Jahreskonferenz 2017

Krisenintervention in turbulenten Zeiten: Bilanz und Perspektiven der Einmischung in Gewaltkonflikte

Verbreitete Diagnosen wie „die Welt ist aus den Fugen geraten" und „die Krise ist der Normal­zustand" verleihen der alten Frage aktuelle Relevanz, ob und wie die deutsche und internationale Politik auf die Zuspitzung von Konflikten reagieren sollen. 2014 warben Bundes­präsident, Außenminister und Verteidigungs­ministerin für ein „schnelleres, entschiedeneres und substanzielleres" Engagement Deutschlands, um Gewalt­konflikte zu verhindern, beizulegen oder einzudämmen. Sie verwiesen dabei auf zivile wie auch auf militärische Instrumente der Krisen­intervention. All das geschah noch vor den großen Flucht­bewegungen nach Europa, die unter dem Schlagwort „Flucht­ursachen bekämpfen" den Handlungs­imperativ zur Kriseninter­vention noch verstärkt haben.

Demgegenüber stehen ernüchternde Bilanzen vergangener Interventionen, von denen Afghanistan, Irak und Libyen besonders hervortreten. Diese Erfahrungen gaben der Position Aufwind, sich aus laufenden oder drohenden Gewalt­konflikten herauszuhalten, solange sie nicht eigene Interessen massiv gefährden. Der neue Mann im Weißen Haus sorgt weltweit für Furcht vor einem neuen Isolationismus oder vor der Rückkehr eines ungehemmten Militarismus. Die Europäische Union sucht nach Antworten auf Krisen in ihrer Nachbarschaft in einer Zeit, in der sie selbst von innen erschüttert wird. Insgesamt muss die internationale Politik einer Vielzahl von Konflikten begegnen und zugleich damit umgehen, dass Strukturen und Instrumente der Konflikt­intervention als krisen­geplagt wahrgenommen werden.

Die HSFK-Jahreskonferenz 2017 widmet sich Bilanz und Perspektiven der Intervention in Gewaltkonflikte. Sie arbeitet den Stand der Forschung auf und konfrontiert ihn mit der Nachfrage nach Orientierungs­wissen aus der Praxis von Entscheidungs­trägern. Dieser Dialog zwischen Wissenschaft und Politik fokussiert auf Erfolgs­bedingungen, Grenzen und Schwächen prominenter Mittel der Prävention, Eindämmung und Beilegung von Gewaltkonflikten. Zudem geht es um die Perspektiven deutschen Krisen­engagements in einer Zeit großer Umbrüche und Ungewiss­heiten.

Die Tagung findet in deutscher Sprache statt. 

Anmeldung zur Teilnahme bitte bis zum 31. August 2017 an Jahreskonferenz @HSFK .de.  



Programm

12:00-13:00  Gemeinsames Mittagessen

13:00-13:15 Begrüßung und Vorstellung des Programms (Dr. Jonas Wolff, HSFK)

13:15-14:45 Panel 1: Eindämmung und Beendigung akuter Gewaltkonflikte / Fokus: Mediation und humanitäre militärische Intervention

  • Dr. Günther Bächler, Sonderbeauftragter des Amtierenden Vorsitzenden der OSZE für den Südkaukasus
  • Dr. Julian Bergmann, Deutsches Institut für Entwicklungspolitik, Bonn
  • Dr. Thorsten Gromes, HSFK
  • Moderation: Dr. Annika Elena Poppe, HSFK 

14:45-15:00 Pause

15.00-16:30 Panel 2: Stabilisierung von Nachkriegsgesellschaften / Fokus: zivile Friedenskonsolidierung und militärische Friedenserhaltung

  • Tom Koenigs, MdB, früher in leitenden Positionen für die Vereinten Nationen im Kosovo, in Guatemala und Afghanistan
  • Dr. Thania Paffenholz, Direktorin Inclusive Peace and Transition Initiative, Graduate Institute of International and Development Studies, Genf
  • Dr. Wibke Hansen, Leiterin Analyse Zentrum für Internationale Friedenseinsätze (ZIF), Berlin
  • Moderation: Dr. Melanie Coni-Zimmer, HSFK

16:30-16:45 Pause

16:45-18:00 Podiumsdiskussion: Deutschlands Politik der Krisenintervention in turbulenten Zeiten

  • Ralf Beste, Leiter des Planungsstabs im Auswärtigen Amt
  • Prof. Dr. Nicole Deitelhoff, HSFK
  • Prof. Dr. Ulrich Schneckener, Direktor des Zentrums für Demokratie- und Friedensforschung der Universität Osnabrück
  • Moderation: Dr. Jonas Wolff, HSFK

Veranstaltungsinformationen

Wann: 
28. September 2017, 12 - 18 Uhr

Wo: 
Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konflikt­forschung, Baseler Straße 27-31, Frankfurt am Main