Trägerin des Hessischen Friedenspreises 2017: Carla del Ponte

Carla del Ponte nimmt dem Preis entgegen (Foto: ©Hermann Heibel/Hessischer Landtag, Kanzlei)
Carla del Ponte nimmt dem Preis entgegen (Foto: ©Hermann Heibel/Hessischer Landtag, Kanzlei)

Am 23. Fe­bru­ar 2018 wurde der Hes­si­sche Frie­dens­preis 2017 an die Schweizer Ju­ris­tin Carla del Ponte ver­lie­hen. Mit dem Preis wür­dig­te das Ku­ra­to­ri­um ihr­en Ein­satz für Ge­rech­tig­keit und die Auf­klä­rung schlim­mster Men­schen­rechts­ver­brech­en.

Die Be­grün­dung aus der Ur­kunde: "Frau Carla del Ponte wird mit dem Hes­si­schen Frie­dens­preis der Al­bert Oss­wald-Stif­tung für ihr­en un­beug­sa­men Ein­satz für die Opfer von Kriegs­ver­brech­en und die kom­pro­miss­lose Durch­setz­ung des in­ter­na­tio­na­len Straf­rechts aus­ge­zeich­net.
Frau del Ponte hat kei­nen po­li­tisch­en Kon­flikt ge­scheut, um dem Recht zur Gel­tung und den Opfern schlim­mster Mensch­heits­ver­brech­en zu Ge­rech­tig­keit zu ver­helfen, auch wenn das be­deu­te­te, gegen alle di­plo­ma­tisch­en Spiel­re­geln zu ver­stoßen. Als Chef­an­klä­ger­in des In­ter­na­tio­nalen Straf­ge­richts­hofs für das ehe­ma­li­ge Ju­go­slawien und für Ru­anda hat sie of­fen po­li­ti­sche Ver­säum­nis­se an­ge­sprochen, wie die un­zu­reichende Ko­operation west­lich­er Staaten bei der Ver­fol­gung ge­such­ter Kriegs­ver­brecher in Ju­go­sla­wien.
Ihre Tä­tig­keit als Son­der­er­mittler­in in einer Un­ter­such­ungs­kom­mis­sion zu Kriegs­ver­brechen in Sy­rien gab sie nach fünf Jahren auf mit der Be­grün­dung, dass die Kom­mis­sion wir­kungs­los sei, weil die Po­li­tik ihre Ar­beit nicht hin­reichend un­ter­stütze. Sie wolle nicht länger als A­li­bi für das „Nichtstun“ der in­ter­na­tio­na­len Ge­mein­schaft her­halten. Die­ser Rück­zug ist exem­pla­risch für den un­beug­sa­men Wil­len von Carla del Ponte, ge­gen Un­ge­rechtig­keiten trotz Wi­der­stän­den an­zu­kämpfen, denn, so ihr Cre­do: „Wir ver­tre­ten die Opfer“.


„Frie­den durch Recht“ ist seit den 1990er Jahr­en aufs eng­ste mit Carla del Ponte ver­bun­den und wur­de von ihr ge­gen alle po­li­ti­schen Wi­drig­kei­ten als An­klä­ger­in - nicht nur im Ge­richts­saal - voran­ge­trie­ben. Dies war und ist von be­son­der­er Be­deut­ung in einer Zeit, in der Staaten­ver­fall, Bürger­kriege und damit auch or­ga­ni­sierte Straf­losig­keit um sich greifen. Ge­rechtig­keit ist die Grund­lage für je­den nach­haltigen Frie­den.
Für ihren un­er­müdlichen Ein­satz für den Frie­den, für ihren Kampf für die Durch­setzung des Rechts und für ihr Engage­ment für die Opfer von Men­schen­rechts­ver­letzungen hat das Kuratorium Hessischer Friedens­preis der Albert Oss­wald-Stift­ung Frau Carla del Ponte den Hes­si­schen Frie­dens­preis 2017 zu­er­kannt."

Das Preisgeld von 25.000 € spendet Carla del Ponte unter anderem einem Hilfsprojekt für syrische Kinder.

Dokumentation der Preisverleihung

PRIF Spotlight 7/2018 dokumentiert die Preisverleihung  am 23. Februar 2018 im Hessischen Landtag in Wiesbaden. Hier finden Sie Auszüge aus den Reden der Preisträgerin, der Laudatorin Angelika Nußberger und des Landtagspräsidenten Norbert Kartmann sowie Fotos und ergänzende Informationen.