Debatte zu HSFK-Forschungsprogramm

Forschungsprogramm „Frieden und Zwang“ ist Gegenstand der Diskussion in der Zeitschrift für Friedens- und Konfliktforschung

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Coverbild des HSFK-Forschungsprogramms (Foto: Max Pixel / CC0 1.0 Universal)

Die HSFK stellt ihre Grundlagenforschung für jeweils mehrere Jahre unter ein übergeordnetes Thema. Das aktuelle Forschungsprogramm läuft seit seit Januar 2018 unter dem Titel „Frieden und Zwang“. Im Zentrum steht die Frage, welche Rolle der Androhung oder Anwendung von Zwang bei der Schaffung, Aufrechterhaltung und Gefährdung von Frieden zukommt.

In der Zeitschrift für Friedens- und Konfliktforschung wurde dieses Forschungsprogramm jetzt Gegenstand der Debatte. Andreas Nölke, Professor für Internationale Politische Ökonomie in Frankfurt, äußerte folgende Kritik: Das neue Forschungsprogramm der HSFK untersuche die Zusammenhänge zwischen Frieden und Zwang in der internationalen Politik zwar sehr systematisch, sei aus Sicht der Internationalen Politischen Ökonomie aber etwas zu ahistorisch formuliert. Normativ neige es dazu, zu sehr auf einen positiven Zusammenhang zwischen internationalem Zwang und Frieden zu setzen, was im Kontext des Aufstiegs des Populismus problematisch ist, da mehr Zwang durch liberale internationale Institutionen letzteren eher befeuern dürfte. Analytisch vernachlässige es den Niedergang der westlichen Hegemonie und könne daher zu unrealistischen Schlussfolgerungen führen, da die Voraussetzungen zur Ausübung von friedensförderlichem Zwang in der internationalen Politik sich in absehbarer Zeit eher verringern als vermehren werden. 

In ihrer Replik greifen Anton Peez, Antonia Witt und Jonas Wolff von der HSFK die Kritikpunkte auf. Statt einer tendenziellen Befürwortung des Zwangs befasse sich das Forschungsprogramm theoretisch und empirisch ergebnisoffen mit dem Konzept. Es ziele darauf ab, die Realität von Zwang in seinen unterschiedlichen Facetten ernst zu nehmen und in seinem ambivalenten Verhältnis zum Frieden zu untersuchen. Gegen den Vorwurf der Ahistorizität erwidern sie, dass das Programm gerade die vielzähligen aktuellen Krisen liberalen globalen Regierens zum Anlass und Ausgangspunkt nehme sowie analytisch zeitliche und regionale Kontexte betone. Wie die so konstruktive wie wohlwollende Kritik von Andreas Nölke zeige, könne eine solche Forschungsagenda von den Perspektiven und Erkenntnissen der Internationalen Politischen Ökonomie in vielfältiger Hinsicht profitieren.