Drifting Apart: Internationale Institutionen in der Krise und das Management von Dissoziationsprozessen

Brexit, die Aufkündigung des Pariser Klimaschutz-Abkommens durch Donald Trump oder der Niedergang der Sicherheitszusammenarbeit zwischen Russland und dem Westen zeigen, dass internationale Kooperation zerbrechlich ist. Die viel beschworene "Krise der liberalen Ordnung" besteht im Kern darin, dass Staaten sich von internationalen Kooperationszusammenhängen abwenden – sei es durch formellen Austritt, durch Nichtbeachtung oder durch den Aufbau von alternativen Institutionen.

Wenn Staaten aus internationalen Institutionen ausscheren, führt dies häufig zu erheblichen Spannungen zwischen ihnen und jenen Staaten, die die Kooperation fortführen wollen. Diese Spannungen können die zwischenstaatlichen Beziehungen auf Dauer belasten und zur Verfestigung von Konkurrenz und Gegnerschaft führen. Diese friedenspolitisch wichtigen Folgen wurden von der Forschung bisher aber kaum beachtet. Die Aufmerksamkeit gilt den Ursachen für die Krise internationalen Institutionen und den Folgen für eben diese Institutionen selbst, nicht aber den weiter reichenden Konsequenzen für die Beziehungen zwischen den beteiligten Staaten.

Das Projekt Drifting Apart rückt nun diese Folgen in den Mittelpunkt. Es untersucht vergleichend den Verlauf und das Ergebnis von historischen und aktuellen Dissoziationsprozessen und versucht Faktoren zu identifizieren, die Spannungen zwischen den beteiligten Staaten auslösen, verstärken oder abmildern.

Das interdisziplinäre Projekt wurde unter Federführung der HSFK im Leibniz-Forschungsverbund "Krisen einer globalisierten Welt" entwickelt und bringt vier Leibniz-Institute zusammen: neben der HSFK das German Institute of Global and Area Studies (GIGA, Hamburg), das Institut für Zeitgeschichte (IfZ, München) und das Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF, Potsdam). Sie untersuchen fünf historische und aktuelle Fälle von Dissoziation:

  • den Niedergang der Sicherheitskooperation zwischen Russland und dem Westen seit dem Jahr 2000,
  • das Ausscheiden Großbritanniens aus der EU,
  • den Aufbau alternativer Institutionen durch die BRICS-Staaten in der internationalen Finanzkooperation,
  • den Zerfall des Warschauer Pakts,
  • und das Ausscheren des Iran aus der Kooperation mit dem Westen seit Ende der 70er Jahre.

Das Projekt hat eine Laufzeit von drei Jahren und wird von der Leibniz-Gemeinschaft aus Mitteln des Leibniz-Wettbewerbs gefördert. Projektstart ist der 1. April 2019.

1
Nach vorn, um nicht zurückzufallen | 2018

Deitelhoff, Nicole/Dembinski, Matthias/Peters, Dirk (2018): Nach vorn, um nicht zurückzufallen. Deutsch-französische Initiativen zur Zukunft der EU-Außen- und Sicherheitspolitik, PRIF Spotlight 6/2018, Frankfurt/M.

Publikation herunterladen // Details anzeigen

Partner

Leibniz-Forschungsverbund "Krisen einer globalisierten Welt", Leibniz-Gemeinschaft
Leibniz-Forschungsverbund "Krisen einer globalisierten Welt", Leibniz-Gemeinschaft
www.leibniz-gemeinschaft.de/forschung/leibniz-forschungsverbuende/krisen-einer-globalisierten-welt/
German Institute of Global and Area Studies Hamburg (GIGA)
German Institute of Global and Area Studies Hamburg (GIGA)
www.giga-hamburg.de
Zentrum für Zeithistorische Forschung – Institut der Leibniz-Gemeinschaft (ZZF)
Zentrum für Zeithistorische Forschung – Institut der Leibniz-Gemeinschaft (ZZF)
www.zzf-potsdam.de
Institut für Zeitgeschichte - Institut der Leibniz-Gemeinschaft (IfZ)
Institut für Zeitgeschichte - Institut der Leibniz-Gemeinschaft (IfZ)
www.ifz-muenchen.de