Development for Peace, Peace for Development – Eine Analyse aktueller Entwicklungen, Erfahrungen und Herausforderungen

Entwicklungs­zusammenarbeit (EZ) findet zunehmend in von Gewalt­konflikten betroffenen Staaten statt. Mit der Ausbreitung und Verschärfung von Konflikten wachsen auch die Erwartungen an die EZ, zu kon­struktiver Konflikt­bearbeitung beizutragen. Gleich­zeitig sieht sich die EZ damit konfrontiert, dass das gegenwärtige Konflikt­geschehen über Jahrzehnte erreichte Entwicklungs­fortschritte akut gefährdet.

Der Nexus zwischen Entwicklung und Frieden ist nicht nur für den globalen Süden von zentraler Bedeutung, sondern auch für die Länder des globalen Nordens. Sie tragen maßgeblich zur Gestaltung des Verhält­nisses von Entwicklung und Frieden bei und sind in zunehmendem Maße auch selbst von der Kehrseite dieses Zusammen­hangs betroffen: der wechsel­seitigen Verschärfung von Gewalt­konflikten und Entwicklungs­rückschritten. Das Wissen über das genaue Zusammen­spiel von Entwicklungs- und Friedens­dynamiken ist allerdings nach wie vor begrenzt. Die jüngeren Erfahrungen aus der EZ-Praxis an der Schnitt­stelle von Frieden und Entwicklung harren ihrerseits einer systematischen Auswertung.
Vor diesem Hintergrund arbeitet der vorliegende Bericht den Wissens­stand zum Nexus zwischen Entwicklung und Frieden auf. Er analysiert aktuelle Entwicklungen, Erfahrungen und Heraus­forderungen und leitet daraus praxis­orientierte Empfehlungen für die deutsche und internationale EZ ab. Der Bericht wurde im Rahmen eines Ressort­forschungs­vorhabens für das Bundes­ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) erstellt. Methodisch stützt sich die Analyse auf 30 Interviews mit Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Weltregionen und ergänzt diese auf Basis einer Auswertung von Policy-Dokumenten und der einschlägigen Forschungs­literatur.

Drei globale Trends prägen aktuell das Zusammen­spiel von Frieden­(-sförderung) und Entwicklung­(-szusammenarbeit): Erstens heben die interviewten Expert.innen eine weltweite Welle inner­gesellschaftlicher Trans­formationen und hier insbesondere zwei Phänomene hervor: einen autoritären backlash und neue Protest­dynamiken. Zweitens werden Veränderungen der Umwelt­bedingungen und hier insbesondere der Klimawandel und damit zusammen­hängende Ressourcen­konflikte als zentrale Heraus­forderungen identifiziert. Drittens sind aktuell weltpolitische Macht­verschiebungen zu beobachten, die einen vermeintlichen Abstieg des „Westens“ und den gleichzeitigen Bedeutungs­zuwachs nicht-westlicher Akteure beinhalten. Mit allen drei Trends verändern sich die Rahmen­bedingungen, unter denen das internationale Engagement zum Entwicklungs-Frieden-Nexus operiert.

Die Analyse bestätigt grundsätzlich den positiven Zusammen­hang zwischen Entwicklung und Frieden und präzisiert ihn dahingehend, dass Inklusion die zentrale Brücke zwischen beiden darstellt. Zugleich erweisen sich die Zusammen­hänge zwischen Entwicklungs- und Friedens­prozessen allerdings als komplex, mitunter widersprüchlich und keiner linearen Logik folgend. Problematisch ist in diesem Zusammen­hang die aktuell zu beobachtende Engführung in der politischen Debatte, die den Entwicklungs-Frieden-Nexus primär im Sinne einer reaktiven Stabilisierung sozialer und politischer Verhältnisse versteht – mit negativen Folgen für eine nexus-orientierte Friedens­entwicklungs­politik.

Mehr zum Bericht „Frieden und Entwicklung 2020"

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Peace and Development 2020 | 2020

Wolff, Jonas/Witt, Antonia/Stappenbeck, Jens/Schnabel, Simone/Peez, Anton/Junk, Julian/Coni-Zimmer, Melanie/Christian, Ben/Birchinger, Sophia/Bethke, Felix S. (2020): Peace and Development 2020. An Analysis of Recent Experiences and Findings.

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Entwicklung und Frieden zusammen denken | 2020

Bethke, Felix S./Birchinger, Sophia/Christian, Ben/Coni-Zimmer, Melanie/Junk, Julian/Peez, Anton/Stappenbeck, Jens/Schnabel, Simone/Witt, Antonia/Wolff, Jonas (2020): Entwicklung und Frieden zusammen denken. Anregungen für die deutsche Politik, PEACELAB BLOG, 19.2.2020.

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Frieden und Entwicklung 2020 | 2020

Wolff, Jonas/Witt, Antonia/Stappenbeck, Jens/Schnabel, Simone/Peez, Anton/Junk, Julian/Coni-Zimmer, Melanie/Christian, Ben/Birchinger, Sophia/Bethke, Felix S. (2020): Frieden und Entwicklung 2020. Eine Analyse aktueller Erfahrungen und Erkenntnisse.

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Förderer

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
www.bmz.de