‚Glokale‘ Verflechtungen

Programmbereich V nimmt Konflikt- und Friedensprozesse in ihrer ‚glokalen‘ Situiertheit in den Blick. Im Fokus steht damit die komplexe Verschränktheit, in der so genannte lokale Lebenswelten mit regionalen und globalen Konstellationen in Verbindung stehen: Lokalität ist stets relational und stellt ohne die Berücksichtigung von Verkoppelungen mit bzw. teils auch Entkoppelungen von translokalen Handlungsfeldern, Wissensbeständen, Akteuren oder Diskursen keine plausible Analyseebene dar. Dies sucht der Begriff der Glokalisierung (Robertson) zu erfassen. Dabei geht es im Kern um eine kritische Dekonstruktion der Vorstellung, Globalisierungs­prozesse würden gleichgerichtete homogeni­sierende Folgen für soziale und kulturelle Räume beinhalten und somit lebens­weltliche Differenzen letztlich nivellieren. Das Konzept des ‚glokalen‘ Raums verweist stattdessen auf die wechselseitig konstitutiven Konstruktionen vom Globalen und Lokalen sowie auf die reale Kontingenz beider Ordnungs­kategorien.


Global-lokale Zirkulationen von Informationen, Gütern oder Personen beeinflussen die Wertigkeiten vorhandener sozialer, kultureller und ökonomischer Kapitalien und vervielfältigen zugleich die möglichen Praktiken der symbolischen Wertschöpfung. Die glokal verflochtene Welt erzeugt mithin neuartige Verteilungs­kämpfe und Konflikt­linien, stellt aber auch neue Optionen für soziales und politisches Handeln, kulturelle Orientierungen und die Formen der Konflikt­beilegung bereit: Prozesse der Hybridisierung oder strategischen Neuformulierung von kollektiven Identitäten sind als Beispiele ebenso zu nennen wie die Rekonstruktion und Verdinglichung von kulturellen Traditionen. Zu fragen ist nach der Wirkung solcher sozialen Prozesse für die Dynamik von Konflikten: Wie beeinflussen sie die Kräfte­verhältnisse unterschiedlicher Akteure zueinander, wie die Aktionsformen und Eskalations­risiken bzw. die Chancen der Konflikt­transformation?

Der Programmbereich untersucht unter der Prämisse der ‚glokalen‘ Situiertheit, in welcher Weise Akteure ihre auf lokale Verhältnisse bezogenen politischen Anliegen multi-skalar durchzusetzen suchen; ob und in welcher Weise die spezifische Fragmentiertheit global-lokaler Handlungs­räume den Verlauf von Gewalt­konflikten oder politischen Kämpfen beeinflusst; welche Auswirkungen global zirkulierende normative Konzeptionen, beispielsweise von politischer Legitimät oder Modernität in konkreten Auseinander­setzungen zeitigen.