms und Robert Torricelli
eingebracht worden war und vorsah:
[
, A.H.] to make available for sale,
at reasonable cost, theater missile defense equipment
and related items, including (1) ground-based and naval-based
missile systems; and (2) reconnaissance and communications
systems, as may be necessary to target and cue missile
defense systems sold to Taiwan.[35]
Ferner ersuchte der Kongress das Pentagon,
eine Reihe von Reports über die Sicherheitslage in
der Taiwan-Straße anzufertigen. In einem überparteilichen
Brief, den auch die Senatoren Helms und Torricelli initiierten,
forderten Mitglieder des Senats und des Repräsentantenhauses
Präsident Bush im Februar 2001 zudem auf, die von Taiwan
geforderten Aegis-Schiffe, P-3-Anti-U-Boot-Flugzeuge und
dieselgetriebenen taktischen U-Boote zu bewilligen.[36]
Unterstützung erhalten die China-kritischen
Kongressmitglieder von den in Washington ansässigen
konservativen "think tanks" wie der Heritage Foundation,
die seit Jahren Lobbyarbeit für Taiwan betreiben. So
unterschrieb der derzeitige stellvertretende Verteidigungsminister
Paul Wolfowitz im Juli 1999 ein von der Heritage Foundation
herausgegebenes Positionspapier, das - unabhängig von
den Umständen - die Ablösung des Konzepts der
"strategischen Ambiguität" zugunsten einer
uneingeschränkten Verteidigung Taiwans durch die USA
forderte.[37] Auch der Oberbefehlshaber der amerikanischen
Streitkräfte im Pazifik, Admiral Dennis Blair, forderte
im November 1999, dass die USA den Aufbau eines taiwanischen
Abwehrsystems unterstützen sollten. Nach der Entscheidung
der Bush-Administration, die Entwicklung des lower tier-Abfangsystems
für die Marine einzustellen, kritisierte Blair im März
2002 vor dem Kongress die sich hieraus ergebenden negativen
Konsequenzen für die Sicherheit Taiwans.[38]
3. Taipehs Positionen zur regionalen
Raketenabwehr
3.1 Die innertaiwanische Diskussion
über TMD
Die Bedrohung durch chinesische Raketen und
die widersprüchlichen Signale aus Washington bilden
auch den Rahmen für die innertaiwanische Debatte über
die Notwendigkeit einer Raketenabwehr. Dass eine solche
Diskussion überhaupt möglich ist, hängt mit
der Liberalisierung der politischen Verhältnisse auf
der Insel zusammen. Während die autoritär und
allein regierende Kuomintang Partei unter Chiang Kai-shek
bei keiner politischen Entscheidung den Willen der Bevölkerung
in Betracht ziehen musste, hat sich dies mit der in den
achtziger Jahren eingeleiteten Demokratisierung, die mit
der ersten freien Präsidentschaftswahl im März
1996 ihren Abschluss fand, grundlegend geändert. Seit
den chinesischen Raketentests 1995/96 steht die Frage nach
einer adäquaten Abwehr im Mittelpunkt der öffentlichen
Debatte über die taiwanische Sicherheitspolitik. Im
Juli 1999 traten in einer Umfrage 72 Prozent der Bevölkerung
prinzipiell für den Aufbau einer Raketenabwehr ein,
unter der Wirtschaftselite lag die Zustimmung mit fast 96
Prozent sogar noch deutlich darüber.[39]
Dieser Stimmung in der Bevölkerung konnten
sich auch die Parteien nicht entziehen. Die TMD-Problematik
wurde deshalb zum wesentlichen sicherheitspolitischen Wahlkampfthema
der Präsidentschaftswahl 2000. Der später siegreiche
Kandidat der oppositionellen Democratic Progressive Party,
Chen Shui-bian, und der Kandidat der Kuomintang Partei,
Lien Chan, vertraten dabei eine kompromisslose Haltung zugunsten
einer Beteiligung Taiwans an amerikanischen TMD-Systemen
bzw. dem Aufbau einer eigenen Abwehr. Die New Party, eine
Abspaltung der Kuomintang Partei, wies dagegen auf die mangelnde
Effektivität einer Raketenabwehr für die Insel
hin und sprach sich gegen die Stationierung entsprechender
Systeme aus. Auch James Soong, der Kandidat der People First
Party, lehnte eine Abwehr aufgrund der hohen Kosten zunächst
ab, wandelte sich angesichts der breiten Zustimmung in der
Bevölkerung jedoch zu einem kritischen TMD-Befürworter.[40]
Die gesellschaftliche Debatte über die
Notwendigkeit einer Raketenabwehr wird durch die Diskussion
innerhalb der taiwanischen Streitkräfte zusätzlich
verschärft. Auch hier gab es zunächst Stimmen
gegen TMD, allerdings revidierten die meisten kritischen
Militärs ihre Haltung im Zuge der amerikanisch-chinesischen
Annäherung 1997/98. Besonders die Armeeführung
sieht ein landgestütztes Abwehrsystem als gute Gelegenheit,
sich gegenüber den anderen Teilstreitkräften wieder
einen größeren Anteil an den zu verteilenden
Geldern zu sichern, nachdem die Armee seit den siebziger
Jahren einen kontinuierlichen Rückgang finanzieller
Mittel zu beklagen hatte - 1995 wurden ihr nur noch 11 Prozent
des gesamten Beschaffungshaushalts zugewiesen.[41]
Dennoch ist sowohl bei Politikern als auch
Militärs eine deutliche Verbitterung über die
zögerliche Haltung der amerikanischen Regierung beim
Export der von Taiwan gewünschten Aegis-Schiffe und
Patriot PAC-3 spürbar. Nicht zuletzt die anvisierte
Entwicklung eines eigenen Systems macht den - wohl unrealistischen
- Wunsch Taipehs deutlich, sich im Bereich moderner Abwehrwaffen
aus der Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten zu
lösen. Obwohl das Verteidigungsministerium offiziell
noch immer für die Stationierung von PAC-3 eintritt,
fand sich die Abwehr dieses Jahr nicht mehr auf dem taiwanischen
"Wunschzettel".[42]
Dabei findet die Idee einer eigenen Abwehr
als Alternative zu amerikanischen Systemen gerade unter
den Militärs viele Anhänger. Besonders der damalige
Verteidigungsminister Tang Fei hob den selbständigen
Charakter der geplanten Raketenabwehr hervor, deren Abkürzung
TMD daher mit "Taiwan Missile Defense" zu übersetzen
sei. Im Februar 2000 bestritt er gar, sich jemals für
eine taiwanische Beteiligung an der gemeinsamen Entwicklung
von Raketenabwehrsystemen mit den USA ausgesprochen zu haben
und stellte statt dessen klar, dass Taipeh ein eigenes lower
tier-System errichten werde.[43] Nach dem Regierungswechsel
2000 sprach sich das taiwanische Verteidigungsministerium
allerdings wieder für eine Zusammenarbeit mit den Vereinigten
Staaten auf diesem Rüstungssektor aus. Es verweist
jedoch darauf, dass die amerikanische Regierung Taiwan bisher
nicht eingeladen habe, sich an der Entwicklung einer Abwehr
zu beteiligen:
So far, we have not received an invitation
from the US to participate in its missile defense program.
If we receive an invitation and feel we need the missile
defense we will seriously consider whether or not to join
the program.[44]
Stabschef Fu Wei-hu stellte daher im März
2002 klar, dass Taiwan zwar Interesse an einer Kooperation
mit den USA habe, mit der Entwicklung seiner eigenen Abwehr
jedoch fortfahren werde, statt den Atem anzuhalten und zu
warten, bis es an den amerikanischen Systemen partizipieren
dürfe.[45]
Obwohl sich die Mehrheit der Bevölkerung,
die Regierung in Taipeh und das Militär für die
Stationierung einer von den Vereinigten Staaten erworbenen
oder eigenentwickelten Raketenabwehr ausspricht, sind die
TMD-Kritiker auf der Insel und im Ausland nach wie vor zahlreich.
Gegen die Beteiligung Taipehs an einer amerikanischen Abwehr
bzw. die Entwicklung eines eigenen Systems führen sie
militärische und wirtschaftliche Gründe ins Feld.
3.2 Militärische und ökonomische
Aspekte einer Raketenabwehr für Taiwan
In der TMD-Diskussion spielt die Frage des
militärischen Nutzens einer Raketenabwehr für
Taiwan eine entscheidende Rolle. Dabei kommen sowohl Argumente
zum Tragen, die für TMD allgemein gelten, als auch
solche, die speziell die Situation in der Taiwan-Straße
berücksichtigen. So ist die Effektivität des Modified
Air Defense System nicht nur aufgrund der zweifelhaften
Leistung der Patriot PAC-2 im Zweiten Golfkrieg umstritten,
sondern auch, weil die Waffe nicht von einem weitreichenden
Radar unterstützt wird, das chinesische Raketen direkt
nach ihrem Start erfasst. Selbst das taiwanische Verteidigungsministerium
gab im August 2000 zu, dass das System nur eine geringe
Abfangquote gegen Pekings DF-15 habe.[46] Aufgrund der mangelnden
Radarkapazität wäre auch der militärische
Nutzen der weiterentwickelten Patriot PAC-3 und einer eigenen
Abwehr in Frage gestellt. Zwar genehmigte die Clinton-Regierung
im April 2000 den Transfer eines Frühwarnradars vom
Typ Pave Paw an Taipeh, aufgrund von Haushaltsproblemen
scheint die taiwanische Regierung die Lieferung jedoch verschieben
oder gar stornieren zu wollen.[47]
Der vom Pentagon 1999 erstellte "Report
to Congress on Theater Missile Defense Architecture Options
for the Asia-Pacific Region" weist zudem darauf hin,
dass beide Varianten der Patriot und die geplante taiwanische
Abwehr ausschließlich auf die Bekämpfung von
Kurzstreckenraketen ausgerichtet sind. Gegen chinesische
Mittelstreckenwaffen - die beim Wiedereintritt in die Atmosphäre
eine erheblich höhere Geschwindigkeit haben als SRBMs
- können diese lower tier-Systeme allerdings nicht
eingesetzt werden. Nach den Berechnungen des amerikanischen
Verteidigungsministeriums würde freilich nur ein einziges
see- bzw. landgestütztes upper tier-System ausreichen,
um die gesamte Insel gegen chinesische Mittelstreckenraketen
verteidigen zu können, allerdings werden diese Abwehrsysteme
derzeit nur von den USA entwickelt und sind dort frühestens
2008 einsatzbereit.[48]
Die TMD-Kritiker weisen ferner darauf hin,
dass jedes noch so funktionsfähige Abwehrsystem auf
Taiwan nur einen begrenzten Schutz leisten kann und durch
einen gleichzeitigen Angriff mit mehr als 30 chinesischen
Kurzstreckenraketen überfordert wäre. Sollte Peking
seine Raketen mit Täuschkörpern und anderen bereits
entwickelten Penetrationshilfen ausstatten, würde dies
das erfolgreiche Abfangen der tatsächlichen Gefechtsköpfe
weiter erschweren. Selbst ein stationiertes System auf den
vier Aegis-Schiffen, die Taipeh angefordert hat, könnte
unter den günstigsten Bedingungen kaum mehr als 100
Raketen abfangen.[49] Auch der Pentagon-Bericht "The
Security Situation in the Taiwan Strait" kommt zu dem
Schluss: "Exclusive reliance on active missile defense
[
, A.H.] will not sufficiently offset the overwhelming
advantage in offensive missiles which Beijing is projected
to possess in 2005."[50]
Außerdem haben die entlang der chinesischen
Küste stationierten Raketen aufgrund der geringen Entfernung
zwischen dem Festland und Taiwan eine extrem kurze Flugzeit
von weniger als acht Minuten. In dieser Zeit müssen
die taiwanischen Militärs den Start einer feindlichen
Rakete registrieren, ihre Flugbahn berechnen und den Abfangvorgang
einleiten. Da Kurzstreckenraketen jedoch eine flache Flugkurve
haben und - je nach Entfernung zum Ziel - die Atmosphäre
nicht verlassen, wird die Erkennung und Verfolgung durch
boden- und weltraumgestützte Sensoren zusätzlich
erschwert. Zudem verfügt Taiwan über keine Frühwarnsatelliten
und wäre daher auf amerikanische Daten angewiesen.
Dadurch würde sich die militärische Abhängigkeit
von den USA weiter vergrößern. Es scheint nicht
einmal ausgeschlossen, dass Washington im Fall einer Krise
den Zugriff auf Echtzeit-Daten über chinesische Raketenstarts
verweigert, um eine Eskalation zu vermeiden.[51]
Die taiwanischen TMD-Kritiker geben zusätzlich
zu bedenken, dass sowohl die Abfangraketen als auch die
gesamte Infrastruktur für eine regionale Abwehr im
Konfliktfall zu den primären Zielen chinesischer Luft-
und Raketenangriffe gehören werden. Das System wäre
außerdem anfällig für elektronische Kriegsführung,
mit dem Ziel, die Kommandozentrale der Abwehr zu "blenden".
Darüber hinaus bieten weder lower noch upper tier-Raketenabwehrsysteme
einen wirkungsvollen Schutz gegen Marschflugkörper.
Im Gegensatz zu Flugkörpern, die sich auf einer berechenbaren
ballistischen Flugkurve bewegen, können sie während
des Fluges manövrieren und eine Abwehr einfach unterfliegen.
Die VR China treibt die Entwicklung eigener Marschflugkörper
seit einigen Jahren intensiv voran. Neben den von Russland
erworbenen SS-N-20-Sunburn befindet sich mit der C-802 Anti-Ship
Cruise Missile dabei eine Waffe im chinesischen Inventar,
die mit einer Reichweite von 120 km eine ernsthafte Bedrohung
für die taiwanische und amerikanische Marine darstellt.
Ferner steht dem chinesischen Militär mit der YJ-22,
einem Derivat der C-802, demnächst eine Land Attack
Cruise Missile zur Verfügung, die mit einer geschätzten
Reichweite von 400 km Ziele auf Taiwan direkt angreifen
kann. Die Entwicklung eines auf dem Design der amerikanischen
Tomahawk beruhenden Marschflugkörpers mit einer Reichweite
von 1.500 bis 2.500 km soll 2005 abgeschlossen sein.[52]
Die Anschaffung amerikanischer Systeme bzw.
die Entwicklung einer eigenen Abwehr bergen jedoch auch
die Gefahr, dass die dadurch entstehenden Kosten den Erwerb
anderer für Taiwans Verteidigung wichtiger Waffen blockieren.
Unter Berücksichtigung aller versteckten Posten lagen
die taiwanischen Verteidigungsmittel 1998 bei US-$ 14,2
Mrd., wobei ca. die Hälfte für Personalkosten
benötigt wird. Zusätzlich verursachen allein die
Flugzeuge der taiwanischen Luftwaffe jährliche Instandhaltungskosten
von US-$ 2 Mrd. Daher wird schnell deutlich, dass die Entwicklung
eines eigenen Raketenabwehrsystems, dessen Kosten der damalige
taiwanische Verteidigungsminister Tang Fei 1999 mit US-$
9,4 Mrd. bis 2005 bezifferte oder der geplante Erwerb amerikanischer
PAC-3-Einheiten mit 200 Abfangraketen für geschätzte
US-$ 1,4 Mrd. die Finanzierung anderer Projekte in Frage
stellen muss. Selbst wenn die Regierung in Taipeh den Schwerpunkt
im Verteidigungshaushalt zu Lasten anderer Posten auf die
Entwicklung einer eigenen Raketenabwehr oder den Kauf amerikanischer
Systeme verschiebt, scheint eine Erhöhung der Verteidigungsausgaben
mit entsprechenden ökonomischen und sozialen Folgen
unvermeidbar.
Während die USA bereits vorhandene Systeme
häufig nur umrüsten müssen, um sie TMD-tauglich
zu machen, wäre Taiwan bei entsprechenden Kosten gezwungen,
fast die gesamte Abwehrinfrastruktur erst zu errichten.
Zwar wurde Taiwan von der Asienkrise nicht so schwer getroffen
wie andere ost- oder südostasiatische Staaten, dennoch
konnte sich das Land der globalen ökonomischen Entwicklung
nicht entziehen. Das staatliche Defizit betrug 2000 fast
US-$ 16 Mrd., und die taiwanische Wirtschaft befand sich
2001 erstmals seit 1949 in der Rezession und schrumpfte
um 2 Prozent. Da die Abwanderung der arbeitsintensiven Industrien
auf das chinesische Festland mit seinen billigen Löhnen
anhielt, schnellte die Arbeitslosigkeit 2001 mit 4,5 Prozent
in zuvor nicht gekannte Höhe. Die Entwicklung eines
taiwanischen TMD-Systems ist somit derzeit nur über
eine weitere Erhöhung der staatlichen Verschuldung
bzw. einer Umverteilung der Haushaltsmittel vom Sozial-
in den Verteidigungsetat finanzierbar.[54]
3.3 Die Haltung der TMD-Befürworter:
Das politische Kalkül hinter der Raketenabwehr
Die Befürworter einer Abwehr in Taiwan
halten den Kritikern entgegen, dass die Stationierung der
entsprechenden lediglich eine defensive Reaktion auf die
chinesische Raketenrüstung sei und der Aufrechterhaltung
der strategischen Stabilität in der Taiwan-Straße
diene. So vertrat der damalige Außenminister Jason
Hu im März 1999 seine positive Haltung zu TMD mit dem
Hinweis, dass Taipeh nicht über eine Beteiligung an
amerikanischen Abwehrsystemen nachdenken müsse, wenn
die VR China nicht so viele Raketen entlang der Küste
positioniert hätte.[55]
Dabei ist auch den Befürwortern bewusst,
dass TMD keinen lückenlosen Schutz vor chinesischen
Raketenangriffen bieten kann. Sie verweisen jedoch darauf,
dass Abwehrsysteme im Konfliktfall eine psychologische Schutzfunktion
für die Bevölkerung haben und - wenn auch nur
bedingt - helfen, die Verteidigungsfähigkeit Taiwans
aufrecht zu erhalten. Dadurch wird es der VR China erschwert,
die Inselrepublik allein durch den Einsatz von Raketen vor
ein fait accompli zu stellen. In diesem Zusammenhang sehen
die Sympathisanten die Stationierung einer Raketenabwehr
als ideale politische Verhandlungsmasse in den Gesprächen
mit dem Festland.
Generell entstammen die Argumente der TMD-Befürworter
eher politischen Überlegungen als dem tatsächlichen
militärischen Nutzen der Systeme:
[
, A.H.] evidence suggests that advanced
weapon systems are sometimes desired and/or acquired from
foreign sources without full consideration of the appropriate
operational and maintenance requirements of such systems.
Indeed, procurement decisions are at times significantly
influenced by a host of factors other than pure warfighting
needs, including the political objectives [
, A.H.].[56]
Verteidigungsminister Tang Fei gab im Februar
1999 unumwunden zu: "The introduction of a TMD system
would bear a political significance bigger than its military
significance."[57] Insbesondere die beiden großen
taiwanischen Parteien hoffen, durch eine Beteiligung an
US-Raketenabwehrsystemen faktisch Partner in der amerikanisch-japanischen
TMD-Kooperation zu werden und so die militärischen
Verbindungen insbesondere zu den USA zu intensivieren. Noch
vor seiner Wahl zum Präsidenten stellte Chen Shui-bian
im Juni 1999 fest:
The crescent-shaped American defenses against
China in the Pacific, without Taiwan, would be forced
back to Saipan and Guam, even Hawaii [
, A.H.]. We
must make good use of this bargaining chip, and make good
use of our strategically important position under the
U.S. strategic goals in the Western Pacific.[58]
Zwar sind auch die militärischen Kontakte
zwischen Washington und Taipeh nach 1979 nie vollständig
abgerissen, der taiwanischen Regierung ist jedoch an ihrem
Ausbau gelegen. Auch das amerikanische Militär fordert
eine verstärkte Zusammenarbeit, um im Fall eines Krieges
in der Taiwan-Straße die tatsächliche taiwanische
Verteidigungsfähigkeit besser einschätzen zu können.[59]
Wie zuvor schon erwähnt, hat Taipeh bereits
heute Probleme, anspruchsvolle Waffensysteme in seine Streitkräfte
zu integrieren. Da eine Raketenabwehr aus vielen verschiedenen
Komponenten besteht, die zu einer komplexen Einheit zusammengefügt
werden müssen, scheint eine taiwanisch-amerikanische
Kooperation daher bei jeder hier diskutierten TMD-Variante
schon aus technologischen Gründen unabdingbar zu sein.
So ließe sich eine maximale Effizienz wohl nur erreichen,
wenn Taiwan seine Aufklärungs-, Frühwarn- und
Kontrollkapazitäten eng mit den amerikanischen vernetzt.
Bei der Anschaffung der Patriot PAC-3 oder der Aegis-Schiffe
würde sich für den Krisenfall zudem die Frage
der Interoperabilität mit amerikanischen Systemen stellen.
Neben dem Wunsch, durch TMD wieder eine engere
Bindung an die Vereinigten Staaten aufzubauen, dürfte
die Haltung der taiwanischen Regierung, die Stationierung
teurer Abwehrsysteme mit zweifelhaftem militärischen
Nutzen zumindest offiziell zu befürworten, noch von
einer anderen politischen Überlegung bestimmt sein:
Taipeh will die Politiker in den USA nicht verprellen, die
sich für eine weitreichende Unterstützung Taiwans
durch die Vereinigten Staaten aussprechen und auch für
den Verkauf der Waffensysteme eintreten, an denen die taiwanische
Regierung tatsächlich interessiert ist.
4. Die Haltung der VR China
4.1 Die Einwände der VR China
gegen TMD auf Taiwan
Die chinesische Regierung gehört - wie
nicht anders zu erwarten - zu den schärfsten Kritikern
einer Stationierung weiterer TMD-Systeme in Taiwan oder
die Einbeziehung der Insel in einen amerikanischen Schutzschirm.
Im Weißbuch "China's National Defense in 2000"
heißt es hierzu:
China is strongly opposed to the provisions
of the TMD system, its components and technology, and
any such assistance to Taiwan. China is also strongly
against any attempt to incorporate Taiwan in any form
into the TMD system by any country.[60]
Doch auch Peking macht eher politische denn
militärische Einwände gegen die Abwehr geltend.
Zwar wird vereinzelt gewarnt, die regionale Abwehr könnte
das Droh- und Einsatzpotential der chinesischen Kurzstreckenraketen
relativieren, im Prinzip sind sich die Militärs jedoch
sicher, TMD überwinden zu können.[61]
Den Verlauf der innertaiwanischen Debatte
über die Raketenabwehr und die Argumentation der Befürworter
verfolgt die chinesische Regierung dagegen misstrauisch,
da ihr nicht an einer Stärkung der Verbindung zwischen
Taiwan und den USA gelegen ist, aus der eine "Quasi-Allianz"
entstehen könnte. Peking fürchtet, dass der dadurch
entstehende Eindruck einer amerikanischen Protektion zusammen
mit dem vermeintlichen Schutz durch die Raketenabwehr in
Taiwan ein illusionäres Gefühl der Sicherheit
produzieren und die Befürworter einer Unabhängigkeitserklärung
stärken könnte.
Die chinesische Führung versteht die
Raketenabwehrpläne jedoch auch als Teil einer umfassenden
amerikanischen Strategie gegen die VR China, die das ultimative
Ziel verfolgt, den gegenwärtigen Status quo zu zementieren,
um Taiwan als "unsinkbaren Flugzeugträger"
vor der chinesischen Küste in der amerikanischen Einflusssphäre
zu halten.[62] Bisher hoffte Peking, die USA im Fall eines
chinesisch-taiwanischen Konflikts durch einen drohenden
Nuklearkrieg von einer weitreichenden militärischen
Intervention zugunsten Taiwans abschrecken zu können.
So äußerte der chinesische Geheimdienstchef General
Xiong Guankai 1996, dass Washington wohl kaum bereit wäre,
Taipeh gegen Los Angeles einzutauschen.[63] Die von der
Clinton- und Bush-Administration forcierte Entwicklung einer
strategischen Raketenabwehr droht jedoch, das aus nur ca.
20 veralteten Langstreckenraketen bestehende chinesische
Abschreckungspotential zu entwerten.
Peking sieht TMD dabei als regionale Komponente
der amerikanischen Einkreisungsstrategie gegenüber
der VR China. Die chinesische Regierung hat auch registriert,
dass die Vereinigten Staaten ihre Verbündeten Japan
und Südkorea zur gemeinsamen Entwicklung und Stationierung
von taktischen Raketenabwehrsystemen drängt. Der Versicherung
der Clinton-Administration, sowohl die nationale Abwehr
als auch TMD richte sich gegen die von Nordkorea ausgehende
Gefahr, haben die chinesischen Militärs nie Glauben
geschenkt, zumal konservative Kräfte in den USA regelmäßig
betonen, dass sich die amerikanischen Abwehrsysteme sehr
wohl gegen die VR China richten.[64] Daher fürchtet
Peking, dass das japanisch-amerikanische Bündnis durch
eine offizielle TMD-Kooperation de facto um Taiwan erweitert
werden könnte. Die daraus für Tokio entstehenden
Verpflichtungen würden den militärischen Handlungsspielraum
Japans, dem die VR China eine Remilitarisierungsstrategie
unterstellt, erheblich ausweiten.[65]
Die chinesische Staatsführung brandmarkt
die mögliche Lieferung von Raketenabwehrsystemen an
Taiwan zudem als Verstoß gegen das amerikanisch-chinesische
Kommuniqué von 1982, in welchem die USA zugesagt
hatten, die Waffenexporte an Taipeh langfristig einzustellen.
Washington hält dem entgegen, die Abmachung gelte nur
unter der Bedingung, dass die VR China den Konflikt mit
Taiwan friedlich löst. So stellte die damalige amerikanische
Außenministerin Madeleine Albright im März 1999
fest: "There would be less need for [TMD, A.H.] if
China stopped pointing its missiles so aggressively at Taiwan
[
, A.H.]".[66] Die chinesische Regierung akzeptiert
die von den Vereinigten Staaten hergestellte Verbindung
zwischen chinesischer Raketenrüstung und Abwehrsystemen
für Taiwan jedoch nicht. Sie versteht die Insel als
Bestandteil der chinesischen Nation und betrachtet die mögliche
Lieferung einer amerikanischen Abwehrwaffen als Einmischung
in die inneren Angelegenheiten der VR China.
Peking weist statt dessen vielmehr darauf
hin, dass die geplante Abwehr die taiwanischen Offensivkräfte
verstärke. Zum einen würden die Systeme ihren
defensiven Charakter verlieren, sobald sie eingesetzt werden,
um offensive Operationen abzusichern. Der Angreifer würde
vor der Reaktion des Angegriffenen geschützt und somit
ein Erstschlag geradezu provoziert. Zum anderen würden
die offensiven Optionen Taiwans durch die Stationierung
von TMD-Systemen ausgeweitet, da sich die Abwehrraketen
leicht in offensive Waffen verwandeln ließen. Der
Leiter der chinesischen Rüstungskontrollbehörde,
Sha Zukang, erklärte im Januar 1999 hierzu:
Transferring TMD systems to other countries
or regions, or jointly developing them with other countries,
will inevitably result in the proliferation of missile
technology. Missile and anti-missile technologies are
related. Many of the technologies used in anti-missile
systems are easily applicable in offensive missiles. This
is one of the main reasons, why China stands against [
,
A.H.] any transfer of TMD systems to Taiwan.[67]
Nach Meinung der chinesischen Staatsführung
würden die USA bei einer Lieferung des sich noch in
der Entwicklung befindlichen THAAD-Abwehrsystems somit auch
gegen das Missile Technology Control Regime (MTCR) verstoßen.
Dieses Abkommen verbietet den Export von Raketenkomponenten
und Raketen mit einer Reichweite von mehr als 300 km. Die
"offensive" Variante von THAAD hat hingegen nach
chinesischen Berechnungen eine Reichweite von 600 km.[68]
4.2 Mögliche chinesische Reaktionen
auf eine Stationierung von TMD-Systemen in Taiwan
Die VR China kann mit militärischen und
politischen Maßnahmen auf die Dislozierung einer Abwehr
in Taiwan reagieren. Die wahrscheinlichste militärische
Reaktion Pekings ist eine verstärkte Raketenrüstung,
um die TMD-Systeme mit einem massiven Angriff überwinden
zu können. Dies deutete Sha Zukang bereits im Januar
1999 an:
TMD [
, A.H.] will have a negative
impact on regional [
, A.H.] strategic stability.
If a country, in addition to its offensive power, seeks
to develop advanced TMD [
, A.H.] in an attempt to
attain [
, A.H.] unilateral strategic advantage for
itself, other countries will be forced to develop more
advanced offensive missiles.[69]
Dies läuft zwar dem von der chinesischen
Regierung verfolgten Ziel zuwider, die militärische
Modernisierung der ökonomischen unterzuordnen, Peking
verfügt jedoch über die finanziellen Ressourcen,
weitere Raketen zu stationieren. In einer später zurückgenommenen
Aussage hatte Sha Anfang 1996 sogar angedeutet, dass die
VR China Atomwaffen gegen Taiwan einsetzen könnte:
"Taiwan is a province of China, not a state, so the
policy of no-first-use does not apply."[70]
Neben einer fortgesetzten Rüstung dürften
die chinesischen Militärs ihre Raketen mit Täuschkörpern
und anderen Eindringhilfen ausstatten, die die Abwehr zusätzlich
verwirren sollen. Peking wird auch versuchen, die technologieabhängigen
TMD-Systeme mit Hilfe elektronischer Kriegsführung
schon vor einem möglichen Angriff außer Gefecht
zu setzen. Sollte die VR China dagegen von der Effektivität
der Systeme überzeugt sein, könnte sie dies als
Anlass für einen präventiven Raketenangriff nehmen,
bevor die Abwehrstellungen fertiggestellt sind.
Ferner droht Peking mit einer weniger kooperativen
Haltung in der internationalen Rüstungskontrolle, falls
die USA Raketenabwehrsysteme an Taiwan liefern. Dies gilt
besonders für das MTCR, an dessen Bestimmungen sich
die VR China in den neunziger Jahren mehrfach gebunden erklärte,
ohne formell Mitglied des Abkommens zu sein. Doch auch in
dieser Zeit verkaufte Peking Raketentechnologie nach Nordkorea,
Syrien, Libyen, Pakistan, Saudi Arabien und in den Irak
und den Iran. Zudem half die VR China Pakistan bei der Entwicklung
seiner Atomwaffen.
5. Das TMD-Dilemma: Fazit und Ausblick
Die Bedrohung durch chinesische Raketen, die
Forderung der Mehrheit der taiwanischen Wähler nach
Schutz, die widersprüchlichen Signale aus den USA,
der Wunsch nach engeren Kontakten zur Schutzmacht und der
zweifelhafte militärische Nutzen einer Raketenabwehr
sind nur die wichtigsten Eckpunkte des taiwanischen Dilemmas
in der TMD-Debatte. Sollte die VR China auf die Stationierung
von Abwehrsystemen mit einer verstärkten Raketenrüstung
reagieren, würde TMD im Endeffekt nicht zu mehr, sondern
zu weniger Sicherheit für Taiwan führen. Einen
teuren Offensiv-Defensiv-Rüstungswettlauf kann sich
die Inselrepublik aber nicht leisten. Zudem wären die
Folgen für die Sicherheitslage in Asien verheerend.
Denn die Anrainerstaaten werden auf eine chinesische Aufrüstung,
die sich potentiell auch gegen sie selbst richten kann,
entsprechend reagieren und dadurch die regionale Rüstungsspirale
weiter anheizen.
Doch auch für die Vereinigten Staaten
stellt die TMD-Problematik ein Dilemma dar. Lehnt Washington
die Lieferung von Abwehrsystemen oder die Einbeziehung Taiwans
in einen amerikanischen Schutzschirm ab, zieht Peking daraus
die Lehre, dass seine Drohungen den gewünschten Effekt
haben. Ferner würden die amerikanischen Verbündeten
in der Region hinterfragen, ob auf die USA in Krisenzeiten
noch Verlass ist. Entschließt sich Washington dagegen
zur Lieferung von TMD-Systemen an Taipeh, besteht die Gefahr,
dass dies in Taiwan als uneingeschränkte Sicherheitsgarantie
der Vereinigten Staaten missverstanden wird. Daher diskutieren
amerikanische Politiker seit Jahren über eine Revision
des Konzeptes der "strategischen Ambiguität".
Den konservativen Gruppierungen, die sich für eine
aktivere Rolle der USA an der Seite Taiwans aussprechen,
hält der ehemalige Sicherheitsberater von Präsident
Carter, Zbigniew Brzezinski, jedoch entgegen: "A preemptive
anti-Chinese defense coalition, based on TMD, could become
a self-fulfilling prophecy of a hostile China."[71]
An dieser Stelle offenbaren sich somit die
Grenzen der amerikanischen Politik, die sich die weltweite
Förderung von Demokratien und Demokratisierungsprozessen
auf die Fahnen geschrieben hat. Denn selbst wenn sich die
demokratisch legitimierte Regierung in Taipeh für die
Stationierung von TMD entscheidet, um dem Wunsch der Wähler
nach Schutz nachzukommen, oder weil sich in der innertaiwanischen
Diskussion ein entsprechender Konsens bildet, wird Washington
die geforderten Systeme nicht einfach liefern können.
Die Wahrung des Friedens mit der autoritär regierten
VR China ist für die amerikanische Regierung letztlich
von größerer Bedeutung als die Unterstützung
eines demokratischen Taiwans.
Auf der anderen Seite muss auch Peking darauf
achten, den Bogen in der TMD-Debatte nicht zu überspannen.
Zwar eignet sich die Taiwan-Frage zur Förderung eines
chinesischen Nationalbewusstseins, das von den wachsenden
sozialen Problemen auf dem Festland ablenken soll. Einen
Krieg gegen die Insel kann die VR China - abgesehen vom
internationalen Imageverlust - aber auch in den kommenden
Jahren nicht gewinnen, und eine Niederlage würde die
chinesische Staatsführung wahrscheinlich ihr Amt kosten.
Auch wenn die VR China wahrscheinlich nicht
militärisch gegen Taiwan vorgehen wird, bleibt dennoch
die Bedrohung durch die chinesischen Raketen. Eine militärische
Alternative zur Stationierung von TMD-Systemen wäre
für Taiwan daher der Aufbau einer offensiven Raketenflotte,
um Vergeltungsschläge gegen die Volksrepublik führen
zu können, und diese damit von einem Angriff abzuschrecken.
Schon 1981 präsentierte Taipeh die Ching Feng (Green
Bee), ein Derivat der amerikanischen Lance mit einer Reichweite
von 130 km. Sie diente als Basis für die Entwicklung
der Tien Ma (Sky Horse), einer Mittelstreckenrakete mit
1.000 km Reichweite. Aufgrund amerikanischen Drucks wurden
die Arbeiten an der Tien Ma aber bereits 1986 wieder eingestellt.
Dafür entwickelte Taiwan Ende der neunziger Jahre die
Tien Chi (Sky Helberd) mit einer Reichweite von 300 km.
Die Option, eine offensive Zweitschlagskapazität
gegen die VR China aufzubauen, ist freilich noch immer Bestandteil
der öffentlichen Diskussion. Die beiden großen
taiwanischen Parteien sprachen sich im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen
2000 für die Entwicklung von Mittelstreckenraketen
aus, ein Vorhaben, das laut Umfragen 82 Prozent der Taiwaner
unterstützen.[72] Ein von der Democratic Progressive
Party im November 1999 herausgegebenes Weißbuch führt
hierzu aus:
Under the principle that 'attack is still
the best defense' the military [
, A.H.] must develop
and deploy intermediate- and short-range surface-to-surface
missiles, cruise missiles [
, A.H.] and should develop
the ability to conduct precision strikes deep in the enemy's
territory.[73]
Tatsächlich tauchten Mitte 2001 Berichte
auf, das taiwanische Militär arbeite wieder an der
Entwicklung einer Mittelstreckenrakete mit einer Reichweite
von 1.000 bis 2.000 km und einem Marschflugkörper mit
1.000 km Reichweite. Das Verteidigungsministerium in Taipeh
dementierte dies allerdings.[74] Des weiteren verfügt
Taiwan wohl nicht über Massenvernichtungswaffen, mit
denen die Raketen bestückt werden müssten, um
eine ernsthafte Abschreckung gegenüber der VR China
darzustellen. Ein nach dem ersten chinesischen Atombombentest
1964 aufgelegtes taiwanisches Nuklearprogramm wurde auf
Betreiben der USA 1988 endgültig eingestellt. Doch
auch die Haltung Taiwans zu Atomwaffen wird im politischen
Diskurs thematisiert. So forderte Präsident Lee Teng-hui
während der chinesischen Raketentests im Juli 1995,
dass Taiwan die Frage einer nuklearen Bewaffnung auf lange
Sicht überdenken müsse.[75]
Dass Taipeh technisch in der Lage ist, sowohl
Raketen als auch Atomwaffen zu bauen, ist allgemein anerkannt.
Eine solche Politik hätte jedoch verheerende Folgen
für die internationale Nichtweiterverbreitungspolitik
und dürfte auf den massiven Widerstand der USA stoßen.
Zudem würde die VR China auf diese Maßnahmen
mit einer vermehrten Aufrüstung reagieren - mit den
bereits beschriebenen negativen Folgen für die Stabilität
in Asien. Erheblich weniger provokativ und zugleich kostengünstiger
sowie effektiver als TMD oder eine eigene Raketenrüstung
ist jedoch die Stärkung der sogenannten passiven Verteidigung,
mit denen Taiwan die Schäden durch einen chinesischen
Raketenangriff minimieren kann. Hierfür müssten
gefährdete militärische Einrichtungen wie Flughäfen
und Kommandozentralen durch bauliche Maßnahmen weiter
gehärtet oder unter die Erde verlegt werden.[76]
Eine alle Seiten zufrieden stellende Lösung
der TMD-Problematik - wie der gesamten Taiwan-Frage - kann
dagegen nur auf dem politischen Weg erreicht werden. Bis
Mitte der neunziger Jahre schien dies sogar möglich.
Höhepunkt der politischen Entspannung war die Einigung
auf das "Ein-China"-Prinzip 1992, wobei beide
Seiten frei waren, dieses nach ihren Vorstellungen zu definieren.
Nach den chinesischen Raketentests 1995/96 brachen die inoffiziellen
Kontakte jedoch praktisch ab. Die Wahl des nach Unabhängigkeit
strebenden Chen Shui-bian zum taiwanischen Präsidenten
drohte die Situation weiter zu verschlechtern. Doch seitdem
Chen dem Festland in seiner Einführungsrede am 20.
Mai 2000 zugesagt hatte, dass es in seiner Regierungszeit
kein Referendum über eine Unabhängigkeitserklärung
Taiwans geben werde, verbessern sich die Beziehungen wieder
langsam. Im August 2000 ersetzte der chinesische Vize-Premierminister
Qian Qichen das bisherige Konzept "Taiwan ist ein Teil
Chinas" durch die Formulierung "Taiwan und das
Festland sind beide Teile Chinas", und deutete somit
eine gewisse Gleichberechtigung beider Seiten an.[77] Peking
bot ferner an, wieder zum "Ein-China"-Konsens
von 1992 zurückzukehren, während Chen im April
2000 eine chinesisch-taiwanische Konföderation in der
Zukunft in Aussicht stellte.[78]
Nicht ausgeschlossen erscheint eine politische
Integration durch ökonomische Zusammenarbeit. Seitdem
Taiwan 1987 wirtschaftliche Kontakte mit dem Festland zuließ,
investierten taiwanische Unternehmen ca. US-$ 60 Mrd. (2001)
auf dem Festland und der gegenseitige Handel wuchs auf US-$
32,4 Mrd. (2000). Die VR China wurde im Dezember 2001 in
die Welthandelsorganisation (WTO) aufgenommen, Taiwan drei
Wochen später, wobei Peking eine Mitgliedschaft Taipehs
ausdrücklich unterstützte. Kritiker merken jedoch
an, dass eine verstärkte wirtschaftliche Zusammenarbeit
Taiwan in ein Abhängigkeitsverhältnis zum Festland
führe. Dem ist entgegenzuhalten, dass die ökonomische
Kooperation auch Taipeh die Möglichkeit der Einflussnahme
in der VR China einräumt und die Inselrepublik mit
einer positiven Handelsbilanz von US-$ 19,9 Mrd. (2000)
bisher sehr von diesen Kontakten profitiert.[79]
Parallel zur politischen und wirtschaftlichen
Entspannung mit Taiwan scheint die VR China derzeit an einer
Verbesserung der chinesisch-amerikanischen Beziehungen interessiert
zu sein. Weder das diplomatische Tauziehen nach dem Zusammenstoß
eines amerikanischen Spionageflugzeugs mit einem chinesischen
Abfangjäger über dem Südchinesischen Meer
im April 2001 noch der Fund von Abhöreinrichtungen
in einer für Jiang Zemin gelieferten Boeing führten
zu der befürchteten Abkühlung der bilateralen
Beziehungen. Nicht einmal die Stationierung amerikanischer
Truppen in Afghanistan und anderen Staaten der Region stößt
auf vehemente Kritik der chinesischen Führung, obwohl
Peking Zentralasien als Teil der eigenen Einflusssphäre
versteht. Statt dessen kooperieren beide Seiten bei der
Bekämpfung des internationalen Terrorismus.
Über die Ursachen der chinesischen Zurückhaltung
lässt sich diskutieren. Ein wesentlicher Grund dürfte
der Wunsch der Staatsführung gewesen sein, den WTO-Beitritt
und besonders die Vergabe der Olympischen Sommerspiele 2008
in die chinesische Hauptstadt nicht zu gefährden. Damit
dieses für Peking wichtige Prestigeprojekt zu einem
Erfolg wird, dürfte die VR China auch in der Zeit bis
2008 einen vergleichsweise vorsichtigen außenpolitischen
Kurs steuern. Somit bleiben noch sechs Jahre, die Beziehungen
zwischen dem Festland und Taiwan auf eine politische Grundlage
zu stellen, die sich auch nach 2008 noch als tragfähig
erweist. Diese Zeit sollte nicht ungenutzt verstreichen.
[1] Vgl. Department of Defense, Nuclear Posture
Review, Washington, D.C., 8. Januar 2002, entnommen aus
dem Internet unter http://www.globalsecurity.org/wmd/library/policy/dod/npr.htm
am 28. Mai 2002.
[2] Zu Fragen der Funktionsweise, dem Wirkungsbereich
und der technischen Konfiguration der diversenRaketenabwehrsysteme
siehe: Götz Neuneck/Michael Schaaf, Die Systemarchitektur
der National Missile Defense und ihre Verträglichkeit
mit dem ABM-Vertrag, Raketenabwehrforschung International,
Bulletin No 1 (Frühjahr 2000), Frankfurt am Main 2000,
http://www.hsfk.de/abm/bulletin/pdfs/neuneck1.pdf.
[3] The Taiwan Affairs Office/The Information
Office of the State Council, The One-China Principle and
the Taiwan Issue, 21. Februar 2000, entnommen aus dem Internet
unter http://www.taiwansecurity.org/IS/White-Paper-022100.htm
am 29. Mai 2002 [Hervorhebung durch den Autor].
[4] So Wang Zhaoguo, Mitglied des Politbüros,
am 6. Oktober 1994. Vgl. Hua Di, China's Security Dilemma
to the Year 2010, Center for International Security and
Arms Control, Stanford, Cal. 1997, S. 1.
[5] Zitiert in: Frank Umbach, Die chinesischen
Streitkräfte auf dem Weg zu einer militärischen
Supermacht? Sicherheits-, rüstungs- und militärpolitische
Strategien und ihre Auswirkungen auf die regionale Stabilität,
in: Susanne Luther/Peter J. Opitz (Hg.), Chinas Rolle in
der Weltpolitik, Argumente und Materialien zum Zeitgeschehen
Nr. 25, München 2000, S. 59-92 (S. 62).
[6] Vgl. Umbach, Die chinesischen Streitkräfte,
S. 65f; China's confident bow, The Economist vom 10. März
2001, S. 61.
[7] Vgl. Shaoguang Wang, The Military Expenditure
of China 1989-1998, in: SIPRI Yearbook 1999. Armaments,
Disarmament and International Security, Oxford 1999, S.
334-349 (S. 347ff.).
[8] Andere Quellen geben hier einen niedrigeren
Gesamtwert. Vgl. Michael D. Swain/James C. Mulvenon, Taiwan's
Foreign and Defense Policies - Features and Determinants,
Center for Asia-Pacific Policy, Santa Monica 2001, S. 113,
Anm. 39; David Shambaugh, Sino-American Strategic Relations.
From Partners to Competitors. In: Survival, Jg. 42, Nr.
1, 2000, S. 97-115 (S. 111).
[9] Von den SU-27 mit einer Reichweite von
1.500 km hat Russland 50 bereits ausgeliefert. Die übrigen
200 produziert die VR China seit 1998 in einem Zeitrahmen
von 10-15 Jahren in Lizenz. Die Auslieferung der SU-30 mit
einer Reichweite von 1.600 km begann im Dezember 2000.
[10] Das letzte der vier U-Boote wurde im
Januar 1999 an die VR China geliefert, der erste Sovremenny-Zerstörer
im Februar 2000. Diese Schiffe sind mit je acht nuklear
bestückbaren SS-N-20-Marschflugkörpern mit einer
Reichweite von 120 km ausgerüstet, die speziell zur
Bekämpfung amerikanischer Aegis-Schiffe entwickelt
wurden.
[11] Vgl. Department of Defense, The Security
Situation in the Taiwan Strait. Report to Congress Pursuant
to the FY99 Appropriations Bill, Washington, D.C. 1999,
entnommen aus dem Internet unter http://www.defenselink.mil/pubs/twstrait_02261999.html
am 29. Mai 2002.
[12] Vgl. Michael O'Hanlon, Why China Cannot
Conquer Taiwan. In: International Security, Jg. 25, Nr 2,
2000, S. 51-86 (S. 53); David Shambaugh, A Matter of Time:
Taiwan's Eroding Military Advantage. In: The Washington
Quarterly, Jg. 23, Nr. 2, 2000, S. 119-133 (S. 123); David
M. Lampton/Gregory C. May, A Big Power Agenda for East Asia
- America, China, and Japan, The Nixon Center, Washington,
D.C. 2000, S. 3f.
[13] Vgl. ebd., S. 10f.; O'Hanlon, Why China,
S. 62f.
[14] Department of Defense, The Security Situation.
[15] Vgl. O'Hanlon, Why China, S. 62; William
M. Carpenter, The Taiwan Strait Triangle. In: Comparative
Strategy, Jg. 19, Nr. 2, 2000, S. 329-340 (S. 333); z.T.
wird die notwendige Truppenstärke für eine Invasion
gar mit 700.000 Soldaten angegeben. Vgl. Peter J. Opitz,
Szenarien einer militärischen Konfrontation, in: Luther/Opitz
(Hg.), Chinas Rolle in der Weltpolitik.
[16] Vgl. Shambaugh, A Matter of Time, S.
130.
[17] So wird unter Experten die Möglichkeit
diskutiert, dass die VR China eine Kernwaffe außeratmosphärisch
zünden könnte, um den elektromagnetischen Impuls
zu einer überraschenden Invasion Taiwans zu nutzen.
[18] Die DF-15 und DF-11 sind auch unter ihrer
NATO-Bezeichnung CSS-6 bzw. CSS-7 sowie ihrer Exportbezeichnung
M-9 bzw. M-11 bekannt.
[19] Vgl. Chinese Nuclear Forces. 2001. In:
The Bulletin of the Atomic Scientists, Jg. 57, Nr. 5, 2001,
S. 71-72.
[20] Vgl. Shambaugh, Sino-American Strategic
Relations, S. 103.
[21] Vgl. Republic of China, National Defense
Report 2000. Part Two: National Security and Defense Policy.
Chapter 1. General Security Situation, entnommen aus dem
Internet unter http://www.mnd.gov.tw/report/830/html/2-1.html
am 29. Mai 2002.
[22] Department of Defense, The Security Situation.
[23] Vgl. Shambaugh, A Matter of Time, S.
129.
[24] Republic of China, National Defense Report
2000. Part Two: National Security and Defense Policy. Chapter
3: Guidance for Defensive Operations, entnommen aus dem
Internet unter http://www.mnd.gov.tw/report/830/html/2-3.html
am 29. Mai 2002.
[25] Vgl. Nuclear and Missile Trade and Developments.
In: The Nonproliferation Review, Jg. 6, Nr. 3, 1999, S.
147; Martin Wagener, Raketenabwehrsysteme und die strategische
Gleichung der Taiwan-Straße - Stabilisierung oder
Bruch des Status quo? In: Österreichische Militärzeitung,
Jg. 38, Nr. 4, 2000, S. 413-428 (S. 419).
[26] Zitiert in: TMD urgent. Lee Teng-hui,
The Taipei Times vom 13. September 1999, entnommen aus dem
Internet unter http://www.taipeitimes.com
am 28. März 2002.
[27] Vgl. Brian Hsu, Anti-missile weapons
system should be ready by 2005, The Taipei Times vom 17.
November 1999, entnommen aus dem Internet unter http://www.taipeitimes.com
am 28. März 2002; Locally developed missile defense
considered, The Taipei Times vom 17. Dezember 2001, entnommen
aus dem Internet unter http://www.taipeitimes.com
am 28. März 2002.
[28] Vgl. Bill Gertz, Taiwan calls for a joint
missile defense, The Washington Times vom 16. Juli 2001,
entnommen aus dem Internet unter http://www.taiwandc.org/washt2001-15.htm
vom 6. März 2002.
[29] Vgl. Kenneth W. Allen (u.a.), Theater
Missile Defenses in the Asia-Pacific Region, Henry L. Stimpson
Center, Report No. 34, Washington, D.C. 2000, S. 45; in
anderen Publikationen wird dieser Wert mit 12,7 Mrd. US-$
beziffert, siehe: U.S. Arms Sales to Taiwan Further Upset
China. In: Arms Control Today, Jg. 29, Nr. 5, 1999, S. 28.
[30] Taiwan Relations Act. Sec. 3b. 10. April
1979, abgedruckt in: Bernice Lee, The Security Implications
of the New Taiwan, Adelphi Paper 331, New York, N.Y. 1999,
S. 75.
[31] Joint Communiqué of the United
States of America and the People's Republic of China, 17.
August 1982, abgedruckt in: Ebd. S. 77ff.
[32] Vgl. June Teufel Dreyer, Flashpoint in
the Taiwan Strait. In: Orbis, Jg. 44, Nr. 4, 2000, S. 615-629
(S. 620).
[33] Vgl. Andrew J. Nathan, What's Wrong with
American Taiwan Policy. In: The Washington Quarterly, Jg.
23, Nr. 2, 2000, S. 93-106 (S. 95f.); Denny Roy, Tensions
in the Taiwan Strait. In: Survival, Jg. 42, Nr. 1, 2000,
S. 76-96 (S. 88).
[34] Vgl. Swain/Mulvenon, Taiwan's Foreign
and Defense Policies, S. 160; Präsident Bush zur Verteidigung
Taiwans, Neue Zürcher Zeitung vom 26. April 2001, S.
1.
[35] Taiwan Security Enhancement Act (S 693).
Sec. 5. Strengthening the Defense of Taiwan, (d) Missile
Defense Equipment, entnommen aus dem Internet unter http://usinfo.state.gov/regional/ea/uschina/s693.htm
am 28. Mai 2002.
[36] Vgl. Swain/Mulvenon, Taiwan's Foreign
and Defense Policies, S. 160.
[37] Vgl. Charles Ferguson, Sparking a Buildup:
U.S. Missile Defense And China's Nuclear Arsenal. In: Arms
Control Today, Jg. 30, Nr. 2, 2000, S. 13-18.
[38] Vgl. Wagener, Raketenabwehrsysteme, S.
421; Charles Snyder, US defense review issues Strait alert,
The Taipei Times vom 17. März 2002, entnommen aus dem
Internet unter http://www.taipeitimes.com
am 28. März 2002.
[39] Vgl. Wagener, Raketenabwehrsysteme, S.
418.
[40] Vgl. Wei-Chin Lee, Thunder in the Air:
Taiwan and Theater Missile Defense. In: The Nonproliferation
Review, Jg. 8, Nr. 3, 2001, S. 107-122 (S. 113ff.); Cheng-yi
Lin, Taiwan Presidential Candidates' Perspectives on National
Defense, entnommen aus dem Internet unter http://www.dsis.org.tw/peaceforum/papers/2000-02/TP000202.htm
am 23. Mai 2002.
[41] Vgl. Lee, Thunder in the Air, S. 115ff.
[42] Vgl. Military still plans to buy Patriot
PAC-III batteries, The Taipei Times vom 4. Januar 2002,
entnommen aus dem Internet über Taiwan Headlines unter
http://th.gio.gov.tw
am 28. März 2002.
[43] Vgl. Sofia Wu, TMD Refers to Taiwan Missile
Defense. Minister, Federation of American Scientists, Washington,
D.C. 23. August 1999, entnommen aus dem Internet unter http://www.fas.org/news/taiwan/1999/e-08-23-99-13.htm
vom 6. März 2002; Brian Hsu, Tang denies support for
TMD plan, The Taipei Times vom 2. Februar 2000, entnommen
aus dem Internet unter http://www.taipeitimes.com vom 28.
März 2002.
[44] So der Sprecher des Ministeriums, Huang
Sui-sheng, am 17. Juli 2001, zitiert in: Brian Hsu, Military
says US national missile defense an option, The Taipei Times
vom 18. Juli 2001, entnommen aus dem Internet über
http://www.taipeitimes.com
am 28. März 2002.
[45] Vgl. Budget constrains limit choices:
defense officials, The Liberty Times, entnommen aus dem
Internet über Taiwan Headlines unter http://www.th.gio.gov.tw
am 28. März 2002.
[46] Vgl. Swain/Mulvenon, Taiwan's Foreign
and Defense Policies, S. 148f., 168f.
[47] Vgl. US concerned over status of radar
sale, The Taipei Times vom 3. Januar 2002, entnommen aus
dem Internet über Taiwan Headlines unter http://th.gio.gov.tw/show.cfm?news_id=13066
am 28. März 2002.
[48] Vgl. Department of Defense, Report to
Congress on Theater Missile Defense Architecture Options
for the Asia Pacific Region, Washington, D.C. 1999, entnommen
aus dem Internet unter http://www.defenselink.mil/pubs/tmd050499.pdf
am 28. März 2002.
[49] Vgl. Shambaugh, A Matter of Time, S.
127; O'Hanlon, Why China, S. 81.
[50] Department of Defense, The Security Situation.
[51] Die VR China befürchtet jedoch,
dass der Forschungssatellit ROCSAT-2 mit einer Auflösung
von zwei Metern, der im Oktober 2003 im All stationiert
werden soll, auch militärisch genutzt werden kann.
Vgl. Lee, Thunder in the Air, S. 113; US intelligence could
help Taiwan in missile attack, The Taipei Times vom 21.
September 1999, entnommen aus dem Internet unter http://www.taipeitimes.com
am 28. März 2002.
[52] Vgl. Wagener, Raketenabwehrsysteme, S.
414f.
[53] Vgl. Lee, Thunder in the Air, S. 111f.
[54] Vgl. ebd., S. 111; Swain/Mulvenon, Taiwan's
Foreign and Defense Policies, S. 109; Taiwan and China -
Drifting together, The Economist vom 5. Januar 2002, S.
45.
[55] Vgl. Swain/Mulvenon, Taiwan's Foreign
and Defense Policies, S. 124.
[56] Vgl. Michael Swain, Taiwan's National
Security, Defense Policy, and Weapons Procurement Process,
Santa Monica, Cal. 1999, S. 74. Zitiert in: Lampton/May,
A Big Power Agenda for East Asia, S. 12.
[57] Allen (u.a.), Theater Missile Defenses,
S. 46f.
[58] Zitiert in: Nathan, What's Wrong, S.
98.
[59] Vgl. Nancy Bernkopf Tucker, China-Taiwan:
US-Debates and Policy Choices. In: Survival, Jg. 40, Nr.
4, 1999, S. 150-151 (S. 159).
[60] Information Office of the State Council,
China's National Defense in 2000, 16. Oktober 2000, entnommen
aus dem Internet unter http://www.china.org.cn/2000/Oct/2791.htm
am 28. Mai 2002.
[61] Vgl. Thomas J. Christensen, China, the
U.S.-Japan Alliance, and the Security Dilemma in East Asia.
In: International Security, Jg. 23, Nr. 4, 1999, S. 49-80
(S. 66).
[62] Vgl. Chen Jifeng, TMD and Its Impact
on Security in the Asia-Pacific Region. In: Peace (Chinese
People's Association for People and Disarmament, Peking),
Nr. 58, 2001, S. 9-13 (S. 9f.).
[63] Vgl. Robert A. Manning, Taiwan and the
Future of Asian Security, Council on Foreign Relations,
New York, N.Y. 2000, entnommen aus dem Internet unter http://www.cfr.org/public/pubs/Manning_Asian-Security_Op-ed-html
am 27. März 2002.
[64] Vgl. Lampton/May, A Big Power Agenda,
S. 46.
[65] Siehe hierzu auch: Susanne Feske, Amerikanische
Hegemonialpolitik gegenüber Japan und Südkorea:
Die Auseinandersetzungen um eine regionale Raketenabwehr,
Raketenabwehrforschung International, Bulletin No. 36 (Winter
2002/03), Frankfurt am Main 2003; Michael Hedtstück,
Raketenpoker um die Hegemonie in Ostasien:
Chinas Sicherheitspolitik in Zeiten amerikanischer Raketenabwehrpläne,
Raketenabwehrforschung International, Bulletin No. 31 (Winter
2001/02), Frankfurt am Main 2002.
[66] Zitiert in: Ferguson, Sparking a Buildup,
S. 14.
[67] Zitiert in: China's Opposition to US
Missile Defense Programs, Center for Nonproliferation Studies
Factsheet, entnommen aus dem Internet unter http://www.cns.miis.edu/cns/projets/eanp/pubs/chinamd.htm
am 27. März 2002.
[68] Vgl. Yan Xuetong, Theater Missile Defense
and Northeast Asian Security. In: The Nonproliferation Review,
Jg. 6, Nr. 3, 1999, S. 65-74 (S. 66f., 71).
[69] Zitiert in: Allen (u.a.), Theater Missile
Defenses, S. 1.
[70] Zitiert in: Wagener, Raketenabwehrsysteme,
S. 424.
[71] Zbigniew Brzezinski, Living with China.
In: The National Interest, Nr. 59, 2000, S. 5-32 (S. 20).
[72] Vgl. Cheng-yi Lin, Taiwan Presidential
Candidates' Perspectives on National Defense, entnommen
aus dem Internet unter http://www.dsis.org.tw/peaceforum/papers/2000-02/TP000202.htm
am 23. Mai 2002.
[73] Zitiert in: Lampton/May, A Big Power
Agenda, S. 14.
[74] Vgl. Defense Ministry Denies Missile
Development Plan, The Taipei Times vom 19. Juni 2001, entnommen
aus dem Internet über Taiwan Headlines unter http://www.thgio.gov.tw
am 28. März 2002; Military Denies Cruise Missile Project,
The Taipei Times vom 27. Juli 2001, entnommen aus dem Internet
über Taiwan Headlines unter http://www.thgio.gov.tw
am 28. März 2002.
[75] Vgl. David Albright/Corey Gay, Taiwan.
Nuclear Nightmare Averted. In: The Bulletin of the Atomic
Scientists, Jg. 54, Nr. 1, 1998, S. 54-61, entnommen aus
dem Internet unter http://www.thebulletin.org/issues/1998/jf98/jf98albright.html
am 28. Mai 2002.
[76] Vgl. Thomas J. Christensen, Theater Missile
Defense and Taiwan's Security. In: Orbis, Jg. 44, Nr. 4,
2000, S. 79-90 (S. 84).
[77] Siehe: Willem van Kemenade, Taiwan. Domestic
Gridlock, Cross-Strait Deadlock. In: The Washington Quarterly,
Jg. 24, Nr. 4, 2001, S. 55-70 (S. 58).
[78] Vgl. Lampton/May, A Big Power Agenda,
S. 38.
[79] Vgl. Kemenade, Taiwan, S. 67.
Bitte zitieren als: Andreas Hahn, Zwischen
globalem und regionalem Hegemon: Die Position Taiwans in
der Raketenabwehrfrage, Raketenabwehrforschung International,
Bulletin No. 37 (Winter 2002/03), Frankfurt am Main 2003.
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