Kolumbianisch-argentinischer Gastwissenschaftler besucht die HSFK

Carlos Salamanca (Foto: privat).

Mit Freude begrüßen wir als neuen Gastwissenschaftler Carlos Salamanca, der im Juni und Juli 2019 an der HSFK an seinem Forschungsprojekt arbeitet. Dabei wird er sich insbesondere mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Programmbereiche Glokale Verflechtungen und Innerstaatliche Konflikte austauschen. In seinem Projekt untersucht Salamanca Ursachen und Auswirkungen von Gewalt gegen Indigene in drei lateinamerikanischen Ländern (Argentinien, Kolumbien und Guatemala):  Wieso sind indigene Gruppen so oft mit staatlicher Gewalt konfrontiert, und wie wirkt sich das auf die Menschen aus? Inwiefern ist die Gewalt der jüngsten Vergangenheit mit Rohstoffförderprojekten verknüpft, die ihre Territorien bedrohen? Diesen Fragen geht Salamanca unter anderem in seinem Projekt nach, indem er auch die räumliche Dimension von Gewalt berücksichtigt. Nach mehrjähriger Zusammenarbeit mit indigenen Organisationen und ethnographischer Forschung  betont er die Berücksichtigung lokaler Perspektiven.

Während seines Aufenthalts an der HSFK arbeitet Salamanca daran, die  Interpretationskonzepte und -werkzeuge im Bereich der gewaltfreien Konflikttransformation mit einem Fokus auf transitional violence weiter zu entwickeln. Er wird an Diskussionen in der HSFK teilnehmen und freut sich darauf, den Glokalisierungsansatz von Programmbereich V im Hinblick auf die vergleichende Untersuchung seines Projekts zu diskutieren. Besonders freuen wir uns auf eine interne Diskussionsveranstaltung zum Thema „Maps, testimonies and mediations. Interdisciplinary approaches for a broader understanding of violence“, die Salamanca im Juli in der HSFK veranstalten wird.

Carlos Salamanca ist kolumbianisch-argentinischer Architekt und promovierte in Anthropologie an der École des HautesEtudes en SciencesSociales (EHESS) in Paris. Derzeit arbeitet er als Research Fellow im Consejo Nacional de Investigaciones Científicas y Tecnicas (CONICET, Argentinien). Seit 2014 leitet er das Interdisziplinäre Programm „Espacios, Políticas, Sociedades im Centro de Estudios Interdisciplinarios“ der Universidad Nacional de Rosario (UNR).

Die Region La Guajira in der Karibik ist mit Wasserknappheit konfrontiert und mit schrecklichen Folgen für die Bevölkerung der Region, vor allem für die Wayúu-Populationen. Während die Rohstoffindustrie unglaubliche Mengen an Wasser verbraucht, wurde als Reaktion auf Tausende von Wayúu-Kindern, die an Unterernährung und Wassermangel sterben, eine humanitäre Krise erklärt. Nationale und internationale Institutionen haben mit der Durchführung mehrerer Projekte begonnen, um die Situation zu verbessern, aber keines konnte bisher die zugrunde liegenden Probleme lösen (Foto: Carlos Salamanca).
Der letzte Friedensprozess in Kolumbien öffnete die Türen für den Ausbau der Rohstoffindustrie in Gebieten, die traditionell außerhalb der Reichweite der Regierung lagen. Indigene Völker wie die Wayúu People aus La Guajira in der Karibik sehen sich mit der Expansion von Kohle-, Gas- und Windkraftunternehmen konfrontiert, die ihre Gebiete mit Projekten, von denen sie nicht profitieren, ausbeuten und radikal verändern (Foto: Carlos Salamanca).