Salafistische Radikalisierungsprozesse in Deutschland

Salafistische Radikalisierung ist längst nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch in Politik und Wissenschaft zu einem heiß diskutierten Thema geworden. Spätestens dann, wenn Radika­lisierungs­prozesse in Gewalt münden, wird der Salafismus sicherheits­politisch und gesell­schaftlich relevant. Doch oft vermischen sich die Grenzen zwischen Gewalt­ablehnung und Gewalt­legitimierung. Genau diese dünne Linie ist es, die salafis­tische Radika­lisierung – sowie andere religiöse und politische Radikalisierungs­formen – per se zu einem Sicherheits­problem werden lässt.

Die Konsequenz ist, dass sich sowohl in der Politik als auch in der Gesellschaft ein immer engeres Verständnis von Radikalisierung etabliert hat, das die Gewalt als logischen Endpunkt des Radikalisierungs­prozesses versteht. Doch die Empirie zeigt, dass salafistische Gruppen durchaus auch gewaltfreie Radikalisierungs­pfade aufweisen. Um ein ausgeprägtes Verständnis von Radikalisierung zu erlangen, müssen daher auch gewaltfreie Radikalisierungs­prozesse in den Fokus genommen werden.

Im Dissertations­vorhaben untersucht Hande Abay Gaspar, welche sozialen und politischen Gelegenheits­strukturen gewaltvolle Radikalisierung begünstigen bzw. abbremsen können und welche Mechanismen dabei ausgelöst werden. Ziel ist es, mithilfe einer Kausal­prozess­analyse den Radikalisierungs­prozess gewaltvoller und gewaltfreier salafistischer Akteure auf Gruppen­ebene zu rekonstruieren und dabei Bedingungs­faktoren zu identifizieren, die möglicher­weise gewalt­begünstigend oder gewalt­hemmend wirken können.