Demokratie, sozialer Frieden und ökonomische Krise in Lateinamerika

Das 2007 abgeschlossene politikwissenschaftliche Dissertationsvorhaben "Demokratie, sozialer Frieden und ökonomische Krise in Südamerika. Zur politischen Ökonomie peripher-demokratischer Pazifizierungs- und Stabilisierungsmuster am Beispiel von Argentinien und Ecuador" befasste sich mit einem erstaunlichen Befund: dem Überleben südamerikanischer Demokratien trotz tiefer wirtschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Krisen. In zwei vergleichend angelegten Fallstudien zu Argentinien und Ecuador wurde untersucht, wie ökonomische Krise, sozialer Protest und politische Krisenbearbeitung in einer Weise zusammenwirkten, dass soziopolitische Konflikte bis zur Krise der Demokratie eskalierten, dann aber „short of collapse" in einen Prozess der Re-Stabilisierung mündeten. Mikrostudien zu den argentinischen Arbeitslosenbewegungen und der indigenen Bewegung in Ecuador ergänzten die Fallanalysen. Bolivien und Chile wurden als Kontrollfälle hinzugezogen.

Zentrales Ergebnis des Forschungsvorhabens ist, dass ein Idealmodell demokratischer Stabilisierung und Pazifizierung, demzufolge der demokratische Staat die Transformation des Konfliktaustrags in institutionalisierte, friedliche Bahnen mit der effektiven Reduktion der Konfliktursachen verbindet, durch einen Blick auf informelle Mechanismen politischer Konfliktbearbeitung einerseits, gesellschaflich-regulative Formen der Konfliktrepression andererseits ergänzt werden muss. Informelle politische Institutionen und Praktiken, die die Einbindung gesellschaftlicher Gruppen wie die Aufnahme gesellschaftlicher Anforderungen qua formal-demokratischer Verfahren ergänzen, sind etwa klientelistische Beziehungsmuster, außerinstitutionelle Verhandlungssysteme, aber auch der protestförmige Sturz gewählter Präsidenten (popular impeachment). Die Kategorie gesellschaftlich-regulativer Konfliktrepression weist darauf hin, dass zudem die intrinsische Konfliktfähigkeit sozialer Gruppen eine variable Größe darstellt. Hier gilt es, ein breites Spektrum sozioökonomischer, politisch-institutioneller und kognitiv-ideologischer Faktoren zu betrachten, die regulativ-repressiv wirken, indem sie auf Seiten potenziell konfliktträchtiger Gruppen die Kapazitäten und Anreize zur Organisation, Mobilisierung und kollektiven Aktion reduzieren.

Projektleitung:
1
Die politische Ökonomie des inneren Demokratischen Friedens in Argentinien und Ecuador | 2012

Wolff, Jonas (2012): Die politische Ökonomie des inneren Demokratischen Friedens in Argentinien und Ecuador, in: Spanger, Hans-Joachim (Hg.), Der demokratische Unfrieden. Über das spannungsreiche Verhältnis zwischen Demokratie und innerer Gewalt. Studien der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung Bd. 16, Baden-Baden: Nomos, 113-148.

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2
On boxes and arrows: Cognitive maps as an instrument for actor-centered process-tracing | 2010

Wolff, Jonas (2010): On boxes and arrows: Cognitive maps as an instrument for actor-centered process-tracing, in: Zeitschrift für Vergleichende Politikwissenschaft.

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3
Vom „Argentinazo“ zu Néstor Kircher. | 2010

Wolff, Jonas (2010): Vom „Argentinazo“ zu Néstor Kircher. Krise und Überleben der argentinischen Demokratie (2001-2007), in: Birle, Peter/Bodemer, Klaus/Pagni, Andrea (Hg.), Argentinien heute: Politik, Wirtschaft, Kultur, Frankfurt/M: Vervuert, 55-72.

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4
Von Kästen und Pfeilen | 2009

Jonas Wolff, Von Kästen und Pfeilen. Cognitive maps als Instrument der akteurszentrierten Politikanalyse, in: Zeitschrift für Vergleichende Politikwissenschaft, Jg.3 Nr. 1, 2009, S. 131-153.

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5
De-Idealizing the Democratic Civil Peace | 2009

Jonas Wolff, De-Idealizing the Democratic Civil Peace: On the Political Economy of Democratic Stabilisation and Pacification in Argentina and Ecuador, in: Democratization, Jg. 16, Nr. 5, 2009, S. 998-1026.

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6
Der innere Frieden der Demokratie diesseits ferner Ideale | 2009

Jonas Wolff, Der innere Frieden der Demokratie diesseits ferner Ideale. Zum erstaunlichen Erfolg demokratischer Stabilisierung und Pazifizierung in Südamerika, in: Margit Bussmann, Andreas Hasenclever, Gerald Schneider (Hg.), Identität, Institutionen und Ökonomie: Ursachen innenpolitischer Gewalt, Politische Vierteljahresschrift, Sonderheft Nr. 43/2009, Wiesbaden (VS Verlag), 2009, S. 209-234.

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7
Turbulente Stabilität | 2008

Jonas Wolff, Turbulente Stabilität. Die Demokratie in Südamerika diesseits ferner Ideale, Studien der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (Bd. 1), Baden-Baden (Nomos), 2008.

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8
(De-)Mobilising the Marginalised | 2007

Jonas Wolff, (De-)Mobilising the Marginalised: A Comparison of the Argentine Piqueteros and Ecuador's Indigenous Movement, in: Journal of Latin American Studies, 39. Jahrgang, 2007, Nr. 1, S. 1-29.

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9
Zwischen Demokratisierung und Destabilisierung | 2006

Jonas Wolff, Zwischen Demokratisierung und Destabilisierung: Die indigenen Bewegungen in Bolivien und Ecuador als Herausforderung der real-existierenden Demokratie, in: Franziska Bopp, Georg Ismar (Hg.), Bolivien - Neue Wege und alte Gegensätze, Berlin (Wissenschaftlicher Verlag Berlin), 2006, S. 247-278.

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10
Ambivalent consequences of social exclusion for real-existing democracy in Latin America | 2005

Jonas Wolff, Ambivalent consequences of social exclusion for real-existing democracy in Latin America: the example of the Argentine crisis, in: Journal of International Relations and Development, 8. Jahrgang (2005), Nr. 1, S. 58-87.

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11
Bolivien – Krise eines Friedensmodells | 2004

Jonas Wolff, Bolivien – Krise eines Friedensmodells, in: Christoph Weller, Ulrich Ratsch, Reinhard Mutz, Bruno Schoch, Corinna Hauswedell (Hg.): Friedensgutachten 2004, Münster: LIT Verlag, 2004, S. 107-115.

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12
Demokratisierung als Risiko der Demokratie? | 2004

Jonas Wolff, Demokratisierung als Risiko der Demokratie? Die Krise der Politik in Bolivien und Ecuador und die Rolle der indigenen Bewegungen, HSFK-Report Nr. 6/2004, Frankfurt/M.

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13
Argentinien nach der Krise | 2003

Jonas Wolff, Argentinien nach der Krise. Zur erstaunlichen Stabilität der real-existierenden Demokratie, HSFK-Standpunkte, Nr. 5/2003, Frankfurt/M.

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Förderer

Deutsche Stiftung Friedensforschung (DSF)
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www.bundesstiftung-friedensforschung.de