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Bulletin No 40 - Frühjahr 2003
Hans-Joachim Schmidt
Kann eine zerstrittene US-Regierung ein nuklear bewaffnetes
Nordkorea noch verhindern?
Nach dem Irak rückt Nordkorea als zweites
Land der "Achse des Bösen" - wie US-Präsident
Bush am 29. Januar 2002 den Irak, den Iran und Nordkorea
bezeichnete - in das Zentrum der Weltöffentlichkeit.
Ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis Pjöngjang
das gleiche Schicksal ereilt wie Bagdad? Es gibt schon jetzt
gewichtige Stimmen im Pentagon sowie im Nationalen Sicherheitsrat,
die entweder die nordkoreanischen Atomanlagen mittels "chirurgischer"
Luftangriffe zerstören oder das stalinistische Regime
unter Kim Jong-il beseitigen wollen.[1] Werden sich die
konservativen Hardliner im amerikanischen Verteidigungsministerium
erneut gegenüber Colin Powell durchsetzen können?
Liefert die von Rumsfeld, Wolfowitz, Bolton, Perle u.a.
aus der Taufe gehobene militärische Präventivdoktrin
wieder das Drehbuch für das Ende einer diktatorischen
Regierung?
Auch wenn im Falle des Irak die Falken in
der Bush-Regierung das Sagen haben, ist die Situation in
Bezug auf Nordkorea anders. Es geht hier nicht nur um die
Frage, ob und wie sich ein nukleares Nordkorea noch verhindern
lässt, sondern auch darum, ob die bisherige Weltordnung
entgültig zerschlagen oder langsam wieder regeneriert
wird. In diesem Zusammenhang steht auch, ob sich das amerikanische
Verhältnis zu China von einem kooperativen zu einem
konfrontativen wandeln wird.
Nicht zuletzt bestimmt die Entwicklung die
Zukunft des nuklearen Nichtweiterverbreitungsvertrages (NVV).
Denn wenn die DPRK (Demokratische Volksrepublik Korea) zum
Nuklearstaat wird, könnten auch Japan, Südkorea,
Taiwan und Australien sich veranlasst sehen, nach Atomwaffen
zu streben.
Rückblick
1994 hatte US-Präsident Bill Clinton
mit Nordkorea das Genfer Rahmenabkommen geschlossen:[2]
Pjöngjang erklärte sich zum Einfrieren seiner
Graphitreaktorlinie samt der dazugehörigen 8.000 Brennstäbe
bereit und sagte zu, Mitglied im Nichtweiterverbreitungsvertrag
zu bleiben, solange dafür die USA, Südkorea, Japan,
die EU und weitere Staaten den Bau von zwei weniger proliferationsträchtigen
Leichtwasserreaktoren (LWR) auf Kreditbasis über die
KEDO (Korean Peninsula Energy Development Organization)
ermöglichten. Zusätzlich sollte die DPRK jährlich
500.000 t Rohöl kostenlos von den Vereinigten Staaten
erhalten, bis der erste Reaktor fertig ist. Dafür sicherte
Nordkorea zu, vor der Lieferung von nuklearen Kernelementen
für den ersten Reaktor umfassende Inspektionen seiner
Nuklearanlagen durch die Internationale Atomenergieagentur
(IAEA) zuzulassen und mit dem Abschluss der Lieferung der
LWR die Graphitreaktorlinie endgültig abzubauen. Die
beiderseitigen politischen Beziehungen sollten normalisiert
und wirtschaftliche Sanktionen aufgehoben werden.
Innenpolitisch war dieser Deal in den Vereinigten
Staaten umstritten und stieß auf den Widerstand der
konservativen Republikaner im US-Kongress. Clinton konnte
deshalb nur mit Mühe die Öllieferungen garantieren.
Selbst in der damaligen US-Administration war dieser Deal
nur möglich, weil viele vom baldigen Zusammenbruch
des kommunistischen Regierungssystems ausgingen.[3]
Mit der Amtsübernahme von Bush wurde
der Ansatz der Clinton-Administration "wirtschaftliche
Hilfe für militärische Abrüstung" überdacht,
da dieser die USA aus konservativer Sicht erpressbar macht.
Dem stalinistischen Regime in Nordkorea, das seine Bevölkerung
massiv unterdrücke und nicht ausreichend ernähren
könne, sei nicht zu trauen. Deshalb müsse man
zunächst mit Inspektionen und Abrüstung beginnen,
bevor man umfassende Hilfe leiste.
Nach einem halben Jahr gelang es den gemäßigten
Kräften im US-Außenministerium, unterstützt
von Japan, Südkorea und der EU, Präsident Bush
zur Annahme des Genfer Rahmenabkommens von 1994 zu bewegen.
Er ließ jedoch zum Ärger Pjöngjangs den
Aspekt der politischen Normalisierung unberücksichtigt.
Dies wurde offensichtlich, als der US-Präsident die
DPRK Ende Januar 2002 in die "Achse des Bösen"
einordnete. Aus nordkoreanischer Sicht war dies ein Bruch
des Normalisierungsgebots (Artikel 4) im Genfer Rahmenabkommen.
Kim Jong-ils Ängste wurden überdies durch die
Benennung des Landes als Ziel nuklearer Angriffe im Rahmen
der geheimen Nukleardoktrin von Dezember 2001 und durch
die neue militärische Präventivdoktrin vom September
2002 geschürt.
Die Verzögerungen beim Reaktorbau, die
Probleme mit den Öllieferungen und das wachsende Misstrauen
gegenüber der politischen Entwicklung in den USA sowie
die immer stärkere westliche Orientierung Chinas und
Russland waren zusammen mit den fehlenden Ressourcen für
die Modernisierung der zahlenmäßig fünftgrößten
Armee der Welt wohl wesentliche Gründe dafür,
warum die nordkoreanische Führung schon ab 1996/97
ein geheimes Urananreicherungsprogramm startete. Als die
Bush-Regierung im Sommer 2002 sichere Nachweise dafür
besaß, wurde Anfang Oktober der US-Staatssekretär
für ostasiatische und pazifische Angelegenheiten -
James Kelly - nach Pjöngjang beordert, um die dortige
Führung mit den US-Erkenntnissen zu konfrontieren und
um die sofortige überprüfbare Einstellung dieses
Programms zu verlangen.
Dieser Besuch war der amerikanischen Irakpolitik
völlig untergeordnet. Man erwartete, dass die nordkoreanische
Regierung dieses Programm leugnen würde und hoffte,
mit den Beweisen dann China und Russland im UN-Sicherheitsrat
stärker unter Druck setzen zu können. Doch Kim
Jong-il wollte sich nicht zum Spielball machen lassen und
gab die Existenz des Programms am 4. Oktober zu, obwohl
damit auch implizit eine Verletzung des NVV, des Genfer
Rahmenabkommens und der DPRK-ROK-Erklärung vom 20.
Januar 1992 über die Denuklearisierung der koreanischen
Halbinsel eingestanden wurde.
Das Bekanntwerden dieses Eingeständnisses
hätte die am 16. Oktober 2002 im US-Kongress anstehende
Resolution über einen unilateralen Krieg gegen den
Irak in Frage gestellt. Schließlich war damit die
nordkoreanische Bedrohung viel konkreter als die irakische.
Deshalb hielt man diese Information bis zum 16. Oktober
zurück. Die moderaten Kräfte setzten durch, dass
man wegen der notwendigen Zustimmung Russlands und Chinas
zur erwünschten Irakresolution im UN-Sicherheitsrat
an der diplomatischen Regelung der nordkoreanischen Nuklearfrage
festhielt.[4] US-Präsident Bush, die Falken im Pentagon
und im Nationalen Sicherheitsrat wurden so auf eine politische
Regelung festgelegt. US-Außenminister Powell versuchte
diesen Ansatz durch multilaterale Erklärungen der Trilateralen
Gruppe (Japan, Südkorea, USA) sowie der APEC-Staaten
zu stärken und den Einfluss der Falken in Washington
zu beschneiden.[5] Das gelang, weil es vorrangig um die
unstrittige Erhaltung des denuklearen Status der koreanischen
Halbinsel ging.
Zugleich versuchte man in Washington die Nordkoreafrage
tief zu hängen, weil man neben dem Irakkonflikt keine
zweite Krise wollte. Die häufigen Zusicherungen Bushs,
es gebe keine Pläne für eine Invasion der DPRK,
dienten diesem Zweck. Die IAEA wurde aktiv, um die Nordkorea
zunächst an seine NVV-Verpflichtungen zu erinnern.
Allerdings setzten die US-Falken Mitte November
alle kostenlosen Erdöllieferungen nach Pjöngjang
ab Dezember 2002 aus.[6] Außerdem stoppte man symbolisch
eine nordkoreanische Raketenlieferung nach Jemen und versucht
seither mit Japan und Australien, den nordkoreanischen Drogenhandel
zu beschränken. Des weiteren verschärfte die Nuclear
Supplier Group auf amerikanischen Antrag in ihrer Sitzung
im Dezember 2002 die Kriterien für die Lieferung von
Dual Use-Gütern an die DPRK. Pjöngjang sollte
signalisiert werden, dass man jederzeit seine wichtigsten
Devisenquellen kappen könne.
Nordkorea gab sein Eingeständnis vom
4. Oktober öffentlich nicht zu, forderte aber ab dem
25. Oktober einen bilateralen Dialog mit den USA, den Abschluss
eines Nichtangriffsvertrags und den Verzicht auf wirtschaftliche
Sanktionen, bevor man über alles in der nuklearen Frage
reden könne.[7] Zugleich drohte es mit der Kündigung
des Genfer Rahmenabkommens und versuchte, die US-Regierung
mit weiteren Eskalationsschritten zum Dialog zu drängen.
Im November zog sich Pjöngjang von der Internationalen
Atomenergieagentur zurück, im Dezember mussten die
Inspektionen der IAEA eingestellt werden, da die Inspektoren
aus dem Land ausgewiesen wurden. Am 11. Januar 2003 verließ
Nordkorea den NVV-Vertrag.[8] Die Wiederinbetriebnahme des
stillgelegten Graphitreaktors wurde angekündigt, wobei
offen bleibt, ob dies auch die Wiederaufarbeitung (reprocessing)
des Plutoniums in den 8000 eingelagerten Brennstäben
einschließt. Mit der dabei zu gewinnenden Menge von
Plutonium - ca. 50 bis 60 kg - können fünf bis
sechs Atomsprengköpfe innerhalb von sechs Monaten hergestellt
werden. Des weitern wurde sogar mit der Aufkündigung
des Waffenstillstandsabkommens von 1953 gedroht.[9] Doch
die USA konnten sich zu diesem Zeitpunkt kaum auf den Dialog
einlassen, ohne ihre Irakpolitik noch fragwürdiger
zu machen.[10]
Um einer Eskalation vorzubeugen, versuchte
zunächst Russland zwischen den USA und Nordkorea zu
vermitteln. Wegen der gegensätzlichen Forderungen beider
Seiten erarbeitete man dort eine Paketlösung.[11] Doch
Nordkorea griff diesen Ansatz beim Besuch des stellvertretenden
russischen Außenministers Alexander Losjukow am 20.
Januar 2003 nicht auf, da es den multilateralen Dialog ablehnte.
Die USA drohten daraufhin, den Konflikt in den UN-Sicherheitsrat
zu verlagern.
Das Pentagon verstärkte seine Streitkräfte
in und um die koreanische Halbinsel, um die DPRK von militärischen
Provokationen abzuschrecken.[12] Es wurden sechs F-117-Tarnkappenbomber
nach Südkorea verlegt und die Präsenz der US-Truppen
um 10 Prozent auf über 40.000 Soldaten aufgestockt.
Den im japanischen Okinawa liegenden Flugzeugträger
beorderte man in die südkoreanischen Hafenstadt Busan
und stationierte zusätzlich 24 strategische Bomber
auf Guam.
Dieses Säbelrasseln war auch ein Signal
an China. Würde sich die Volksrepublik nicht für
die von Powell bei seinem Besuch Ende Februar 2003 in Beijing
geforderten multilateralen Gespräche einsetzen, drohte
die Übernahme der Nordkoreapolitik durch die Falken
in Washington. Beijing wurde endlich stärker aktiv.
Es fürchtete um seinen Einfluss auf die weiteren Entwicklungen
und begann Nordkorea unter Druck zu setzen, indem es mit
dem Stopp von Öllieferungen drohte. Dem Engagement
Chinas und dem Ausgang des Irakkriegs ist es wohl zu danken,
dass Kim Jong-il am 12. April seine Zustimmung zu den Dreiergesprächen
vom 23 bis 25. April in Beijing gab.[13]
Hintergründe
In Washington ist man nicht nur über
die Rolle der UNO und das Verhältnis zu Nordkorea,
sondern auch über die künftige Chinapolitik tief
gespalten. Gerade die konservativen Unilateralisten nehmen
China als die eigentliche Bedrohung für die amerikanische
Weltherrschaft wahr. Es soll durch eine forcierte qualitative
Aufrüstung schon vorab von jeder Herausforderung abgeschreckt
werden. Dabei ist die chinesische Volksrepublik trotz ihrer
Erhöhung der Verteidigungsausgaben noch kein echter
militärischer Gegner, selbst wenn es mit einer kleinen
Zahl von Interkontinentalraketen amerikanisches Territorium
bedroht und seine militärischen Fähigkeiten zur
Eroberung Taiwans verbessert.[14]
Der Konflikt mit Pjöngjang wird von den
Falken in Washington geschickt geschürt, um die eigene
militärische Aufrüstung vor allem im Bereich der
Raketenabwehr zu legitimieren und um die nach mehr Selbstständigkeit
strebenden politischen Führungen in Seoul und Tokio
wieder mehr unter Kontrolle zu bekommen, ohne offen mit
Beijing in Konflikt zu geraten. Die konservativen Kräfte
in Japan nutzen dies, um die restriktive Gesetzgebung für
den regionalen sowie globalen Einsatz der eigenen Selbstverteidigungskräfte
(SDF) aufzuheben und um die Zusammenarbeit im Bereich der
Raketenabwehr zu intensivieren.[15] Darüber hinaus
ist die japanische Regierung bemüht, ihre nationale
Handlungsfähigkeit für Sanktionsentscheidungen
zu erweitern.[16] Diese Entwicklungen werden von den Nachbarstaaten
eingedenk ihrer historischen Erfahrungen mit Besorgnis verfolgt.
Durch seine erfolgreiche Wirtschaftspolitik
wächst der Einfluss Chinas global und in der Region.
Beijing hat im letzten Jahr im Außenhandel mit Südkorea
die USA erstmals überflügelt, was Washington mit
Besorgnis registrierte. Für die junge südkoreanische
Generation ist China der Markt der Zukunft, weshalb sie
sich stärker dorthin orientiert. Umgekehrt ist für
viele chinesische Jugendliche die moderne südkoreanische
Pop-Kultur sehr attraktiv. Die USA haben außerdem
mit ihrer kompromisslosen Hegemonialpolitik unter Bush und
nach einem zweifelhaften Freispruch von zwei US-Soldaten,
die mit einem Schützenpanzer fahrlässig zwei südkoreanische
Schulmädchen getötet hatten, ihre Vorbildfunktion
in der südkoreanischen Gesellschaft eingebüsst.
Umgekehrt hat die Eskalation der Nuklearkrise zu einem drastischen
Kurseinbruch an der südkoreanischen Börse geführt
und insbesondere amerikanische Investoren verunsichert.
Deshalb spielten auch bilaterale Handels- und Wirtschaftsfragen
eine zentrale Rolle beim aktuellen Besuch des neuen südkoreanischen
Präsidenten Roh in den Vereinigten Staaten.[17]
Russland, China und Nordkorea versuchen diese
wachsende Kluft zu nutzen, um die Allianz zwischen Südkorea,
Japan und den USA aufzubrechen.[18] Dabei kommt ihnen zugute,
dass alle Akteure in der Region auf eine friedliche Regelung
der Nuklearfrage setzen, während in den Vereinigten
Staaten große Teile der Administration eher wirtschaftliche
Sanktionen und militärische Maßnahmen - sprich
die Isolation der DPRK befürworten. Ein zu forsches
Vorgehen dieser konservativen Kräfte könnte die
Kluft zur Spaltung werden lassen. Schließlich müsste
Südkorea im Krieg mit Nordkorea um die Sicherheit von
Seoul fürchten, da es nur etwa 40 km von der Grenze
entfernt ist und mit Tausenden verbunkerten nordkoreanischen
Artilleriegeschützen angegriffen werden kann. Um Seoul
lebt ein Viertel der südkoreanischen Bevölkerung,
das fast 50 Prozent des Bruttosozialprodukts erwirtschaftet.
Südkorea würde zwar mit der militärischen
Unterstützung der USA gewinnen, hätte dann aber
die Kriegsschäden zu verkraften und müsste zusätzlich
noch für die Kosten der anstehenden Wiedervereinigung
mit Nordkorea sowie für die dortigen Kriegsfolgen einstehen.
Das würde die südkoreanische Gesellschaft vor
Probleme stellen, die um ein Vielfaches größer
wären als die der Deutschen Einheit. Daher sprach sich
Präsident Roh in einem Interview vor dem Treffen mit
Bush gegen die militärische Präemption auf der
koreanischen Halbinsel aus.[19]
Auch Beijing und Moskau sind gegen eine militärische
Lösung, weil sie ihren Einfluss in Nordkorea verlieren
würden und die USA ihren Einfluss in der Region weiter
ausbauen könnten. Überdies würde die Konfrontation
zu Nordamerika wachsen.
Pjöngjang kann sich kaum auf einen Krieg
einlassen, da dieser das Ende des stalinistischen Regimes
bedeuten würde. Die Falken in Washington halten aber
genau deshalb selektive Entwaffnungsschläge gegen die
nordkoreanischen Nuklearanlagen für vertretbar, weil
das Regime sein eigenes Ende riskiert, sollte es militärisch
antworten.
Sehr fraglich erscheint, ob es den neokonservativen
Kräften in Washington wirklich um Regimewandel geht,
wenn sie auf eine Strategie des Containment und der Isolation
gegenüber der DPRK setzen. Denn die bisherigen Erfahrungen
mit solchen strategischen Ansätzen waren nicht sehr
ermutigend. In aller Regel wurden dadurch bestehende Unrechtsregime
(z.B. Kuba) eher stabilisiert als destabilisiert und ihre
Schreckensherrschaft verlängert. Selbst wenn es zu
dem unwahrscheinlichen Fall eines Zusammenbruchs des Regimes
in Nordkorea käme, bliebe das Problem bestehen, wie
man unter solchen Bedingungen die Kontrolle über die
vorhandenen Massenvernichtungswaffen sicherstellen kann.
Das Beispiel der Sowjetunion zeigt, wie schwierig ein solches
Unterfangen schon unter kooperativen Umständen ist.
Wer daher glaubwürdig eine friedliche Transformation
des Regimes und eine diplomatische Lösung des Problems
der nordkoreanischen Massenvernichtungswaffen verfolgt,
kann weder auf Kooperation noch auf eine entsprechende Regelung
der Nuklearfrage verzichten.
Beijing ist durch sein Wirtschaftswachstum,
das wesentlich auf den Export in frei zugängliche westliche
Märkte gründet, zur Kooperation mit den USA und
den westlichen Staaten angehalten, auch um seine wachsende
Abhängigkeit von auswärtigen Energiemärkten
zu sichern. Die steigenden sozialen Gegensätze in China
und die anstehende Privatisierung der unrentablen Staatsbetriebe
stellen eine große innenpolitische und wirtschaftliche
Herausforderung für die neue chinesische Führung
dar. Die Pragmatiker im US-Außenministerium möchten
deshalb diese Abhängigkeiten nutzen, um die wachsende
ökonomische und militärische Macht Chinas in multilateralen
Organisationen (ASEAN, Welthandelsorganisation und Weltbank)
und durch bilaterale Zusammenarbeit einzubinden. So lassen
sich die für beide Seiten vorteilhaften Wirtschaftsbeziehungen
erhalten, ein offener Konflikt um Taiwan vermeiden und die
Reformen im Land der Mitte vorsichtig fördern.
China kann sich eine Konfrontation mit den
Vereinigten Staaten kaum leisten, daher haben auch die pragmatischen
Kräfte in Beijing kein Interesse daran. Man kann durchaus
von einem gemeinsamen Willen der moderaten Politiker in
Washington und Beijing sprechen, eine offene bilaterale
Konfrontation unbedingt zu vermeiden. Insofern hat der Konflikt
um die Nuklearfrage Koreas die Vereinigten Staaten und China
trotz aller bestehenden Ambivalenzen einander näher
gebracht.
Perspektiven der Gespräche
In den von China vermittelten trilateralen
Gesprächen erwiesen sich die Nordkoreaner wieder "als
Meister der Ambivalenzen", so US-Außenminister
Powell: Auf der einen Seite entsandte man eine eher niederrangige
Delegation nach Beijing, die zwar im Ton konziliant, in
der Sache aber hart gegenüber der US-Delegation auftrat.
Schließlich wies dort der nordkoreanische Delegationsleiter
sein amerikanisches Gegenüber darauf hin, dass man
schon Nuklearwaffen besitze, diese auch exportieren könne
und die Wiederaufarbeitung des Plutoniums aus den 8.000
Brennstäben nahezu abgeschlossen sei. Letzteres konnte
durch die amerikanischen Geheimdienste bisher nicht sicher
bestätigt werden. Auf der anderen Seite gab das Außenministerium
der DPRK vor den Gesprächen Erklärungen ab, die
in bestimmten Punkten (multilaterales Forum, Normalisierung
der Beziehungen) mehr Flexibilität signalisierten und
konterte in Beijing den amerikanischen "kühnen
Ansatz" mit einem eigenen "kühnen Vorschlag".
Während die USA mit der irreversiblen
Abrüstung aller Nuklearwaffen und Anlagen sowie mit
umfassenden Verifikationsmaßnahmen beginnen wollen,
bevor sie zu wirtschaftlichen und finanziellen Hilfen bereit
sind, verlangt Nordkorea zuerst den Abschluss eines Nichtangriffsvertrages
und die Normalisierung der Beziehungen (Wiederaufnahme der
kostenlosen Öllieferungen, keine Störung der wirtschaftlichen
Kooperation mit Japan und Südkorea, Aufhebung von Wirtschaftssanktion,
Botschafteraustausch), bevor es zu Abrüstungsschritten
und zur Verifikation bereit ist.
Inhaltlich liegen die Vorschläge nicht
weit auseinander. Beide Seiten fordern weitgehend das Gleiche,
zeitlich aber in umgekehrter Reihenfolge. Bedeutsam sind
die nordkoreanischen Offerten, auf alle Nuklearwaffen zu
verzichten und dies auch überprüfen zu lassen,
sowie die Bereitschaft, den Test, Bau und Export von weitreichenden
Raketen einzustellen. Trickreich ist das Angebot, anfangs
die Atomwaffenprogramme einzufrieren, weil die USA dann
nicht nur für die Abrüstung des Plutoniumprogramms,
sondern auch für die Abrüstung der Urananreicherung
- und damit doppelt - zahlen müssten. Das wird in Washington
von allen Kräften abgelehnt. Andererseits soll der
amerikanische Verhandlungsführer Kelly gefordert haben,
als ersten Abrüstungsschritt alle Nuklearwaffenprogramme
Nordkoreas einzustellen. Das wäre eine wichtige amerikanische
Konzession.
Hochrangige US-Regierungsmitglieder haben
seit Ende letzten Jahres angedeutet, ein Nichtangriffsvertrag
hätte im US-Kongress zwar keine Chance, aber andere
Lösungen, die in eine ähnliche Richtung gingen,
seien denkbar.[20] Auch Nordkorea hatte jüngst mehr
Flexibilität in dieser Frage signalisiert. Es gab hier
Annäherungen, die es Pjöngjang erleichtert hätten,
der Erweiterung des multilateralen Forums zuzustimmen. Doch
nachdem seit April 2003 konkreter über die Erweiterung
des Forums diskutiert wird, wurden entsprechende Zugeständnisse
von US-Seite leider nicht mehr wiederholt.
Die Falken in den USA versuchen, mit zusätzlichen
Maßnahmen den Druck auf Nordkorea zu erhöhen,
und drohen mit der Suspendierung des Leichtwasserreaktorbauprogramms.
Diese Drohung wird inzwischen auch von Japan unterstützt.[21]
Parallel dazu wird immer noch um die Größe des
Forums gefeilscht.[22] Es soll zunächst um ein Forum
mit USA, Japan und Südkorea, Nordkorea, China und eventuell
Russland gehen, das später um die EU und Australien
vergrößert werden könnte. Nordkorea und
China wollen das multilaterale Forum klein halten und plädieren
für Drei- bis Viermächtegespräche (ohne Japan),
um den Einfluss der westlichen Hardliner zu beschränken.
Washington hingegen möchte dann das Forum um Russland
erweitert sehen, um Kim Jong-il durch dieses Zugeständnis
noch stärker unter Zugzwang zu bringen, den multilateralen
Ansatz endlich zu akzeptieren.
Auch innerhalb der trilateralen westlichen
Gruppe (Japan, Südkorea, USA) gibt es noch keinen Konsens
über den Verhandlungsansatz. Während Südkorea
und Japan schon konkrete Vorschläge für Zugeständnisse
offerieren, sind den Pragmatikern in der US-Regierung immer
noch die Hände gebunden, weil Hardliner wie John R.
Bolton mögliche amerikanische Offerten im Bereich der
Sicherheitsgarantien noch abblocken können.[23]
Die Trilaterale Gruppe wollte ursprünglich
Mitte bis Ende Juni einen ersten Vorschlag unterbreiten,
wie die Ergebnisse des Gipfels zwischen Bush und Roh zeigen.[24]
Der japanische Präsident Koizumi hat mit seinem Besuch
am 22. und 23. Mai in den USA die Pragmatiker im US-Außenministerium
gestärkt und die Entführung von Japanern durch
Nordkorea zum Verhandlungsgegenstand gemacht.[25] Ohne die
Regelung der Entführungsfrage wäre das Angebot
von wirtschaftlicher Hilfe an die DPRK innenpolitisch kaum
durchsetzbar. Andererseits hat sich Koizumi im Unterschied
zum südkoreanischen Präsidenten ("further
steps") mit seiner Zustimmung zu "tough measures"
- für den Fall des Scheiterns des Prozesses - den Hardlinern
in der US-Regierung stärker genähert.
Die südkoreanische und japanische Annäherung
an die US-Hardliner hat bisher jedoch keine positiven Auswirkungen
auf die Fortsetzung der Verhandlungen. Es war zeitweise
vielmehr das Gegenteil zu beobachten.
Unklar ist, ob es sich bei diesen taktischen
Spielen um den üblichen Nervenkrieg vor der Aufnahme
der Gespräche handelt, oder ob mehr dahinter steckt.
Der Beginn der Verhandlungen wird dies zeigen. Grundsätzlich
lassen sich drei Optionen für die anstehenden Gespräche
unterscheiden:
- Fortsetzung des Clinton-Ansatzes,
- Implementierung des Bush-Ansatzes,
- Kompromissregelung zwischen beiden Ansätzen.
Die Fortsetzung des Clinton-Ansatzes, wirtschaftliche
und finanzielle Hilfen für Rüstungsbeschränkungen
und Abrüstungsmaßnahmen anzubieten, wird kaum
eine Chance besitzen, da er von den Falken, aber auch von
den moderaten Kräften in der derzeitigen US-Regierung
abgelehnt wird. Er ist allerdings der von Pjöngjang
bevorzugte Ansatz, weil er für das Regime die größten
Vorteile bietet. Dagegen setzen die Hardliner in der Bush-Administration
auf Gespräche aus einer Position der Stärke und
fordern zunächst die überprüfbare Einstellung
aller Nuklearprogramme und ihre Abrüstung, bevor sie
über mögliche Zugeständnisse reden wollen.
Dieser Ansatz wird jedoch von der Regierung Nordkoreas abgelehnt.
Da Pjöngjang zuerst auf sein wichtigstes Faustpfand,
seine militärische Stärke, verzichten und auf
den guten Willen der USA vertrauen müsste, bevor es
die erwünschten Sicherheitsgarantien und Hilfen erhalten
könnte.
Eine Kompromissregelung zwischen beiden Ansätzen
könnte so aussehen, dass man besonders strittige Forderungen
zwischen den USA und Nordkorea zeitlich zusammenfasst und
simultan gestaltet. Daraus lässt sich ein mehrstufiges
Konzept parallel ablaufender Maßnahmen entwickeln.
Ein gelungenes Beispiel dafür ist der Zehnpunkteplan
des moderaten US-republikanischen Kongressabgeordneten Curt
Weldon.[26] In eine ähnliche Richtung gingen auch schon
frühere russische Überlegungen für eine Paketlösung.
Grundsätzlich ist, den guten Willen aller
Beteiligten vorausgesetzt, eine Regelung durchaus möglich.
Angesichts des fundamentalen Misstrauens zwischen der kommunistischen
nordkoreanischen Führung und der amerikanischen Regierung
muss man aber davor warnen zu glauben, man könne mit
einem effektiven Verifikationssystem und mit den zusätzlichen
Safeguards der IAEA jedes künftige heimliche nordkoreanische
Atomwaffenprogramm verhindern. Hier wird es auch weiterhin
keine hundertprozentige Sicherheit geben. Jedoch lässt
sich ihre mögliche militärisch-operative Nutzung
und ihre Weitergabe mit hoher Wahrscheinlichkeit ausschließen.
Die Inspektionen im Irak haben gezeigt, dass die Kontrolle
und die Abrüstung der dortigen Massenvernichtungsmittel
weit erfolgreicher waren, als von den konservativen Kritikern
der US-Regierung immer behauptet wurde.
Selbst wenn die Verhandlungen bald beginnen,
erscheint es fraglich, ob mit schnellen Erfolgen gerechnet
werden darf.[27] Die Einbindung aller betroffenen Staaten
in eine künftige Lösung erhöht den Abstimmungsbedarf
und beansprucht mehr Zeit. Außerdem ist es unwahrscheinlich,
dass Nordkorea, China und Russland noch unter dieser Bush-Administration
eine Regelung anstreben. Man wird auf den Ausgang der nächsten
US-Wahlen Ende 2004 und auf eine neue weniger konservativ
geprägte US-Regierung setzen. Umgekehrt ist jedoch
besonders Südkorea an einem baldigen Verhandlungsbeginn
gelegen, um den von der Nuklearkrise ausgehenden negativen
Auswirkungen auf seine Wirtschaft zu begegnen. Soll der
Prozess zustande kommen, muss die DPRK sich jeder weiteren
Eskalation enthalten und die Trilaterale Gruppe auf neue
Sanktionen verzichten.[28] Das nach wie vor gültige
Genfer Rahmenabkommen ist für beide Seiten stillschweigend
die Verhandlungsgrundlage. Die US-Regierung wird aber kaum
daran festhalten, zu groß ist der Widerstand der Falken.[29]
Ein Kompromiss könnte sein, nur einen Leichtwasserreaktor
zu bauen. Alternativen, die unter anderem auch Russland
mit einer Gaspipeline in den Prozess einbinden, werden diskutiert.
Darüber hinaus wollen die USA in Abhängigkeit
von diesem Prozess und in Absprache mit Südkorea ihre
Truppen von der Demilitarisierten Zone weg in den Süden
verlegen und reduzieren. Das mindert die Bedrohung Nordkoreas.
Die anstehende Kommandoübergabe der USA an Seoul für
die südkoreanischen Truppen im Kriegsfall, wird Südkorea
außerdem zu einem vollwertigen Mitglied in Rüstungskontrollgesprächen
machen.
Der multilaterale Ansatz der Pragmatiker in
Washington bringt viele Vorteile, auch wenn China und Russland
die Dominanz der USA fürchten. Einmal definiert er
einen regionalen sicherheitspolitischen Gesprächsrahmen.
Dadurch wird der Einfluss radikaler politischer Kräfte
auf die Verhandlungen nivelliert. Das Misstrauen und die
sicherheitspolitischen Ängste voreinander, z.B. zwischen
China-Russland, China-Japan, China-Südkorea und China-USA,
sind entweder indirekt oder direkt Teil des Dialogs. Das
kann das Verständnis für die Sicherheit des anderen
fördern. Daher würden militärische Entwicklungen
die wirtschaftliche Kooperation weniger stören. Schon
vorhandene Ansätze zur militärischen Vertrauensbildung
und Rüstungskontrolle werden gefördert und die
wachsenden Ambitionen nach Atomwaffen in der Region eingehegt.
Die USA brauchen außerdem nicht alleine die Kosten
sicherheitspolitischer Regelungen zu tragen. Südkorea
und Japan werden den größten Anteil übernehmen.
Offen ist aber, ob der multilaterale Rahmen die amerikanischen
und nordkoreanischen Falken ausreichend binden kann.
Die nordkoreanische Führung muss entscheiden,
was sie künftig will. Denn alle Staaten in der Region
sind gegen eine nukleare koreanische Halbinsel. Sie wollen
den Fortbestand der nordkoreanischen Regierung, vorausgesetzt,
sie ist zu wirtschaftlichen Reformen bereit. Denn die DPRK
ist nicht nur ein wachsendes Sicherheitsproblem, sondern
auch ein Entwicklungshindernis für die wirtschaftliche
Kooperation, wenn sie sich den regionalen Märkten nicht
öffnet. Seit dem Jahre 2000 hat Nordkorea diesen Prozess
mit dem historischen Gipfel zwischen Nord und Süd begonnen.
Er hat Fortschritte gebracht, die Kim Jong-il nicht aufs
Spiel setzen sollte. Die Existenz der DPRK lässt sich
nicht durch eine "Army first-Politik", sondern
nur durch eine "Economy first-Politik" sichern.
Sollte dieser Prozess gelingen, wäre
er ein Beispiel dafür, dass sich das Problem der Denuklearisierung
auch mit politischen Mitteln lösen ließe. Er
könnte die Rolle des Multilateralismus, des NVV und
der UN in der US-Außenpolitik wieder stärken.
[1] Vgl. David E. Sanger/Thom Shanker, U.S.
Aides Split as Change Is Seen in Korean Threat, in: New
York Times, 11. Mai 2003; Joseph Curl, U.S. keeps pre-emption
'open', in: Washington Times, 13. Mai 2003.
[2] Agreed Framework between the United States
of America and the Democratic People's Republik of Korea,
Geneva, October 21, 1994, in: Sebastian Harnisch/Hans W.
Maull, Kernwaffen in Nordkorea, Bonn 2000, S. 181-186.
[3] Vgl. Chuck Downs, Over the Line - North
Korea's Negotiating Strategy, AEI-Press, Washington D.C.
1999, S. 255-260.
[4] U.S. Seeks Peaceful Resolution of North
Korean Nuclear Issue, Statement by Richard Boucher Spokesman
of U.S. State Department, 16. Oktober 2002, http://usinfo.state.gov/regional/ea/easec/af9.htm
[18. 7. 2003].
[5] Siehe Joint U.S.-Japan-ROK Trilateral
Statement on North Korea, The White House Office of Press
Secretary, Los Cabos, Mexiko, 26. Oktober 2002, http://usinfo.state.gov/regional/ea/apec/mexico/trilateral1026.html
[18. 7. 2003]; APEC Leaders Call on North Korea To Discontinue
Its Nuclear Weapons Program, Los Cabos, Mexico, 27. Oktober
2002, http://usinfo.state.gov/regional/ea/easec/nkleaders26.htm
[18. 7. 2003].
[6] Vgl. Entscheidung des KEDO-Exekutivrats
vom 14. November 2002 in New York, http://www.kedo.org/
news_detail.asp?NewsID-10 [18. 7. 2003].
[7] Vgl. die Erklärung des nordkoreanischen
Außenministeriums "Conclusion of non-aggression
treaty between DPRK and U.S. called for" Pjöngjang,
KCNA, 25. Oktober 2002, http://www.kcna.co.jp/item/2002/200210/news10/25.htm
[18. 7. 2003].
[8] Statement of DPRK Government on its withdrawal
from NPT, Pjöngjang, KCNA, 10. Januar 2003, http://www.kcna.co.jp/item/2003/200301/news01/11.htm
[18. 7. 2003]. Mit dieser Erklärung will die DPRK den
NVV-Vertrag zum 11. Januar 2003 verlassen. Sie nimmt dabei
Bezug auf ihre frühere Kündigung des NPT im Jahre
1993, die sie einen Tag vor Ablauf der Kündigungsfrist
aufgehoben (suspendiert) hatte. Dieses Vorgehen wird von
den übrigen NVV-Staaten nicht anerkannt und ist völkerrechtlich
strittig. Außerdem hat die DPRK den NVV nicht vertragskonform
gekündigt. Sie hätte dies allen Mitgliedern schriftlich
mitteilen müssen. Stattdessen hat bisher nur der Vorsitzende
des UN-Sicherheitsrats ein Kündigungsschreiben erhalten.
Insofern ist unklar, ob Pjöngjang tatsächlich
das Abkommen verlassen hat. Eine ausführliche Begründung
zur NVV-Kündigung veröffentlichte KCNA am 22.
Januar 2003 mit dem Titel: "KCNA Detailed Report on
Circumstances of DPRK's Withdrawal from NPT.
[9] China ist Mitunterzeichner des Waffenstillstandsabkommens
und war nach Aussagen von chinesischen Diplomaten von der
nordkoreanischen Regierung vorher weder informiert noch
konsultiert worden. Die chinesische Regierung intervenierte
daher in Pjöngjang und seither hat Nordkorea diese
Drohung auf der politischen Ebene nicht mehr wiederholt.
Zur Drohung selbst siehe: Spokesman for Panmunjom mission
of KPA issues statement, Pjöngjang, KCNA, 18. Februar
2003, http://www.kcna.co.jp/item/2003/200302/news02/19.htm#1
[18. 7. 2003].
[10] Darauf wies der stellvertretende US-Außenminister
Richard Armitage am 4. Februar 2003 vor dem US-Kongress
indirekt hin, als er erklärte, man werde zu einem günstigen
Zeitpunkt den Dialog mit Nordkorea in einem vorher festgelegten
multilateralen Rahmen aufnehmen. Vgl. Stephen Dinan, U.S.
promises to hold talks with N. Korea, in: Washington Times,
5. Februar 2003. Die grundsätzliche Gesprächsbereitschaft
signalisierte James Kelly am 13. Januar 2003 in Seoul. Siehe
Transkript: Kelly Says Talks with North Korea, Energy Aid
Possible, in: Washington File, 13. Januar 2003.
[11] Zu den Details des russischen Vorschlags
siehe Alexander Jakovenko, Official Spokesman of Russia's
Ministry of Foreign Affaires, Answer a Russian/Foreign Media
Question About a Package Solution to the Korean Problem,
Moskau, 12. Januar 2003.
[12] David E. Sanger/Thom Shanker, U.S. Bombers
on Alert to Deploy as Warning to North Korea, in: New York
Times, 4. Februar 2003.
[13] Vgl. Spokesman for DPRK Foreign Ministry
on peaceful solution to nuclear issue, Pjöngjang, KCNA,
12. April 2003, http://www.kcna.co.jp/item/2003/200304/news04/14.htm
[18. 7. 2003].
[14] Siehe Chinese Military Power, Report
of an Independent Task Force, Sponsored by the Council on
Foreign Relations; Chair: Harold Brown, Vice Chair Joseph
W. Prueher, Project Director: Adam Segal, New York, 22.
Mai 2003, S. 8-14.
[15] Nao Shimyachi, Pre-emptive strike ability
next on agenda?, in: Japan Times, 23. Mai 2003, http://www.japantimes.co.jp/cgi-bin/getarticle.pl5?nn20030523b9.htm
[18. 7. 2003]. Nach den anstehenden Gesetzesänderungen,
die voraussichtlich Mitte Juni das japanische Parlament
passieren werden, dürfen bei "militärischen
Angriffssituationen" oder bei unmittelbar drohender
Gefahr eines Angriffs die Selbstverteidigungskräfte
mobilisiert werden. Im Falle einer "angenommenen militärischen
Angriffssituation" dürfen die SDF in erhöhte
Einsatzbereitschaft versetzt werden. Das kann nach offiziellen
Aussagen auch den präventiven Einsatz der SDF gegen
nordkoreanische Raketenstartplattformen einschließen.
Im April 2003 haben japanische F-15E-Jagdbomber erstmals
die Luftbetankung mit US-Tankflugzeugen geübt, um nordkoreanische
Ziele im Hin- und Rückflug erreichen zu können.
Außerdem wollen die SDF amerikanische Tankflugzeuge
erwerben.
[16] o. A., Trade ban on Pyongyang seen possible,
in: Yomiuri Shimbun, 20. Mai 2003, http://www.yomiuri.co.jp/newse/20030520wo02.htm
[18. 7. 2003].
[17] Siehe ausführlicher Caroline G.
Cooper, Summit Shouldn't Sideline Economic Issues, in: Korea
Times, 12. Mai 2003.
[18] Siehe zu den langfristigen Interessen
Chinas David Shambaugh, China and the Korean Peninsula:
Playing for the Long Term, in: The Washington Quarterly,
Jg. 26, Nr. 2, 2003, S. 43-56.
[19] Siehe Joseph Curl, U.S. keeps pre-emption
'open', in: Washington Times, 13. Mai 2003.
[20] So z.B. ein hochrangiger US-Regierungsbeamter
am 17. Januar 2003. Siehe o.A., Russia Submits plan to N.
Korea, in: USA Today, 19. Januar 2003, http://www.usatoday.com/news/world/2003-01-19-nkorea-russia_c.htm
[18. 7. 2003].
[21] Seo Hyun-jin, Allies discuss fate of
KEDO reactor, in: Korea Herald, 4. Juli 2003; Seo Soo-min,
Kartman Relays Negative US Views on KEDO Project, in: Korea
Times, 30. Juni 2003.
[22] David E. Sanger, U.S. Penalizes 6 Asian
Firms for Helping Iran Arm Itself, in: New York Times, 4.
Juli 2003 sowie: Seo Soo-min, 6-Way Talks on NK Loom as
Reality, in: Korea Times. 3. Juli 2003, ebenso: o.A., Japan
Unhappy with N.Korea Call for 4-way Talks, http://story.news.yahoo.com/news?tmpl=story&u=/nm/20030703/ts_nm/korea_north_japan_talks_dc_3
[18. 7. 2003].
[23] o.A. Japan, U.S., South Korea fail to
reach agreement on KEDO, in: Japan Times, 5. Juli 2003,
in: http://www.japantimes.co.jp/cgi-bin/gearticle.pl5?nn20030705a4.htm
[18. 7. 2003].
[24] Joint Statement between the United States
of America and the Republic of Korea, The White House, Office
of the Press Secretary, Washington D.C., 14. Mai 2003.
[25] Bush Says U.S., Japan Fighting Common
Threats Together, The White House, Office of the Press Secretary,
Crawford, 23. Mai 2003.
[26] Der Vorschlag geht allerdings noch von
einem primär bilateralen Verhandlungsansatz aus. Vgl.
Curt Weldon, A 10-point plan for N. Korea, in: Philadephia
Inquirer, 30. Juni 2003 und Text: Rep. Weldon Outlines 10-Point
Peace Plan for Korean Peninsula, http://usinfo.state.gov/cgi-bin/washfile/display.pl?p=/products/washfile/latest&f=03070701.elt&t=/products/washfile/newsitem.shtml
[18. 7. 2003]. Die Pragmatiker im State Department signalisieren
damit ihre prinzipielle Unterstützung für den
Vorschlag.
[27] So z.B. auch Joel Wit, ehemals Berater
von Robert Galluci. Vgl. Seo Hyun-jin, Seoul, Washington
divided on N.K., in: Korea Herald, 27. Juni 2003.
[28] Nordkoreanische Regierungsvertreter haben
mehrfach darauf hingewiesen, dass sie neue Sanktionen als
eine Kriegserklärung betrachten würden, umgekehrt
möchten die Regierungen der trilateralen Gruppe nicht
durch weitere Eskalationsschritte Pjöngjangs vor vollendete
Tatsachen gestellt werden und haben sich darauf vorbereitet,
dies zunächst mit umfangreichen wirtschaftlichen und
finanziellen Sanktionen zu beantworten. Vgl. Kwan Weng Kin,
North Korea is top of Koizumi's agenda, in: Straits Times,
22. Mai 2003, http://straitstimes.asia1.com.sg/storyprintfriendly/0,1887,190404,00.html
[18. 7. 2003].
[29] Selig S. Harrison, Turning Point in Korea
- New Dangers and New Opportunities for the United States,
Report of the Task Force on U.S. Korea Policy, Washington,
Chicago, Februar 2003, S. 21-22.
Bitte zitieren als: Hans-Joachim Schmidt,
Kann eine zerstrittene US-Regierung ein nuklear bewaffnetes
Nordkorea noch verhindern?, Raketenabwehrforschung International,
Bulletin No. 40 (Sommer 2003), Frankfurt am Main 2003.
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