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Bulletin No 42 - Herbst 2003
Philipp Zettel
Patriot-Abwehrraketen und AWACS-Aufklärungsflugzeuge
für Israel sowie die Türkei:
Die deutsche Diskussion im Kontext des Irakkrieges
1. Der Bundestagswahlkampf
und die Irakkrise
Mit seiner Rede in Hannover am 5. August 2002
und dem dort proklamierten "deutschen Weg" wollte
Bundeskanzler Schröder die Linie der Bundesregierung
in Bezug auf den Irakkonflikt festlegen. Auch wenn man die
später wieder zurückgenommene Charakterisierung
der außenpolitischen Position nicht voreilig als einen
Bruch mit der bis dahin verfolgten Grundorientierung[1]
bezeichnen mag: Mit seinem Nein zu einer direkten Beteiligung
von deutschen Soldaten am Irakkrieg stellte sich der Kanzler
auch gegen die USA, die einen notfalls gewaltsamen Regimewechsel
im Irak zu ihrer außenpolitischen Priorität gemacht
hatten. Mehr noch: Die Regierung Schröder/Fischer demonstrierte,
dass sie das Irakproblem zunächst auf diplomatische
Weise lösen wollte, und sie suchte später gezielt
den Schulterschluss mit den anderen Kriegsgegnern und -skeptikern,
vor allem mit Frankreich. Dies lief auf eine Neuakzentuierung
deutscher Außenpolitik im Hinblick auf den wichtigsten
Bündnispartner, die Vereinigten Staaten, hinaus.
Ob bei der Formel vom "deutschen Weg"[2]
ein wahltaktisches Kalkül im Spiel war, lässt
sich schwer einschätzen. Auf jeden Fall schnellten
die Meinungsbarometer für den Kanzler nach dieser Formulierung
nach oben.[3] Das gleiche lässt sich für die Ablehnung
eines vor allem von den USA befürworteten militärischen
Automatismus[4] sagen, d.h. die Möglichkeit eines Militäreinsatzes
ohne eine zweite UN-Resolution. Diese ablehnende Haltung
war ein wesentlicher Grund für die Bestätigung
der rot-grünen Koalition bei der Bundestagswahl 2003.[5]
Aber das Nein des Kanzlers zur Entsendung
von Soldaten war mehr als nur Wahlkampfkalkül. Denn
der Bundesregierung ging es auch um die Betonung der Zivilgesellschaft
Europas und um die akzentuierte Notwendigkeit der ökonomischen
und sozialpolitischen Strukturmaßnahmen im Hinblick
auf den Kampf gegen den internationalen Terrorismus.[6]
Hinzu kam die moderate Machtzunahme der Bundesrepublik nach
dem Erlangen der vollen Souveränität durch die
Wiedervereinigung.[7] Gegen das Argument des reinen Wahlkampfkalküls
spricht schließlich der Versuch, eine Gegenmacht Europa
zu den übermächtigen USA aufzubauen, die die Eigenentwicklung
der EU beeinträchtigen könnten.[8]
Vor diesem Hintergrund stellt dieses Bulletin
die deutsche Diskussion über die Bereitstellung der
Patriot-Abwehrraketen für Israel und die Türkei
sowie die Entsendung der AWACS (Airborne Warning and Control
System)-Aufklärungsflugzeuge im Rahmen der NATO dar.
Dabei war die Lieferung von Patriot-Abwehrraketen an Israel
parteiübergreifend im Kern unstrittig. Allerdings löste
die Anfrage der Regierung Scharon bezüglich der Lieferung
von Fuchs-Transportpanzern Kontroversen aus, die hauptsächlich
auf das Missmanagement des Berliner Kabinetts Schröder/Fischer
zurückzuführen sind. Hingegen führte die
Frage der Bereitstellung von Patriot und AWACS an den Bündnispartner
Türkei zu beträchtlichen Auseinandersetzungen.
Ein weiterer Konfliktpunkt war die Gewährung von Überflugrechten
an die Vereinigten Staaten und die Bewegung von US-Truppen
innerhalb der Bundesrepublik. Hier stellen sich vor allem
die folgenden Fragen: Waren die Genehmigungen seitens der
Bundesregierung verfassungsgemäß? Vor allem:
Bedeutete sie nicht eine aktive Unterstützung der USA
in einem Krieg gegen den Irak?[9]
2. Entwicklung und Zweck von AWACS-Aufklärungsflugzeugen
und Patriot-Abwehrraketen
2.1 Exportpolitische Rahmenbedingungen
Die maßgeblichen Ausfuhrbestimmungen
in Artikel 26 Abschnitt 2 des Grundgesetzes sehen vor, dass
Waffen "[n]ur mit der Genehmigung der Bundesregierung
hergestellt, befördert und in den Verkehr gebracht
werden"[10] dürfen. Die genauen Bedingungen regeln
Bundesgesetze. Dabei sind die Rechtsgrundlagen für
den Export von Kriegswaffen und sonstigen Rüstungsgütern
das Kriegswaffenkontrollgesetz, das Außenwirtschaftsgesetz
und die Außenwirtschaftsverordnung.
Die deutschen Prinzipien für die Ausfuhr
von Waffen sind in den "Politischen Grundsätzen
der Bundesregierung für den Export von Kriegswaffen
und sonstigen Rüstungsgütern" vom 19. Januar
2000 festgelegt. Die entscheidende Aussage darin ist, dass
die Bundesregierung eine restriktive Rüstungsexportpolitik
betreibt. Dies bedeutet, dass die Ausfuhrvorhaben nach außen-,
sicherheits- und menschenrechtspolitischen Kriterien durchgeführt
und die Sicherung des Endverbleibs von Kriegswaffen gewährleistet
werden soll. Maßgeblich ist ferner der Verhaltenskodex
der Europäischen Union für Waffenausfuhren.[11]
Die Grundsätze haben aber keine Gesetzeskraft und dienen
lediglich der Orientierung für Lieferanten, Interessenten
und Genehmigungsinstanzen.[12]
2.2 Das System AWACS[13]
AWACS agieren als Frühwarn- und Leitflugzeuge
und bilden zusammen mit Tankern, Aufklärungs- und Antiradarsystemen
sowie mit Kampfflugzeugen, die ihrerseits mit Präzisions-
und Abstandswaffen bestückt sind, eine mobile Streitkraft.[14]
Eine effektive Luftverteidigung, bei der die AWACS-Flugzeuge
aufgrund ihrer technischen Voraussetzungen eine zentrale
Rolle spielen, ist nur durch das Zusammenwirken unterschiedlicher
boden- und luftgestützter Sensoren- bzw. Waffensysteme
möglich.[15] Die mit 13 bis 19 Mann besetzten Aufklärungsflugzeuge
sind in den Vereinigten Staaten seit 1977 im Einsatz, von
1982 an ist auch die NATO im Besitz dieser immer wieder
modifizierten fliegenden Aufklärer. Sie sind in Geilenkirchen
stationiert. Vier weitere strategische Operationsstandorte
für die AWACS der NATO befinden sich in der Türkei,
in Italien, Griechenland und Norwegen. Großbritannien
besitzt sieben AWACS-Flugzeuge, die mit einer rein britischen
Mannschaft in den Verband der NATO integriert sind. Des
Weiteren verfügt Frankreich über vier Maschinen,
während die Vereinigten Staaten 33 und Saudi-Arabien
fünf besitzen.
AWACS sind bei jeder Wetterlage einsetzbar
und können durch die Überwachung des Luftraumes
wichtige Informationen für die am Boden stationierten
Einheiten der USA und des westlichen Bündnisses liefern.
Die Maschinen sind umgebaute zivile Flugzeuge vom Typ Boeing
707/320, die für ihre militärischen Funktionen
mit einer Radarkuppel ausgerüstet sind. Das Radar hat
eine Reichweite von 320 Kilometern und kann Objekte im Bereich
von der Erdoberfläche bis hin zur Stratosphäre
orten und identifizieren. Des Weiteren verfügen die
AWACS-Aufklärer über Navigations-, Kommunikations-
und Computertechnologien. Die Bestückung mit verschiedenen
modernsten militärischen Aufklärungsmöglichkeiten
erlaubt es, das Flugzeug zur Unterstützung von Luft-,
See- und Bodenstreitkräften nicht nur im Vorfeld von
Kampfhandlungen einzusetzen, sondern auch während laufender
militärischer Operationen. Technik und Material sind
so konzipiert, dass sie elektronischen Störversuchen
Stand halten.
2.3 Das Abwehrsystem Patriot[16]
Das Zusammenwirken von luft- und bodengestützten
Luftabwehrsystemen gilt für eine effiziente Luftabwehr
als unerlässlich. Die hier maßgebliche, seit
Mitte der Sechzigerjahre ursprünglich für die
Flugabwehr konzipierte Patriot wurde in den Vereinigten
Staaten zur Raketenabwehrwaffe weiterentwickelt. Sie fällt
in den Verantwortungsbereich der US Army. Das allwettertaugliche
Luftverteidigungssystem kurzer Reichweite ist für die
Abwehr feindlicher Flugkörper in niedriger bis extrem
hoher Flughöhe ausgelegt, es soll mehrere Ziele gleichzeitig
erfassen und bekämpfen. Grundausstattung einer Patriot-Batterie
sind: Zielerfassungs- und Kontrollstation, fünf bis
acht Abschussrampen mit jeweils vierzehn bis sechzehn Lenkflugkörpern
sowie Kommando- und Wartungsfahrzeuge.
Die aktuelle Variante ist die Patriot PAC-2,
die aufgrund der Erfahrungen des Golfkrieges 1991 zur PAC-3
weiterentwickelt wird. Die Firmen Lockheed-Martin und Raytheon
haben hierfür die entsprechenden Pentagon-Aufträge
erhalten.
Die kommende Generation der Patriot PAC-3
mit einer maximalen Reichweite von 15 km soll - verstärkt
durch die "hit to kill"-Technik - Marschflugkörper,
taktische Raketen, Drohnen und Flugzeuge innerhalb der Atmosphäre
möglichst effektiv abwehren. Von dieser herkömmlichen
kinetischen Technologie verspricht man sich eine effektivere
Bekämpfung feindlicher Flugkörper.[17] Eine neue
Radartechnologie mit einer Reichweite bis zu 100 Kilometern
soll helfen, die angreifenden Flugkörper zu unterscheiden
und zu identifizieren. Dabei können bis zu 100 Ziele
verfolgt werden. Eine neue Computer- und Softwaretechnologie
soll zweierlei ermöglichen: die völlige Kompatibilität
mit dem gegen Raketen mittlerer Reichweite (bis zu 5000
km) ausgelegten Theater High Altitude Area Defense System
(THAAD) sowie die Einbindung in die taktische Raketenabwehr
(Theater Missile Defense, TMD), die sich gegen Flugkörper
mit einer Reichweite bis zu 1000 km richtet - hierzu gehört
auch die Fähigkeit, die Abschussrampen von taktischen
ballistischen Raketen aufzufinden.[18]
Die Patriot ist von allen Raketenabwehrsystemen
global am weitesten verbreitet. So besitzen neben den USA
bereits Israel, die Niederlande, Deutschland, Saudi-Arabien,
Kuwait, Südkorea, Japan und Taiwan Typen dieser immer
weiter entwickelten Waffe. Dabei gilt für Deutschland
und Italien ein Spezifikum. Sie sind zusammen mit den USA
in einem Verbund zur Entwicklung und Herstellung des Luftabwehrprogramms
MEADS (Medium Extended Air Defense System), für das
die nur von den USA hergestellte PAC-3 verwendet werden
soll - und zwar auf Druck der Vereinigten Staaten und gegen
den Widerstand der beiden europäischen Kooperationspartner.[19]
Aus der Sicht der Befürworter von Luftabwehrsystemen,
die ein Potenzial zum Abfangen von taktischen Raketen haben,
ist diese technologische Option vor allem wichtig, um neue
Aufgaben wie Konfliktverhütung und Krisenbewältigung
bewerkstelligen zu können - konkret: deutschen Truppen
Einsätze in Krisengebieten zu ermöglichen, in
denen Staaten über Massenvernichtungsmittel und/oder
Raketen verfügen, also insbesondere im Mittleren Osten.
3. Die Anfrage Israels zur Lieferung
von Patriot-Abwehraketen während der Irakkrise
Anfragen aus Israel an die Bundesregierung
für eine militärische Unterstützung haben
immer einen besonderen Stellenwert. Dies hat mit dem spezifischen
Verhältnis beider Staaten zu tun, das durch den Holocaust
und die historische Verantwortung Deutschlands entstanden
ist, aber auch damit, dass Israel sich in einem politischen
Spannungsgebiet befindet. Bis heute sind die prägnanten
Ausführungen des damaligen Bundeskanzlers Konrad Adenauer
vom 27. September 1951 richtungsweisend wie handlungsanleitend
geblieben: "Es ist die vornehmste Pflicht des deutschen
Volkes, im Verhältnis zum Staat Israel und zum jüdischen
Volk den Geist wahrer Menschlichkeit wieder lebendig und
fruchtbar werden zu lassen."[20] Die militärische
Unterstützung der Bundesrepublik für Israel war
von Anfang an ein zentrales Anliegen, um die Existenz dieses
Landes zu sichern. Deutschland lieferte schnell und auf
unbürokratische Weise, wenn der Nahoststaat, wie im
Sechs-Tage-Krieg (1967) oder im Yom-Kippur-Krieg (1973),
in Bedrängnis kam.[21] Aber dies war nicht auf Krisenzeiten
beschränkt, und der militärische Bereich war keinesfalls
eine Einbahnstraße. Vielmehr gibt es seit der Wiederbewaffnung
der Bundesrepublik einen regen Austausch im Hinblick auf
Technologien und Erfahrungen im bewaffneten Städtekampf
("Military Operations in Urban Territories").[22]
Allein seit dem Amtsantritt der Regierung Schröder/Fischer
hat Israel rund 70 Rüstungswünsche an die Bundesrepublik
gerichtet, von denen lediglich drei vom Sicherheitskabinett
der Bundesregierung abgelehnt wurden.[23] Viele dieser Rüstungsexporte
laufen ohne großes Interesse der Öffentlichkeit
und der Medien ab. Im Vorfeld des Irakkrieges und der damit
einhergehenden Diskussion über die Rolle der Bundesrepublik
berichteten die Medien indes ausführlich über
die im Grunde unstrittige Lieferung von Patriot-Abwehrraketen.
Kontrovers diskutiert wurde hingegen die Anfrage der israelischen
Regierung für Fuchs-Transportpanzer (siehe 3.2).
3.1 Die Sicherheitslage in Israel
Die Verbreitung von ballistischen Mittelstreckenraketen
im Nahen Osten hat in den letzten Jahren zugenommen, und
zwar sowohl bei den autoritären Regimen als auch bei
dem demokratisch verfassten Israel.[24] Die Tel Aviv größtenteils
feindlich gesonnenen arabischen Staaten rüsten auf
unbemannte Waffensysteme um, da sie im Kriegsfall die negative
Erfahrung gemacht haben, dass es ihnen nicht möglich
ist, den jüdischen Staat mit konventionellen Waffen
zu bezwingen.[25] Des Weiteren versuchen die arabischen
Regime, in der Region ein Gegengewicht zum israelischen
Monopol bei den Nuklearwaffen aufzubauen.
Vor allem der ehemalige irakische Diktator
Saddam Hussein verfolgte eine scharfe anti-israelische Politik,
die in den Raketenangriffen im Golfkrieg 1991 gipfelte.
Der Zweite Golfkrieg hat die israelische Politik auf dem
Gebiet der eigenen Entwicklung von Raketen und Abwehrsystemen
maßgeblich mitbestimmt. Prägnant fasste dies
der Kommandeur der israelischen Luftverteidigung, Brigadegeneral
Vari Dori, zusammen:
"Firstly, that TBMs [Theater Ballistic
Missiles, P.Z.] can now hit Israel. While we had earlier
encounters with TBMs at the front, the experience drove
home that lesson. Secondly, we saw that 'Scud hunting'
by the coalition forces was not a success. Thirdly, that
the US-supplied Patriots batteries alone are not enough."[26]
Die Israelis passten ihre Nationale Sicherheitsdoktrin
von 1991 der neuen Lage an.[27] Dabei spielten die Arrow-2-Abfangrakete
sowie die Umstrukturierung der Luftwaffe und Marine eine
zentrale Rolle. Ziel der Israelis ist es seitdem, einen
möglichst dichten sowie effektiven Raketenabwehrschild
zum Schutz ihrer Bevölkerung und Wahrung ihrer territorialen
Integrität zu schaffen.[28] In diesen verstärkten
eigenen Initiativen kommt auch eine gewisse Skepsis gegenüber
der prinzipiellen Schutzmacht USA zum Ausdruck.[29]
3.2 Die deutsche Diskussion um die
israelische Anfrage für Patriot-Abwehrrakten und die
Irritationen um die Fuchs-Transportpanzer
Am 26. November 2002 stellte die israelische
Regierung einen Antrag zur Lieferung von Patriot-Abwehrraketen
an die Bundesregierung. Diese Anfrage war keinesfalls neu,
denn Tel Aviv hatte sich bereits Ende 2000 in dieser Angelegenheit
an Berlin gewandt. Das Ersuchen betraf sechs ausgemusterte
der insgesamt 36 Patriot-Batterien der Bundeswehr.[30] Israel
hatte seine Initiative mit der ständigen Bedrohung
durch die Scud-Raketen Syriens und anderer Länder begründet.[31]
In ihrem neuerlichen Antrag hob die israelische Regierung
die Gefahr hervor, die von irakischen Massenvernichtungswaffen
hätte ausgehen können. Die Patriots sollten, so
der israelische Verteidigungsminister, in einem weiteren
Irakkrieg unbemannte irakische Flugkörper abwehren,
die über dem israelischen Gebiet chemische Kampfstoffe
verteilen könnten.[32] Aber auch ein möglicher
irakischer Angriff mit ballistischen Raketen wie im Golfkrieg
1991, als Saddam Hussein 42 Scuds gegen Israel einsetzte,
spielten bei den Überlegungen der Israelis ein Rolle.
Zwar richteten die Raketen damals keinen beträchtlichen
Schaden an, aber die Angriffe machten die Verwundbarkeit
Israels deutlich. Die irakischen Scuds hatten somit einen
enormen psychologischen Effekt.[33]
FDP und Union appellierten an die Bundesregierung,
zu der Anfrage Israels eindeutig Stellung zu beziehen und
Klarheit über die Wünsche zu schaffen, die die
Bush-Administration an die Bundesregierung herantrug. Auch
die Führung der Bundeswehr verlangte vom Kabinett Schröder/Fischer
eine klare Position.[34] CDU-Generalsekretär Laurenz
Meyer forderte in drastischer Sprache, "[d]ie Bundesregierung
solle endlich mit ihrer Geheimnistuerei und Lügerei
aufhören und offen legen, was die USA und Israel angefordert
haben".[35] Das rot-grüne Kabinett handelte schnell.
Bereits am 27. November 2002 stimmte der Bundeskanzler einer
Lieferung der Patriot-Abwehrraketen zu. Dabei konnte er
sich der Unterstützung vor allem in seiner Partei,
aber auch bei den Parlamentariern von Bündnis 90/Die
Grünen, sicher sein. Repräsentativ sind hier das
Votum und die inhaltliche Begründung des SPD-Außenpolitikers
Gernot Erler: "Israel ist ja nicht ein Kriegspartner,
sondern wäre hier ein drittes Land, was durch den Krieg
unter Umständen in Mitleidenschaft gezogen wird."[36]
Bundesaußenminister Joschka Fischer stellte sich in
die eingangs erwähnte, mit Kanzler Adenauer begonnene
Traditionslinie, als er von der Sicherheit Israels als Eckpfeiler
deutscher Politik sprach.[37]
Dennoch sah die Opposition in der Haltung
der Bundesregierung einen Bruch zu deren im Wahlkampf vertretenen
Position. So sprach der bayerische Ministerpräsident
Edmund Stoiber über die "größte aller
Wahllügen".[38] Er nahm damit Bezug auf Schröders
absolutes "Nein", das dieser während des
Wahlkampfes in der Frage einer deutschen Beteiligung an
einem Irakkrieg vertreten hatte. In einem Interview mit
der Wochenzeitung "Die Zeit" vom 28. November
2002 nahm der Bundeskanzler zur Lieferung der Patriot-Abwehrraketen
an Israel Stellung. Schröder hob den rein defensiven
Charakter der Waffe und ihre Schutzfunktion gegen Raketenangriffe
hervor. Des Weiteren führte der Kanzler -ganz in der
Tradition israelfreundlicher Politik - aus:
"[
D]ie Sicherheit Israels und
seiner Bürger ist uns überragend wichtig. Wenn
die israelische Regierung den Zuwachs an Sicherheit braucht,
werden wir helfen - und zwar rechtzeitig. Das gebietet
unsere historische und moralische Pflicht."
Zusätzlich hob Schröder den Willen
der Regierung hervor, die deutsche Außenpolitik souverän
zu gestalten. Mehr noch, der Kanzler sprach von einer Außenpolitik,
"die bündnisfähig ist und bleibt, die aber
gleichzeitig die Kraft und den Mut zur Differenzierung entwickelt",[39]
und nahm so auf das angespannte Verhältnis zu den USA
in der Irakdebatte Bezug.
Zur Patriot-Debatte kamen jedoch Irritationen
hinzu, die der unprofessionelle Umgang der Bundesregierung
mit einer Anfrage aus Israel auslöste, in der es um
die Lieferung von gebrauchten Fuchs-Transportpanzern aus
Überschussbeständen der Bundeswehr ging. Die Regierung
Scharon wollte sie für den Transport von Truppen in
"städtischen Gebieten" erwerben. Entsprechend
lautete die entsprechende Anfrage des israelischen Generalstabs,
die der deutsche Militärattaché in Israel am
26. November 2002 erhielt.[40] Die Anfrage wurde per Fax
an die Bonner Hardthöhe weitergeleitet. Dort kam es
dann zu der folgenreichen Verwechslung von Fuchs-Truppentransportpanzern
und ABC-Spürpanzern. Verteidigungsminister Struck war
es, der die Falschinformation an den Kanzler weitergab.
Dieser erklärte daraufhin, dass es keine "prinzipielle[n]
Bedenken"[41] gegen die Lieferung von Spürpanzern
gebe. Aber um diese Panzer, die bereits im Rahmen der Anti-Terrorismusaktivitäten
von "Enduring Freedom" am Horn von Afrika im Einsatz
waren, ging es Israel gar nicht, sondern eben um die Fuchs-Transportpanzer.
Der "Fuchs" stellte ein grundlegendes Problem
dar, weil dieser Panzertypus gegen Palästinenser offensiv
hätte eingesetzt werden können und dies somit
ein Verstoß gegen die restriktive Waffenexportpolitik
der Bundesregierung gewesen wäre.
Die Verwechslung der Panzertypen und die daraus
resultierende Diskussion führte zu einer kontroversen
innenpolitischen Debatte über die Lieferung von Fuchs-Truppentransportpanzern,
vor allem zwischen den Regierungsparteien und der Opposition.
Letztere warf der Bundesregierung Unzuverlässigkeit
in Bündnisfragen vor. Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel
und der außenpolitische Sprecher der Union, Friedbert
Pflüger, hielten es für nötig, die Panzer
nach Israel zu liefern.[42] Der CSU-Verteidigungsexperte
Gerd Müller konnte die Unterscheidung zwischen Patriot-Abwehrraketen
und Fuchs-Transportpanzern seitens der Bundesregierung nicht
nachvollziehen. Zu Israel speziell meinte er: "Nach
dem großen außenpolitischen Debakel mit den
USA droht jetzt die Verstimmung mit einem Land, für
das Deutschland eine besondere historische Verantwortung
hat."[43] Aber auch innerhalb der Koalition gab es
Diskussionen. Während sich bei den Patriot-Abwehrraketen
rasch ein Konsens herstellen ließ, war die Position
der Regierungsparteien zu den Fuchs-Transportpanzern zunächst
nicht klar. So befürwortete der SPD-Vorsitzende im
Verteidigungsausschuss, Reinhold Robbe, offen eine Lieferung
der Fuchs-Panzer.[44] Die SPD-Verteidigungspolitikerin Verena
Wohlleben sprach sogar von "einer moralischen Pflicht",
die die Bundesrepublik gegenüber Israel habe.[45]
Die Grünen hingegen waren allesamt gegen
eine Lieferung. Ihre damalige Vorsitzende Claudia Roth verwies
nach einer Sitzung des Parteivorstandes und Parteirates
am 2. Dezember 2002 vor allem auf die von der Bundesregierung
festgelegten Rüstungsexportrichtlinien (siehe hierzu
2.1).[46] Der Verteidigungsexperte der Grünen-Bundestagsfraktion,
Winfried Nachtwei, benannte den entscheidenden Punkt, dass
nämlich die Fuchs-Panzer im Gegensatz zu den Patriot-Abwehrraketen
"ausdrücklich nicht nur defensiv"[47] einsetzbar
seien - eben weil die Verwendung dieser militärischen
Fahrzeuge in palästinensischen Gebieten nicht auszuschließen
war. Dies war auch das Argument, mit dem der Generaldelegierte
der Palästinensischen Autonomiegebiete in der Bundesrepublik
Deutschland, Abdallah Frangi, in die Diskussion eingriff
und eindeutig Stellung gegen die Ausfuhr bezog. Er appellierte
an die Bundesregierung, den Beschluss, die Fahrzeuge zu
liefern, noch einmal zu überdenken, denn "die
deutschen Panzer, die dorthin gebracht werden, [hätten]
keinen defensiven Charakter, sondern [könnten] offensiv
eingesetzt werden".[48]
Verteidigungsminister Struck lehnte die Lieferung
der Fuchs-Transportpanzer schließlich mit der Begründung
ab, dass die Bundeswehr aufgrund der Auslandseinsätze
keinen der Panzer entbehren könne. Im Sinne einer für
ihn gesichtswahrenden, gegenüber Israel rhetorisch
entschärfenden Geste erklärte er jedoch gleichzeitig,
die Lieferung solcher Waffen an Tel Aviv sei prinzipiell
möglich.[49]
4. Streit um die AWACS-Aufklärungsflugzeuge
und Patriot-Abwehrraketen an die Türkei
Weitaus heftiger als die Diskussionen um die
Waffenlieferungen an Israel waren die Debatten darüber,
wie man auf eine Anfrage Ankaras zur Bereitstellung von
Patriot-Abwehrraketen und die Beteiligung von deutschen
Soldaten an AWACS-Aufklärungsflügen reagieren
sollte. Der Konflikt wurde auf zwei Ebenen ausgetragen:
im NATO-Rat (siehe 4.1) und in der Bundesrepublik - hier
war vor allem das Bundesverfassungsgericht relevant, bei
dem die FDP-Bundestagsfraktion eine Klage wegen des Einsatzes
deutscher Soldaten in den AWACS-Aufklärungsflugzeugen
ohne vorangegangenes Bundestagsmandat (siehe 4.2) einreichte.
4.1 Die Haltung der Bundesregierung
und die Debatten in der NATO
Konflikte zwischen der Bundesregierung und
der Bush-Administration waren angesichts der unterschiedlichen
Grundsatzpositionen zur Lösung der Irakfrage programmiert.
Sie nahmen ihren Lauf, nachdem Washington mit konkreten
Forderungen an die Allianz herantrat. Dies war Anfang Dezember
2002 der Fall. Der amerikanische Vize-Verteidigungsminister
Paul Wolfowitz war es, der im NATO-Rat in Brüssel den
Bündnispartnern die Erwartungen seiner Regierung in
der Irakfrage präsentierte. Wolfowitz forderte zweierlei:
die Beteiligung einiger Allianzmitglieder an einer militärischen
Intervention sowie eine Unterstützung der NATO auf
militärischer und politischer Ebene.[50] Zum konkreten
Forderungskatalog des amerikanische Vize-Verteidigungsministers
gehörte vor allem die Nutzung von AWACS-Aufklärungsflugzeugen,
die mit Soldaten aus verschiedenen NATO-Ländern besetzt
sein sollten.
Neben Großbritannien signalisierten
Spanien, Portugal, Dänemark und Norwegen sowie die
drei neuen NATO-Mitglieder Polen, die Tschechische Republik
und Ungarn den Amerikanern ihre Zustimmung. Andere Bündnispartner
hielten sich zurück oder verlangten ein UN-Mandat als
Voraussetzung für die Bereitstellung militärischer
Kapazitäten. Der Schutz des NATO-Partners Türkei
durch Patriot-Abwehrraketen und die Zusicherung, Artikel
IV[51] des Nordatlantik-Vertrages bei einem eventuellen
Angriff des Irak auf den Bündnispartner in Kraft zu
setzen, waren ebenfalls Forderungen von Wolfowitz.[52]
Ausschlaggebend für die heftige Diskussion
im NATO-Rat[53] (wie auch in Deutschland) waren jedoch die
konkreten Hilfswünsche der Bush-Administration an die
NATO-Verbündeten Mitte Januar 2003. Die US-Anfrage
umfasste sechs Punkte, neben der Sicherung der Türkei
gehörten die Gewährung von Überflugrechten
sowie die Nutzung von Militärbasen und Häfen dazu,
aber auch der Schutz des Bündnisgebietes.
Den Forderungskatalog der Amerikaner bewertete
die Bundesregierung durchaus differenziert.[54] Der Kontrolle
der Seewasserstraßen innerhalb des NATO-Gebietes hatte
das Kabinett Schröder/Fischer prinzipiell nichts entgegenzusetzen.
Bei Hilfen außerhalb des Bündnisterritoriums
dürften deutsche Soldaten aber nur innerhalb des Mandats
von "Enduring Freedom" eingesetzt werden. Für
den Einsatz von AWACS-Aufklärungsflugzeugen nannte
die Bundesregierung zwei Kriterien: Operationen nur im NATO-Gebiet
(was die Türkei einschloss) und nur mit einer klaren
defensiven Zielrichtung. Eine Unterstützung der Amerikaner
für einen Luftkrieg gegen den Irak lehnte Berlin ab.
Schröder äußerte sich in seiner Regierungserklärung
von 13. Februar 2003 zur aktuellen internationalen Lage
unmissverständlich: "Das Bündnis hilft Partnern,
die in Gefahr sind. Das bezieht sich ausdrücklich auch
auf die Türkei, die sich auf unsere Solidarität
bei einer Gefahrenabwehr jederzeit verlassen kann."[55]
Bereits seit Dezember 2002, so der Kanzler, gebe es die
deutsche Zusage, AWACS-Besatzungsmitglieder für den
Schutz des Bündnisgebiets zur Verfügung zu stellen.
Schröder unterstrich noch einmal die grundsätzliche
Position der Bundesregierung, dass es "keine direkte
oder indirekte Beteiligung an einem Krieg geben wird, und
dabei bleibt es".[56]
Der dritte Punkt der Anfrage seitens der Bush-Administration
an ihre Bündnispartner betraf die Bereitstellung von
Patriot-Abwehrraketen für die Türkei. Hier tat
sich die Bundesregierung sehr schwer, zu einer Entscheidung
zu gelangen, sah sie sich doch in einem Dilemma: Einerseits
musste ein solcher Beschluss dem Grundsatz der Nichtbeteiligung
an einem Irakkrieg entsprechen und andererseits der Bündnispflicht
gerecht werden.[57] Nach einer intensiven Diskussion im
NATO-Rat erklärte sich die Bundesregierung bereit,
der Türkei Patriot-Abwehrsysteme zu überlassen,
die aber von niederländischen Soldaten bedient werden
sollten.[58]
Bei den weiteren Punkten des Antrags aus Washington
handelte es sich um den Schutz von US-Einrichtungen in NATO-Ländern,
den eventuellen Abzug von amerikanischen Truppen vom Balkan
und um die Sicherung des Friedens im Irak nach einem Krieg.
Vor allem der letzte Punkt stieß bei der deutschen
Bundesregierung auf heftige Skepsis.[59]
Am 6. Februar 2003 begannen im NATO-Rat auf
der Ebene der Ständigen Vertreter die Verhandlungen
über die von der Bush-Administration geforderten militärischen
Unterstützungsmaßnahmen des Bündnisses für
die Türkei. Frankreich, Deutschland, Belgien und anfänglich
auch Luxemburg wollten diesem Katalog nicht zustimmen. Ihre
Begründung: ein "Ja" komme einer Legitimierung
eines Irakkrieges gleich und erwecke den Eindruck, dass
der Waffengang bereits begonnen habe.[60] Deutschland, Belgien
und Frankreich legten am 10. Februar 2003 ein Veto gegen
die Hilfe für die Türkei ein, obwohl Verteidigungsminister
Peter Struck vorher im Rahmen der Münchener Sicherheitskonferenz
signalisiert hatte, dass die Niederlande und Deutschland
Patriot-Abwehrraketen an die Türkei liefern würden.[61]
Regierungssprecher Bela Anda bestätigte, dass das Abstimmungsverhalten
Deutschlands "im Einklang mit Frankreich und Belgien
stattgefunden" hätte.[62]
Die Bush-Administration reagierte empört.
NATO-Botschafter Nicholas Burns bezeichnete das dreifache
"Nein" als "[e]ine höchst unerfreuliche
Entscheidung. [...] Wegen dieser Aktion sieht sich die NATO
jetzt einer Glaubwürdigkeitskrise ausgesetzt".[63]
Noch am gleichen Tag machte die Türkei vom Artikel
IV des Nordatlantik-Vertrages Gebrauch. Nach langen Verhandlungen
nahm der Verteidigungsplanungsausschuss, dem Frankreich
nicht angehört, am 16. Februar den Kompromissvorschlag
von NATO-Generalsekretär Robertson an. Er sah einerseits
eine Unterstützung der Türkei mit Patriot-Abwehrraketen,
AWACS-Aufklärungsflugzeugen sowie Gerätschaften
zum Schutz gegen biologische und chemische Waffen vor,[64]
um so den Bündnispartner Türkei vor eventuellen
Angriffen durch den Irak zu schützen. Gleichzeitig
kam der Beschluss den Kriegskritikern und ihren Anliegen
entgegen. Die NATO-Mitglieder verpflichteten sich (ganz
im Sinne des Prager Gipfeltreffens von Ende 2002) dazu,
die Politik der UNO gegenüber dem Irak zu unterstützen
- also einer diplomatischen Lösung des Irakproblems
den Vorrang zu geben, einen Krieg nicht zu rechtfertigen
oder gar einem Kriegsautomatismus das Wort zu reden.[65]
In der entsprechenden Passage des Verteidigungsplanungsausschusses,
für die sich besonders Belgien eingesetzt hatte,[66]
heißt es:
"Wir unterstützen weiter die Bemühungen
der Vereinten Nationen, für die Krise eine friedliche
Lösung zu finden. Dieser Beschluss bezieht sich nur
auf die Verteidigung der Türkei und ist keine Vorwegnahme
irgendwelcher anderer Militäreinsätze der NATO
und künftiger Beschlüsse der NATO oder des UN-Sicherheitsrates."[67]
Am 26. Februar 2003 wurden die ersten zwei
AWACS-Aufklärer nach Konya in die Türkei verlegt
und ab dem 1. März waren die Patriot-Abwehrraketen
im Südosten des Landes einsatzbereit.[68] Am 16. April
erklärte die NATO den erfolgreichen Einsatz beider
Waffensysteme für beendet und betonte, dass dies ein
Beispiel für die Solidarität der Bündnispartner
untereinander sowie ein wesentlicher Beitrag zur transatlantischen
Sicherheit gewesen sei.[69]
4.2 Die deutsche Diskussion um den
Einsatz der AWACS-Aufklärungsflugzeuge
In der innenpolitischen Debatte um die Verwendung
von deutschen Soldaten in den AWACS-Aufklärungsflugzeugen
ging es formal darum, ob hier die Zustimmung des Bundestages
nötig gewesen wäre. Eine grundsätzlichere
Konfliktdimension war, die Kontroll- bzw. Gestaltungskompetenz
von Parlament und Regierung bei militärischen Aktivitäten
Deutschlands zu klären, vor allem im Falle eines bevorstehenden
Krieges. Dahinter wiederum verbargen sich unterschiedliche
Vorstellungen über die Rolle Deutschlands in einem
Irakkrieg.
Treibende Kraft in dieser Angelegenheit waren
die Freien Demokraten im Bundestag. Die FDP berief sich
in ihrer Argumentation auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes
vom 12. Juni 1994. Dies betraf die Regelung für die
Einsätze der Bundeswehr außerhalb des NATO-Gebiets
("out of area"). Das Bundesverfassungsgericht
verlangt in seiner Rechtsprechung für jeden Kampfeinsatz
der Bundeswehr eine "konstitutive Zustimmung"
des Bundestages.[70] Die Bundesregierung hingegen betonte
für den konkreten AWACS-Fall, dass der Einsatz einen
rein defensiven Charakter habe, Kanzler Schröder sprach
sogar von einer "Routinemaßnahme".[71] Er
verwies auf die Entscheidung des Verteidigungsplanungsausschusses
der NATO vom 19. Februar 2003, in der die Aufgabe der AWACS
mit der rein defensiven Überwachung des türkischen
Luftraumes festgeschrieben sei und die Befehlsgewalt über
die Aufklärer nicht bei den Amerikanern liege, sondern
beim NATO-Oberbefehlshaber für Europa (SACEUR). Dadurch
"ist eine strikte Trennlinie zu den Aufgaben des Kommandeurs
des US Central Commands, des amerikanischen Generals Franks,
gezogen", so der Kanzler vor dem Deutschen Bundestag
am 19. März 2003.[72] Die Grünen-Vorsitzende Angelika
Beer verwies auf die Zusage der Bundesregierung, dass die
deutschen Soldaten im Falle eines Krieges im Irak keine
aktive Rolle spielen würden.[73]
Die FDP und die rot-grüne Koalition waren
sich trotz des offen ausgetragenen Konflikts im Grundsatz
über den Einsatz von Bundeswehrangehörigen in
den NATO-Aufklärungsflugzeugen einig, doch wollten
die Liberalen den Einsatz in Krisenzeiten durch den Bundestag
legitimiert wissen, um dadurch eine eventuelle Verfassungslücke
zu schließen.[74] Aufgrund der brisanten politischen
Lage im Irak konnte man aus Sicht der Liberalen nicht von
einem "Routineeinsatz" der deutschen Soldaten
sprechen.[75] Deshalb brachte die FDP-Fraktion im Bundestag
am 20. März, dem Beginn des Irakkrieges, einen Entschließungsantrag
ein. Der Bundestag sollte darin "die Bundesregierung
auffordern, der Verpflichtung durch das Grundgesetz nachzukommen
und die konstitutive Zustimmung des Deutschen Bundestages
für die Beteiligung deutscher Soldaten an den AWACS-Einsätzen
über der Türkei unverzüglich zu beantragen".[76]
In einer namentlichen Abstimmung wurde dieser Antrag mit
303 gegen 274 Stimmen bei sechs Enthaltungen abgelehnt.[77]
Unmittelbar danach klagte die FDP vor dem Bundesverfassungsgericht.[78]
Die Union unterstützte die Klage der Liberalen nicht
offiziell, ihre Vorsitzende forderte jedoch die Bundesregierung
auf, einen Parlamentsbeschluss zum Einsatz der deutschen
Soldaten herbeizuführen.[79] Die Bundesregierung lehnte
dies ab. Kanzler Schröder warf FDP und Union mangelnde
"staatspolitische Verantwortung" vor und hob noch
einmal die vom Kabinett zu bewältigende Gratwanderung
zwischen der Nichtbeteiligung am Krieg und der Bündnisverpflichtung
hervor.[80]
Zwischen der Antragstellung und der Entscheidung
des Bundesverfassungsgerichts verschärfte sich die
Diskussion in Deutschland um den Einsatz der Bundeswehrsoldaten
in den AWACS-Maschinen. Vor allem der Beschluss des Sicherheitskabinetts,
die deutschen Soldaten für den Fall aus den NATO-Flugzeugen
abzuziehen, dass die Türkei in den bewaffneten Konflikt
eingreift, sorgte bei der Opposition für Unmut. Das
Sicherheitskabinett hatte sich hier festgelegt: "Sollte
die Türkei Kriegspartei im Irak werden, so würde
eine neue Lage entstehen, die gemäß unserer seit
Monaten vertretenen Politik zum Abzug der deutschen Soldaten
aus den NATO-AWACS-Flugzeugen führen wird."[81]
Für führende Vertreter der Union war dies nicht
akzeptabel. Ob Schäuble,[82] Pflüger[83] oder
Merkel - sie ließen sich in ihrer Kritik an der Bundesregierung
vom Vorrang der Bündnissolidarität und -verpflichtung
leiten. SPD und Grüne hingegen unterstützten im
Sinne des Sicherheitskabinetts einen eventuellen Abzug der
Soldaten aus den AWACS-Flugzeugen.[84]
Mit seinem Beschluss vom 25. März 2003
lehnte das Bundesverfassungsgericht den Eilantrag der FDP-Bundestagsfraktion
ab. In der Urteilsbegründung heißt es:
"Gegenwärtig bestehe die Aufgabe
der AWACS-Flugzeuge im rein defensiven Schutz der Türkei
als NATO-Bündnispartner. Nach den Einsatzregeln (Rules
of Engagement), die am 19. März 2003 noch einmal
erweitert worden sind, bestehe der Auftrag des AWACS-Verbandes
nach wie vor darin, durch Überwachung des türkischen
Luftraumes potentielle Angriffsabsichten frühzeitig
zu identifizieren und die politische Entschlossenheit
des Bündnisses zur Erhaltung der territorialen Integrität
der Türkei zu demonstrieren."[85]
Des Weiteren argumentierte das Gericht, dass
eine Entscheidung zu Gunsten des Antragstellers, der FDP,
im wesentlichen in die Kompetenz der Exekutive in Fragen
der Außen- und Sicherheitspolitik eingegriffen hätte.[86]
Das Gericht stellte aber auch heraus, dass die Frage, ob
ein AWACS-Einsatz die grundsätzliche Zustimmung des
Bundestages brauche, noch nicht geklärt sei.[87]
Dieses Urteil bestätigte damit die Position
der Bundesregierung, enthielt aber auch eine gesichtswahrende
Formulierung für den Antragsteller. Verteidigungsminister
Struck hob in seiner positiven Reaktion den benötigten
Spielraum der Exekutive in der Außenpolitik hervor,[88]
während sich der FDP-Fraktionsvorsitzende Gerhardt
nach außen trotz der Niederlage zufrieden zeigte.
Denn das Bundesverfassungsgericht habe abgewogen zwischen
der außenpolitischen Handlungsfähigkeit und den
Rechten des Parlaments, aber zugleich klärungsbedürftige
Fragen aufgeworfen - also wann ein NATO-Einsatz der Bundeswehr,
und dies gelte speziell für die Luftaufklärung
der AWACS, ein Kampfeinsatz sei.[89]
Es ist anzunehmen, dass die deutschen Soldaten
für einen solchen Einsatz ein Mandat vom Bundestag
benötigt hätten. Eine heftige Diskussion zwischen
Opposition und Regierung, aber auch innerhalb der rot-grünen
Koalition, wäre einer solchen Entscheidung vorangegangen.
Der NATO-Beschluss zum Einsatz des AWACS beruhte auf dem
Ziel einer friedlichen, von der UN gestützten, Lösung
des Konflikts. Die Inkraftsetzung des Artikels IV des Nordatlantik-Vertrages
hätte jedoch ein anderes Szenario entstehen lassen
können.
5. Bewertung und Perspektiven
Für die Einschätzung der innenpolitischen
Diskussion über Patriot-Abwehrraketen oder AWACS-Aufklärungsflugzeuge
im Kontext des Irakkrieges sind vor allem zwei Aspekte relevant:
Die in der Einleitung angesprochenen Anzeichen für
eine Neuakzentuierung oder gar Neuausrichtung deutscher
Außenpolitik im Hinblick auf den wichtigsten Bündnispartner
USA und die ambivalente Rolle insbesondere als defensiv
geltender Raketenabwehrsysteme. Was die erste Dimension
anbelangt, so lässt sich sagen, dass die Regierung
Schröder/Fischer in der Irakfrage mit einer Intensität
auf Konfrontationskurs zu den USA gegangen ist, die in der
Geschichte der Bundesrepublik beispiellos ist. Trotz der
Annäherungsversuche hat die rot-grüne Koalition
aus heutiger Perspektive ein neues Kapitel in ihren Beziehungen
zu den USA aufgeschlagen. Nicht zufällig hat der Kanzler
das Beharren auf der deutschen Souveränität hervorgehoben,
aber auch die gezielt-pragmatische Annäherung an Frankreich
und die - möglicherweise nur symbolische - Akzentuierung
europäischer Initiativen auch im militärischen
Bereich sind nicht dem Zufall zuzuschreiben. Die innenpolitische
Diskussion in Deutschland hat aufgedeckt, dass es nicht
nur die Tendenz gibt, die Zivil- und Militärmacht Europa
zu stärken, sondern auch die Absicht, den transatlantischen
Beziehungen ein größeres Gewicht zu geben. Letzteres
haben insbesondere die Oppositionsparteien in ihrer Kritik
an der Bundesregierung und den sie tragenden Parteien hervorgehoben.
Dennoch haben die deutschen Diskussionen um
die Bereitstellung von Patriot und AWACS gezeigt, wie schwierig
es für die Bundesregierung war, ihren außenpolitischen
Kurs nach der Wahl im Herbst 2002 fortzuführen und
den Spagat zwischen kaum miteinander zu vereinbarenden Zielsetzungen
durchzuführen. Auf der einen Seite gab es die historische
Verantwortung gegenüber Israel und die Bündnisverpflichtung
der NATO gegenüber dem Mitglied Türkei, auf der
anderen Seite die Bestrebung der Bundesregierung, vor allem
auch von Frankreich, Russland und China, einen militärischen
Konflikt im Irak zu verhindern.
Trotz aller neuen, nicht zu übersehenden
Akzente deutscher Politik gegenüber Washington ist
der Kompromisscharakter der deutschen Positionen und Entscheidungen
in der Irakfrage ebenfalls deutlich geworden. Denn die Bundesregierung
ist dem konkreten Forderungskatalog teilweise durchaus nachgekommen,
einerseits direkt, andererseits indirekt über die NATO.
Deutschland beteiligte sich an dem Einsatz der AWACS-Aufklärungsflugzeuge
über der Türkei, stellte ihr wie auch Israel Patriot-Abwehrraketen
bereit, schützte US-Militäreinrichtungen im Inland
und gewährte Überflugrechte. Auch im Kontext des
Irakkrieges kamen die besonderen Beziehungen Deutschlands
zu Israel zum Tragen. Dessen Ersuchen konnte die Bundesregierung
nicht ablehnen, solange es sich um Waffen handelte, die
dem jüdischen Staat Schutz vor eventuellen Angriffen
des Irak versprachen.
Was die Patriot-Abwehrraketen anbelangt, die
von den Befürwortern als grundsätzlich defensiv
eingeschätzt werden, war die deutsche Diskussion aufschlussreich.
Denn die Ausfuhr dieser Waffen nach Israel war nicht nur
wegen des einmaligen Verhältnisses zwischen Berlin
und Tel Aviv relativ unstrittig. Alle Befürworter gingen
implizit von der Annahme aus, dass sich Israel - wie im
Zweiten Golfkrieg - aus einem neuen Konflikt heraushalten
und vor irakischen Scud-Attacken schützen wolle, aber
selbst nicht offensiv reagieren würde. In einem solchen
Szenario, aber auch nur in einem solchen, lassen sich die
Patriot-Abwehrraketen als defensiv bezeichnen. In der auf
Israel bezogenen Debatte wurde der Unterschied zwischen
den defensiv einsetzbaren Patriot und den grundsätzlich
offensiven, möglicherweise gegenüber Palästinensern
zur Anwendung kommenden Fuchs-Transportpanzern überaus
deutlich. Die Bundesregierung entschied entsprechend.
Der Vergleich zwischen den beiden Diskussionen
um die Bereitstellung der Patriot-Waffen zeigt, dass der
Einsatz dieses Abwehrsystems stark kontextabhängig
ist. Im Falle der Türkei war sich die Bundesregierung
nicht sicher, ob die Patriot nicht doch Teil einer türkischen
Offensive sein würde.
Diese grundsätzliche Ambivalenz der Patriot,
wie der Abwehrsysteme überhaupt, gilt es für deutsche
Entscheidungsträger in Regierung und Parlament derzeit
in zwei Fällen zu berücksichtigen: Zum einen bei
den laufenden Bemühungen der Bush-Administration, ihre
Patriot-Raketen auch in Deutschland zu verkaufen. Zum anderen
bei den gegenwärtigen Aktivitäten in der NATO,
die auf eine flächendeckende Verteidigung Europas gerichtet
sind.
[1] Peter Mayer/Volker
Rittberger/Fariborz Zelli: Risse im Westen? Betrachtungen
zum transatlantischen Verhältnis heute, Tübinger
Arbeitspapiere zur Internationalen Politik und Friedensforschung
Nr. 40, Tübingen 2003, S. 19.
[2] Die SPD im Wahlkampf
auf einem deutschen' Weg; in: Frankfurter Allgemeine
Zeitung, 8. August 2002.
[3] Infratest dimap: DeutschlandTREND
Oktober 2002. Umfrage zur politischen Stimmung im Oktober
2002 im Auftrag von ARD/"bericht aus berlin" und
10 Tageszeitungen, http://www.infratest-dimap.de/politik/deutschlandtrend/dt0210/default.htm
[26. 9. 2003].
[4] Martin Geis: Berlin
im Krieg. Schröder gibt den Staatsmann, Fischer verfällt
in düstere Diskurse, Merkel klammert sich an die USA.
Die deutsche Außenpolitik steht vor einer Zäsur;
in: Die Zeit, Nr. 15, 3. April 2003.
[5] Anja Daalgard-Nielsen:
The German Resistance; in: Survival, Jg. 44, Nr. 1, 2003,
S. 99-116 (S. 99).
[6] Christian Hacke: Die
Außenpolitik der Regierung Schröder/Fischer:
Zwischenbilanz und Perspektiven; in: Aus Politik und Zeitgeschichte,
B48/ 2002, 2. Dezember 2002, S. 7-15 (S. 12).
[7] Rainer Baumann/Volker
Rittberger/Wolfgang Wagner: Macht und Machtpolitik: Neorealistische
Außenpolitiktheorie und Prognose für die deutsche
Außenpolitik nach der Wiedervereinigung, Tübinger
Arbeitspapiere zur Internationalen Politik und Friedensforschung
Nr. 30, Tübingen 1998, S. 20.
[8] Mayer/Rittberger/Zelli:
Risse im Westen?, S. 15.
[9] Zu weitergehenden Informationen
vgl.: Jürgen Rose: Wozu das NATO-Truppenstatut die
Bundesregierung verpflichtet; in: Bernd W. Kubbig (Hg. unter
Mitarbeit von Martina Glebocki, Alexander Wicker, Rachel
Adam und Mirko Jacubowski): Brandherd Irak. US-Hegemonieanspruch,
die UNO und die Rolle Europas, Frankfurt am Main/New York
2003, S. 235-242.
[10] Dieter Hesselberger:
Das Grundgesetz: Kommentar für die politische Bildung,
Bundeszentrale für politische Bildung, 12. überarbeitete
Auflage, Bonn 2001, S. 2006.
[11] Politische Grundsätze
der Bundesregierung für den Export von Kriegswaffen
und sonstigen Rüstungsgütern, Berlin, 19. Januar
2000, http://www.bmwi.de/Navigation/aussenwirtschaft-und-europa,did=9770.html
[24. 9. 2003].
[12] Bernhard Moltmann:
Vor einem Sprung in eine neue Ära: Die deutsche Rüstungsexportpolitik,
HSFK-Standpunkte Nr. 1, Hessische Stiftung Friedens- und
Konfliktforschung, Frankfurt am Main 2001, S. 5. Des Weiteren
zur Information über die deutsche Exportpolitik: Bernhard
Moltmann: A case of justice? Reflections on the foundations
and perspectives of the German arms export politics, HSFK-Report
Nr. 60, Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung,
Frankfurt am Main 2003; Joachim Rhode: Die Entwicklung des
deutschen Rüstungsexports in den 90er Jahren. Ergebnisse
der vier wichtigsten internationalen Statistiken, SWP-Studie
S 12, Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin 2001.
[13] Soweit nicht anders
vermerkt, beziehen sich alle Quellen zu AWACS auf: http://www.aewa.org/Library/e3-info.html
[13. 6. 2003], Federation of American Scientists: E-3 Sentry
(AWACS), http://www.fas.org/man/dod-101/sys/ac/e-3.htm
[18. 6. 2003]; NATO Boeing: E-3 AWACS, http://www.boeing.com/defense-space/infoelect/awacs/natoe3.html
[18. 6. 2003].
[14] Hermann Hagena: Luftverteidigung
und Krisenreaktion: Trends und Alternativen; in: Volker
Kröning/Lutz Unterseher/Günter Verheugen (Hg.),
Hegemonie oder Stabilität: Alternativen zur Militarisierung
der Politik, Schriften des Wissenschaftlichen Forums für
Internationale Sicherheit e.V., Bremen 2002, S. 103-109
(S. 104).
[15] Karsten W. Fromm:
Boden-Luft-Abwehrsysteme gewinnen an Bedeutung; unter: http://www.gfw-sicherheitspolitik.de/ES00-07FrommBodenLuft.htm
[2. 4. 2003].
[16] Soweit nicht anders
vermerkt, beziehen sich alle Quellen zu Patriot auf: Klaus
Arnhold: Raketen und Raketenabwehr: Die US-Raketenabwehr
- Teil der neuen Weltordnung, SWP-Arbeitspapier 3147, Stiftung
Wissenschaft und Politik, Berlin 2000; EADS, Patriot, http://www.eads.net/xml/en/missiles/groundairdef/patriot/patriot.xml
[18. 6. 2003]; FY97 DOT&E Annual Report: Patriot Pac-3
Missile System, http://www.fas.org/spp/starwars/program/dote97/97patriot.html
[18. 6. 2003].
[17] Fromm: Boden-Luft-Abwehrsysteme
gewinnen an Bedeutung.
[18] Ausführlichere
Informationen zu den technischen Merkmalen PAC-2 und PAC-3
finden sich in: Federation of American Scientists: Patriot
TMD, http://www.fas.org/spp/starwars/program/patriot.htm
[18. 6. 2003].
[19] Vgl. Bernd W. Kubbig
(unter Mitarbeit von Tobias Kahler): Problematische Kooperation
im Dreieck: Das trilaterale Raketenabwehrprojekt MEADS,
Raketenabwehrforschung International, Bulletin No. 18, 2000,
http://www.hsfk.de/abm/bulletin/pdfs/kubbka.pdf
[22. 9. 2003].
[20] Zitiert nach: Johannes
Gerster: Die deutsch-israelischen Beziehungen im Schatten
des Nahost-Konflikts; in: Israel Nachrichten, 21. Februar
2003.
[21] Peter Carstens: Geben
und Nehmen; in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. Dezember
2002.
[22] Ebd.
[23] Alexander Szandar:
Geheimnisse mit Tradition; in: Der Spiegel, Nr. 50, 9. Dezember
2002.
[24] Zu genaueren Informationen
zur politischen Lage im Nahen Osten vgl.: Volker Perthes:
Der Nahe und Mittlere Osten 1990/91 und 2002/03; in: Kubbig
(Hg.), Brandherd Irak, S. 23-31; Volker Perthes: Geheime
Gärten. Die neue arabische Welt, Berlin 2002.
[25] David Eshel: Israel
rüstet sich gegen Raketenangriffe; in: Europäische
Sicherheit, Jg. 52, Nr. 2, Februar 2003, S. 15-17.
[26] Zitiert nach: Israel
has constructed a multi-layer defence system; in: Jane's
Defence Weekly, 27. November 2002.
[27] Eshel: Israel rüstet
sich gegen Raketenangriffe.
[28] Das Anti-Raketensystem
Arrow kann bereits in einer Entfernung von 300 Kilometern
feindliche Raketen erkennen und bekämpfen. Es wird
seit den 1980er Jahren von den Israelis und Amerikaner entwickelt.
Das aktuelle System ist das Arrow-2-System. Genauere Informationen
über das israelische Raketenabwehrsystem bei: Markus
Kaim: Das israelische Irakdilemma; in: Kubbig (Hg.), Brandherd
Irak, S. 274-278; Marvin Feuerwenger: The Arrow Next Time?
Israel's Missile Defense Program for the 1990s, Policy Papers
Nr. 28, The Washington Institute for Near East Policy, Washington,
DC 1991; Duncan L. Clarke: The Arrow Missile. The United
States, Israel and Strategic Cooperation; in: Middle East
Journal, Jg. 4, Nr. 3, 1994, S. 475- 491.
[29] Kaim: Das israelische
Irakdilemma.
[30] Israel will deutsche
"Patriot"-Abwehrraketen - Antwort unklar, http://www.bundeswehrforum.de/presse/02-11-2002.html
[25. 5. 2003].
[31] Ebd.
[32] Anette Grossbongardt/Dietmar
Hipp/Dietmar Pieper/Alexander Szandar: Die Kosten des Wahlsieges;
in: Der Spiegel, Nr. 49, 2. Dezember 2002.
[33] Bernd W. Kubbig, Henning
Riecke, Oliver Meier, Alexander S. Kekulé, Iris Hunger
und Gerhard Piper: Wie gefährlich ist der Irak? Erkenntnisse
über die Verfügbarkeit von Massenvernichtungsmitteln;
in: Kubbig (Hg.), Brandherd Irak, S. 55-61.
[34] Streit über Waffen.
Schröder liefert Israel Patriot-Raketen; in: Spiegel-Online,
26. November 2002, http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,224482,00.html
[15. 10. 2003].
[35] Israel will deutsche
"Patriot"-Abwehrraketen - Antwort unklar.
[36] Streit über Waffen.
Schröder liefert Israel Patriot-Raketen.
[37] Grossbongardt/Hipp/Pieper/Szandar:
Die Kosten des Wahlsieges.
[38] Ebd.
[39] "Notfalls auch
mit Zwang". Interview mit Gerhard Schröder; in:
Die Zeit, Nr. 49, 28. November 2002.
[40] Grossbongardt/Hipp/Pieper/Szandar:
Die Kosten des Wahlsieges.
[41] Ebd.
[42] Koalition uneins über
"Fuchs"-Lieferung an Israel; in: Frankfurter Allgemeine
Zeitung, 2. Dezember 2002.
[43] Hans-Jürgen Leersch:
Spiegel spricht sich für Fuchs-Lieferung an Israel
aus; in: Die Welt, 3. Dezember 2002.
[44] Szandar: Geheimnisse
mit Tradition.
[45] Koalition uneins über
"Fuchs"-Lieferung an Israel.
[46] Regine Zylka: Grüne
lehnen Export von "Fuchs"-Panzern nach Israel
ab; in: Berliner Zeitung, 3. November 2002.
[47] Ebd.
[48] Fernseh-Hörfunkspiegel
Inland, 5. November 2002.
[49] Struck: Bundeswehr
kann keinen "Fuchs"-Panzer für Israel entbehren,
http://www.bundeswehrforum.de/presse/02-11-2002.html
[25. 5. 2003].
[50] Wünsche an die
NATO; in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6. Dezember 2002.
[51] Artikel IV zufolge
"sind die Bündnispartner verpflichtet, sich zu
beraten, wenn die territoriale Unversehrtheit, die politische
Unabhängigkeit oder die Sicherheit in Gefahr ist".
Zu genaueren Informationen vgl.: Johannes Varwick und Wichard
Woyke, Wichard: Die Zukunft der NATO, Opladen 2000.
[52] Ebd.
[53] Der NATO-Rat ist das
oberste Entscheidungsgremium der NATO, und seine Hauptaufgabe
ist es, die Mitglieder des Bündnisses bei der Durchführung
des NATO-Vertrages zu unterstützen. Der Rat tagt sowohl
auf der Ebene der Regierungschefs, der Außen- und
Verteidigungsminister als auch der ständigen Vertreter.
Die Abstimmungen werden einstimmig gefällt.
[54] Kurt Kister: Berlin
und die Wunschliste; in: Süddeutsche Zeitung, 18./19.
Januar 2003.
[55] Regierungserklärung
und Debatte zur aktuellen internationalen Lage, 25. Sitzung
des 15. Bundestages vom 13. Februar 2003; in: Das Parlament,
Jg. 53, Nr. 8, 17. Februar 2003.
[56] Ebd.
[57] Ebd.
[58] Berlin will Türkei
Patriot-Systeme zur Verfügung stellen, aber keine Soldaten,
http://www.bundeswehrforum.de/presse/02-02-2003.html
[8. 6. 2003].
[59] Kister: Berlin und
die Wunschliste.
[60] NATO-Eklat. Belgien
legt sich quer; in: Spiegel-Online, 9. Februar 2003, http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,234406,00.html
[15. 10. 2003].
[61] Ebd.; Berlin will
Türkei Patriot-Systeme zur Verfügung stellen,
aber keine Soldaten, http://www.bundeswehrforum.de/presse/02-02-2003.html
[8. 6. 2003].
[62] NATO-Krise. Auch Deutschland
legt Veto gegen Türkei-Hilfe ein; in: Spiegel-Online,
10. Februar 2003, http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,234451,00.html
[15. 10. 2003].
[63] Andreas Middel/Uwe
Schmitt: Zerfällt die NATO?; in: Die Welt, 11. Februar
2003.
[64] Irak-Krieg. NATO einigt
sich auf Türkei-Hilfe; in: Spiegel-Online, 17. Februar
2003, http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,236398,00.html
[15. 10. 2003]; NATO: Consultations on measures to protect
Turkey, http://www.nato.int/docu/update/2003/02-february/e0210a.htm
[18. 6. 2003].
[65] Zu genaueren Details
über den Prager NATO-Gipfel vgl.: Klaus Wiesmann: Was
soll aus der NATO werden? Die Zukunft der militärischen
Integration und gemeinsamen Verteidigungsplanung in der
NATO, Beitrag zum Jour fix "Zukunft der NATO"
der Stiftung Wissenschaft und Politik am 19. März 2003,
http://www.swp-berlin.org/pdf/brennpunkte/jour_nato_030319_Wiesmann.pdf
[26. 9. 2003].
[66] Irak-Krieg. NATO einigt
sich auf Türkei-Hilfe.
[67] NATO: Decision Sheet
of the Defence Planning Committee, http://www.nato.int/docu/pr/2003/p030216e.htm
[18. 6. 2003], Übersetzung durch den Verfasser.
[68] NATO: NATO defensive
assistance to Turkey, http://www.nato.int/issues/turkey/index.htm
[18. 6. 2003].
[69] NATO: SACEUR orders
end to mission in Turkey, http://www.nato.int/shape/news/2003/04/i030416a.htm
[18. 6. 2003].
[70] Roland Pofalla: Der
Bundestag muss AWACS zustimmen; in: Frankfurter Allgemeine
Zeitung, 17. Januar 2002.
[71] Helmut Kerscher: Geschichte
der AWACS-Urteile. Parlament bleibt Zuschauer; unter: http://www.sueddeutsche.de/deutschland/politik/64175/index.php
[25. 3. 2003].
[72] BVerfG, 2 BvQ 18/03
vom 25. März 2003, Absatz-Nr. (1 - 41), http://www.bverfg.de/entscheidungen/qs20030325_2bvq001803.html
[15. 9. 2003].
[73] Union: Kein Einsatz
der AWACS ohne Bundestagsbeschluss; in: Frankfurter Allgemeine
Zeitung, 17. Januar 2003.
[74] Gerold Büchner:
AWACS-Einsatz ohne Mandat rechtlich zulässig; in: Berliner
Zeitung, 26. März 2003.
[75] BVerfG, 2 BvQ 18/03
vom 25. März 2003, Absatz-Nr. (1 - 41).
[76] Ebd.
[77] Ebd.
[78] FDP klagt wegen der
AWACS-Einsätze in Karlsruhe; in: Frankfurter Allgemeine
Zeitung, 21. März 2003.
[79] Philip Grassmann und
Nico Fried: Streit über AWACS-Einsatz verschärft
sich; unter: http://www.sueddeutsche.de/deutschland/politik/64087/index.php
[25. 3. 2003]
[80] Ebd.
[81] AWACS-Besatzungen
bleiben vorläufig im Einsatz; in: Frankfurter Allgemeine
Zeitung, 24. März 2003.
[82] Anfang vom Ende der
NATO; in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24. März
2003.
[83] Ebd.
[84] Grassmann und Fried:
Streit über AWACS-Einsatz verschärft sich.
[85] BVerfG, 2 BvQ 18/03
vom 25. März 2003, Absatz-Nr. (1 - 41).
[86] Bundestag muss Einsatz
in AWACS nicht zustimmen; in: Frankfurter Allgemeine Zeitung,
26. März 2003.
[87] Matthias Geis: Bitte,
jetzt bloß keinen Streit; in: Die Zeit, Nr. 14, 27.
März 2003.
[88] Verfassungsrichter
weisen AWACS-Eilantrag ab, http://www.bmvg.de/sicherheit/print/030326_urteil_awacs.php
[18. 6. 2003].
[89] Kerscher: Geschichte
der AWACS-Urteile.
Bitte zitieren als: Philipp
Zettel, Patriot-Abwehrraketen und AWACS-Aufklärungsflugzeuge
für Israel sowie die Türkei: Die deutsche Diskussion
im Kontext des Irakkrieges, Raketenabwehrforschung International,
Bulletin No. 42 (Herbst 2003), Frankfurt am Main 2003.
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