Streit um sozioökonomische Reformen: Politische Konflikte und gesellschaftliche Proteste in Ägypten und Tunesien nach 2011 im interregionalen Vergleich

Sozioökonomische Reformen stehen derzeit ganz oben auf der politischen Agenda Ägyptens und Tunesiens. Angesichts einer gewissen politisch-institutionellen Stabilisierung in beiden Ländern, reagieren die Regierungen seit 2014 auf die sich zuspitzende Wirtschaftslage, indem sie hoch umstrittene Themen wie Subventionskürzungen und die Reform des öffentlichen Sektors offensiv angehen. Die Folgen sind teils scharfe Auseinandersetzungen um wirtschafts- und sozialpolitische Fragen, deren Bedeutung für die Zukunft sowohl der jungen tunesischen Demokratie als auch der re-konfigurierten ägyptischen Autokratie kaum zu überschätzen ist.

Das Forschungsteam, bestehend aus Nahost- und Lateinamerika-Experten aus Ägypten, Deutschland und Tunesien, wird die Folgen dieser konfliktträchtigen Aushandlung sozioökonomischer Reformen für den gesellschaftlichen Frieden und die politische Ordnung in Ägypten und Tunesien analysieren. Im Anschluss an das Projekt „Sozioökonomische Proteste und politische Transformation: Dynamiken von contentious politics in Ägypten und Tunesien vor dem Hintergrund südamerikanischer Erfahrungen" wird sich dieses Projekt weiterhin mit Protest-Akteuren befassen, aber auch die Rolle von etablierten politischen Akteuren sowie Wirtschaftsverbänden, Think Tanks/NGOs und internationalen Finanzinstitutionen in die Analyse einbeziehen. Anhand eines politökonomischen Ansatzes werden die Wechselwirkungen von contentious und routine politics untersucht.

Unter Berücksichtigung verschiedener Politikfelder (z.B. Steuerpolitik, Sozialpolitik, öffentlicher Sektor und Regionalentwicklung), wird das Projekt:

  • die wichtigsten Reformdebatten bestimmen, die in Ägypten und Tunesien seit 2011 geführt wurden sowie die beteiligten Akteure, ihre Positionen, Machtressourcen und Strategien identifizieren;
  • Strategien und Interaktionen von beteiligten Akteuren in der (institutionellen) Austragung von Konflikten analysieren, um so Rückschlüsse auf die Wechselwirkungen von contentious und routine politics zu ziehen;
  • die Ergebnisse der Konflikte mit besonderem Augenmerk auf Unterschiede in Politikfeldern und Ländern analysieren;
  • die Auswirkungen auf soziale Konflikte und die politische Entwicklung in den beiden Ländern untersuchen.

Für jede Reformdebatte werden die Ergebnisse zu Ägypten und Tunesien sowohl miteinander als auch mit ausgewählten lateinamerikanischen Erfahrungen verglichen. Die Erarbeitung von Handlungsempfehlungen und der aktive Wissenstransfer beschließen das Vorhaben.

Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit Dr. Amr El Shobaki, Dr. Nadine Abdalla und Shimaa El Sharkawy vom Arab Forum for Alternatives in Ägypten sowie mit Dr. Bassem Karray, Dr. Hamza Meddeb und Rabeb Laabidi von der Universität Sfax in Tunesien durchgeführt.

Die VolkswagenStiftung fördert das Projekt für drei Jahre.

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From driver of change to marginalised actor | 2019

Abdalla, Nadine/Wolff, Jonas (2019): From driver of change to marginalised actor. Organised labour in post-revolutionary Egypt from a comparative perspective, in: Journal of North African Studies, DOI: 10.1080/13629387.2019.1644917.

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Partner

Arab Forum for Alternatives, Ägypten
Arab Forum for Alternatives, Ägypten
www.afaegypt.org/English/
University of Sfax, Tunesien
University of Sfax, Tunesien
www.uss.rnu.tn

Förderer

VolkswagenStiftung
VolkswagenStiftung
www.volkswagenstiftung.de