Der Umgang sunnitischer Kleriker in staatlichen und religiösen Institutionen innerhalb arabischer Länder mit Counter-Terrorismus-Konzepten

Der globale „Kampf gegen den Terrorismus“ wird gemeinhin als ein Projekt verstanden, das im Wesentlichen von der westlichen Sicherheits­gemeinschaft ausging und in die Institutionen und Praktiken der liberalen Weltordnung Einzug erhielt. Weniger Beachtung hat bisher die Frage erfahren, wie in Weltregionen mit „counter-terrorism“ umgegangen wird, die selbst oft Gegenstand dieser Maßnahmen werden, etwa durch Intervention, Prävention oder Sicherheits­kooperation. Das Dissertations­projekt von Mustafa Karahamad geht der Frage nach, wie sunnitische Kleriker, die in großen islamischen Universi­täten bzw. nationalen religiösen Institutionen in arabischen Ländern tätig sind, mit Counter-­Terrorismus-­Konzepten umgehen. 
Die genannten religiösen Einrichtungen sind in vielen Staaten der MENA-Region sowohl mit religiösen Gruppierungen als auch den Regierungen in beiden Ländern eng verwoben. Die ideo­logische Verortung der religiösen Institutionen im arabischen Raum ist besonders nach dem sogenannten „Arabischen Frühling“ wichtig, da die Bedeutung der religiösen Institutionen in der Gesellschaft gewachsen ist: Einerseits sind die religiösen Institutionen unabhängiger geworden, andererseits stehen diese Institutionen dreifach unter Druck: zunächst durch die Gesellschaft (Kleriker müssen ihre religiöse Legitimität in der Gesellschaft sichern), weiterhin durch den Staat (die Unter­stützung durch Kleriker trägt zur Legitimation des Regimes bei) und den Islam selbst (Kleriker müssen eine religions­immanent kohärente Deutung finden). Religiöse Institutionen spielen eine zentrale Rolle, wenn man bedenkt, welche Aus­wirkungen verschiedene Auslegungen religiöser Schriften haben. Zudem werden sie seitens westlicher Akteur*innen zunehmend als Kooperations­partner*innen bei der Entwicklung von Counter-­Terrorismus-­Strategien wahrgenommen. Ihre Positionen zu erforschen, ist deshalb von zentraler Bedeutung, um besser zu verstehen: 1) welches Verständnis sie von Counter-­Terrorismus entwickeln und wie sie dies zu islamischen Prinzipien ins Verhältnis setzen; 2) in welchem Verhältnis ihre Diskurse über Counter-­Terrorismus zu den Counter-­Terrorismus-­Politiken (policies) des jeweiligen Staates einerseits und 3) zu westlichen/­globalen Counter-­Terrorismus Normen andererseits stehen. Explorative und vergleichende Fallstudien zu Counter-­Terrorismus Diskursen liefern die empirische Grundlage für die Auseinander­setzung mit diesen Fragen. Globalisierungs­theorien bilden den theoretischen Rahmen für die Analyse. Diese Forschung ist von hoher Relevanz nicht nur im akademischen Kontext, sondern auch in der Praxis im Rahmen des strukturellen „Kampfs“ gegen globalen Terrorismus und dessen Kritik.