|
Bulletin No 31 - Winter 2001/02
Michael Hedtstück
Raketenpoker um die Hegemonie in Ostasien: Chinas Sicherheitspolitik
in Zeiten amerikanischer Raketenabwehrpläne
Prolog
Die Visite von US-Präsident George Bush
im Februar in Peking verlief überraschend unproblematisch.
Die Unstimmigkeiten über das geplante Raketenabwehrsystem,
die zuvor wie ein Damoklesschwert über den Beziehungen
der beiden Großmächte schwebten, spielten bei
dem Treffen nur eine untergeordnete Rolle.
Diese Beobachtung steht stellvertretend für
die Politik der Volksrepublik China, die seit dem 11. September
auf Entspannung setzt, indem die gemeinsamen Interessen
als Partner in der Anti-Terror-Koalition herausgestrichen
werden. In diese Politik reiht sich auch die Reaktion der
chinesischen Führung auf die Kündigung des ABM-Vertrages
durch die US-Regierung ein. Obgleich kein Vertragspartner,
ist Peking aufgrund seiner minimalen nuklearen Abschreckungskapazität
von den Raketenabwehrplänen des Pentagon massiv betroffen.
Dennoch fiel die Reaktion äußerst moderat aus.
Diese neue Politik ist freilich mehr auf Pragmatismus denn
auf eine substantielle Annäherung an die Position der
USA zurückzuführen.[1]
Die Probleme lauern jedoch im Hintergrund.
Die Interessen der beiden Nationen im ostasiatischen Raum
treffen in vielen Fällen frontal aufeinander, allen
voran in der Taiwan-Frage. Für die Sicherheitssituation
in der Region während der kommenden Dekaden wird gerade
Pekings Reaktion auf das amerikanische Raketenabwehrsystem
von grundlegender Bedeutung sein.
1. Einleitung
Spätestens seit der Taiwan-Krise von
1996, als die USA auf chinesische Manöver in der Taiwan-Straße
mit der Entsendung zweier Flugzeugträgergruppen reagierten,
ist die Sicherheitssituation in Ostasien angespannt. Was
diesen Schauplatz für eine wissenschaftliche Analyse
so interessant macht, ist die Tatsache, dass diese Region
weltweit die einzige ist, in welcher der globale Hegemon
USA auf einen ernstzunehmenden Herausforderer trifft, der
sich mit dem politischen und territorialen Status Quo nicht
zufrieden gibt. Dieser aufstrebende Herausforderer ist China.
Während das Interesse der Vereinigten
Staaten vor allem darin liegt, ihre Hegemonialposition[2]
und damit verbunden auch den Einfluss und die Vorherrschaft
in der Region zu wahren, strebt das Reich der Mitte die
komplette Wiedervereinigung des Vaterlandes an, Territorialansprüche
werden unzweideutig formuliert.[3]
An oberster Stelle sei hier Taiwan erwähnt,
das Peking als "abtrünnige Provinz" betrachtet.
Souveränitätsstreitigkeiten bestehen aber auch
mit den Philippinen über die Spratley-Inseln sowie
mit Japan über acht unbewohnte Inseln nördlich
von Taiwan, die in China unter dem Namen Diaoyu und in Japan
als Senkaku bekannt sind.[4]
Bei der Verfolgung dieser Ziele trifft China
zwangsläufig auf die Vereinigten Staaten, die sowohl
mit Taiwan als auch mit Japan und den Philippinen enge militärische
Kontakte bis hin zu offiziellen Bündnissen (Japan)
pflegen. Zahlreiche Beobachter vertreten die Ansicht, dass
Washington und Peking um die strategische Vorherrschaft
in der Region ringen.[5]
Einflussreiche Vertreter der Bush-Administration
machen aus ihrer Einschätzung bezüglich China
keinen Hehl. So bezeichnete Präsident Bush das Land
als "strategischen Wettbewerber",[6] seine Nationale
Sicherheitsberaterin Condoleeza Rice betrachtet China als
"Großmacht mit ihren eigenen Interessen."
Wo es nötig sei, müsse man mit dieser in Sicherheitsfragen
konkurrieren.[7]
In China werden derartige Aussagen mit Argwohn
registriert. Peking, das sich nach einem Jahrhundert der
Erniedrigungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts
zu einer politischen, militärischen und zunehmend auch
wirtschaftlichen Großmacht entwickelte, zeigt sich
alarmiert über die Bemühungen der USA, die Position
als globaler Hegemon weiter auszubauen.[8] Um die aufstrebende
Regionalmacht China unter Kontrolle zu halten und die militärische
Überlegenheit sicherzustellen, verfolgen die Vereinigten
Staaten in den Augen Pekings eine Neo-Containment-Politik,
deren Kernstück die Entwicklung eines Raketenabwehrsystems
(Ballistic Missile Defense: BMD) mit einer strategischen
(National Missile Defense: NMD) und einer taktischen (Theater
Missile Defense: TMD) Komponente sei.[9] Chinas ablehnender
Haltung gegenüber Washingtons Raketenabwehplänen
liegen verschiedene Befürchtungen zu Grunde:[10]
- Die Dislozierung eines taktischen Abwehrschirms
nach Taiwan würde Taipehs Streben nach Unabhängigkeit
verstärken und damit eine Einmischung in Chinas innere
Angelegenheiten darstellen. Außerdem würde
die derzeit noch lose militärische Zusammenarbeit
zwischen Washington und Taipeh zu einer de facto-Allianz
aufgewertet werden.
- Die Dislozierung eines taktischen Abwehrschirms
in Japan könnte die Remilitarisierung des Landes
forcieren und zur Entwicklung eines offensiven Raketenprogramms
beitragen
- Ein strategisches Abwehrsystem könnte
Chinas nukleare Zweitschlags- und damit auch Abschreckungsfähigkeit
neutralisieren
Damit richten sich Washingtons Bemühungen
um ein Raketenabwehrsystem gegen die drei höchsten
Ziele chinesischer Außen- und Sicherheitspolitik:
- Die Wiedervereinigung des Vaterlandes[11]
- Der Aufstieg zu einer Großmacht globalen
Rangs[12]
- Den Aufbau einer modernen Nuklearstreitmacht
mit dem Ziel, auf lange Sicht nicht nuklear erpressbar
zu sein.
Chinesische Regierungsvertreter haben bereits
wiederholt angekündigt, dass das Land reagieren müsse,
wenn seine strategischen Interessen durch ein Raketenabwehrsystem
gefährdet seien.[13] Der chinesische Präsident
Jiang Zemin und sein Premierminister Zhu Rhongji sprachen
übereinstimmend von einem neuen "Rüstungswettlauf",
den das BMD-Programm auslösen werde.[14]
Im nachfolgenden Artikel werde ich der Frage
nachgehen, welche Auswirkungen das BMD-Projekt auf die Sicherheits-
und die Hegemoniesituation in Ostasien, insbesondere auf
die Entwicklung der Konfliktpunkte zwischen dem Hegemon
USA und dem Herausforderer China, haben könnte. Diese
zentrale Fragestellung wird anhand verschiedener Aspekte
überprüft werden. Zunächst werde ich die
möglichen politischen und militärstrategischen
Auswirkungen von TMD auf die Taiwan-Frage untersuchen, gefolgt
von einer gleichartigen Thematisierung des Verhältnisses
zwischen China und Japan. Im Anschluss daran wird die Bedeutung
von NMD für Chinas Nuklearstrategie und seine Rüstungszusammenarbeit
mit Russland behandelt werden, bevor die jeweiligen Untersuchungsergebnisse
in einem Schlussteil zusammengefasst und zur Beantwortung
der zentralen Eingangsfrage herangezogen werden.
2. China und TMD
2.1 Fokus: Taiwan
2.1.1 Die politische Situation
Taiwan ist weltweit einer der brisantesten
potenziellen Krisenherde. Eine ungeklärte Souveränitätssituation,
ein historisch bedingt erhebliches Konfliktpotenzial, das
Aufeinandertreffen gegensätzlicher Interessen zweier
Nuklearmächte und nicht zuletzt eine hohe Dichte an
Kriegsgerät lassen die Sicherheitssituation in der
Taiwan-Straße spätestens seit den Krisen der
Jahre 1995 und 1996 angespannt erscheinen.
Während China eine Wiedervereinigung
unter den Bedingungen des Hong Kong-Modells "Ein Land,
zwei Systeme" anstrebt, sprechen taiwanesische Politiker
mit Blick auf das Festland von einer besonderen Beziehung
zweier Staaten ("special state to state relationship").[15]
Der Kopf hinter dieser "Zwei Staaten-Theorie"
war Ex-Präsident Lee Teng-Hui. In einem von ihm verfassten
und im Dezember 1999 in einer Fachzeitschrift publizierten
Beitrag ging Lee aber noch weiter, als nur von einer besonderen
Beziehung zweier Staaten zu sprechen. In dem Text benutzte
er auch Begriffe wie "Nationale Identität",
"Taiwans Interessen" oder "Das Volk von Taiwan".
Er schrieb, dass China kein Recht habe, die Souveränität
über Taiwan zu reklamieren.[16]
Im Jahr 2000 endete Lees Amtszeit. Sein Nachfolger
Chen Shui-bian erklärte, dass er eine Unabhängigkeitserklärung
vermeiden werde.[17] Diese Aussage widerspricht jedoch dem
Standpunkt von Chens Partei, der Demokratischen Fortschrittspartei.
Darüber hinaus unterscheidet sich dieses Statement
auch von früheren Aussagen, in denen Chen die Unabhängigkeit
von Peking propagiert hatte. So gelten sowohl Chen als auch
Lee im offiziellen Sprachgebrauch der chinesischen Regierung
als "Separatisten".
Regelmäßig droht Peking mit militärischen
Maßnahmen, sollte sich Taipeh zu einer Unabhängigkeitserklärung
entschließen. Pekings Kriterienkatalog geht freilich
noch weiter. In einem Weißbuch vom 21. Februar 2000
werden neben einer Unabhängigkeitserklärung auch
noch die Besetzung Taiwans durch fremde Mächte und
die Ablehnung von Wiedervereinigungsverhandlungen durch
die taiwanesische Führung als Gründe für
eine militärische Intervention genannt.[18]
Nicht zuletzt um den Drohungen Nachdruck zu
verleihen, wurde die Militärdoktrin der Volksbefreiungsarmee
entsprechend modifiziert: Galt es bis Ende der 80er Jahre
noch, sich auf einen groß angelegten, "totalen"
Landkrieg einzustellen, verlangt die neue Doktrin von den
Militärs, einen "lokalen Krieg unter High-Tech-Bedingungen"
überlegen führen zu können.[19]
Dieser "lokale Krieg unter High-Tech-Bedingungen"
kann freilich verschiedene Formen annehmen. Dass der zentralen
Baustein der neuen Strategie jedoch die taktischen Raketenstreitkräfte
sind, wird im folgenden Teilkapitel dargestellt werden.
2.1.2 Die Bedeutung von Raketen für
Pekings neue Militärstrategie
2.1.2.1 Möglichkeiten und Perspektiven
einer militärischen Intervention
Der extremste Weg, die Wiedervereinigung mit
militärischen Mitteln herbeizuführen, wäre
eine großangelegte Invasion Taiwans. Die gewaltige
quantitative Überlegenheit der Volksbefreiungsarmee
würde in einem Konflikt um Taiwan allerdings keine
Rolle spielen. Michael O'Hanlon, der gemeinsam mit Militärs
verschiedene Konfliktszenarien durchgespielt hat, verweist
darauf, dass einem überlegen vorgetragenen Angriff
allein schon die Geografie der Insel entgegen steht: Nicht
mehr als 20 Prozent der Küste Taiwans ließen
die Errichtung von Brückenköpfen zu. An den möglichen
Landungspunkten könnten die qualitativ überlegen
ausgerüsteten taiwanesischen Streitkräfte schnell
eine taktische Überlegenheit herstellen.
Während die Verteidiger ständig
Nachschub aus dem Inland an die Küste verbringen könnten,
sei die Transportkapazität des chinesischen Nachschubs
(Luft- und Marinetransport) viel zu gering und darüber
hinaus auch noch äußerst verwundbar gegen Angriffe
von taiwanesischen Luft- und Marinestreitkräften.[20]
O'Hanlon kommt zu dem Schluss, dass ein amphibisches
Landungsunternehmen für Peking in einem Desaster enden
würde, vergleichbar mit einer großen Version
des Schweinebucht-Debakels von 1961.[21]
Pekings zweite Möglichkeit ist die Errichtung
einer Seeblockade und die maritime Abriegelung der rohstoffarmen
Insel von der Außenwelt. Eine solche Operation würde
zwar einen erheblichen Aufwand erfordern, dafür hätte
eine umfassende Blockade allerdings auch substantielle Folgen
für die taiwanesischen Bürger und die Volkswirtschaft,
die zu zwei Dritteln vom Außenhandel abhängt.[22]
O'Hanlon vertritt die Ansicht, dass Taiwan allein nicht
in der Lage wäre, die Blockade zu durchbrechen und
folglich auf die Hilfe der US-Flotte angewiesen wäre.[23]
Fazit: Das Mittel der Seeblockade würde
Peking zwar recht gute Chancen verschaffen, militärisch
die Oberhand zu gewinnen und erheblichen Druck auf Taiwan
auszuüben. Da Teile der US-Wirtschaft jedoch auf Produkte
aus Taiwan (insbesondere Halbleiter) angewiesen sind und
außerdem noch wichtige Handelsrouten zwischen der
amerikanischen Westküste und dem südasiatischen
Raum (Japan, Südkorea) entlang der taiwanesischen Küste
verlaufen, wäre eine Intervention durch die US-Streitkräfte
sehr wahrscheinlich. Diese Erwartung dürfte auch Chinas
Kosten-Nutzen-Kalkül beeinflussen.
Da sowohl eine Invasion als auch eine Seeblockade
mit hohen Kosten verbunden wären, scheint der dritte
Weg - der Einsatz effektiver Distanzwaffen - die attraktivste
Alternative darzustellen. Mit dem Einsatz von Kurz- und
Mittelstreckenraketen wird Peking Taiwan zwar nicht erobern
können. Dennoch haben Raketen den wohl höchsten
politischen Wert der drei strategischen Möglichkeiten.
Sie sind am besten dazu geeignet, militärischen Zwang
auf Taiwan auszuüben, wie der nächste Abschnitt
zeigen wird.
2.1.2.2 Raketen als politische Waffe
Wenn eine Invasion nicht möglich ist,
muss die chinesische Führung Abschreckungsmittel ins
Feld führen, welche im Vornherein Anlässe verhindern,
die eine militärische Intervention notwendig machen
würden (Vgl. Kapitel 2.1).
Solange Taipeh über keine effektiven
Gegenmittel verfügt, sind Kurz (SRBM)- und Mittelstreckenraketen
(MRBM) die besten Abschreckungswaffen, um taiwanesische
Politiker von einer Unabhängigkeitserklärung abzuhalten.[24]
Damit werden ballistische Raketen zum wertvollsten militärischen
Besitz in Chinas Arsenal.[25] Dies führt nicht zuletzt
dazu, dass China seine ballistischen Raketen in immer stärkerem
Maße auch als politische Waffe betrachtet.[26]
Mit dem Raketenmanöver kurz vor der taiwanesischen
Präsidentschaftswahl 1996 versuchte die chinesische
Führung jegliche Zweifel daran zu zerstreuen, dass
sie im Notfall Raketen einsetzen werde, um die taiwanesische
Politik zu beeinflussen.[27] In Form der Aufstellung neuer
SRBMs und MRBMs an Chinas Ostküste gegenüber Taiwan
lässt Peking seiner Drohung seit einigen Jahren auch
Taten folgen. Zwischen 1996 und dem Jahr 2000 erhöhte
sich die Zahl dieser Raketen von 30-50 auf rund 200.[28]
US-Geheimdienste erwarten bis 2005 eine Ausweitung auf bis
zu 650 Systeme,[29] die aller Wahrscheinlichkeit nach auch
mit nuklearen Sprengköpfen bestückt werden können.[30]
Diese Raketen sind eine ernstzunehmende Bedrohung
für Taiwans militärische Infrastruktur[31] und
könnten nicht zuletzt auch der Volkswirtschaft der
Insel substantielle Schäden zufügen,[32] indem
zentrale und nicht gehärtete Produktionsstätten
beschossen würden. In der gleichen Art und Weise ließen
sich die Raketen als Terrorwaffe gegen die Zivilbevölkerung
und die Regierung einsetzen, zum Beispiel durch den gezielten
Beschuss von Bevölkerungszentren oder Regierungsgebäuden.
Derartige Aktionen könnten den Druck auf die Inselregierung
erhöhen, ihre Unabhängigkeitsbestrebungen fallen
zu lassen[33] oder gar zu einer vollständigen Kapitulation
der "Separatisten" führen.[34]
In Taiwan ist die Furcht vor den chinesischen
Raketen groß. Im Verteidigungsweißbuch vom April
1998 heißt es:
"[The Missiles] may directly attack
our key political, economical, and military targets. This
is the most serious type of operations the PRC may choose
to invade Taiwan by the use of force."[35]
Welch katastrophale Auswirkungen ein Raketenangriff
auf die Wirtschaft Taiwans haben würde, verdeutlichen
folgende Zahlen: Die bloße Ankündigung der Raketentests
im Jahr 1995 durch die Volksbefreiungsarmee ließ den
Aktienmarkt in Taipeh an einem einzigen Tag um 4,2 Prozent
einbrechen. Auch während der Manöver im Jahr 1996
stürzte der Aktienmarkt um mehr als 1000 Punkte in
die Tiefe. Geschätzte 5 bis 15 Milliarden Dollar flossen
aus dem Land, wodurch sich Taipehs Währungsreserven
für den Außenhandel signifikant reduzierten.
Ein ähnliches Bild zeigte sich im Juli 1999. Nachdem
Lee Teng-hui das "Ein-China-Prinzip" in Frage
gestellt hatte, verlor der Aktienmarkt trotz massiver Stützungskäufe
seitens der Regierung in einer einzigen Woche 13 Prozent
an Wert.[36] Einige Mitglieder der chinesischen Regierung
sind seitdem der Meinung, dass Taiwan mit gezielten Raketenattacken
zur Aufgabe gezwungen werden könnte.[37]
2.1.3 Warum fürchtet Peking
TMD?
Es ist eindeutig, dass es bei den Diskussionen
um die Dislozierung eines taktischen Raketenabwehrsystems
(TMD) in Taiwan um viel mehr geht als "nur" um
militärische Fragen. Taipeh könnte TMD genauso
als politische Waffe einsetzen wie Peking seine SRBMs und
MRBMs. Schlüpfte Taipeh unter den TMD-Schutzschirm,
bekäme es damit nicht nur einen High-Tech-Schild gegen
die am meisten gefürchtete Bedrohung in die Hand. Gleichzeitig
würde dem Widersacher sein Schwert aus der Hand geschlagen
werden. Peking könnte die "Separatisten"
nicht mehr länger überzeugend bedrohen.
Chinesische Strategen wie Sha Zukang befürchten,
dass ebenjene Entwicklung die taiwanesische Führung
dazu ermutigen werde, aus einem Gefühl der Sicherheit
heraus die Unabhängigkeit zu wagen. Damit wäre
Chinas höchstes nationales Interesse, die Wiedervereinigung
des Vaterlandes, ernsthaft gefährdet. Folglich werde
die Einbeziehung Taiwans in das TMD-System auch auf "starke
Gegenwehr" stoßen[38] und zu Instabilität
nicht nur in der Taiwan-Straße, sondern in der gesamten
Region führen.[39]
Die Reaktion von Pekings Militärstrategen
auf einen Transfer von TMD nach Taiwan dürfte entsprechend
drastisch ausfallen. Um Taiwan weiter mit Raketen bedrohen
zu können, wäre Peking gezwungen, die Zahl seiner
Projektile zu erhöhen. Die Folge wäre ein Sicherheitsdilemma,
das mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem Wettrüsten
resultieren würde.
Das Paradoxon, dass die Aufstellung defensiver
Waffensysteme zu einem Sicherheitsdilemma führen kann,
liegt darin begründet, dass China effektive defensive
Fähigkeiten in Taiwans Besitz als wesentlich bedrohlicher
für seine Interessen einstuft als offensive, da Defensivwaffen
Pekings offensive Kapazitäten und damit verbunden auch
die Möglichkeiten der Einflussnahme auf Taiwans Politik
neutralisieren könnten.[40] Das Nullsummenspiel wäre
hingegen wieder klassisch: Die Rüstungsanstrengungen
der einen Seite verringern die Sicherheit des anderen.
Die Möglichkeit, dass es zum Transfer
von TMD-Technik nach Taiwan kommt, ist jedenfalls vorhanden.
Mit der Weitergabe würde sich die ausführende
Regierung im Rahmen des Taiwan Relations Act von 1979 bewegen,
der die jeweilige Administration sogar dazu verpflichtet,
Taiwan Hilfe zur Selbsthilfe zukommen zu lassen. US-Präsident
Bushs Einstellung zum Thema Taiwan lässt einen solchen
Schritt ebenfalls nicht unwahrscheinlich erscheinen. In
seiner ersten programmatischen Rede zur Außenpolitik
sagte der damalige Gouverneur von Texas im November 1999:
"We will help Taiwan defend itself".[41] Auch
auf taiwanesischer Seite besteht Interesse. Im August 2000
sagte Chen Shui-bian, dass seine Regierung ernsthaft die
Möglichkeit prüfe, in TMD zu investieren."[42]
Aus strategischen Gründen könnte
ein solcher Schritt Washington durchaus attraktiv erscheinen.
Mit dem Transfer von einigen Lower tier (in niedriger Höhe
operierender) -Abfangsystemen nach Taiwan würde man
dem Herausforderer China entweder ein wichtiges Instrument
des Zwangs entwenden oder Peking in einen taktischen Rüstungswettlauf
verwickeln, der Ressourcen aus der Wirtschaft oder der strategischen
Rüstung abziehen würde. So absurd dieses Szenario
mit Blick auf das drohende Sicherheitsdilemma erscheinen
mag, so verlockend könnte es für den wirtschaftlich,
technologisch und militärisch weit überlegenen
Hegemon USA sein, mit derartigen Maßnahmen den Herausforderer
in Schach zu halten. Ob aber die politischen Folgen zu kontrollieren
wären, bleibt ungewiss.
2.2 Fokus: Japan
2.2.1 Die Hintergründe von Pekings
Besorgnissen
Am 17. April 1996 unterzeichneten Bill Clinton
und der japanische Premierminister Hashimoto eine gemeinsame
Erklärung, in der sie die Wiederbelebung der US-japanischen
Militärallianz ankündigten. Im Jahr 1997 wurde
die Vereinbarung mit "operativen Leitlinien" erweitert.
Seitdem umfasst die strategische Kooperation gemeinsame
Geheimdienst-, Überwachungs- und Minenräum-Missionen
in Regionen um Japan herum ("areas surrounding Japan").
China befürchtet, dass japanische Marine- und Luftwaffeneinheiten
den Vereinigten Staaten in einer Intervention zugunsten
Taiwans Schützenhilfe leisten könnten.[43] Pekings
Besorgnis wurde während Hashimotos China-Besuch im
September 1997 noch weiter verstärkt. Der japanische
Premier erklärte, dass das Konzept der umgebenden Gebiete
mehr ein "situationsabhängiges denn ein geografisches
Konzept" sei. Es definiere kein spezielles Areal.[44]
Der nordkoreanische Raketentest vom August
1998, als der kommunistische "Schurkenstaat" eine
dreistufige Taepo Dong-Rakete über Japan hinwegschoß,
machte den Weg frei für den nächsten Schritt der
erneuerten US-japanischen Militärallianz: Tokio beschloss
wenig später, sich finanziell und technologisch an
der Entwicklung von TMD zu beteiligen.[45]
Fest steht schon heute: Japans strategische
Möglichkeiten würden sich unter dem Schutz eines
TMD-Abwehrschirms entscheidend verbessern. Bereits jetzt
befürchtet Peking, dass TMD zu einem Wiederaufflammen
des japanischen Militarismus führen könnte.[46]
Chinas Bedenken haben freilich nicht nur einen
historischen, sondern auch einen handfesten politischen
Hintergrund: Mit einem selbst- und machtbewussteren Japan
an der Seite der USA entstünde für die Regionalmacht
China ein neuer Konkurrent im Kampf um die Vormachtstellung
in Ostasien. So könnte sich beispielsweise der Aktionsradius
des japanischen Militärs ausweiten. Würde Japan
die Erringung einer Vormachtstellung anstreben, wäre
es für das Land sogar zwingend, seine Kultur der Zurückhaltung
aufzugeben und die Struktur seiner Streitkräfte zu
verändern. Das Militär müsste über Mittel
verfügen, mit denen Macht projeziert werden kann.
Ein Weg dahin wäre, die Streitkräfte
mit offensiven ballistischen Raketen auszustatten. Peking
argumentiert, dass Japan dank der technologischen Kooperation
in Sachen Entwicklung und Nutzung von TMD mit den Vereinigten
Staaten in den Besitz von Raketentechnologie gelangen würde,
die auch für offensive Zwecke Verwendung finden könnte.[47]
2.2.2 Zukunftsperspektive: Verhandlungen
über die Systemarchitektur
Während im Fall Taiwan lediglich die
realistische Möglichkeit besteht, dass Washington dem
Land TMD-Systeme zur Verfügung stellen wird, ist es
hingegen sehr wahrscheinlich, dass Japan in den Besitz von
TMD gelangen wird. Chinas Widerstand gegen eine Stationierung
in Japan ist denn auch deutlich zurückhaltender als
die Kampagne gegen TMD in Taiwan.
Chinas Aussichten, die Einbeziehung Japans
in ein TMD-System zu verhindern, sind verschwindend gering.
Bezüglich der Systemarchitektur wird sich in den kommenden
Jahren aber wohl ein reger Dialog zwischen China, Japan
und den USA entwickeln. Peking wird argumentieren, dass
ein Lower tier-System ausreiche, um Japan vor der nordkoreanischen
Bedrohung zu beschützen. Positiver Nebeneffekt: Die
Dislozierung von Lower tier-Waffensystemen wie PAC-3 (Patriot-3)
würde Pekings Interessen kaum gefährden.
Anders sieht es bei Upper Tier (in großer
Höhe operierenden) -Systemen aus. THAAD (Theater High
Altitude Area Defense System) würde über einen
Einsatzradius verfügen, der auch Taiwan in den Raketenschirm
integrieren würde. Allerdings ist hier zu bedenken,
dass ein in Japan stationiertes THAAD-System für Taiwan
nicht mehr als einen theoretischen Schutz darstellt. Die
Distanz zwischen den Zielobjekten (chinesischen SRBMS auf
dem Weg nach Taiwan) und der TMD-Basis ist einfach zu groß,
als dass das Abfanggeschoß einen Einschlag chinesischer
Raketen in Taiwan verhindern könnte.
Die Aufstellung eines weit entwickelten NTW
(Navy Theater Wide Ballistic Missile Defense) -Systems würde
Pekings Interessen am stärksten beeinträchtigen.
Stationiert auf Aegis-Kreuzern, wäre dieses System
mobil und könnte im Krisenfall rechtzeitig in die Taiwan-Straße
verlegt werden. Geschützt von US-Marineverbänden
wären die Aegis-Kreuzer dazu in der Lage, einen dichten
Abwehrschirm über Taiwan aufzuspannen, der wahrscheinlich
sogar ausreichen würde, um einen massiven chinesischen
Raketenangriff abzuwehren. Damit würde die "abtrünnige
Provinz" Taiwan demonstrativ auch auf militärischem
Wege vom Festland getrennt, die angestrebte Wiedervereinigung
rückte in weite Ferne.
So wird Pekings Hauptaugenmerk mittelfristig
darauf liegen, die Verlegung von Aegis-Kreuzern in die Region
zu verhindern. Denn nur mit diesem System wäre Washington
in der Lage, ohne hohe politische Kosten die strategische
Gleichung der Taiwan-Straße zugunsten Taiphes zu entscheiden.
Sollte es dennoch zum Aufbau von NTW kommen,
bliebe Peking nur noch ein Ausweg, um den politischen Druck
auf Taipeh aufrechterhalten zu können. Dieser "Plan
B" wäre die Drohung, einen nuklearen Erstschlag
gegen die USA zu führen, sollte sich Taiwan für
unabhängig erklären. Dieser Plan müsste jedoch
völlig umgeschrieben werden, sobald die USA über
ein strategisches Raketenabwehrsystem (NMD) verfügen,
wie das folgende Kapitel zeigen wird.
3. China und NMD
3.1 Bestandsaufnahme: Chinas Nuklearstreitkräfte
Unter den fünf "traditionellen",
anerkannten Staaten, die über Kernwaffen verfügen,
ist China das Land mit der kleinsten nuklearen Streitmacht.
Seit dem Tag der ersten chinesischen Atomexplosion im Oktober
1964 verfolgt Peking eine ausgesprochen defensive Nuklearstrategie.
Die Doktrin der "Minimalen Abschreckung" ist darauf
ausgerichtet, nuklearer Erpressung vorzubeugen und dem Land
einen Platz am Tisch der Großmächte zu sichern.[48]
China verfügt derzeit über rund
zwanzig nuklear bestückte Interkontinentalraketen (ICBMs),
die auch Ziele in den USA erreichen können.[49] Dabei
handelt es sich um Raketen mit Flüssigtreibstoff, die
von den Sprengköpfen getrennt in Höhlen oder Silos
stationiert sind. Die Startvorbereitungen dieser nicht mobilen
Raketen dauern zwischen zwei und vier Stunden.[50] Die feste
Stationierung, die lange Vorbereitungszeit und die schlechte
chinesische Frühwarnaufklärung[51] legen den Schluss
nahe, dass Chinas ICBMs gegenüber einem Erstschlag
sehr verwundbar sind.
Alternative Trägersysteme sind faktisch
nicht vorhanden. Peking verfügt lediglich über
ein einziges strategisches U-Boot (bewaffnet mit zwölf
MRBMs),[52] das nach Einschätzung des Centers for Nonproliferation
Studies nicht einmal einsatzfähig ist.[53] Die wenigen
strategischen Bomber sind veraltet, langsam, extrem verwundbar
und nicht in der Lage, das amerikanische Kernland zu erreichen.
Damit ist China nicht im Besitz der Strategischen Triade.[54]
Obwohl Peking bereits seit 1970 an der Modernisierung
seiner strategischen Trägersysteme arbeitet, wird die
Entwicklungsarbeit erst seit rund zehn Jahren mit Nachdruck
vorangetrieben. Dabei liegt der Forschungs- und Beschaffungsschwerpunkt
eindeutig auf der Raketentechnologie. Das Ziel ist es, Reichweite,
Nutzlast, Genauigkeit und Überlebensfähigkeit
der ICBMs zu verbessern.
Mit dem erfolgreichen Test der neuen DF-31-ICBM
im August 1999 feierte Peking den ersten Erfolg nach einer
fast dreißigjährigen Entwicklungsphase auf dem
Gebiet moderner ICBM-Technologie. Die DF-31 ist eine mobile,
feststoffgetriebene ICBM mit einer Reichweite von rund 8.000
Kilometern.[55] Ebenfalls kurz vor der Vollendung steht
die Entwicklung der DF-41, einer verbesserten Version der
DF-31 mit einer Reichweite von mehr als 12.000 Kilometern.
Sowohl die DF-31 als auch die DF-41 sollen in der Lage sein,
Mehrfachsprengköpfe zu transportieren.[56]
Mit der beschleunigten Entwicklung dieser
modernen Trägersysteme reagiert Peking freilich nicht
auf Washingtons BMD-Pläne. Die Ursache dieser Anstrengungen
ist vielmehr in den Erfahrungen aus dem Zweiten Golfkrieg
und dem Kosovo-Krieg zu suchen. Beide Konflikte bestärkten
die chinesischen Strategen in der Annahme, dass die USA
mit Hilfe ihrer hochmodernen konventionellen Präzisionswaffen
Chinas momentane Zweitschlagskapazitäten ausschalten
könnten.[57]
Somit wurden Aufrüstungsbemühungen
bereits zwingend, bevor das Pentagon begann, seine BMD-Pläne
voranzutreiben. Bereits heute und obwohl das NMD-Projekt
noch in den Kinderschuhen steckt, kann das Reich der Mitte
mit seinem nuklearen Arsenal kaum mehr seine Abschreckungspolitik
gegenüber Washington aufrechterhalten. Diese besteht
im Kern in der Frage, ob die US-Führung bereit sei,
Los Angeles oder San Francisco gegen Taiwan einzutauschen.[58]
3.2 Mögliche chinesische Reaktionen
auf NMD
Pekings erste handfeste Reaktion auf Amerikas
BMD-Pläne war ein Investitionsprogramm von 9,7 Milliarden
Dollar, das die Führung im Oktober 1999 auflegte. Propagiertes
Ziel des Programms ist es, die Zweitschlagskapazitäten
auszubauen.[59] Es ist davon auszugehen, dass das Programm
weit über die Aufstellung neuer DF-31 und DF-41 hinaus
gehen wird. Dabei muss bedacht werden, dass die geplante
Aufstockung des ICBM-Arsenals auf 200 Raketen nur rund 2
Milliarden Dollar kosten wird.[60]
Die übrigen Mittel könnten zum Aufbau
einer einsatzfähigen strategischen Triade eingesetzt
werden. Mit bombergestützten Cruise Missiles oder einer
modernen Flotte strategischer U-Boote könnte China
das NMD-System überwinden, gleich welcher Architektur
es sein mag. Ein weiterer Investitionsschwerpunkt könnte
die Entwicklung von modernen Täuschkörpern und
Mehrfachsprengköpfen sein. Beide Technologien würden
die chinesischen ICBMs dazu befähigen, NMD zu überwinden.
Auch strategische "Randgebiete"
dürften in Chinas Modernisierungsstrategie eine Rolle
spielen. So wären die modernen DF-31 und DF-41 wenig
nützlich, wenn sie ähnlich anfällig gegen
einen US-Erstschlag wären wie Chinas derzeitige Raketengeneration.
Die Lösungsmöglichkeiten sind vergleichsweise
einfach zu realisieren: Eine modernisierte Luftabwehr könnte
einen wirksamen Schutz gegen Cruise Missiles darstellen,
eine effiziente Echtzeit-Satellitenaufklärung würde
die Erfolgsaussichten eines amerikanischen Erstschlags mit
kleinen Nuklearsprengköpfen gegen die Standorte der
chinesischen ICBMs auf ein Niveau absenken, welches erheblichen
Einfluss auf das Kosten-Nutzen-Kalkül der Pentagon-Strategen
hätte: Fortan würde ein nuklearer Erstschlag sein
primäres Ziel, die Vernichtung aller chinesischer Atomraketen,
verfehlen.
All diese Beschaffungsvorhaben können
freilich unmöglich aus dem 9,7 Milliarden-Etat finanziert
werden. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass Peking weitere
Milliarden in die strategische Rüstung investieren
wird. Die Vorarbeiten sind bereits abgeschlossen. So gab
das US-Verteidigungsministerium schon im Jahr 1997 bekannt,
dass China die notwendigen Ressourcen besitze, um während
der nächsten Dekade bis zu 1000 neue ballistische Raketen
herzustellen.[61] Bemerkenswert ist, dass diese Zahlen auf
der Basis von Daten entstanden, die in der Vor-NMD-Zeit
erhoben wurden. Es ist also davon auszugehen, dass Chinas
aktuelle Ressourcen die Herstellung von mehr als den angesprochenen
1000 Raketen zulassen.
Washingtons offizielles NMD-Konzept sieht
vor, dass das voll ausgebaute Raketenabwehrsystem 200 Abfangraketen
stark sein wird. Chinas führende Militärs werden
bei der Planung der zukünftigen Größe ihrer
Nuklearstreitkräfte mit Sicherheit von einem Worst
Case-Szenario ausgehen. Basis aller Berechnungen könnte
die Annahme sein, dass jede Abfangrakete mit hundertprozentiger
Sicherheit einen anfliegenden Sprengkopf zerstören
kann. Darüber hinaus dürfte Peking davon ausgehen,
dass ein amerikanischer Erstschlag viele eigene Raketen
bereits am Boden zerstören und damit nur noch eine
begrenzte Anzahl von Sprengköpfen für den Gegenschlag
zur Verfügung stehen wird. Auf diese Annahme stützt
sich meine Erwartung, dass China seine nuklearen Raketenstreitkräfte
im kommenden Jahrzehnt auf weit mehr als 200 ICBMs und deutlich
mehr als 200 Sprengköpfe ausbauen wird.
Dass für die Herstellung der Raketen
ausreichend große Kapazitäten vorhanden sind,
ist bekannt. Doch wie sieht es mit dem nuklearen Material
aus? Um die Zahl der Sprengköpfe zu verzehnfachen,
benötigt das Militär auch große Mengen an
hoch angereichertem Uran und Plutonium, die nur in einem
hoch komplexen Brennstoffkreislauf erzeugt werden können.
Dazu werden eigene Uranvorkommen, Fabriken zur Weiterverarbeitung
des Urans zu Kernbrennstoff, Atomreaktoren und Wiederaufbereitungskapazitäten
zur Extraktion des Plutoniums benötigt.[62]
Laut Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde
(IAEO) verfügt China über eigene Uranvorkommen,
drei "klassische" Atomreaktoren an den Standorten
Qinshan und Guangdong, 14 Forschungsreaktoren und elf Atomfabriken:
sechs für die Weiterverarbeitung von Uran, zwei für
die Uran-Anreicherung, eine für die Brennstoffherstellung,
eine Lagerstätte sowie eine Anlage zur Umwandlung (Wiederaufbereitung)
abgebrannter Kernbrennstäbe.[63] China verfügt
somit über ausreichend Rohstoffe und einen abgeschlossenen
Brennstoffkreislauf. Daher ist davon auszugehen, dass die
Produktion von Sprengköpfen mit der Herstellung der
Raketen Schritt halten kann.
China ist also dazu in der Lage, den Raketenabwehrplänen
der USA mit einer massiven Aufrüstung zu begegnen.
Ob es tatsächlich dazu kommt, ist ausschließlich
eine Frage der Prioritäten, deren Beantwortung in den
Händen der politischen Führung in Peking liegt.
Schon heute ist sicher, dass sich Chinas Nukleardoktrin
in der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts von der äußerst
defensiven Strategie der Minimalen Abschreckung hin zu einer
aktiveren Auslegung der Doktrin wandeln wird.[64] Washingtons
NMD-Pläne werden diesen Prozess wohl beschleunigen
und könnten sogar dazu führen, dass China die
bislang erwarteten Rüstungsgrenzen von 200 ICBMs deutlich
überschreiten wird.
Spätestens ab diesem Punkt würden
Russlands Interessen empfindlich tangiert werden. Wie gemeinsame
Gegenmaßnahmen Pekings und Moskaus auf NMD aussehen
könnten und wie sich Chinas nukleare Aufrüstung
auf Russlands Nuklearstrategie auswirken könnte, wird
der folgende Abschnitt zeigen.
3.3 China und Russland - gemeinsam
gegen NMD?
Das gemeinsame Interesse der beiden Großmächte
lag in der Vergangenheit darin, die US-Regierung von der
Kündigung des ABM-Vertrages abzuhalten. Seit Präsident
Bush am 13. Dezember 2001 das Abkommen "überwand",
muss die gemeinsame Opposition gegen BMD auf eine neue Basis
gestellt werden.
Seit dem 13. Dezember 2001 macht eine gemeinsame
Anti-BMD-Politik kaum mehr Sinn. Daher dürften sich
die Kooperationsbemühungen vom diplomatischen auf den
militärischen Bereich verlagern. China dürfte
freilich ein höheres Interesse an einer militärischen
Zusammenarbeit haben als Russland. Gelänge es chinesischen
Unterhändlern, Moskau von der Notwendigkeit einer umfangreichen
Militärkooperation zu überzeugen, würde ein
Technologietransfer einsetzen, von dem in erster Linie Peking
profitieren würde. Während China bei der Entwicklung
überlegener Täuschkörper und von Mehrfachsprengköpfen
noch am Anfang steht, besitzt Russland aufgrund der Forschungen
aus der Zeit des Kalten Krieges umfangreiche Kenntnisse
über diese Technologien. Würde der Wissenstransfer
kurzfristig aufgenommen, könnte China das russische
Wissen über Täuschkörper und Mehrfachsprengköpfe
bereits in seinem laufenden Rüstungsprogramm verwenden.
Bis zur geplanten Aufstellung von NMD im Jahr 2007 hätte
Peking dann eine Flotte hochmoderner ICBMs, für die
NMD dank der Ausstattung mit Mehrfachsprengköpfen und
Täuschkörpern keine ernsthafte Bedrohung darstellen
würde.
Dieses Szenario ist freilich recht unwahrscheinlich.
Russlands erste Reaktionen auf die Kündigung des ABM-Vertrages
lassen eine Fortsetzung des Dialogs zwischen Moskau und
Washington erwarten. Gerade Präsident Putin schlug
überraschend versöhnliche Töne an. Doch selbst
wenn sich in Moskau doch noch die nationalistischen, anti-westlich
eingestellten Eliten durchsetzen sollten, wäre eine
Weitergabe von Raketenwissen und -technologie an China kaum
zu erwarten. Obwohl beide Länder eine strategische
Partnerschaft verbindet, sind die Beziehungen doch längst
nicht frei von Spannungen. So ist innerhalb der russischen
Eliten das Mißtrauen gegenüber dem Milliardenvolk
jenseits der Südgrenze weit verbreitet. Wie schon während
des Kalten Krieges identifizieren zahlreiche russische Strategen
in China einen potenziellen strategischen Konkurrenten.
Das strategische Machtgleichgewicht zwischen
Moskau und Peking wird sich in den kommenden Jahren ohnehin
zuungunsten Moskaus verschieben. Während China im nuklearen
Bereich massiv aufrüstet, strebt Russland eine signifikante
Verringerung seines Atomarsenals auf 1.500 strategische
Sprengköpfe an. Somit könnten Russlands Ab- und
Chinas Aufrüstung irgendwann auf eine de facto-Parität
hinauslaufen,[65] woraufhin Russland nach Ansicht des Centers
for Nonproliferation Studies seine Abrüstungsbemühungen
einfrieren würde.[66] Da sich Russlands strategisches
Übergewicht in diesem Fall ausschließlich auf
überlegene Technik stützen würde, erscheint
es aus heutiger Sicht praktisch ausgeschlossen, dass Moskau
einem aufstrebenden Kontrahenten sein hochsensibles Spezialwissen
zur Verfügung stellen wird.
Vielmehr steht zu erwarten, dass Russland
sich auf den Verkauf von konventionellen Rüstungsgütern
wie Kampfflugzeugen, U-Booten oder Zerstörern konzentrieren
wird. Auf diesem Wege kann Russland die chinesischen Streitkräfte
relativ zu den amerikanischen stärken, ohne eigene
relative Machtverluste gegenüber der Volksbefreiungsarmee
hinnehmen zu müssen.
Ein Beispiel hierfür ist der Verkauf
von zwei Zerstörern der Sovremenny-Klasse an Peking.
Diese hochmodernen Kampfschiffe sind mit Überschall-Antischiffs-Raketen
ausgerüstet, die auch nuklear bestückt werden
können. Ein Sovremenny-Zerstörer ist dazu in der
Lage, aus einer Entfernung von mehr als 100 Kilometern eine
komplette US-Flugzeugträgergruppe zu neutralisieren.[67]
Aegis-Kreuzer sind noch um ein Vielfaches verwundbarer als
die gewaltigen Flugzeugträger. So gewinnen die Sovremenny-Zerstörer
in Chinas Händen enorm an Wert, da sie die USA davon
abhalten könnten, in einen Konflikt um Taiwan einzugreifen.[68]
Moskau wird sich in Zukunft wohl darum bemühen,
auf solchen Gebieten eine enge Rüstungszusammenarbeit
mit Peking einzugehen. Der strategische Bereich wird von
einem Technologietransfer weitgehend ausgeschlossen bleiben.
4. Zusammenfassung
4.1 China und TMD
Die Sicherheitssituation in der Taiwan-Straße
ist angespannt, da China Taiwan als "abtrünnige
Provinz" und dessen führende Politiker als Separatisten
betrachtet, welche ihrerseits von einer de facto-Unabhängigkeit
der Insel vom Festland ausgehen. China droht Taiwan mit
Krieg, falls sich Taipeh für unabhängig erklären
sollte. Aber auch wenn die Provinzregierung Verhandlungen
über die Wiedervereinigung mit Peking ablehnt oder
fremde Mächte die Insel besetzen, wäre laut der
offiziellen chinesischen Taiwan-Doktrin eine militärische
Intervention durch die Volksbefreiungsarmee zu erwarten.
Um der Drohung Nachdruck zu verleihen, verfolgt
Peking seit Ende der 80er Jahre eine neue Militärdoktrin,
nach der sich die Streikräfte auf einen "lokalen
Krieg unter High-Tech-Bedingungen" vorzubereiten haben.[69]
Da eine Invasion zum Scheitern verurteilt und eine Seeblockade
mit hohen Kosten verbunden wäre, sind die Raketenstreitkräfte
zentraler Bestandteil dieser neuen Strategie. Zwischen 1996
und 2000 hat China die Zahl der gegenüber von Taiwan
stationierten SRBMs und MRBMs von etwa 30 auf rund 200 erhöht.[70]
Bis 2005 soll das Arsenal offenbar bis auf 650 Raketen weiter
ausgebaut werden.
Die chinesische Führung betrachtet ihre
Kurz- und Mittelstreckenraketen vornehmlich als politische
Abschreckungswaffe, mit der sie die Provinzregierung Taiwans
von einer Unabhängigkeitserklärung abhalten kann.
Sollte sich Taipeh dennoch zu einem solchen Schritt entschließen,
könnte Peking seine Raketen als Terrorwaffe einsetzen.
Chinesische Strategen sind der Meinung, dass gezielte Raketenangriffe
auf Wirtschafts- und Bevölkerungszentren der taiwanesischen
Volkswirtschaft großen Schaden zufügen, die Bevölkerung
verstören und damit schlussendlich die Regierung zur
Kapitulation bewegen könnten.[71]
Wenn Washington Taiwan in seinen TMD-Schutzschild
mit einbeziehen würde, verlöre Peking sein wichtigstes
militärisches Druckmittel. Die chinesische Führung
befürchtet, dass eine solche Entwicklung die Führung
in Taiwan zu einer Unabhängigkeitserklärung ermutigen
könnte. Daher würde eine Dislozierung von TMD
nach Taiwan seitens Chinas auf starke Gegenwehr stoßen.
Peking hat praktisch nur eine einzige militär-strategische
Möglichkeit, um auf einen solchen Schritt zu reagieren:
Die Aufstellung neuer gegen Taiwan gerichteter Kurz- und
Mittelstreckenraketen. Damit fiele jedoch der Startschuss
für einen erbitterten Rüstungswettlauf zwischen
offensiven und defensiven Waffensystemen. Der militärisch,
technologisch und wirtschaftlich überlegene Hegemon
USA könnte dieses Sicherheitsdilemma ausnutzen, um
Chinas Ressourcen auf das Gebiet der taktischen Raketenrüstung
zu konzentrieren. Damit gingen dem Herausforderer wertvolle
Ressourcen in der Wirtschaft und der strategischen Rüstung
verloren.
Seit der Erneuerung der US-japanischen Militärallianz
1996 und Japans später erfolgter Entscheidung, sich
an der Entwicklung von TMD zu beteiligen, wachsen auch Chinas
Bedenken bezüglich Japan. Da sich Japans strategische
Möglichkeiten unter dem Schutz von TMD zweifellos erhöhen
würden, befürchtet die Volksrepublik eine Remilitarisierung
Japans sowie eine Ausweitung des Aktionsradius des japanischen
Militärs.
Da Japan mit hoher Wahrscheinlichkeit irgendwann
in den Besitz von TMD gelangen wird, dürfte China zukünftig
nicht in erster Linie versuchen, die Dislozierung zu verhindern,
sondern statt dessen Einfluss auf die Systemarchitektur
zu nehmen.
Ein Lower Tier-Abfangsystem würde Chinas
Interessen, vor allem mit Blick auf Taiwan, nicht beeinträchtigen.
Anders ist die Sachlage bei Upper Tier-Systemen: Bekäme
Japan das THAAD-System, würde Taiwan zwar theoretisch
unter den Schutzschirm der Raketenabwehr gelangen, faktisch
ist die Distanz zwischen Japan und Taiwan aber zu groß,
um einen chinesischen Angriff mit Kurzstreckenraketen auf
Taiwan abfangen zu können.
Das "Worst Case"-Szenario wäre
die Errichtung von Navy Theater Wide (NTW)-Abwehrsystems
in Japan: Dieses mobile, auf Aegis-Kreuzern stationierte
Upper Tier-Abwehrsystem der Marine könnte durch die
Verlegung entsprechender Flottenverbände in die Krisenregion
Taiwan im Bedarfsfall kurzerhand in den Schutzschild integrieren
und damit Chinas Abschreckungspotenzial neutralisieren.
4.2 China und NMD
China verfolgt derzeit eine strategische Nukleardoktrin
der Minimalen Abschreckung. Hierfür besitzt Peking
zwanzig fix stationierte ICBMs, ein offenbar nicht einsatzfähiges
strategisches U-Boot sowie eine kleine, veraltete Bomberflotte,
deren Reichweite nicht groß genug ist, um das Kernland
der USA zu erreichen. Chinas minimale Zweitschlagskapazität
ist sehr verwundbar, ein nuklearer Erstschlag des Gegners
könnte das Land seiner nuklearen Streitmacht berauben.
Um dem zu begegnen, verfolgt Peking seit den
70er Jahren eine Modernisierungsstrategie, deren Schwerpunkt
auf der Raketentechnik liegt. Die Entwicklung moderner,
mobiler und feststoffgetriebener ICBMs, der DF-31 (Reichweite:
8000 Kilometer) und der DF-41 (mindestens 12.000 Kilometer),
ist weit fortgeschritten. Bis vor kurzem rechneten Analytiker
damit, dass China seine ICBM-Flotte auf 200 Raketen vergrößern
wird. Die Kosten hierfür wurden auf rund 2 Milliarden
Dollar geschätzt.
In einer ersten Reaktion auf Washingtons BMD-Pläne
legte die Volksrepublik im Jahr 1999 ein 9,7 Milliarden
Dollar-Investitionsprogramm zur Stärkung ihrer Zweitschlagskapazität
auf. Es ist anzunehmen, dass ein Teil dieser Summe auch
in die Entwicklung von Täuschkörpern, Mehrfachsprengköpfen
und Satelliten zur Echtzeitüberwachung amerikanischer
Raketenstarts fließen wird.
Um NMD überwinden zu können, werden
Chinas Militärstrategen bei der Berechnung der notwendigen
Größe ihrer strategischen Nuklearstreitkräfte
von einem Worst Case-Szenario ausgehen. Am Ende dieses Evaluationsprozesses
wird wohl eine Aufrüstung auf weit mehr als 200 Trägersysteme
und 200 nukleare Sprengköpfe stehen. Das Pentagon schätzt,
dass die Produktionskapazitäten für die Herstellung
von bis zu 1000 Raketen in zehn Jahren ausreichen.[72] Die
nuklearen Kapazitäten für einen derartigen Ausbau
des Atomwaffenarsenals sind ebenfalls vorhanden. In Folge
der zu erwartenden massiven Aufrüstung wird sich auch
Chinas Nukleardoktrin hin zu einer aktiveren Auslegung des
Abschreckungsprinzips wandeln.
China und Russland trugen in der Vergangenheit
eine gemeinsame Kampagne zur Abwehr der einseitigen Kündigung
des ABM-Vertrags durch Washington vor. Nachdem US-Präsident
Bush das Abkommen am 13. Dezember 2001 gekündigt hat,
werden sich die sino-russischen Kooperationsbemühungen
vom diplomatischen auf den militärischen Bereich verlagern.
Peking hofft, durch eine enge militärische
Zusammenarbeit mit Moskau in den Besitz fortgeschrittenen
Wissens und moderner Technologie zur Herstellung von effektiven
Täuschkörpern und Mehrfachsprengköpfen zu
gelangen. Da Teile von Russlands außenpolitischer
Elite dem mächtigen Nachbarland noch immer Mißtrauen
entgegenbringen, ist es allerdings unwahrscheinlich, dass
Pekings Kalkül aufgeht. Angesichts der chinesischen
Aufrüstungsbestrebungen wird sich Moskau vielmehr mit
einem Zukunftsszenario auseinandersetzen müssen, in
dem es zu einer de facto-Parität in der Anzahl russischer
und chinesischer Spengköpfe kommen könnte. Auch
dieser Punkt spricht gegen die Weitergabe sensiblen Raketenwissens
an den künftigen Kontrahenten China.
Statt dessen wird es zwischen Moskau und Peking
wohl zu einer verstärkten Zusammenarbeit im konventionellen
Rüstungsbereich kommen. Russland wird der Volksrepublik
weiterhin Waffensysteme verkaufen, die China einen relativen
Machtgewinn gegenüber Taiwan beziehungsweise den USA
ermöglichen, Russlands Interessen aber unberührt
lassen.
5. Fazit: Die Auswirkungen des amerikanischen
BMD-Programms auf die Sicherheits- und Hegemoniesituation
in Ostasien
Chinas höchste nationale Interessen könnten
bereits in absehbarer Zeit in Konflikt mit den Sicherheitsinteressen
des Hegemons USA treten. Auf der anderen Seite trifft jedoch
Washingtons ehrgeizigstes Hegemonieinstrument, das Raketenabwehrsystem,
ebenfalls frontal auf Chinas Interessen. Das ist im Kern
das Konfliktpotenzial, welches die Entwicklung der Sicherheits-
und Hegemoniesituation Ostasiens in den kommenden Dekaden
dominieren wird.
Aus heutiger Sicht ist davon auszugehen, dass
die gegensätzlichen Interessen zwischen dem Hegemon
und dem Herausforderer früher oder später aufeinanderprallen
werden. Die Frage ist lediglich, in welcher Arena und mit
welchen Instrumenten man die Konflikte austragen wird. Aller
Voraussicht nach wird es zunächst wohl nicht der Konfliktherd
Taiwan sein, in dem es zu ersten Zusammenstößen
kommen wird; ebensowenig wird es die Modernisierung und
Aufrüstung von Chinas Raketenstreitkräften sein.
Um in einer Region eine hegemoniale Position
beanspruchen zu können, bedarf es neben den natürlichen
Ressourcen sowie einer leistungs- und wachstumsstarken Volkswirtschaft
auch eines Hoheitsanspruchs über die Seewege dieser
Region. Will China zukünftig seine Macht über
Taiwan hinaus projezieren, braucht das Land entsprechende
militärische Mittel. So wird der Entwicklungs- und
Beschaffungsschwerpunkt der chinesischen Militärs neben
Raketen und Cruise Missiles in Zukunft vor allem auf Marine-Ausrüstung
liegen, mit der Peking in der Lage sein wird, maritime und
damit auch territoriale Macht zu demonstrieren.[73] Eine
schlagkräftige Marine würde der Volksrepublik
den Zugriff auf notwendige Off-shore-Ressourcen sichern
und nicht zuletzt auch die Territorialansprüche gegenüber
Taiwan, Diaoyu oder den Spratley-Inseln unterstreichen.[74]
Die US-Navy wäre zwar selbst einer deutlich
moderner und schlagkräftiger als heute ausgerüsteten
chinesischen Marine eindeutig überlegen. Dennoch könnte
Peking einen relativen Gewinn aus einer beidseitigen Marineaufrüstung
im ostasiatischen Pazifikraum ziehen. Die USA wären
gezwungen, ihre Präsenz in der Region entsprechend
auszubauen, um weiterhin Zugriff auf Ressourcen und Seewege
zu haben. Auch der Schutz der Alliierten könnte nur
auf diesem Wege garantiert werden. Sollte Washington seine
geopolitischen Prioritäten auf Ostasien setzen, könnte
es einen Rüstungswettlauf durch die Verlegung von bislang
in anderen Gebieten operierenden Einheiten für sich
entscheiden. Angesichts des globalen Hegemonieanspruchs
der USA ist mit einer derartigen Fokussierung auf eine einzige
Region jedoch kaum zu rechnen.
China könnte daraus politisches Kapital
schlagen. Mit vertraglich geregelten Zusagen, seine Marine
nicht über die Maßen aufzurüsten sowie seine
Ansprüche über die Spratley-Inseln und Diaoyu
aufzugeben, könnte Peking auf weitgehende Zugeständnisse
Washingtons hoffen. Jene könnten bis hin zu der Zusicherung
gehen, in Taiwan kein TMD-System aufzustellen. In diesem
Fall würde Peking nicht nur einen politischen Triumph
davontragen, sondern im Wettstreit um die Hegemonie auch
an Prestige hinzugewinnen, denn Hegemonie bedeutet in erster
Linie, die Politik anderer Staaten beeinflussen zu können
beziehungsweise von Beeinflussung durch andere unberührt
zu bleiben. Bei oben skizziertem Szenario hätten die
USA ihre absolute Handlungsfreiheit in Ostasien de facto
eingebüßt.
In einem solchen Fall würde den USA ihr
Raketenabwehrsystem kaum helfen. Es wäre höchstens
dazu geeignet, Gegendruck zu erzeugen, um Pekings Handlungsoptionen
auf anderem Wege einzuschränken. Immerhin befürchtet
Peking bereits heute, dass TMD sowohl die Fähigkeiten
als auch die Bereitschaft der USA erhöhen werde, in
Regionalkonflikte einzugreifen.[75] Es steht also zu erwarten,
dass sich die Frage nach dem Ausbau oder der Erosion von
Washingtons Hegemonieposition in Ostasien an der Art und
Weise des Einsatzes von TMD entscheiden wird: Entweder wird
es den USA gelingen, trotz chinesischer Proteste TMD überall
dort zu stationieren, wo es für notwendig erachtet
wird, oder aber China wird innerhalb der nächsten zehn
Jahre auf anderen militärischen Gebieten wie der Marine
und den taktischen Raketenstreitkräften so stark werden,
dass es Washington zu Kompromissen zwingen kann. Folglich
ist anzunehmen, dass TMD in den Planspielen chinesicher
Militärs eine bedeutendere Rolle einnimmt als NMD.
Bezüglich NMD sind Chinas Bedenken eher
abstrakter Natur. Sie gehen in die Richtung, dass NMD dazu
auserkoren sei, die existierende globale Balance aufzubrechen,
absolute Sicherheit für sich selbst zu suchen und die
Weltherrschaft zu realisieren.[76] Der Begriff "Hegemonie"
fällt zwar auch im Zusammenhang mit NMD; so betrachten
chinesische Strategen etwa die US-Bestrebungen, den Weltraum
zu beherrschen, als "Hegemonie-Konzept".[77] Allerdings
hegt China keinerlei Ambitionen, die globale Hegemonieposition
der USA in Frage zu stellen. Selbst bei der Allianz-Politik
mit Russland, die sich zuletzt aus der gemeinsamen Ablehnung
des Raketenabwehrsystems und des Kosovo-Kriegs entwickelte,
haben Chinas Strategen die Taiwan-Frage im Hinterkopf. Daher
muss auch bei der Bewertung von Chinas Anti-NMD-Politik
der regionale Kontext mit herangezogen werden.
China fürchtet nichts mehr als eine US-amerikanische
Intervention in einem militärischen Konflikt um Taiwan,
da dies wahrscheinlich nicht nur eine Kriegsniederlage,
sondern auch den endgültigen Verlust Taiwans nach sich
ziehen würde. Wenn eine Intervention weder auf diplomatischem
noch auf militärischem Wege abgewendet werden kann,
bedarf es notwendigerweise der strategischen Abschreckung
eines Anlasses, der den Konflikt eskalieren lassen würde.
Angesichts von Chinas Unterlegenheit auf konventionellem
Gebiet ist das Land bei dieser Strategie auf eine nukleare
Option angewiesen.[78]
Chinas Ablehnung von NMD basiert einzig und
allein auf der Aussicht, dass die Drohung, die USA würden
im Falle einer Intervention Los Angeles gegen Taiwan eintauschen,
durch NMD neutralisiert würde. Dies würde NMD
einen offensiven Charakter verleihen, oder wie es der chinesische
Top-Diplomat Hu Xiaodi ausdrückte: "NMD will become
an offensive arms multiplier".[79]
Da Peking niemals über die Möglichkeiten
verfügen wird, die nukleare Abschreckungsfähigkeit
der USA zu neutralisieren, ist das Prinzip der Abschreckung
der Kern von Chinas Sicherheitspolitik.
Um seine regionalen Interessen nicht aufgeben
zu müssen, ist China im Angesicht von BMD gezwungen,
eine strategische Rüstungsoffensive zu starten. Das
mag auf den ersten Blick bedrohlich erscheinen. Die vorliegende
Analyse chinesischer Interessen belegt jedoch, dass China
aufgrund seiner minimalen nuklearen Streitmacht und der
fehlenden Möglichkeit zur Machtausübung über
seine direkte Einflusssphäre hinaus keine Bedrohung
für die USA per se darstellt, sondern ausschließlich
für Washingtons Hegemonialposition in Ostasien. Um
auf längere Sicht diese Position anstreben zu können,
muss China über eine glaubwürdige nukleare Option
verfügen. Das bedeutet im Klartext, dass China über
mehr Atomsprengköpfe verfügen muss als Washington
über Abfangraketen. Peking muss aber nicht nur einen
solchen "Überhang" schaffen, sondern auch
noch seine Nuklearstreikräfte überlebensfähiger
machen. Kurzfristig werden neue mobile Festtreibstoff-ICBMs
diesen strategischen Bedarf decken. Spätestens jedoch
wenn das amerikanische Militär über ein effizientes
und erwiesenermaßen funktionsfähiges NMD-System
verfügt, wird Peking nicht umhin kommen, in den Aufbau
der strategischen Triade zu investieren.
China wird außerdem genau beobachten,
über welche Möglichkeiten NMD verfügen wird
und mit welch zeitlichem Zeithorizont die USA ein begrenztes
System von 200 Abfangraketen in ein unbegrenztes System
aufrüsten könnten. Nur solange die Volksrepublik
NMD immer einen Schritt voraus ist sowie die Aufstellung
von TMD in Taiwan und NTW in Japan verhindern kann, wird
sie ihr oberstes nationales Ziel, die Wiedervereinigung
mit Taiwan, nicht aufgeben müssen. Daher muss davon
ausgegangen werden, dass Peking alle notwendigen Mittel
einsetzen wird, um Taiwans Unabhängigkeit zu verhindern
- dazu gehört notfalls auch eine massive Aufrüstung
im Nuklearbereich.
Mit einer derartigen Konsequenz wird in absehbarer
Zeit keiner von Amerikas Konkurrenten seine strategischen
Interessen verfolgen. Daher ist es auch nicht verwunderlich,
dass es immer wieder Berichte gibt, wonach hinter verschlossen
Türen in Washington China als die "ultimative
Bedrohung" genannt wird.[80] Nach dem Zerfall der Sowjetunion
ist die Volksrepublik tatsächlich die einzige Großmacht,
die dazu entschlossen scheint, Washingtons Hegemoniestellung
zumindest in einem Teil der Welt herauszufordern. Ein exemplarischer
Hinweis hierauf ist ein Artikel, der im Januar 1999 in der
chinesischen Militärzeitung Liberation Army Daily erschien.
Darin wird der Griff nach BMD offen als "gefährlicher
Akt" bezeichnet, der "von Amerikas Streben nach
strategischer Überlegenheit und Hegemonie" motiviert
sei.[81]
Washington mag darauf spekulieren, dass China
einen Rüstungswettlauf scheuen wird, da eine Umverteilung
von Ressourcen in die Raketenrüstung den Aufstieg zur
Weltmacht verzögern würde.[82] Diese Erwartung
könnte sich jedoch als Trugschluss erweisen. Zum einen
würden neue Raketen auf chinesischer Seite viel weniger
Kosten verursachen als der Aufbau von BMD für die USA.
Zum anderen würde eine hochgerüstete, mit modernen
ballistischen Raketen ausgerüstete und über machtprojezierende
maritime Waffen verfügende Volksrepublik von seinen
Nachbarn erst recht als aggressive, aufstrebende Großmacht
wahrgenommen werden, selbst wenn die Volkswirtschaft des
Landes aufgrund der Investitionen in den militärisch-industriellen
Komplex ihre hohe Wachstumsdynamik einbüßen würde.
Die politischen Kosten eines Rüstungswettlaufs
zwischen offensiven und defensiven Waffen wären für
Washington darüber hinaus bedeutend höher als
für Peking. Sollte NMD über die bislang avisierte
Zahl von 200 Abfangraketen ausgebaut werden, sähe sich
Washington mit einem Legitimationsproblem konfrontiert.
Die Begründung, dass NMD die Bedrohung aus so genannten
Schurkenstaaten neutralisieren solle, wäre nicht mehr
nachvollziehbar und daher auch nicht mehr aufrechtzuerhalten.
Die dann amtierende US-Regierung würde nicht nur innenpolitischem
Druck von Interessengruppen wie der Friedensbewegung ausgesetzt
sein. Vor allem der diplomaische Druck aus dem Ausland,
insbesondere aus Europa und Russland, würde signifikant
anwachsen. Nicht umsonst werden bereits heute Befürchtungen
geäußert, dass Chinas Aufrüstung zunächst
zu einem Ausbau der indischen und damit einhergehend auch
der pakistanischen Atomstreitmacht führen würde,
bevor irgendwann auch Russland mit neuen Rüstungsanstrengungen
auf einen Rüstungswettlauf zwischen den USA und China
reagieren müsste.
Ab einem gewissen Punkt der Aufrüstung
wird sich folglich auch Chinas Umfeld - Staaten, die über
Kernwaffen verfügen - sicherheitspolitisch verändern
und damit auch für die Strategen in Peking immer schwerer
einschätzbar werden. Der regionalen Brisanz trägt
Peking offenbar bereits insofern Rechnung, als es die Proliferation
von Nuklearwaffen- und Raketentechnologie, vor allem nach
Pakistan und Nordkorea, deutlich eingeschränkt hat.
Bereits im Jahr 1999 sagte Sha Zukang, dass ein "robustes
internationales Non-Proliferations-Regime im Interesse aller
Staaten" sei. Neben Massenvernichtungswaffen legte
er sein Hauptaugenmerk auch auf die Proliferation von Raketentechnologie,
wenngleich er das Missile and Technology Control Regime
(MTCR) als "nicht mehr als ein Instrument zur Zeitgewinnung"
kritisierte. Unter Verweis auf BMD sagte er aber auch, dass
das Problem der Proliferation nur unter Berücksichtigung
des internationalen Umfeld zu lösen sei.[83] Die Ambivalenz
seiner Aussagen lässt die Befürchtung zu, dass
Peking seine Proliferationsaktivitäten durchaus wieder
aufnehmen könnte, wenn es sich durch NMD und TMD herausgefordert
fühlen sollte.
Um all dem zuvorzukommen, wäre die US-Regierung
gut beraten, möglichst schnell in Rüstungskontrollverhandlungen
mit China einzutreten, um verbindliche Obergrenzen für
strategische Offensiv- und Defensivwaffen festzuschreiben.
Nach diesem Vorbild sollte eine vergleichbare Regelung für
die an der Taiwan-Straße stationierten SRBMs und MRBMs
getroffen werden. Auch die Aufstellung von TMD-Systemen
in der Region sollte erst nach erfolgreichen Verhandlungen
mit China eingeleitet werden. Die Problematik könnte
beispielsweise nach Vorbild des KSE-Vertrages geregelt werden.
Bezüglich Taiwans ist eine politische
Einigung zwischen den drei beteiligten Parteien mit hoher
Wahrscheinlichkeit nicht zu erreichen. Eine erfolgversprechende
Perspektive wäre es jedoch, den Status quo zeitlich
begrenzt festzuschreiben in der Hoffnung, dass auf lange
Sicht in Peking eine politische Führung an die Macht
kommen könnte, die eine weniger kompromisslose Position
gegenüber Taiwan vertritt. Eingebettet in eine Architektur
von taktischen und strategischen Rüstungskontrollvereinbarungen
könnte die politische Lösung oder zumindest die
Vertagung des Souveränitätskonflikts um Taiwan
zu einer Entschärfung dieses potenziellen Krisenherdes
in Fernost führen.
Gleichzeitig wäre damit auch der Hegemonialkonflikt
gelöst. Ein gutmütiger (benign), vertraglich gebundener
Hegemon USA, der die Sicherheit der Region garantiert, wäre
durchaus eine Konstellation, mit der auch die chinesische
Führung in Peking gut und vor allem sicher leben könnte.
[1] Vgl. Henrik Bork, Pragmatismus in Peking,
in: Süddeutsche Zeitung, 18. 2. 2002, Seite 2
[2] Hegemonie wird in diesem Zusammenhang
nach Werner Link als "machtvolle Führung und bestimmender
Einfluss" verstanden. Sie grenzt sich von Herrschaft
ab, weil sie sich nicht auf Zwangsgewalt, sondern auf die
Anerkennung durch die geführten Staaten stützt.
Vgl. Werner Link, Die Neuordnung der Weltpolitik: Grundprobleme
globaler Politik an der Schwelle zum 21. Jahrhundert, München
2001, S. 127
[3] Vgl. Ritu Mathur, TMD in the Asia-Pacific:
A View From China, November 2000, http://www.idsa-india.org/an-nov-00-4.html
[5. 3. 2002], S. 6
[4] Vgl. Ebd., S. 2
[5] Vgl. David Shambaugh, Sino-American Strategic
Relations: From Partners To Competitors, in: Survival 2000/1,
S. 97-115, hier: S. 99
[6] Vgl. Ebd., S. 98
[7] Vgl. Charles Ferguson, Sparking a Buildup:
U.S. Missile Defense and China's Nuclear Arsenal, in: Arms
Control Today, März 2000, S. 13-18, hier: S. 14
[8] Vgl. Ebd., S. 13
[9] Vgl. Rosa Gutschke, Warum lehnt China
NMD ab?, in: China aktuell, Mai 2001, S. 490-497, hier:
S. 495, sowie Greg May, China's Opposition to TMD is More
About Politics Than Missiles, Februar 2000, http://www.nixoncenter.org/publications/articles/2_00ChinaTMD.htm
[5. 3. 2002], S. 2
[10] Vgl. Center For Nonproliferation Studies,
China's Opposition to US Missile Defense Programs, 2000,
http://www.cns.miis.edu/cns/projects/eanp/pubs/chinamd.htm
[5. 3. 2002], S. 1
[11] Vgl. Ritu Mathur, TMD in the Asia-Pacific:
A View From China (Anm. 2), S. 6
[12] Vgl. Brad Roberts / Robert Manning /
Ronald Montaperto, China: The Forgotten Nuclear Power, in:
Foreign Affairs 4/2000, S. 53-63, hier: S. 56
[13] Vgl. Sha Zukang, US Missile Defense Plans:
China's View, 2000, http://www.acronym.org.uk/43usnmd.htm
[5. 3. 2002], S. 2
[14] Vgl. Jiang Zemin, Rede an der Moskauer
Lomonosow-Universität, 17. Juli 2001 sowie Zhu Rhongji
auf einer Pressekonferenz am 15. März 2001 in Peking,
nachzulesen bei: Arms Control Association, Fact Sheets,
Oktober 2001, http://www.armscontrol.org/factsheets/chinesenmd.asp
[5. 3. 2002]
[15] Vgl. Ritu Mathur, TMD in the Asia-Pacific:
A View From China (Anm. 2), S. 3
[16] Vgl. Lee Teng-hui, Understanding Taiwan,
in: Foreign Affairs 6/99, S. 9-14, hier: S. 9-12
[17] Vgl. Michael O'Hanlon, Why China Cannot
Conquer Taiwan, in: International Security 25/2000, S. 51-86,
hier: S. 51
[18] Vgl. Martin Wagener, Raketenabwehrsysteme
und die strategische Gleichung der Taiwan-Straße,
in: Österreichische Militärische Zeitschrift,
Jg. 38, Nr. 4, 2000, S. 413-428, hier: S. 415, sowie: Denny
Roy, Tensions in the Taiwan Strait, in: Survival 1/2000,
S. 76-95, hier: S. 78
[19] Vgl. U.S. Department of Defense, Defense
Link: The Security Situation in the Taiwan Strait, Februar
1999, http://www.defenselink.mil/pubs/twstrait_02261999.html
[5. 3. 2002], S. 2, sowie: Michael O'Hanlon, Why China Cannot
Conquer Taiwan (Anm. 16), S. 80
[20] Michael O'Hanlon, Why China Cannot Conquer
Taiwan (Anm. 16), S. 51-86
[21] Vgl. Ebd., S. 73
[22] Vgl. Ebd., S. 75
[23] Vgl. Ebd., S. 78
[24] Vgl. Center For Nonproliferation Studies,
China's Opposition to US Missile Defense Programs (Anm.
9), S. 3
[25] Thomas J. Christensen, China, The U.S.-Japan
Alliance and the Security Dilemma in East Asia, in: International
Security 23:4, Frühling 1999, S. 49-80, hier: S. 64
[26] Vgl. U.S. Department of Defense, Defense
Link: The Security Situation in the Taiwan Strait (Anm.
18), S. 4
[27] Vgl. Charles Ferguson, Sparking Up A
Buildup (Anm. 6), S. 15
[28] Vgl. Martin Wagener, Raketenabwehrsysteme
und die strategische Gleichung der Taiwan-Straße (Anm.
17), S. 414
[29] Vgl. Brad Roberts / Robert Manning /
Ronald Montaperto, China: The Forgotten Nuclear Power (Anm.
11), S. 56, sowie: Greg May, China's Opposition to TMD is
More About Politics Than Missiles (Anm. 8), S. 1
[30] Vgl. Martin Wagener, Raketenabwehrsysteme
und die strategische Gleichung der Taiwan-Straße (Anm.
17), S. 415
[31] Vgl. U.S. Department of Defense, Defense
Link: The Security Situation in the Taiwan Strait (Anm.
18), S. 5
[32] Vgl. Denny Roy, Tensions in the Taiwan
Strait (Anm. 17), S. 77
[33] Vgl. Ebd, S. 87
[34] Vgl. Bates Gill, Chinese Military Power,
Testimony, Juli 2000, http://www.house.gov/hasc/testimony/106thcongress/00-07-19gill.html
[5. 3. 2002], S. 5
[35] Vgl. Martin Wagener, Raketenabwehrsysteme
und die strategische Gleichung der Taiwan-Straße (Anm.
17), S. 416
[36] Vgl. Denny Roy, Tensions in the Taiwan
Strait (Anm. 17), S. 87, 88, sowie: Nancy Bernkopf Tucker,
China-Taiwan: US Debates and Policy Choices, in: Survival
4/98, S. 150-167, hier: S. 152
[37] Vgl. Nancy Bernkopf Tucker, China-Taiwan:
US Debates and Policy Choices (Anm. 35), S. 153
[38] Vgl. Sha Zukang, US Missile Defense Plans:
China's View (Anm. 12), S. 4
[39] Vgl. Michael Green / Toby Dalton, Asian
Reaction to U.S. Missile Defense, NBR Publications: NBR
Analysis, Vol. 11, No. 3, November 2000, S. 28
[40] Vgl. Thomas Christensen, China, the US-Japan-Alliance
and the Security Dilemma in East Asia (Anm. 24), S. 65
[41] Vgl. Martin Wagener, Raketenabwehrsysteme
und die strategische Gleichung der Taiwan-Straße (Anm.
17), S. 421
[42] Vgl. Michael Green / Toby Dalton, Asian
Reaction to U.S. Missile Defense (Anm. 38), S. 27
[43] Vgl. Ritu Mathur, TMD in the Asia-Pacific:
A View from China (Anm. 2), S. 2, 3
[44] Vgl. Ebd., S. 3
[45] Vgl. Michael O'Hanlon, Star Wars Strikes
Back, in: Foreign Affairs 6/99, S. 68-83, hier: S. 70
[46] Vgl. Ebd., S. 1
[47] Vgl. Center For Nonproliferation Studies,
China's Opposition to US Missile Defense Programs (Anm.
9), S. 1
[48] Vgl. Brad Roberts / Robert Manning /
Ronald Montaperto, China: The Forgotten Nuclear Power (Anm.
11), S. 56
[49] Vgl. Rosa Gutschke, Warum lehnt China
NMD ab? (Anm. 8), S. 492
[50] Vgl. Ebd., S. 493
[51] Vgl. Ebd., S. 493
[52] Vgl. Brad Roberts / Robert Manning /
Ronald Montaperto, China: The Forgotten Nuclear Power (Anm.
11), S. 55
[53] Vgl. Center For Nonproliferation Studies,
China's Opposition to US Missile Defense Programs (Anm.
9), S.6
[54] Vgl. Brad Roberts / Robert Manning /
Ronald Montaperto, China: The Forgotten Nuclear Power (Anm.
11), S. 55
[55] Vgl. Ebd., S. 55, 56
[56] Vgl. Charles Ferguson, Sparking Up a
Buildup (Anm. 6), S. 17, sowie: Ritu Mathur, TMD in the
Asia-Pacific: A View From China (Anm. 2), S. 5
[57] Vgl. Brad Roberts / Robert Manning /
Ronald Montaperto, China: The Forgotten Nuclear Power (Anm.
11), S. 54
[58] Vgl. Stephen Blank, New Strategic Trends
in Russo-Chinese Relations, Testimony, 19. Juli 2000, http://www.house.gov/hasc/testimony/106thcongress/00-07-19blank.html
[5. 3. 2002], S. 4, sowie: June Teufel Dreyer, The U.S.
Response to China's Increasing Military Power: Eleven Assumptions
in Search of a Policy, Testimony, 19. Juli 2000, http://www.house.gov/hasc/testimony/106thcongress/00-07-19dreyer.html
[5. 3. 2002], S. 3
[59] Vgl. Brad Roberts / Robert Manning /
Ronald Montaperto, China: The Forgotten Nuclear Power (Anm.
11), S. 59
[60] Vgl. Charles Ferguson, Sparking a Buildup
(Anm. 6), S. 15
[61] Vgl. Ritu Mathur, TMD in the Asia-Pacific:
A View from China (Anm. 2), S. 5
[62] Vgl. Bundesnachrichtendienst, Proliferation
vom Massenvernichtungsmitteln und Trägerrakten, Oktober
1999, S. 39
[63] Vgl. Schriftliche Auskunft der IAEO vom
6. November 2001 auf persönliche Anfrage vom 2. November
2001
[64] Vgl. Michael Green / Toby Dalton, Asian
Reaction to U.S. Missile Defense (Anm. 38), S. 40
[65] Vgl. Brad Roberts / Robert Manning /
Ronald Montaperto, China: The Forgotten Nuclear Power (Anm.
11), S. 60, 61
[66] Vgl. Center For Nonproliferation Studies,
China's Opposition to U.S. Missile Defense Programs (Anm.
9), S. 6
[67] Vgl. Martin Wagener, Raketenabwehrsysteme
und die strategische Gleichung der Taiwan-Straße (Anm.
17), S. 423, sowie: Ritu Mathur, TMD in the Asia-Pacific:
A View from China (Anm. 2), S. 5, und: June Teufel Dreyer,
The US Response to China's Increasing Military Power: Eleven
Assumptions in Search of a Policy, Testimony (Anm. 54),
S. 4
[68] Vgl. Martin Wagener, Raketenabwehrsysteme
und die strategische Gleichung der Taiwan-Straße (Anm.
17), S. 423
[69] Vgl. Ebd., S. 415
[70] Vgl. Ebd., S. 414
[71] Vgl. Denny Roy, Tensions in the Taiwan
Strait (Anm. 17), S. 87
[72] Vgl. Ritu Mathur, TMD in the Asia-Pacific:
A View from China (Anm. 2), S. 5
[73] Vgl. Bates Gill, Chinese Military Power,
Testimony (Anm. 33), S. 3
[74] Vgl. Evan Feigenbaum, China's Military
Posture and the New Economic Geopolitics, in: Survival 1999/2,
S. 71-87, hier: S. 72
[75] Vgl. Sha Zukang, US Missile Defense Plans:
China's View (Anm. 12), S. 3
[76] Vgl. Ebd., S. 1
[77] Vgl. Ritu Mathur, TMD in the Asia-Pacific:
A View From China (Anm. 2), S. 4
[78] Vgl. Michael Green / Toby Dalton, Asian
Reaction to U.S. Missile Defense (Anm. 38), S. 32
[79] Vgl. Hu Xiaodi, Rede vor der Abrüstungskommission
der Vereinten Nationen am 10. April 2001, nachzulesen bei:
Arms Control Association, Fact Sheets, Oktober 2001, http://www.armscontrol.org/factsheets/chinesenmd.asp
[5. 3. 2002]
[80] Vgl. Charles Glaser / Steve Fetter, National
Missile Defense and the Future of U.S. Nuclear Weapons Policy,
in: International Security 1/2001, S. 40-92, hier: S. 41
[81] Vgl. Greg May, China's Opposition to
TMD is More About Politics Than Missiles (Anm. 8), S. 1
[82] Vgl. Center for Nonproliferation Studies,
China's Opposition to U.S. Missile Defense Programs (Anm.
9), S. 7
[83] Vgl. Rede von Sha Zukang auf der 7. Jährlichen
Carnegie Non-Proliferations-Konferenz am 11. Januar 1999
in Washington, http://www.fmprc.gov.cn/eng/4061.html
[5. 3. 2002]
Bitte zitieren als: Michael Hedtstück,
Raketenpoker um die Hegemonie in Ostasien: Chinas Sicherheitspolitik
in Zeiten amerikanischer Raketenabwehrpläne, Raketenabwehrforschung
International, Bulletin No. 31 (Winter 2001/02), Frankfurt
am Main 2002.
|