Christopher Daase, Julian Junk

Internationale Schutzverantwortung - Normative Erwartungen und politische Praxis

Abstract

Nicht zuletzt durch die NATO-geführte und UN-mandatierte internationale Intervention in Libyen und durch die Diskussionen um den richtigen Umgang mit der Situation in Syrien steht die responsibility to protect, die Schutzverantwortung der internationalen Gemeinschaft, Bevölkerungen vor systematischer staatlicher Unterdrückung zu schützen, wieder im Blickfeld der öffentlichen wie der akademischen Diskussion. Die Debatte um die Schutzverantwortung offenbart dabei einmal mehr die Diskrepanz zwischen normativer Innovation und der durch sie erzeugten Erwartungen und Anforderungen einerseits und ihre Implementation in der Praxis globaler Politik andererseits. Dieses Spannungsverhältnis zwischen normativer Erwartung und politischer Praxis ist zwar allen politischen Normen gemein, aber im Falle von Normen mit Anspruch und gerade im Themenfeld der humanitären Intervention besonders virulent. Die Beiträge dieses Schwerpunkthefts diskutieren anhand des Beispiels der Schutzverantwortung deshalb drei Fragen: Erstens, wie hängen Normen und die sie legitimierenden Praktiken auf internationaler Ebene zusammen. Zweitens und kontra-intuitiv fragen sie, ob und wie dem Scheitern von Normen, der Spannung zwischen sich scheinbar widersprechenden Normen und einem nicht-teleologischen Verständnis von Normentwicklung ein fruchtbares, ja konstitutives Element globaler Politik innewohnt. Und drittens diskutieren sie, wie die nationale und internationale Politik mit diesen Herausforderungen umgeht.

Bibliographic record

Daase, Christopher/Junk, Julian (2013): Internationale Schutzverantwortung - Normative Erwartungen und politische Praxis, in: Sonderheft der Friedens-Warte - A Journal of International Peace and Organization, 88:1.