Internationale Institutionen in der Krise

Neues Forschungsprojekt: welche Folgen hat die Abkehr von internationalen Institutionen für die beteiligten Staaten?

Foto: Flickr, Paul Lloyd, CC BY-NC-SA 2.0, https://bit.ly/2J5r00Q

Donald Trump kündigt das Pariser Klima­schutz-Ab­kommen, Groß­britannien steigt aus der EU aus: diese aktuellen Bei­spiele machen deutlich, wie zerbrechlich inter­nationale Zusammen­arbeit ist. Die viel beschworene "Krise der liberalen Ordnung" besteht im Kern darin, dass Staaten sich von inter­nationalen Kooperationen abwenden – sei es durch formellen Austritt, durch Nicht­beachtung oder durch den Aufbau von alter­nativen Institutionen. Dies führt häufig zu erheblichen Span­nungen zwischen ihnen und den Staaten, die an der Kooperation fest­halten wollen.
Wissen­schaftlich unter­sucht wurden bislang nur die Ursachen für die Krise inter­nationaler Institutionen und die Folgen für diese Institutionen, kaum aber die weiter reichenden Kon­se­quenzen für die Be­ziehungen zwischen den be­teiligten Staaten.

 

Diese Forschungs­lücke schließen Wissen­schaftler­innen und Wissen­schaftler der HSFK ab April 2019 im Projekt „Drifting Apart: Inter­nationale Institutionen in der Krise und das Management von Dissoziations­prozessen“. Ge­meinsam mit dem German Institute of Global and Area Studies (GIGA, Hamburg), dem Institut für Zeit­geschichte (IfZ, München) und dem Zentrum für Zeit­historische For­schung (ZZF, Potsdam) unter­suchen sie den Verlauf und das Ergebnis von his­torischen und aktuellen Zerfalls­prozessen. Dabei suchen sie nach den Faktoren, die Spannungen zwischen beteiligten Staaten auslösen, verstärken oder abmildern.

 

An der HSFK analysiert die Forschungs­gruppe um Nicole Deitelhoff, Matthias Dembinski und Dirk Peters vor allem den Brexit und geht Fragen wie diesen nach: Wie gehen Staaten, die einem Vertrag treu bleiben, mit Staaten um, die ihn ver­lassen? Wie können Span­nungen zwischen beiden Seiten verringert werden?

 

Weitere historische und aktuelle Fall­beispiele sind:

  • der Nieder­gang der Sicherheits­kooperation zwischen Russ­land und dem Westen seit dem Jahr 2000,
  • der Aufbau alternativer Institutionen durch die BRICS-Staaten in der inter­nationalen Finanz­kooperation,
  • der Zerfall des Warschauer Pakts,
  • und das Aus­scheren des Iran aus der Kooperation mit dem Westen seit Ende der 70er Jahre.

 

Das Projekt ist eines von 31 Projekten, die 2018 im Wett­bewerb der Leibniz-Gemein­schaft bewilligt wurden. Es wird mit Förder­geldern von rund einer Million Euro unter­stützt.