Kriegslegitimationen und Weltordnungskonzepte von der frühen Neuzeit bis zur Gegenwart

Das Projekt untersucht den Zusammen­hang zwischen der (De-)Legitimation militärischer Gewalt und der Konstruktion normativer Welt­ordnungen in Vergangenheit (seit der Frühmoderne) und Gegenwart. Ausgehend von der Annahme, dass durch die Geschichte der inter­nationalen Beziehungen hindurch (auch) zwischen­staatliche Gewalt stets rechtfertigungs­bedürftig war, wird nach Kontinuität und Wandel des Umgangs mit Normen in der Kriegs­legitimations­praxis von Staaten gefragt. Insbesondere wollen wir heraus­finden, welche Muster des Verweises auf die inter­nationale Ordnung sich aus der Legitimation von Kriegen ableiten lassen. Es geht also insbesondere darum, inwieweit sich politische Akteure bei der Legitimation von Kriegen auf inter­nationale normative Ordnung(en) beziehen, inwieweit sie diese Ordnung durch ihre Bezug­nahme prägen und, schließlich, inwieweit sie von dem beeinflusst werden, was sie als die „herrschende“ normative Ordnung begreifen. Ist unilaterale Gewalt also dem normativen Zwang der inter­nationalen Ordnung unterworfen oder entziehen sich mächtige Akteure diesem? Lassen sich in der Legitimation und Skandalisierung von Gewalt „Fortschritte“ der normativen Binde­kraft des Völkerrechts feststellen?

Obwohl die Rechtfertigung des Krieges konstitutiv für die Entstehung der modernen normativen Welt­ordnung ist, fehlt es an systematischer und ver­gleichender Reflexion über die Zusammen­hänge zwischen der Recht­fertigung des Krieges und der Modellierung von Welt­ordnungen in Theorie und Praxis. Dies gilt insbesondere, aber nicht nur, für einen empirischen Vergleich gegen­wärtiger Recht­fertigungs­narrative mit jenen im „vergessenen“ 19. Jahrhundert. Das Projekt setzt an dieser Forschungs­lücke zunächst als Publikations­projekt an: Neben bereits vorliegenden Publikationen ist ein historisch-vergleichender Sammel­band mit völker­rechtlichen, rechts- und politik­historischen sowie politik­wissen­schaftlichen Beiträgen renommierter Wissen­schaftler­innen und Wissen­schaftler der ver­schiedenen Disziplinen in der Vorbereitung.

Zudem soll aus dem Forschungs­zusammen­hang ein größeres Projekt zu den hier skizzierten Fragen entwickelt werden.

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Between Sovereign Judgement and the International Rule of Law | 2019

Brock, Lothar (2019): Between Sovereign Judgement and the International Rule of Law. The Protection of People from Mass Atrocities, in: Albert, Mathias/Lang Jr., Anthony (eds), The Politics of International Political Theory: Reflections on the Works of Chris Brown, Houndmills: Palgrave, 87-116.

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2
The Myth of Liberum Ius ad Bellum | 2018

Simon, Hendrik (2018): The Myth of Liberum Ius ad Bellum. Justifying War in 19th-Century Legal Theory and Political Practice, in: European Journal of International Law, 29:1, 113-136, https://doi.org/10.1093/ejil/chy009.

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3
Turmbau zu Babel? Friedensarchitekturen in kriegerischer Zeit | 2018

Brock, Lothar/Simon, Hendrik (2018): Turmbau zu Babel? Friedensarchitekturen in kriegerischer Zeit, in: Hirsch, Alfred/Delhom, Pascal (Hg.), Denkwege des Friedens: Aporien und Perspektiven. Erweiterte Neuausgabe, Freiburg: Verlag Karl Alber, im Erscheinen.

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4
Die Selbstbehauptung und Selbstgefährdung des Friedens als Herrschaft des Rechts | 2018

Brock, Lothar/Simon, Hendrik (2018): Die Selbstbehauptung und Selbstgefährdung des Friedens als Herrschaft des Rechts. Eine endlose Karussellfahrt?, in: Politische Vierteljahresschrift, 59:2, 269-291, https://link.springer.com/(...).

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5
Eigenmächtige Gewalt, zwingendes Recht: Zur Selbstbehauptung und Selbstgefährdung des Friedens als Rechtsordnung | 2017

Brock, Lothar/Simon, Hendrik (2017): Eigenmächtige Gewalt, zwingendes Recht: Zur Selbstbehauptung und Selbstgefährdung des Friedens als Rechtsordnung, PRIF Working Papers No. 35, Frankfurt/M.

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