Pressekonferenz zum Hessischen Friedenspreis

Am Donnerstag wurde in Wiesbaden bekannt gegeben, dass der Hessische Friedenspreis 2018 an Şebnem Korur Fincancı verliehen wird

Der Hessische Landtag in Wiesbaden (Foto: HSFK)

Der Hessische Landtag in Wiesbaden (Foto: HSFK)

Şebnem Korur Fincancı wurde 1959 in Istanbul ge­boren. Nach dem Studium der Medizin, u.a. an der Uni­versität Istanbul, arbeitete sie als Gerichts­medizinerin und ist derzeit Profes­sorin für Forensik an der Uni­versität Istanbul. Sie ist Vor­sitzende der Menschenrechtsstiftung der Türkei (TIHV), eine inter­national führende Expertin zur Folter­doku­men­tation, ehe­maliges Mit­glied im Exekutiv­aus­schuss des Inter­national Rehabilitation Council for Torture Victims (IRCT) und eine der Haup­tautorinnen des „Istanbul Protokolls“, dem inter­nationalen Standard­werk zur Unter­suchung und Doku­men­tation von Folter­spuren. Fincancı setzt sich seit vielen Jahren unter schwierigsten politischen Be­dingungen für die Doku­mentation von Folter und die Re­ha­bilitation von Folter­opfern ein und ist eine der führenden Friedens- und Menschen­rechts­aktivistinnen in der Türkei. Sie wurde in ihrer Funktion als Präsidentin der Menschen­rechts­stiftung in ihrem Heimat­land zweit­weise wegen des Vor­wurfs der Propaganda für eine terroristische Organisation ver­haftet.

Şebnem Korur Fincancı widmete sich mit großem Engage­ment der Doku­mentation und Auf­klärung von Folter und Menschen­rechts­ver­letzungen. Mit ihren Arbeiten zeigt sie die hohe Be­deutung evidenz­basierter medi­zinischer For­schung für die Ver­wirk­lichung von Frieden, Wieder­gut­machung und konstruktiver Konflikt­bearbeitung. Im Mittel­punkt ihrer Arbeit steht ins­be­sondere die Frage, wie sich physische und psychische Folter er­kennen und do­kumen­tieren lässt. Dies ist nicht nur für eine ange­messene medi­zi­nische und thera­peutische Ver­sorgung der Opfer von größter Wichtig­keit, sondern auch Vor­aus­setzung für die juristische Ver­folgung und politische Auf­arbeitung der Taten. Erst der syste­ma­tische Nach­weis von Folter­spuren schafft die Vor­aus­setzung für die Wahrung von Frieden und die Hoffnung auf Versöhnung. Weg­weisend hierfür ist Şebnem Korur Fincancıs Arbeit am „Istanbul-Protokoll“, das inter­nationale Standardwerk zur Unter­suchung und Doku­mentation von Folter.

Pressemitteilung des Kuratoriums Hessischer Friedenspreis der Albert Osswald-Stiftung (pdf-Download, 90kb)

 

Der Hessische Friedens­preis wurde am 16. Oktober 1993 vom ehe­maligen Hessischen Minister­präsidenten Albert Osswald und der von ihm be­gründeten Stif­tung ins Leben gerufen. Er wird an Menschen ver­geben, die sich um die Völker­ver­ständigung und um den Frieden ver­dient gemacht haben. Jähr­lich erhält eine vom Kuratorium Hessischer Friedenspreis aus­ge­wählte Preisträgerin oder ein Preisträger den mit 25.000 Euro dotierten Preis. Die HSFK berät das Kura­torium bei der Aus­wahl und doku­mentiert die Preis­verleihung, die am 28. November 2018 statt­finden wird.

Bisherige Preisträgerinnen und Preisträger des Hessischen Friedenspreises