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Bulletin No 31 - Winter 2001/02

Michael Hedtstück
Raketenpoker um die Hegemonie in Ostasien: Chinas Sicherheitspolitik in Zeiten amerikanischer Raketenabwehrpläne

Prolog

Die Visite von US-Präsident George Bush im Februar in Peking verlief überraschend unproblematisch. Die Unstimmigkeiten über das geplante Raketenabwehrsystem, die zuvor wie ein Damoklesschwert über den Beziehungen der beiden Großmächte schwebten, spielten bei dem Treffen nur eine untergeordnete Rolle.

Diese Beobachtung steht stellvertretend für die Politik der Volksrepublik China, die seit dem 11. September auf Entspannung setzt, indem die gemeinsamen Interessen als Partner in der Anti-Terror-Koalition herausgestrichen werden. In diese Politik reiht sich auch die Reaktion der chinesischen Führung auf die Kündigung des ABM-Vertrages durch die US-Regierung ein. Obgleich kein Vertragspartner, ist Peking aufgrund seiner minimalen nuklearen Abschreckungskapazität von den Raketenabwehrplänen des Pentagon massiv betroffen. Dennoch fiel die Reaktion äußerst moderat aus. Diese neue Politik ist freilich mehr auf Pragmatismus denn auf eine substantielle Annäherung an die Position der USA zurückzuführen.[1]

Die Probleme lauern jedoch im Hintergrund. Die Interessen der beiden Nationen im ostasiatischen Raum treffen in vielen Fällen frontal aufeinander, allen voran in der Taiwan-Frage. Für die Sicherheitssituation in der Region während der kommenden Dekaden wird gerade Pekings Reaktion auf das amerikanische Raketenabwehrsystem von grundlegender Bedeutung sein.

1. Einleitung

Spätestens seit der Taiwan-Krise von 1996, als die USA auf chinesische Manöver in der Taiwan-Straße mit der Entsendung zweier Flugzeugträgergruppen reagierten, ist die Sicherheitssituation in Ostasien angespannt. Was diesen Schauplatz für eine wissenschaftliche Analyse so interessant macht, ist die Tatsache, dass diese Region weltweit die einzige ist, in welcher der globale Hegemon USA auf einen ernstzunehmenden Herausforderer trifft, der sich mit dem politischen und territorialen Status Quo nicht zufrieden gibt. Dieser aufstrebende Herausforderer ist China.

Während das Interesse der Vereinigten Staaten vor allem darin liegt, ihre Hegemonialposition[2] und damit verbunden auch den Einfluss und die Vorherrschaft in der Region zu wahren, strebt das Reich der Mitte die komplette Wiedervereinigung des Vaterlandes an, Territorialansprüche werden unzweideutig formuliert.[3]

An oberster Stelle sei hier Taiwan erwähnt, das Peking als "abtrünnige Provinz" betrachtet. Souveränitätsstreitigkeiten bestehen aber auch mit den Philippinen über die Spratley-Inseln sowie mit Japan über acht unbewohnte Inseln nördlich von Taiwan, die in China unter dem Namen Diaoyu und in Japan als Senkaku bekannt sind.[4]

Bei der Verfolgung dieser Ziele trifft China zwangsläufig auf die Vereinigten Staaten, die sowohl mit Taiwan als auch mit Japan und den Philippinen enge militärische Kontakte bis hin zu offiziellen Bündnissen (Japan) pflegen. Zahlreiche Beobachter vertreten die Ansicht, dass Washington und Peking um die strategische Vorherrschaft in der Region ringen.[5]

Einflussreiche Vertreter der Bush-Administration machen aus ihrer Einschätzung bezüglich China keinen Hehl. So bezeichnete Präsident Bush das Land als "strategischen Wettbewerber",[6] seine Nationale Sicherheitsberaterin Condoleeza Rice betrachtet China als "Großmacht mit ihren eigenen Interessen." Wo es nötig sei, müsse man mit dieser in Sicherheitsfragen konkurrieren.[7]

In China werden derartige Aussagen mit Argwohn registriert. Peking, das sich nach einem Jahrhundert der Erniedrigungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einer politischen, militärischen und zunehmend auch wirtschaftlichen Großmacht entwickelte, zeigt sich alarmiert über die Bemühungen der USA, die Position als globaler Hegemon weiter auszubauen.[8] Um die aufstrebende Regionalmacht China unter Kontrolle zu halten und die militärische Überlegenheit sicherzustellen, verfolgen die Vereinigten Staaten in den Augen Pekings eine Neo-Containment-Politik, deren Kernstück die Entwicklung eines Raketenabwehrsystems (Ballistic Missile Defense: BMD) mit einer strategischen (National Missile Defense: NMD) und einer taktischen (Theater Missile Defense: TMD) Komponente sei.[9] Chinas ablehnender Haltung gegenüber Washingtons Raketenabwehplänen liegen verschiedene Befürchtungen zu Grunde:[10]

  • Die Dislozierung eines taktischen Abwehrschirms nach Taiwan würde Taipehs Streben nach Unabhängigkeit verstärken und damit eine Einmischung in Chinas innere Angelegenheiten darstellen. Außerdem würde die derzeit noch lose militärische Zusammenarbeit zwischen Washington und Taipeh zu einer de facto-Allianz aufgewertet werden.
  • Die Dislozierung eines taktischen Abwehrschirms in Japan könnte die Remilitarisierung des Landes forcieren und zur Entwicklung eines offensiven Raketenprogramms beitragen
  • Ein strategisches Abwehrsystem könnte Chinas nukleare Zweitschlags- und damit auch Abschreckungsfähigkeit neutralisieren

Damit richten sich Washingtons Bemühungen um ein Raketenabwehrsystem gegen die drei höchsten Ziele chinesischer Außen- und Sicherheitspolitik:

  • Die Wiedervereinigung des Vaterlandes[11]
  • Der Aufstieg zu einer Großmacht globalen Rangs[12]
  • Den Aufbau einer modernen Nuklearstreitmacht mit dem Ziel, auf lange Sicht nicht nuklear erpressbar zu sein.

Chinesische Regierungsvertreter haben bereits wiederholt angekündigt, dass das Land reagieren müsse, wenn seine strategischen Interessen durch ein Raketenabwehrsystem gefährdet seien.[13] Der chinesische Präsident Jiang Zemin und sein Premierminister Zhu Rhongji sprachen übereinstimmend von einem neuen "Rüstungswettlauf", den das BMD-Programm auslösen werde.[14]

Im nachfolgenden Artikel werde ich der Frage nachgehen, welche Auswirkungen das BMD-Projekt auf die Sicherheits- und die Hegemoniesituation in Ostasien, insbesondere auf die Entwicklung der Konfliktpunkte zwischen dem Hegemon USA und dem Herausforderer China, haben könnte. Diese zentrale Fragestellung wird anhand verschiedener Aspekte überprüft werden. Zunächst werde ich die möglichen politischen und militärstrategischen Auswirkungen von TMD auf die Taiwan-Frage untersuchen, gefolgt von einer gleichartigen Thematisierung des Verhältnisses zwischen China und Japan. Im Anschluss daran wird die Bedeutung von NMD für Chinas Nuklearstrategie und seine Rüstungszusammenarbeit mit Russland behandelt werden, bevor die jeweiligen Untersuchungsergebnisse in einem Schlussteil zusammengefasst und zur Beantwortung der zentralen Eingangsfrage herangezogen werden.

2. China und TMD

2.1 Fokus: Taiwan

2.1.1 Die politische Situation

Taiwan ist weltweit einer der brisantesten potenziellen Krisenherde. Eine ungeklärte Souveränitätssituation, ein historisch bedingt erhebliches Konfliktpotenzial, das Aufeinandertreffen gegensätzlicher Interessen zweier Nuklearmächte und nicht zuletzt eine hohe Dichte an Kriegsgerät lassen die Sicherheitssituation in der Taiwan-Straße spätestens seit den Krisen der Jahre 1995 und 1996 angespannt erscheinen.

Während China eine Wiedervereinigung unter den Bedingungen des Hong Kong-Modells "Ein Land, zwei Systeme" anstrebt, sprechen taiwanesische Politiker mit Blick auf das Festland von einer besonderen Beziehung zweier Staaten ("special state to state relationship").[15] Der Kopf hinter dieser "Zwei Staaten-Theorie" war Ex-Präsident Lee Teng-Hui. In einem von ihm verfassten und im Dezember 1999 in einer Fachzeitschrift publizierten Beitrag ging Lee aber noch weiter, als nur von einer besonderen Beziehung zweier Staaten zu sprechen. In dem Text benutzte er auch Begriffe wie "Nationale Identität", "Taiwans Interessen" oder "Das Volk von Taiwan". Er schrieb, dass China kein Recht habe, die Souveränität über Taiwan zu reklamieren.[16]

Im Jahr 2000 endete Lees Amtszeit. Sein Nachfolger Chen Shui-bian erklärte, dass er eine Unabhängigkeitserklärung vermeiden werde.[17] Diese Aussage widerspricht jedoch dem Standpunkt von Chens Partei, der Demokratischen Fortschrittspartei. Darüber hinaus unterscheidet sich dieses Statement auch von früheren Aussagen, in denen Chen die Unabhängigkeit von Peking propagiert hatte. So gelten sowohl Chen als auch Lee im offiziellen Sprachgebrauch der chinesischen Regierung als "Separatisten".

Regelmäßig droht Peking mit militärischen Maßnahmen, sollte sich Taipeh zu einer Unabhängigkeitserklärung entschließen. Pekings Kriterienkatalog geht freilich noch weiter. In einem Weißbuch vom 21. Februar 2000 werden neben einer Unabhängigkeitserklärung auch noch die Besetzung Taiwans durch fremde Mächte und die Ablehnung von Wiedervereinigungsverhandlungen durch die taiwanesische Führung als Gründe für eine militärische Intervention genannt.[18]

Nicht zuletzt um den Drohungen Nachdruck zu verleihen, wurde die Militärdoktrin der Volksbefreiungsarmee entsprechend modifiziert: Galt es bis Ende der 80er Jahre noch, sich auf einen groß angelegten, "totalen" Landkrieg einzustellen, verlangt die neue Doktrin von den Militärs, einen "lokalen Krieg unter High-Tech-Bedingungen" überlegen führen zu können.[19]

Dieser "lokale Krieg unter High-Tech-Bedingungen" kann freilich verschiedene Formen annehmen. Dass der zentralen Baustein der neuen Strategie jedoch die taktischen Raketenstreitkräfte sind, wird im folgenden Teilkapitel dargestellt werden.

2.1.2 Die Bedeutung von Raketen für Pekings neue Militärstrategie

2.1.2.1 Möglichkeiten und Perspektiven einer militärischen Intervention

Der extremste Weg, die Wiedervereinigung mit militärischen Mitteln herbeizuführen, wäre eine großangelegte Invasion Taiwans. Die gewaltige quantitative Überlegenheit der Volksbefreiungsarmee würde in einem Konflikt um Taiwan allerdings keine Rolle spielen. Michael O'Hanlon, der gemeinsam mit Militärs verschiedene Konfliktszenarien durchgespielt hat, verweist darauf, dass einem überlegen vorgetragenen Angriff allein schon die Geografie der Insel entgegen steht: Nicht mehr als 20 Prozent der Küste Taiwans ließen die Errichtung von Brückenköpfen zu. An den möglichen Landungspunkten könnten die qualitativ überlegen ausgerüsteten taiwanesischen Streitkräfte schnell eine taktische Überlegenheit herstellen.

Während die Verteidiger ständig Nachschub aus dem Inland an die Küste verbringen könnten, sei die Transportkapazität des chinesischen Nachschubs (Luft- und Marinetransport) viel zu gering und darüber hinaus auch noch äußerst verwundbar gegen Angriffe von taiwanesischen Luft- und Marinestreitkräften.[20]

O'Hanlon kommt zu dem Schluss, dass ein amphibisches Landungsunternehmen für Peking in einem Desaster enden würde, vergleichbar mit einer großen Version des Schweinebucht-Debakels von 1961.[21]

Pekings zweite Möglichkeit ist die Errichtung einer Seeblockade und die maritime Abriegelung der rohstoffarmen Insel von der Außenwelt. Eine solche Operation würde zwar einen erheblichen Aufwand erfordern, dafür hätte eine umfassende Blockade allerdings auch substantielle Folgen für die taiwanesischen Bürger und die Volkswirtschaft, die zu zwei Dritteln vom Außenhandel abhängt.[22] O'Hanlon vertritt die Ansicht, dass Taiwan allein nicht in der Lage wäre, die Blockade zu durchbrechen und folglich auf die Hilfe der US-Flotte angewiesen wäre.[23]

Fazit: Das Mittel der Seeblockade würde Peking zwar recht gute Chancen verschaffen, militärisch die Oberhand zu gewinnen und erheblichen Druck auf Taiwan auszuüben. Da Teile der US-Wirtschaft jedoch auf Produkte aus Taiwan (insbesondere Halbleiter) angewiesen sind und außerdem noch wichtige Handelsrouten zwischen der amerikanischen Westküste und dem südasiatischen Raum (Japan, Südkorea) entlang der taiwanesischen Küste verlaufen, wäre eine Intervention durch die US-Streitkräfte sehr wahrscheinlich. Diese Erwartung dürfte auch Chinas Kosten-Nutzen-Kalkül beeinflussen.

Da sowohl eine Invasion als auch eine Seeblockade mit hohen Kosten verbunden wären, scheint der dritte Weg - der Einsatz effektiver Distanzwaffen - die attraktivste Alternative darzustellen. Mit dem Einsatz von Kurz- und Mittelstreckenraketen wird Peking Taiwan zwar nicht erobern können. Dennoch haben Raketen den wohl höchsten politischen Wert der drei strategischen Möglichkeiten. Sie sind am besten dazu geeignet, militärischen Zwang auf Taiwan auszuüben, wie der nächste Abschnitt zeigen wird.

2.1.2.2 Raketen als politische Waffe

Wenn eine Invasion nicht möglich ist, muss die chinesische Führung Abschreckungsmittel ins Feld führen, welche im Vornherein Anlässe verhindern, die eine militärische Intervention notwendig machen würden (Vgl. Kapitel 2.1).

Solange Taipeh über keine effektiven Gegenmittel verfügt, sind Kurz (SRBM)- und Mittelstreckenraketen (MRBM) die besten Abschreckungswaffen, um taiwanesische Politiker von einer Unabhängigkeitserklärung abzuhalten.[24] Damit werden ballistische Raketen zum wertvollsten militärischen Besitz in Chinas Arsenal.[25] Dies führt nicht zuletzt dazu, dass China seine ballistischen Raketen in immer stärkerem Maße auch als politische Waffe betrachtet.[26]

Mit dem Raketenmanöver kurz vor der taiwanesischen Präsidentschaftswahl 1996 versuchte die chinesische Führung jegliche Zweifel daran zu zerstreuen, dass sie im Notfall Raketen einsetzen werde, um die taiwanesische Politik zu beeinflussen.[27] In Form der Aufstellung neuer SRBMs und MRBMs an Chinas Ostküste gegenüber Taiwan lässt Peking seiner Drohung seit einigen Jahren auch Taten folgen. Zwischen 1996 und dem Jahr 2000 erhöhte sich die Zahl dieser Raketen von 30-50 auf rund 200.[28] US-Geheimdienste erwarten bis 2005 eine Ausweitung auf bis zu 650 Systeme,[29] die aller Wahrscheinlichkeit nach auch mit nuklearen Sprengköpfen bestückt werden können.[30]

Diese Raketen sind eine ernstzunehmende Bedrohung für Taiwans militärische Infrastruktur[31] und könnten nicht zuletzt auch der Volkswirtschaft der Insel substantielle Schäden zufügen,[32] indem zentrale und nicht gehärtete Produktionsstätten beschossen würden. In der gleichen Art und Weise ließen sich die Raketen als Terrorwaffe gegen die Zivilbevölkerung und die Regierung einsetzen, zum Beispiel durch den gezielten Beschuss von Bevölkerungszentren oder Regierungsgebäuden. Derartige Aktionen könnten den Druck auf die Inselregierung erhöhen, ihre Unabhängigkeitsbestrebungen fallen zu lassen[33] oder gar zu einer vollständigen Kapitulation der "Separatisten" führen.[34]

In Taiwan ist die Furcht vor den chinesischen Raketen groß. Im Verteidigungsweißbuch vom April 1998 heißt es:

"[The Missiles] may directly attack our key political, economical, and military targets. This is the most serious type of operations the PRC may choose to invade Taiwan by the use of force."[35]

Welch katastrophale Auswirkungen ein Raketenangriff auf die Wirtschaft Taiwans haben würde, verdeutlichen folgende Zahlen: Die bloße Ankündigung der Raketentests im Jahr 1995 durch die Volksbefreiungsarmee ließ den Aktienmarkt in Taipeh an einem einzigen Tag um 4,2 Prozent einbrechen. Auch während der Manöver im Jahr 1996 stürzte der Aktienmarkt um mehr als 1000 Punkte in die Tiefe. Geschätzte 5 bis 15 Milliarden Dollar flossen aus dem Land, wodurch sich Taipehs Währungsreserven für den Außenhandel signifikant reduzierten. Ein ähnliches Bild zeigte sich im Juli 1999. Nachdem Lee Teng-hui das "Ein-China-Prinzip" in Frage gestellt hatte, verlor der Aktienmarkt trotz massiver Stützungskäufe seitens der Regierung in einer einzigen Woche 13 Prozent an Wert.[36] Einige Mitglieder der chinesischen Regierung sind seitdem der Meinung, dass Taiwan mit gezielten Raketenattacken zur Aufgabe gezwungen werden könnte.[37]

2.1.3 Warum fürchtet Peking TMD?

Es ist eindeutig, dass es bei den Diskussionen um die Dislozierung eines taktischen Raketenabwehrsystems (TMD) in Taiwan um viel mehr geht als "nur" um militärische Fragen. Taipeh könnte TMD genauso als politische Waffe einsetzen wie Peking seine SRBMs und MRBMs. Schlüpfte Taipeh unter den TMD-Schutzschirm, bekäme es damit nicht nur einen High-Tech-Schild gegen die am meisten gefürchtete Bedrohung in die Hand. Gleichzeitig würde dem Widersacher sein Schwert aus der Hand geschlagen werden. Peking könnte die "Separatisten" nicht mehr länger überzeugend bedrohen.

Chinesische Strategen wie Sha Zukang befürchten, dass ebenjene Entwicklung die taiwanesische Führung dazu ermutigen werde, aus einem Gefühl der Sicherheit heraus die Unabhängigkeit zu wagen. Damit wäre Chinas höchstes nationales Interesse, die Wiedervereinigung des Vaterlandes, ernsthaft gefährdet. Folglich werde die Einbeziehung Taiwans in das TMD-System auch auf "starke Gegenwehr" stoßen[38] und zu Instabilität nicht nur in der Taiwan-Straße, sondern in der gesamten Region führen.[39]

Die Reaktion von Pekings Militärstrategen auf einen Transfer von TMD nach Taiwan dürfte entsprechend drastisch ausfallen. Um Taiwan weiter mit Raketen bedrohen zu können, wäre Peking gezwungen, die Zahl seiner Projektile zu erhöhen. Die Folge wäre ein Sicherheitsdilemma, das mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem Wettrüsten resultieren würde.

Das Paradoxon, dass die Aufstellung defensiver Waffensysteme zu einem Sicherheitsdilemma führen kann, liegt darin begründet, dass China effektive defensive Fähigkeiten in Taiwans Besitz als wesentlich bedrohlicher für seine Interessen einstuft als offensive, da Defensivwaffen Pekings offensive Kapazitäten und damit verbunden auch die Möglichkeiten der Einflussnahme auf Taiwans Politik neutralisieren könnten.[40] Das Nullsummenspiel wäre hingegen wieder klassisch: Die Rüstungsanstrengungen der einen Seite verringern die Sicherheit des anderen.

Die Möglichkeit, dass es zum Transfer von TMD-Technik nach Taiwan kommt, ist jedenfalls vorhanden. Mit der Weitergabe würde sich die ausführende Regierung im Rahmen des Taiwan Relations Act von 1979 bewegen, der die jeweilige Administration sogar dazu verpflichtet, Taiwan Hilfe zur Selbsthilfe zukommen zu lassen. US-Präsident Bushs Einstellung zum Thema Taiwan lässt einen solchen Schritt ebenfalls nicht unwahrscheinlich erscheinen. In seiner ersten programmatischen Rede zur Außenpolitik sagte der damalige Gouverneur von Texas im November 1999: "We will help Taiwan defend itself".[41] Auch auf taiwanesischer Seite besteht Interesse. Im August 2000 sagte Chen Shui-bian, dass seine Regierung ernsthaft die Möglichkeit prüfe, in TMD zu investieren."[42]

Aus strategischen Gründen könnte ein solcher Schritt Washington durchaus attraktiv erscheinen. Mit dem Transfer von einigen Lower tier (in niedriger Höhe operierender) -Abfangsystemen nach Taiwan würde man dem Herausforderer China entweder ein wichtiges Instrument des Zwangs entwenden oder Peking in einen taktischen Rüstungswettlauf verwickeln, der Ressourcen aus der Wirtschaft oder der strategischen Rüstung abziehen würde. So absurd dieses Szenario mit Blick auf das drohende Sicherheitsdilemma erscheinen mag, so verlockend könnte es für den wirtschaftlich, technologisch und militärisch weit überlegenen Hegemon USA sein, mit derartigen Maßnahmen den Herausforderer in Schach zu halten. Ob aber die politischen Folgen zu kontrollieren wären, bleibt ungewiss.

2.2 Fokus: Japan

2.2.1 Die Hintergründe von Pekings Besorgnissen

Am 17. April 1996 unterzeichneten Bill Clinton und der japanische Premierminister Hashimoto eine gemeinsame Erklärung, in der sie die Wiederbelebung der US-japanischen Militärallianz ankündigten. Im Jahr 1997 wurde die Vereinbarung mit "operativen Leitlinien" erweitert. Seitdem umfasst die strategische Kooperation gemeinsame Geheimdienst-, Überwachungs- und Minenräum-Missionen in Regionen um Japan herum ("areas surrounding Japan"). China befürchtet, dass japanische Marine- und Luftwaffeneinheiten den Vereinigten Staaten in einer Intervention zugunsten Taiwans Schützenhilfe leisten könnten.[43] Pekings Besorgnis wurde während Hashimotos China-Besuch im September 1997 noch weiter verstärkt. Der japanische Premier erklärte, dass das Konzept der umgebenden Gebiete mehr ein "situationsabhängiges denn ein geografisches Konzept" sei. Es definiere kein spezielles Areal.[44]

Der nordkoreanische Raketentest vom August 1998, als der kommunistische "Schurkenstaat" eine dreistufige Taepo Dong-Rakete über Japan hinwegschoß, machte den Weg frei für den nächsten Schritt der erneuerten US-japanischen Militärallianz: Tokio beschloss wenig später, sich finanziell und technologisch an der Entwicklung von TMD zu beteiligen.[45]

Fest steht schon heute: Japans strategische Möglichkeiten würden sich unter dem Schutz eines TMD-Abwehrschirms entscheidend verbessern. Bereits jetzt befürchtet Peking, dass TMD zu einem Wiederaufflammen des japanischen Militarismus führen könnte.[46]

Chinas Bedenken haben freilich nicht nur einen historischen, sondern auch einen handfesten politischen Hintergrund: Mit einem selbst- und machtbewussteren Japan an der Seite der USA entstünde für die Regionalmacht China ein neuer Konkurrent im Kampf um die Vormachtstellung in Ostasien. So könnte sich beispielsweise der Aktionsradius des japanischen Militärs ausweiten. Würde Japan die Erringung einer Vormachtstellung anstreben, wäre es für das Land sogar zwingend, seine Kultur der Zurückhaltung aufzugeben und die Struktur seiner Streitkräfte zu verändern. Das Militär müsste über Mittel verfügen, mit denen Macht projeziert werden kann.

Ein Weg dahin wäre, die Streitkräfte mit offensiven ballistischen Raketen auszustatten. Peking argumentiert, dass Japan dank der technologischen Kooperation in Sachen Entwicklung und Nutzung von TMD mit den Vereinigten Staaten in den Besitz von Raketentechnologie gelangen würde, die auch für offensive Zwecke Verwendung finden könnte.[47]

2.2.2 Zukunftsperspektive: Verhandlungen über die Systemarchitektur

Während im Fall Taiwan lediglich die realistische Möglichkeit besteht, dass Washington dem Land TMD-Systeme zur Verfügung stellen wird, ist es hingegen sehr wahrscheinlich, dass Japan in den Besitz von TMD gelangen wird. Chinas Widerstand gegen eine Stationierung in Japan ist denn auch deutlich zurückhaltender als die Kampagne gegen TMD in Taiwan.

Chinas Aussichten, die Einbeziehung Japans in ein TMD-System zu verhindern, sind verschwindend gering. Bezüglich der Systemarchitektur wird sich in den kommenden Jahren aber wohl ein reger Dialog zwischen China, Japan und den USA entwickeln. Peking wird argumentieren, dass ein Lower tier-System ausreiche, um Japan vor der nordkoreanischen Bedrohung zu beschützen. Positiver Nebeneffekt: Die Dislozierung von Lower tier-Waffensystemen wie PAC-3 (Patriot-3) würde Pekings Interessen kaum gefährden.

Anders sieht es bei Upper Tier (in großer Höhe operierenden) -Systemen aus. THAAD (Theater High Altitude Area Defense System) würde über einen Einsatzradius verfügen, der auch Taiwan in den Raketenschirm integrieren würde. Allerdings ist hier zu bedenken, dass ein in Japan stationiertes THAAD-System für Taiwan nicht mehr als einen theoretischen Schutz darstellt. Die Distanz zwischen den Zielobjekten (chinesischen SRBMS auf dem Weg nach Taiwan) und der TMD-Basis ist einfach zu groß, als dass das Abfanggeschoß einen Einschlag chinesischer Raketen in Taiwan verhindern könnte.

Die Aufstellung eines weit entwickelten NTW (Navy Theater Wide Ballistic Missile Defense) -Systems würde Pekings Interessen am stärksten beeinträchtigen. Stationiert auf Aegis-Kreuzern, wäre dieses System mobil und könnte im Krisenfall rechtzeitig in die Taiwan-Straße verlegt werden. Geschützt von US-Marineverbänden wären die Aegis-Kreuzer dazu in der Lage, einen dichten Abwehrschirm über Taiwan aufzuspannen, der wahrscheinlich sogar ausreichen würde, um einen massiven chinesischen Raketenangriff abzuwehren. Damit würde die "abtrünnige Provinz" Taiwan demonstrativ auch auf militärischem Wege vom Festland getrennt, die angestrebte Wiedervereinigung rückte in weite Ferne.

So wird Pekings Hauptaugenmerk mittelfristig darauf liegen, die Verlegung von Aegis-Kreuzern in die Region zu verhindern. Denn nur mit diesem System wäre Washington in der Lage, ohne hohe politische Kosten die strategische Gleichung der Taiwan-Straße zugunsten Taiphes zu entscheiden.

Sollte es dennoch zum Aufbau von NTW kommen, bliebe Peking nur noch ein Ausweg, um den politischen Druck auf Taipeh aufrechterhalten zu können. Dieser "Plan B" wäre die Drohung, einen nuklearen Erstschlag gegen die USA zu führen, sollte sich Taiwan für unabhängig erklären. Dieser Plan müsste jedoch völlig umgeschrieben werden, sobald die USA über ein strategisches Raketenabwehrsystem (NMD) verfügen, wie das folgende Kapitel zeigen wird.

3. China und NMD

3.1 Bestandsaufnahme: Chinas Nuklearstreitkräfte

Unter den fünf "traditionellen", anerkannten Staaten, die über Kernwaffen verfügen, ist China das Land mit der kleinsten nuklearen Streitmacht. Seit dem Tag der ersten chinesischen Atomexplosion im Oktober 1964 verfolgt Peking eine ausgesprochen defensive Nuklearstrategie. Die Doktrin der "Minimalen Abschreckung" ist darauf ausgerichtet, nuklearer Erpressung vorzubeugen und dem Land einen Platz am Tisch der Großmächte zu sichern.[48]

China verfügt derzeit über rund zwanzig nuklear bestückte Interkontinentalraketen (ICBMs), die auch Ziele in den USA erreichen können.[49] Dabei handelt es sich um Raketen mit Flüssigtreibstoff, die von den Sprengköpfen getrennt in Höhlen oder Silos stationiert sind. Die Startvorbereitungen dieser nicht mobilen Raketen dauern zwischen zwei und vier Stunden.[50] Die feste Stationierung, die lange Vorbereitungszeit und die schlechte chinesische Frühwarnaufklärung[51] legen den Schluss nahe, dass Chinas ICBMs gegenüber einem Erstschlag sehr verwundbar sind.

Alternative Trägersysteme sind faktisch nicht vorhanden. Peking verfügt lediglich über ein einziges strategisches U-Boot (bewaffnet mit zwölf MRBMs),[52] das nach Einschätzung des Centers for Nonproliferation Studies nicht einmal einsatzfähig ist.[53] Die wenigen strategischen Bomber sind veraltet, langsam, extrem verwundbar und nicht in der Lage, das amerikanische Kernland zu erreichen. Damit ist China nicht im Besitz der Strategischen Triade.[54]

Obwohl Peking bereits seit 1970 an der Modernisierung seiner strategischen Trägersysteme arbeitet, wird die Entwicklungsarbeit erst seit rund zehn Jahren mit Nachdruck vorangetrieben. Dabei liegt der Forschungs- und Beschaffungsschwerpunkt eindeutig auf der Raketentechnologie. Das Ziel ist es, Reichweite, Nutzlast, Genauigkeit und Überlebensfähigkeit der ICBMs zu verbessern.

Mit dem erfolgreichen Test der neuen DF-31-ICBM im August 1999 feierte Peking den ersten Erfolg nach einer fast dreißigjährigen Entwicklungsphase auf dem Gebiet moderner ICBM-Technologie. Die DF-31 ist eine mobile, feststoffgetriebene ICBM mit einer Reichweite von rund 8.000 Kilometern.[55] Ebenfalls kurz vor der Vollendung steht die Entwicklung der DF-41, einer verbesserten Version der DF-31 mit einer Reichweite von mehr als 12.000 Kilometern. Sowohl die DF-31 als auch die DF-41 sollen in der Lage sein, Mehrfachsprengköpfe zu transportieren.[56]

Mit der beschleunigten Entwicklung dieser modernen Trägersysteme reagiert Peking freilich nicht auf Washingtons BMD-Pläne. Die Ursache dieser Anstrengungen ist vielmehr in den Erfahrungen aus dem Zweiten Golfkrieg und dem Kosovo-Krieg zu suchen. Beide Konflikte bestärkten die chinesischen Strategen in der Annahme, dass die USA mit Hilfe ihrer hochmodernen konventionellen Präzisionswaffen Chinas momentane Zweitschlagskapazitäten ausschalten könnten.[57]

Somit wurden Aufrüstungsbemühungen bereits zwingend, bevor das Pentagon begann, seine BMD-Pläne voranzutreiben. Bereits heute und obwohl das NMD-Projekt noch in den Kinderschuhen steckt, kann das Reich der Mitte mit seinem nuklearen Arsenal kaum mehr seine Abschreckungspolitik gegenüber Washington aufrechterhalten. Diese besteht im Kern in der Frage, ob die US-Führung bereit sei, Los Angeles oder San Francisco gegen Taiwan einzutauschen.[58]

3.2 Mögliche chinesische Reaktionen auf NMD

Pekings erste handfeste Reaktion auf Amerikas BMD-Pläne war ein Investitionsprogramm von 9,7 Milliarden Dollar, das die Führung im Oktober 1999 auflegte. Propagiertes Ziel des Programms ist es, die Zweitschlagskapazitäten auszubauen.[59] Es ist davon auszugehen, dass das Programm weit über die Aufstellung neuer DF-31 und DF-41 hinaus gehen wird. Dabei muss bedacht werden, dass die geplante Aufstockung des ICBM-Arsenals auf 200 Raketen nur rund 2 Milliarden Dollar kosten wird.[60]

Die übrigen Mittel könnten zum Aufbau einer einsatzfähigen strategischen Triade eingesetzt werden. Mit bombergestützten Cruise Missiles oder einer modernen Flotte strategischer U-Boote könnte China das NMD-System überwinden, gleich welcher Architektur es sein mag. Ein weiterer Investitionsschwerpunkt könnte die Entwicklung von modernen Täuschkörpern und Mehrfachsprengköpfen sein. Beide Technologien würden die chinesischen ICBMs dazu befähigen, NMD zu überwinden.

Auch strategische "Randgebiete" dürften in Chinas Modernisierungsstrategie eine Rolle spielen. So wären die modernen DF-31 und DF-41 wenig nützlich, wenn sie ähnlich anfällig gegen einen US-Erstschlag wären wie Chinas derzeitige Raketengeneration. Die Lösungsmöglichkeiten sind vergleichsweise einfach zu realisieren: Eine modernisierte Luftabwehr könnte einen wirksamen Schutz gegen Cruise Missiles darstellen, eine effiziente Echtzeit-Satellitenaufklärung würde die Erfolgsaussichten eines amerikanischen Erstschlags mit kleinen Nuklearsprengköpfen gegen die Standorte der chinesischen ICBMs auf ein Niveau absenken, welches erheblichen Einfluss auf das Kosten-Nutzen-Kalkül der Pentagon-Strategen hätte: Fortan würde ein nuklearer Erstschlag sein primäres Ziel, die Vernichtung aller chinesischer Atomraketen, verfehlen.

All diese Beschaffungsvorhaben können freilich unmöglich aus dem 9,7 Milliarden-Etat finanziert werden. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass Peking weitere Milliarden in die strategische Rüstung investieren wird. Die Vorarbeiten sind bereits abgeschlossen. So gab das US-Verteidigungsministerium schon im Jahr 1997 bekannt, dass China die notwendigen Ressourcen besitze, um während der nächsten Dekade bis zu 1000 neue ballistische Raketen herzustellen.[61] Bemerkenswert ist, dass diese Zahlen auf der Basis von Daten entstanden, die in der Vor-NMD-Zeit erhoben wurden. Es ist also davon auszugehen, dass Chinas aktuelle Ressourcen die Herstellung von mehr als den angesprochenen 1000 Raketen zulassen.

Washingtons offizielles NMD-Konzept sieht vor, dass das voll ausgebaute Raketenabwehrsystem 200 Abfangraketen stark sein wird. Chinas führende Militärs werden bei der Planung der zukünftigen Größe ihrer Nuklearstreitkräfte mit Sicherheit von einem Worst Case-Szenario ausgehen. Basis aller Berechnungen könnte die Annahme sein, dass jede Abfangrakete mit hundertprozentiger Sicherheit einen anfliegenden Sprengkopf zerstören kann. Darüber hinaus dürfte Peking davon ausgehen, dass ein amerikanischer Erstschlag viele eigene Raketen bereits am Boden zerstören und damit nur noch eine begrenzte Anzahl von Sprengköpfen für den Gegenschlag zur Verfügung stehen wird. Auf diese Annahme stützt sich meine Erwartung, dass China seine nuklearen Raketenstreitkräfte im kommenden Jahrzehnt auf weit mehr als 200 ICBMs und deutlich mehr als 200 Sprengköpfe ausbauen wird.

Dass für die Herstellung der Raketen ausreichend große Kapazitäten vorhanden sind, ist bekannt. Doch wie sieht es mit dem nuklearen Material aus? Um die Zahl der Sprengköpfe zu verzehnfachen, benötigt das Militär auch große Mengen an hoch angereichertem Uran und Plutonium, die nur in einem hoch komplexen Brennstoffkreislauf erzeugt werden können. Dazu werden eigene Uranvorkommen, Fabriken zur Weiterverarbeitung des Urans zu Kernbrennstoff, Atomreaktoren und Wiederaufbereitungskapazitäten zur Extraktion des Plutoniums benötigt.[62]

Laut Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) verfügt China über eigene Uranvorkommen, drei "klassische" Atomreaktoren an den Standorten Qinshan und Guangdong, 14 Forschungsreaktoren und elf Atomfabriken: sechs für die Weiterverarbeitung von Uran, zwei für die Uran-Anreicherung, eine für die Brennstoffherstellung, eine Lagerstätte sowie eine Anlage zur Umwandlung (Wiederaufbereitung) abgebrannter Kernbrennstäbe.[63] China verfügt somit über ausreichend Rohstoffe und einen abgeschlossenen Brennstoffkreislauf. Daher ist davon auszugehen, dass die Produktion von Sprengköpfen mit der Herstellung der Raketen Schritt halten kann.

China ist also dazu in der Lage, den Raketenabwehrplänen der USA mit einer massiven Aufrüstung zu begegnen. Ob es tatsächlich dazu kommt, ist ausschließlich eine Frage der Prioritäten, deren Beantwortung in den Händen der politischen Führung in Peking liegt.

Schon heute ist sicher, dass sich Chinas Nukleardoktrin in der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts von der äußerst defensiven Strategie der Minimalen Abschreckung hin zu einer aktiveren Auslegung der Doktrin wandeln wird.[64] Washingtons NMD-Pläne werden diesen Prozess wohl beschleunigen und könnten sogar dazu führen, dass China die bislang erwarteten Rüstungsgrenzen von 200 ICBMs deutlich überschreiten wird.

Spätestens ab diesem Punkt würden Russlands Interessen empfindlich tangiert werden. Wie gemeinsame Gegenmaßnahmen Pekings und Moskaus auf NMD aussehen könnten und wie sich Chinas nukleare Aufrüstung auf Russlands Nuklearstrategie auswirken könnte, wird der folgende Abschnitt zeigen.

3.3 China und Russland - gemeinsam gegen NMD?

Das gemeinsame Interesse der beiden Großmächte lag in der Vergangenheit darin, die US-Regierung von der Kündigung des ABM-Vertrages abzuhalten. Seit Präsident Bush am 13. Dezember 2001 das Abkommen "überwand", muss die gemeinsame Opposition gegen BMD auf eine neue Basis gestellt werden.

Seit dem 13. Dezember 2001 macht eine gemeinsame Anti-BMD-Politik kaum mehr Sinn. Daher dürften sich die Kooperationsbemühungen vom diplomatischen auf den militärischen Bereich verlagern. China dürfte freilich ein höheres Interesse an einer militärischen Zusammenarbeit haben als Russland. Gelänge es chinesischen Unterhändlern, Moskau von der Notwendigkeit einer umfangreichen Militärkooperation zu überzeugen, würde ein Technologietransfer einsetzen, von dem in erster Linie Peking profitieren würde. Während China bei der Entwicklung überlegener Täuschkörper und von Mehrfachsprengköpfen noch am Anfang steht, besitzt Russland aufgrund der Forschungen aus der Zeit des Kalten Krieges umfangreiche Kenntnisse über diese Technologien. Würde der Wissenstransfer kurzfristig aufgenommen, könnte China das russische Wissen über Täuschkörper und Mehrfachsprengköpfe bereits in seinem laufenden Rüstungsprogramm verwenden. Bis zur geplanten Aufstellung von NMD im Jahr 2007 hätte Peking dann eine Flotte hochmoderner ICBMs, für die NMD dank der Ausstattung mit Mehrfachsprengköpfen und Täuschkörpern keine ernsthafte Bedrohung darstellen würde.

Dieses Szenario ist freilich recht unwahrscheinlich. Russlands erste Reaktionen auf die Kündigung des ABM-Vertrages lassen eine Fortsetzung des Dialogs zwischen Moskau und Washington erwarten. Gerade Präsident Putin schlug überraschend versöhnliche Töne an. Doch selbst wenn sich in Moskau doch noch die nationalistischen, anti-westlich eingestellten Eliten durchsetzen sollten, wäre eine Weitergabe von Raketenwissen und -technologie an China kaum zu erwarten. Obwohl beide Länder eine strategische Partnerschaft verbindet, sind die Beziehungen doch längst nicht frei von Spannungen. So ist innerhalb der russischen Eliten das Mißtrauen gegenüber dem Milliardenvolk jenseits der Südgrenze weit verbreitet. Wie schon während des Kalten Krieges identifizieren zahlreiche russische Strategen in China einen potenziellen strategischen Konkurrenten.

Das strategische Machtgleichgewicht zwischen Moskau und Peking wird sich in den kommenden Jahren ohnehin zuungunsten Moskaus verschieben. Während China im nuklearen Bereich massiv aufrüstet, strebt Russland eine signifikante Verringerung seines Atomarsenals auf 1.500 strategische Sprengköpfe an. Somit könnten Russlands Ab- und Chinas Aufrüstung irgendwann auf eine de facto-Parität hinauslaufen,[65] woraufhin Russland nach Ansicht des Centers for Nonproliferation Studies seine Abrüstungsbemühungen einfrieren würde.[66] Da sich Russlands strategisches Übergewicht in diesem Fall ausschließlich auf überlegene Technik stützen würde, erscheint es aus heutiger Sicht praktisch ausgeschlossen, dass Moskau einem aufstrebenden Kontrahenten sein hochsensibles Spezialwissen zur Verfügung stellen wird.

Vielmehr steht zu erwarten, dass Russland sich auf den Verkauf von konventionellen Rüstungsgütern wie Kampfflugzeugen, U-Booten oder Zerstörern konzentrieren wird. Auf diesem Wege kann Russland die chinesischen Streitkräfte relativ zu den amerikanischen stärken, ohne eigene relative Machtverluste gegenüber der Volksbefreiungsarmee hinnehmen zu müssen.

Ein Beispiel hierfür ist der Verkauf von zwei Zerstörern der Sovremenny-Klasse an Peking. Diese hochmodernen Kampfschiffe sind mit Überschall-Antischiffs-Raketen ausgerüstet, die auch nuklear bestückt werden können. Ein Sovremenny-Zerstörer ist dazu in der Lage, aus einer Entfernung von mehr als 100 Kilometern eine komplette US-Flugzeugträgergruppe zu neutralisieren.[67] Aegis-Kreuzer sind noch um ein Vielfaches verwundbarer als die gewaltigen Flugzeugträger. So gewinnen die Sovremenny-Zerstörer in Chinas Händen enorm an Wert, da sie die USA davon abhalten könnten, in einen Konflikt um Taiwan einzugreifen.[68]

Moskau wird sich in Zukunft wohl darum bemühen, auf solchen Gebieten eine enge Rüstungszusammenarbeit mit Peking einzugehen. Der strategische Bereich wird von einem Technologietransfer weitgehend ausgeschlossen bleiben.

4. Zusammenfassung

4.1 China und TMD

Die Sicherheitssituation in der Taiwan-Straße ist angespannt, da China Taiwan als "abtrünnige Provinz" und dessen führende Politiker als Separatisten betrachtet, welche ihrerseits von einer de facto-Unabhängigkeit der Insel vom Festland ausgehen. China droht Taiwan mit Krieg, falls sich Taipeh für unabhängig erklären sollte. Aber auch wenn die Provinzregierung Verhandlungen über die Wiedervereinigung mit Peking ablehnt oder fremde Mächte die Insel besetzen, wäre laut der offiziellen chinesischen Taiwan-Doktrin eine militärische Intervention durch die Volksbefreiungsarmee zu erwarten.

Um der Drohung Nachdruck zu verleihen, verfolgt Peking seit Ende der 80er Jahre eine neue Militärdoktrin, nach der sich die Streikräfte auf einen "lokalen Krieg unter High-Tech-Bedingungen" vorzubereiten haben.[69] Da eine Invasion zum Scheitern verurteilt und eine Seeblockade mit hohen Kosten verbunden wäre, sind die Raketenstreitkräfte zentraler Bestandteil dieser neuen Strategie. Zwischen 1996 und 2000 hat China die Zahl der gegenüber von Taiwan stationierten SRBMs und MRBMs von etwa 30 auf rund 200 erhöht.[70] Bis 2005 soll das Arsenal offenbar bis auf 650 Raketen weiter ausgebaut werden.

Die chinesische Führung betrachtet ihre Kurz- und Mittelstreckenraketen vornehmlich als politische Abschreckungswaffe, mit der sie die Provinzregierung Taiwans von einer Unabhängigkeitserklärung abhalten kann. Sollte sich Taipeh dennoch zu einem solchen Schritt entschließen, könnte Peking seine Raketen als Terrorwaffe einsetzen. Chinesische Strategen sind der Meinung, dass gezielte Raketenangriffe auf Wirtschafts- und Bevölkerungszentren der taiwanesischen Volkswirtschaft großen Schaden zufügen, die Bevölkerung verstören und damit schlussendlich die Regierung zur Kapitulation bewegen könnten.[71]

Wenn Washington Taiwan in seinen TMD-Schutzschild mit einbeziehen würde, verlöre Peking sein wichtigstes militärisches Druckmittel. Die chinesische Führung befürchtet, dass eine solche Entwicklung die Führung in Taiwan zu einer Unabhängigkeitserklärung ermutigen könnte. Daher würde eine Dislozierung von TMD nach Taiwan seitens Chinas auf starke Gegenwehr stoßen.

Peking hat praktisch nur eine einzige militär-strategische Möglichkeit, um auf einen solchen Schritt zu reagieren: Die Aufstellung neuer gegen Taiwan gerichteter Kurz- und Mittelstreckenraketen. Damit fiele jedoch der Startschuss für einen erbitterten Rüstungswettlauf zwischen offensiven und defensiven Waffensystemen. Der militärisch, technologisch und wirtschaftlich überlegene Hegemon USA könnte dieses Sicherheitsdilemma ausnutzen, um Chinas Ressourcen auf das Gebiet der taktischen Raketenrüstung zu konzentrieren. Damit gingen dem Herausforderer wertvolle Ressourcen in der Wirtschaft und der strategischen Rüstung verloren.

Seit der Erneuerung der US-japanischen Militärallianz 1996 und Japans später erfolgter Entscheidung, sich an der Entwicklung von TMD zu beteiligen, wachsen auch Chinas Bedenken bezüglich Japan. Da sich Japans strategische Möglichkeiten unter dem Schutz von TMD zweifellos erhöhen würden, befürchtet die Volksrepublik eine Remilitarisierung Japans sowie eine Ausweitung des Aktionsradius des japanischen Militärs.

Da Japan mit hoher Wahrscheinlichkeit irgendwann in den Besitz von TMD gelangen wird, dürfte China zukünftig nicht in erster Linie versuchen, die Dislozierung zu verhindern, sondern statt dessen Einfluss auf die Systemarchitektur zu nehmen.

Ein Lower Tier-Abfangsystem würde Chinas Interessen, vor allem mit Blick auf Taiwan, nicht beeinträchtigen. Anders ist die Sachlage bei Upper Tier-Systemen: Bekäme Japan das THAAD-System, würde Taiwan zwar theoretisch unter den Schutzschirm der Raketenabwehr gelangen, faktisch ist die Distanz zwischen Japan und Taiwan aber zu groß, um einen chinesischen Angriff mit Kurzstreckenraketen auf Taiwan abfangen zu können.

Das "Worst Case"-Szenario wäre die Errichtung von Navy Theater Wide (NTW)-Abwehrsystems in Japan: Dieses mobile, auf Aegis-Kreuzern stationierte Upper Tier-Abwehrsystem der Marine könnte durch die Verlegung entsprechender Flottenverbände in die Krisenregion Taiwan im Bedarfsfall kurzerhand in den Schutzschild integrieren und damit Chinas Abschreckungspotenzial neutralisieren.

4.2 China und NMD

China verfolgt derzeit eine strategische Nukleardoktrin der Minimalen Abschreckung. Hierfür besitzt Peking zwanzig fix stationierte ICBMs, ein offenbar nicht einsatzfähiges strategisches U-Boot sowie eine kleine, veraltete Bomberflotte, deren Reichweite nicht groß genug ist, um das Kernland der USA zu erreichen. Chinas minimale Zweitschlagskapazität ist sehr verwundbar, ein nuklearer Erstschlag des Gegners könnte das Land seiner nuklearen Streitmacht berauben.

Um dem zu begegnen, verfolgt Peking seit den 70er Jahren eine Modernisierungsstrategie, deren Schwerpunkt auf der Raketentechnik liegt. Die Entwicklung moderner, mobiler und feststoffgetriebener ICBMs, der DF-31 (Reichweite: 8000 Kilometer) und der DF-41 (mindestens 12.000 Kilometer), ist weit fortgeschritten. Bis vor kurzem rechneten Analytiker damit, dass China seine ICBM-Flotte auf 200 Raketen vergrößern wird. Die Kosten hierfür wurden auf rund 2 Milliarden Dollar geschätzt.

In einer ersten Reaktion auf Washingtons BMD-Pläne legte die Volksrepublik im Jahr 1999 ein 9,7 Milliarden Dollar-Investitionsprogramm zur Stärkung ihrer Zweitschlagskapazität auf. Es ist anzunehmen, dass ein Teil dieser Summe auch in die Entwicklung von Täuschkörpern, Mehrfachsprengköpfen und Satelliten zur Echtzeitüberwachung amerikanischer Raketenstarts fließen wird.

Um NMD überwinden zu können, werden Chinas Militärstrategen bei der Berechnung der notwendigen Größe ihrer strategischen Nuklearstreitkräfte von einem Worst Case-Szenario ausgehen. Am Ende dieses Evaluationsprozesses wird wohl eine Aufrüstung auf weit mehr als 200 Trägersysteme und 200 nukleare Sprengköpfe stehen. Das Pentagon schätzt, dass die Produktionskapazitäten für die Herstellung von bis zu 1000 Raketen in zehn Jahren ausreichen.[72] Die nuklearen Kapazitäten für einen derartigen Ausbau des Atomwaffenarsenals sind ebenfalls vorhanden. In Folge der zu erwartenden massiven Aufrüstung wird sich auch Chinas Nukleardoktrin hin zu einer aktiveren Auslegung des Abschreckungsprinzips wandeln.

China und Russland trugen in der Vergangenheit eine gemeinsame Kampagne zur Abwehr der einseitigen Kündigung des ABM-Vertrags durch Washington vor. Nachdem US-Präsident Bush das Abkommen am 13. Dezember 2001 gekündigt hat, werden sich die sino-russischen Kooperationsbemühungen vom diplomatischen auf den militärischen Bereich verlagern.

Peking hofft, durch eine enge militärische Zusammenarbeit mit Moskau in den Besitz fortgeschrittenen Wissens und moderner Technologie zur Herstellung von effektiven Täuschkörpern und Mehrfachsprengköpfen zu gelangen. Da Teile von Russlands außenpolitischer Elite dem mächtigen Nachbarland noch immer Mißtrauen entgegenbringen, ist es allerdings unwahrscheinlich, dass Pekings Kalkül aufgeht. Angesichts der chinesischen Aufrüstungsbestrebungen wird sich Moskau vielmehr mit einem Zukunftsszenario auseinandersetzen müssen, in dem es zu einer de facto-Parität in der Anzahl russischer und chinesischer Spengköpfe kommen könnte. Auch dieser Punkt spricht gegen die Weitergabe sensiblen Raketenwissens an den künftigen Kontrahenten China.

Statt dessen wird es zwischen Moskau und Peking wohl zu einer verstärkten Zusammenarbeit im konventionellen Rüstungsbereich kommen. Russland wird der Volksrepublik weiterhin Waffensysteme verkaufen, die China einen relativen Machtgewinn gegenüber Taiwan beziehungsweise den USA ermöglichen, Russlands Interessen aber unberührt lassen.

5. Fazit: Die Auswirkungen des amerikanischen BMD-Programms auf die Sicherheits- und Hegemoniesituation in Ostasien

Chinas höchste nationale Interessen könnten bereits in absehbarer Zeit in Konflikt mit den Sicherheitsinteressen des Hegemons USA treten. Auf der anderen Seite trifft jedoch Washingtons ehrgeizigstes Hegemonieinstrument, das Raketenabwehrsystem, ebenfalls frontal auf Chinas Interessen. Das ist im Kern das Konfliktpotenzial, welches die Entwicklung der Sicherheits- und Hegemoniesituation Ostasiens in den kommenden Dekaden dominieren wird.

Aus heutiger Sicht ist davon auszugehen, dass die gegensätzlichen Interessen zwischen dem Hegemon und dem Herausforderer früher oder später aufeinanderprallen werden. Die Frage ist lediglich, in welcher Arena und mit welchen Instrumenten man die Konflikte austragen wird. Aller Voraussicht nach wird es zunächst wohl nicht der Konfliktherd Taiwan sein, in dem es zu ersten Zusammenstößen kommen wird; ebensowenig wird es die Modernisierung und Aufrüstung von Chinas Raketenstreitkräften sein.

Um in einer Region eine hegemoniale Position beanspruchen zu können, bedarf es neben den natürlichen Ressourcen sowie einer leistungs- und wachstumsstarken Volkswirtschaft auch eines Hoheitsanspruchs über die Seewege dieser Region. Will China zukünftig seine Macht über Taiwan hinaus projezieren, braucht das Land entsprechende militärische Mittel. So wird der Entwicklungs- und Beschaffungsschwerpunkt der chinesischen Militärs neben Raketen und Cruise Missiles in Zukunft vor allem auf Marine-Ausrüstung liegen, mit der Peking in der Lage sein wird, maritime und damit auch territoriale Macht zu demonstrieren.[73] Eine schlagkräftige Marine würde der Volksrepublik den Zugriff auf notwendige Off-shore-Ressourcen sichern und nicht zuletzt auch die Territorialansprüche gegenüber Taiwan, Diaoyu oder den Spratley-Inseln unterstreichen.[74]

Die US-Navy wäre zwar selbst einer deutlich moderner und schlagkräftiger als heute ausgerüsteten chinesischen Marine eindeutig überlegen. Dennoch könnte Peking einen relativen Gewinn aus einer beidseitigen Marineaufrüstung im ostasiatischen Pazifikraum ziehen. Die USA wären gezwungen, ihre Präsenz in der Region entsprechend auszubauen, um weiterhin Zugriff auf Ressourcen und Seewege zu haben. Auch der Schutz der Alliierten könnte nur auf diesem Wege garantiert werden. Sollte Washington seine geopolitischen Prioritäten auf Ostasien setzen, könnte es einen Rüstungswettlauf durch die Verlegung von bislang in anderen Gebieten operierenden Einheiten für sich entscheiden. Angesichts des globalen Hegemonieanspruchs der USA ist mit einer derartigen Fokussierung auf eine einzige Region jedoch kaum zu rechnen.

China könnte daraus politisches Kapital schlagen. Mit vertraglich geregelten Zusagen, seine Marine nicht über die Maßen aufzurüsten sowie seine Ansprüche über die Spratley-Inseln und Diaoyu aufzugeben, könnte Peking auf weitgehende Zugeständnisse Washingtons hoffen. Jene könnten bis hin zu der Zusicherung gehen, in Taiwan kein TMD-System aufzustellen. In diesem Fall würde Peking nicht nur einen politischen Triumph davontragen, sondern im Wettstreit um die Hegemonie auch an Prestige hinzugewinnen, denn Hegemonie bedeutet in erster Linie, die Politik anderer Staaten beeinflussen zu können beziehungsweise von Beeinflussung durch andere unberührt zu bleiben. Bei oben skizziertem Szenario hätten die USA ihre absolute Handlungsfreiheit in Ostasien de facto eingebüßt.

In einem solchen Fall würde den USA ihr Raketenabwehrsystem kaum helfen. Es wäre höchstens dazu geeignet, Gegendruck zu erzeugen, um Pekings Handlungsoptionen auf anderem Wege einzuschränken. Immerhin befürchtet Peking bereits heute, dass TMD sowohl die Fähigkeiten als auch die Bereitschaft der USA erhöhen werde, in Regionalkonflikte einzugreifen.[75] Es steht also zu erwarten, dass sich die Frage nach dem Ausbau oder der Erosion von Washingtons Hegemonieposition in Ostasien an der Art und Weise des Einsatzes von TMD entscheiden wird: Entweder wird es den USA gelingen, trotz chinesischer Proteste TMD überall dort zu stationieren, wo es für notwendig erachtet wird, oder aber China wird innerhalb der nächsten zehn Jahre auf anderen militärischen Gebieten wie der Marine und den taktischen Raketenstreitkräften so stark werden, dass es Washington zu Kompromissen zwingen kann. Folglich ist anzunehmen, dass TMD in den Planspielen chinesicher Militärs eine bedeutendere Rolle einnimmt als NMD.

Bezüglich NMD sind Chinas Bedenken eher abstrakter Natur. Sie gehen in die Richtung, dass NMD dazu auserkoren sei, die existierende globale Balance aufzubrechen, absolute Sicherheit für sich selbst zu suchen und die Weltherrschaft zu realisieren.[76] Der Begriff "Hegemonie" fällt zwar auch im Zusammenhang mit NMD; so betrachten chinesische Strategen etwa die US-Bestrebungen, den Weltraum zu beherrschen, als "Hegemonie-Konzept".[77] Allerdings hegt China keinerlei Ambitionen, die globale Hegemonieposition der USA in Frage zu stellen. Selbst bei der Allianz-Politik mit Russland, die sich zuletzt aus der gemeinsamen Ablehnung des Raketenabwehrsystems und des Kosovo-Kriegs entwickelte, haben Chinas Strategen die Taiwan-Frage im Hinterkopf. Daher muss auch bei der Bewertung von Chinas Anti-NMD-Politik der regionale Kontext mit herangezogen werden.

China fürchtet nichts mehr als eine US-amerikanische Intervention in einem militärischen Konflikt um Taiwan, da dies wahrscheinlich nicht nur eine Kriegsniederlage, sondern auch den endgültigen Verlust Taiwans nach sich ziehen würde. Wenn eine Intervention weder auf diplomatischem noch auf militärischem Wege abgewendet werden kann, bedarf es notwendigerweise der strategischen Abschreckung eines Anlasses, der den Konflikt eskalieren lassen würde. Angesichts von Chinas Unterlegenheit auf konventionellem Gebiet ist das Land bei dieser Strategie auf eine nukleare Option angewiesen.[78]

Chinas Ablehnung von NMD basiert einzig und allein auf der Aussicht, dass die Drohung, die USA würden im Falle einer Intervention Los Angeles gegen Taiwan eintauschen, durch NMD neutralisiert würde. Dies würde NMD einen offensiven Charakter verleihen, oder wie es der chinesische Top-Diplomat Hu Xiaodi ausdrückte: "NMD will become an offensive arms multiplier".[79]

Da Peking niemals über die Möglichkeiten verfügen wird, die nukleare Abschreckungsfähigkeit der USA zu neutralisieren, ist das Prinzip der Abschreckung der Kern von Chinas Sicherheitspolitik.

Um seine regionalen Interessen nicht aufgeben zu müssen, ist China im Angesicht von BMD gezwungen, eine strategische Rüstungsoffensive zu starten. Das mag auf den ersten Blick bedrohlich erscheinen. Die vorliegende Analyse chinesischer Interessen belegt jedoch, dass China aufgrund seiner minimalen nuklearen Streitmacht und der fehlenden Möglichkeit zur Machtausübung über seine direkte Einflusssphäre hinaus keine Bedrohung für die USA per se darstellt, sondern ausschließlich für Washingtons Hegemonialposition in Ostasien. Um auf längere Sicht diese Position anstreben zu können, muss China über eine glaubwürdige nukleare Option verfügen. Das bedeutet im Klartext, dass China über mehr Atomsprengköpfe verfügen muss als Washington über Abfangraketen. Peking muss aber nicht nur einen solchen "Überhang" schaffen, sondern auch noch seine Nuklearstreikräfte überlebensfähiger machen. Kurzfristig werden neue mobile Festtreibstoff-ICBMs diesen strategischen Bedarf decken. Spätestens jedoch wenn das amerikanische Militär über ein effizientes und erwiesenermaßen funktionsfähiges NMD-System verfügt, wird Peking nicht umhin kommen, in den Aufbau der strategischen Triade zu investieren.

China wird außerdem genau beobachten, über welche Möglichkeiten NMD verfügen wird und mit welch zeitlichem Zeithorizont die USA ein begrenztes System von 200 Abfangraketen in ein unbegrenztes System aufrüsten könnten. Nur solange die Volksrepublik NMD immer einen Schritt voraus ist sowie die Aufstellung von TMD in Taiwan und NTW in Japan verhindern kann, wird sie ihr oberstes nationales Ziel, die Wiedervereinigung mit Taiwan, nicht aufgeben müssen. Daher muss davon ausgegangen werden, dass Peking alle notwendigen Mittel einsetzen wird, um Taiwans Unabhängigkeit zu verhindern - dazu gehört notfalls auch eine massive Aufrüstung im Nuklearbereich.

Mit einer derartigen Konsequenz wird in absehbarer Zeit keiner von Amerikas Konkurrenten seine strategischen Interessen verfolgen. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass es immer wieder Berichte gibt, wonach hinter verschlossen Türen in Washington China als die "ultimative Bedrohung" genannt wird.[80] Nach dem Zerfall der Sowjetunion ist die Volksrepublik tatsächlich die einzige Großmacht, die dazu entschlossen scheint, Washingtons Hegemoniestellung zumindest in einem Teil der Welt herauszufordern. Ein exemplarischer Hinweis hierauf ist ein Artikel, der im Januar 1999 in der chinesischen Militärzeitung Liberation Army Daily erschien. Darin wird der Griff nach BMD offen als "gefährlicher Akt" bezeichnet, der "von Amerikas Streben nach strategischer Überlegenheit und Hegemonie" motiviert sei.[81]

Washington mag darauf spekulieren, dass China einen Rüstungswettlauf scheuen wird, da eine Umverteilung von Ressourcen in die Raketenrüstung den Aufstieg zur Weltmacht verzögern würde.[82] Diese Erwartung könnte sich jedoch als Trugschluss erweisen. Zum einen würden neue Raketen auf chinesischer Seite viel weniger Kosten verursachen als der Aufbau von BMD für die USA. Zum anderen würde eine hochgerüstete, mit modernen ballistischen Raketen ausgerüstete und über machtprojezierende maritime Waffen verfügende Volksrepublik von seinen Nachbarn erst recht als aggressive, aufstrebende Großmacht wahrgenommen werden, selbst wenn die Volkswirtschaft des Landes aufgrund der Investitionen in den militärisch-industriellen Komplex ihre hohe Wachstumsdynamik einbüßen würde.

Die politischen Kosten eines Rüstungswettlaufs zwischen offensiven und defensiven Waffen wären für Washington darüber hinaus bedeutend höher als für Peking. Sollte NMD über die bislang avisierte Zahl von 200 Abfangraketen ausgebaut werden, sähe sich Washington mit einem Legitimationsproblem konfrontiert. Die Begründung, dass NMD die Bedrohung aus so genannten Schurkenstaaten neutralisieren solle, wäre nicht mehr nachvollziehbar und daher auch nicht mehr aufrechtzuerhalten. Die dann amtierende US-Regierung würde nicht nur innenpolitischem Druck von Interessengruppen wie der Friedensbewegung ausgesetzt sein. Vor allem der diplomaische Druck aus dem Ausland, insbesondere aus Europa und Russland, würde signifikant anwachsen. Nicht umsonst werden bereits heute Befürchtungen geäußert, dass Chinas Aufrüstung zunächst zu einem Ausbau der indischen und damit einhergehend auch der pakistanischen Atomstreitmacht führen würde, bevor irgendwann auch Russland mit neuen Rüstungsanstrengungen auf einen Rüstungswettlauf zwischen den USA und China reagieren müsste.

Ab einem gewissen Punkt der Aufrüstung wird sich folglich auch Chinas Umfeld - Staaten, die über Kernwaffen verfügen - sicherheitspolitisch verändern und damit auch für die Strategen in Peking immer schwerer einschätzbar werden. Der regionalen Brisanz trägt Peking offenbar bereits insofern Rechnung, als es die Proliferation von Nuklearwaffen- und Raketentechnologie, vor allem nach Pakistan und Nordkorea, deutlich eingeschränkt hat. Bereits im Jahr 1999 sagte Sha Zukang, dass ein "robustes internationales Non-Proliferations-Regime im Interesse aller Staaten" sei. Neben Massenvernichtungswaffen legte er sein Hauptaugenmerk auch auf die Proliferation von Raketentechnologie, wenngleich er das Missile and Technology Control Regime (MTCR) als "nicht mehr als ein Instrument zur Zeitgewinnung" kritisierte. Unter Verweis auf BMD sagte er aber auch, dass das Problem der Proliferation nur unter Berücksichtigung des internationalen Umfeld zu lösen sei.[83] Die Ambivalenz seiner Aussagen lässt die Befürchtung zu, dass Peking seine Proliferationsaktivitäten durchaus wieder aufnehmen könnte, wenn es sich durch NMD und TMD herausgefordert fühlen sollte.

Um all dem zuvorzukommen, wäre die US-Regierung gut beraten, möglichst schnell in Rüstungskontrollverhandlungen mit China einzutreten, um verbindliche Obergrenzen für strategische Offensiv- und Defensivwaffen festzuschreiben. Nach diesem Vorbild sollte eine vergleichbare Regelung für die an der Taiwan-Straße stationierten SRBMs und MRBMs getroffen werden. Auch die Aufstellung von TMD-Systemen in der Region sollte erst nach erfolgreichen Verhandlungen mit China eingeleitet werden. Die Problematik könnte beispielsweise nach Vorbild des KSE-Vertrages geregelt werden.

Bezüglich Taiwans ist eine politische Einigung zwischen den drei beteiligten Parteien mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht zu erreichen. Eine erfolgversprechende Perspektive wäre es jedoch, den Status quo zeitlich begrenzt festzuschreiben in der Hoffnung, dass auf lange Sicht in Peking eine politische Führung an die Macht kommen könnte, die eine weniger kompromisslose Position gegenüber Taiwan vertritt. Eingebettet in eine Architektur von taktischen und strategischen Rüstungskontrollvereinbarungen könnte die politische Lösung oder zumindest die Vertagung des Souveränitätskonflikts um Taiwan zu einer Entschärfung dieses potenziellen Krisenherdes in Fernost führen.

Gleichzeitig wäre damit auch der Hegemonialkonflikt gelöst. Ein gutmütiger (benign), vertraglich gebundener Hegemon USA, der die Sicherheit der Region garantiert, wäre durchaus eine Konstellation, mit der auch die chinesische Führung in Peking gut und vor allem sicher leben könnte.

[1] Vgl. Henrik Bork, Pragmatismus in Peking, in: Süddeutsche Zeitung, 18. 2. 2002, Seite 2

[2] Hegemonie wird in diesem Zusammenhang nach Werner Link als "machtvolle Führung und bestimmender Einfluss" verstanden. Sie grenzt sich von Herrschaft ab, weil sie sich nicht auf Zwangsgewalt, sondern auf die Anerkennung durch die geführten Staaten stützt. Vgl. Werner Link, Die Neuordnung der Weltpolitik: Grundprobleme globaler Politik an der Schwelle zum 21. Jahrhundert, München 2001, S. 127

[3] Vgl. Ritu Mathur, TMD in the Asia-Pacific: A View From China, November 2000, http://www.idsa-india.org/an-nov-00-4.html [5. 3. 2002], S. 6

[4] Vgl. Ebd., S. 2

[5] Vgl. David Shambaugh, Sino-American Strategic Relations: From Partners To Competitors, in: Survival 2000/1, S. 97-115, hier: S. 99

[6] Vgl. Ebd., S. 98

[7] Vgl. Charles Ferguson, Sparking a Buildup: U.S. Missile Defense and China's Nuclear Arsenal, in: Arms Control Today, März 2000, S. 13-18, hier: S. 14

[8] Vgl. Ebd., S. 13

[9] Vgl. Rosa Gutschke, Warum lehnt China NMD ab?, in: China aktuell, Mai 2001, S. 490-497, hier: S. 495, sowie Greg May, China's Opposition to TMD is More About Politics Than Missiles, Februar 2000, http://www.nixoncenter.org/publications/articles/2_00ChinaTMD.htm [5. 3. 2002], S. 2

[10] Vgl. Center For Nonproliferation Studies, China's Opposition to US Missile Defense Programs, 2000, http://www.cns.miis.edu/cns/projects/eanp/pubs/chinamd.htm [5. 3. 2002], S. 1

[11] Vgl. Ritu Mathur, TMD in the Asia-Pacific: A View From China (Anm. 2), S. 6

[12] Vgl. Brad Roberts / Robert Manning / Ronald Montaperto, China: The Forgotten Nuclear Power, in: Foreign Affairs 4/2000, S. 53-63, hier: S. 56

[13] Vgl. Sha Zukang, US Missile Defense Plans: China's View, 2000, http://www.acronym.org.uk/43usnmd.htm [5. 3. 2002], S. 2

[14] Vgl. Jiang Zemin, Rede an der Moskauer Lomonosow-Universität, 17. Juli 2001 sowie Zhu Rhongji auf einer Pressekonferenz am 15. März 2001 in Peking, nachzulesen bei: Arms Control Association, Fact Sheets, Oktober 2001, http://www.armscontrol.org/factsheets/chinesenmd.asp [5. 3. 2002]

[15] Vgl. Ritu Mathur, TMD in the Asia-Pacific: A View From China (Anm. 2), S. 3

[16] Vgl. Lee Teng-hui, Understanding Taiwan, in: Foreign Affairs 6/99, S. 9-14, hier: S. 9-12

[17] Vgl. Michael O'Hanlon, Why China Cannot Conquer Taiwan, in: International Security 25/2000, S. 51-86, hier: S. 51

[18] Vgl. Martin Wagener, Raketenabwehrsysteme und die strategische Gleichung der Taiwan-Straße, in: Österreichische Militärische Zeitschrift, Jg. 38, Nr. 4, 2000, S. 413-428, hier: S. 415, sowie: Denny Roy, Tensions in the Taiwan Strait, in: Survival 1/2000, S. 76-95, hier: S. 78

[19] Vgl. U.S. Department of Defense, Defense Link: The Security Situation in the Taiwan Strait, Februar 1999, http://www.defenselink.mil/pubs/twstrait_02261999.html [5. 3. 2002], S. 2, sowie: Michael O'Hanlon, Why China Cannot Conquer Taiwan (Anm. 16), S. 80

[20] Michael O'Hanlon, Why China Cannot Conquer Taiwan (Anm. 16), S. 51-86

[21] Vgl. Ebd., S. 73

[22] Vgl. Ebd., S. 75

[23] Vgl. Ebd., S. 78

[24] Vgl. Center For Nonproliferation Studies, China's Opposition to US Missile Defense Programs (Anm. 9), S. 3

[25] Thomas J. Christensen, China, The U.S.-Japan Alliance and the Security Dilemma in East Asia, in: International Security 23:4, Frühling 1999, S. 49-80, hier: S. 64

[26] Vgl. U.S. Department of Defense, Defense Link: The Security Situation in the Taiwan Strait (Anm. 18), S. 4

[27] Vgl. Charles Ferguson, Sparking Up A Buildup (Anm. 6), S. 15

[28] Vgl. Martin Wagener, Raketenabwehrsysteme und die strategische Gleichung der Taiwan-Straße (Anm. 17), S. 414

[29] Vgl. Brad Roberts / Robert Manning / Ronald Montaperto, China: The Forgotten Nuclear Power (Anm. 11), S. 56, sowie: Greg May, China's Opposition to TMD is More About Politics Than Missiles (Anm. 8), S. 1

[30] Vgl. Martin Wagener, Raketenabwehrsysteme und die strategische Gleichung der Taiwan-Straße (Anm. 17), S. 415

[31] Vgl. U.S. Department of Defense, Defense Link: The Security Situation in the Taiwan Strait (Anm. 18), S. 5

[32] Vgl. Denny Roy, Tensions in the Taiwan Strait (Anm. 17), S. 77

[33] Vgl. Ebd, S. 87

[34] Vgl. Bates Gill, Chinese Military Power, Testimony, Juli 2000, http://www.house.gov/hasc/testimony/106thcongress/00-07-19gill.html [5. 3. 2002], S. 5

[35] Vgl. Martin Wagener, Raketenabwehrsysteme und die strategische Gleichung der Taiwan-Straße (Anm. 17), S. 416

[36] Vgl. Denny Roy, Tensions in the Taiwan Strait (Anm. 17), S. 87, 88, sowie: Nancy Bernkopf Tucker, China-Taiwan: US Debates and Policy Choices, in: Survival 4/98, S. 150-167, hier: S. 152

[37] Vgl. Nancy Bernkopf Tucker, China-Taiwan: US Debates and Policy Choices (Anm. 35), S. 153

[38] Vgl. Sha Zukang, US Missile Defense Plans: China's View (Anm. 12), S. 4

[39] Vgl. Michael Green / Toby Dalton, Asian Reaction to U.S. Missile Defense, NBR Publications: NBR Analysis, Vol. 11, No. 3, November 2000, S. 28

[40] Vgl. Thomas Christensen, China, the US-Japan-Alliance and the Security Dilemma in East Asia (Anm. 24), S. 65

[41] Vgl. Martin Wagener, Raketenabwehrsysteme und die strategische Gleichung der Taiwan-Straße (Anm. 17), S. 421

[42] Vgl. Michael Green / Toby Dalton, Asian Reaction to U.S. Missile Defense (Anm. 38), S. 27

[43] Vgl. Ritu Mathur, TMD in the Asia-Pacific: A View from China (Anm. 2), S. 2, 3

[44] Vgl. Ebd., S. 3

[45] Vgl. Michael O'Hanlon, Star Wars Strikes Back, in: Foreign Affairs 6/99, S. 68-83, hier: S. 70

[46] Vgl. Ebd., S. 1

[47] Vgl. Center For Nonproliferation Studies, China's Opposition to US Missile Defense Programs (Anm. 9), S. 1

[48] Vgl. Brad Roberts / Robert Manning / Ronald Montaperto, China: The Forgotten Nuclear Power (Anm. 11), S. 56

[49] Vgl. Rosa Gutschke, Warum lehnt China NMD ab? (Anm. 8), S. 492

[50] Vgl. Ebd., S. 493

[51] Vgl. Ebd., S. 493

[52] Vgl. Brad Roberts / Robert Manning / Ronald Montaperto, China: The Forgotten Nuclear Power (Anm. 11), S. 55

[53] Vgl. Center For Nonproliferation Studies, China's Opposition to US Missile Defense Programs (Anm. 9), S.6

[54] Vgl. Brad Roberts / Robert Manning / Ronald Montaperto, China: The Forgotten Nuclear Power (Anm. 11), S. 55

[55] Vgl. Ebd., S. 55, 56

[56] Vgl. Charles Ferguson, Sparking Up a Buildup (Anm. 6), S. 17, sowie: Ritu Mathur, TMD in the Asia-Pacific: A View From China (Anm. 2), S. 5

[57] Vgl. Brad Roberts / Robert Manning / Ronald Montaperto, China: The Forgotten Nuclear Power (Anm. 11), S. 54

[58] Vgl. Stephen Blank, New Strategic Trends in Russo-Chinese Relations, Testimony, 19. Juli 2000, http://www.house.gov/hasc/testimony/106thcongress/00-07-19blank.html [5. 3. 2002], S. 4, sowie: June Teufel Dreyer, The U.S. Response to China's Increasing Military Power: Eleven Assumptions in Search of a Policy, Testimony, 19. Juli 2000, http://www.house.gov/hasc/testimony/106thcongress/00-07-19dreyer.html [5. 3. 2002], S. 3

[59] Vgl. Brad Roberts / Robert Manning / Ronald Montaperto, China: The Forgotten Nuclear Power (Anm. 11), S. 59

[60] Vgl. Charles Ferguson, Sparking a Buildup (Anm. 6), S. 15

[61] Vgl. Ritu Mathur, TMD in the Asia-Pacific: A View from China (Anm. 2), S. 5

[62] Vgl. Bundesnachrichtendienst, Proliferation vom Massenvernichtungsmitteln und Trägerrakten, Oktober 1999, S. 39

[63] Vgl. Schriftliche Auskunft der IAEO vom 6. November 2001 auf persönliche Anfrage vom 2. November 2001

[64] Vgl. Michael Green / Toby Dalton, Asian Reaction to U.S. Missile Defense (Anm. 38), S. 40

[65] Vgl. Brad Roberts / Robert Manning / Ronald Montaperto, China: The Forgotten Nuclear Power (Anm. 11), S. 60, 61

[66] Vgl. Center For Nonproliferation Studies, China's Opposition to U.S. Missile Defense Programs (Anm. 9), S. 6

[67] Vgl. Martin Wagener, Raketenabwehrsysteme und die strategische Gleichung der Taiwan-Straße (Anm. 17), S. 423, sowie: Ritu Mathur, TMD in the Asia-Pacific: A View from China (Anm. 2), S. 5, und: June Teufel Dreyer, The US Response to China's Increasing Military Power: Eleven Assumptions in Search of a Policy, Testimony (Anm. 54), S. 4

[68] Vgl. Martin Wagener, Raketenabwehrsysteme und die strategische Gleichung der Taiwan-Straße (Anm. 17), S. 423

[69] Vgl. Ebd., S. 415

[70] Vgl. Ebd., S. 414

[71] Vgl. Denny Roy, Tensions in the Taiwan Strait (Anm. 17), S. 87

[72] Vgl. Ritu Mathur, TMD in the Asia-Pacific: A View from China (Anm. 2), S. 5

[73] Vgl. Bates Gill, Chinese Military Power, Testimony (Anm. 33), S. 3

[74] Vgl. Evan Feigenbaum, China's Military Posture and the New Economic Geopolitics, in: Survival 1999/2, S. 71-87, hier: S. 72

[75] Vgl. Sha Zukang, US Missile Defense Plans: China's View (Anm. 12), S. 3

[76] Vgl. Ebd., S. 1

[77] Vgl. Ritu Mathur, TMD in the Asia-Pacific: A View From China (Anm. 2), S. 4

[78] Vgl. Michael Green / Toby Dalton, Asian Reaction to U.S. Missile Defense (Anm. 38), S. 32

[79] Vgl. Hu Xiaodi, Rede vor der Abrüstungskommission der Vereinten Nationen am 10. April 2001, nachzulesen bei: Arms Control Association, Fact Sheets, Oktober 2001, http://www.armscontrol.org/factsheets/chinesenmd.asp [5. 3. 2002]

[80] Vgl. Charles Glaser / Steve Fetter, National Missile Defense and the Future of U.S. Nuclear Weapons Policy, in: International Security 1/2001, S. 40-92, hier: S. 41

[81] Vgl. Greg May, China's Opposition to TMD is More About Politics Than Missiles (Anm. 8), S. 1

[82] Vgl. Center for Nonproliferation Studies, China's Opposition to U.S. Missile Defense Programs (Anm. 9), S. 7

[83] Vgl. Rede von Sha Zukang auf der 7. Jährlichen Carnegie Non-Proliferations-Konferenz am 11. Januar 1999 in Washington, http://www.fmprc.gov.cn/eng/4061.html [5. 3. 2002]

Bitte zitieren als: Michael Hedtstück, Raketenpoker um die Hegemonie in Ostasien: Chinas Sicherheitspolitik in Zeiten amerikanischer Raketenabwehrpläne, Raketenabwehrforschung International, Bulletin No. 31 (Winter 2001/02), Frankfurt am Main 2002.

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