Träger des Hessischen Friedenspreises 2019: Abiy Ahmed

Abiy Ahmed Ali (Foto: Wikimedia Commons, CCO 1.0, https://bit.ly/2KWdXh4).

Am 23. September 2019 erhielt der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed Ali den Hessischen Friedenspreis für seinen herausragenden Einsatz für einen historischen Friedensschluss mit Eritrea. Ein 20 Jahre dauernder Konflikt, der mehr als 100.000 Menschen das Leben gekostet hat und auch in den vergangenen Jahren immer wieder aufgeflammt ist, scheint zu einem friedlichen Ende zu kommen. Ein Versöhnungs­prozess zwischen den beiden Staaten birgt Chancen für die Gesell­schaften beider Staaten und die Region Ostafrika. Diese bedeutenden Entwicklungen und die daraus entstehenden Chancen für eine friedliche Zukunft sind es wert, ausgezeichnet zu werden. „Abiy Ahmed Ali ist einer der großen Hoffnungs­träger auf dem Afrikanischen Kontinent. Wir wollen sein Engagement für den Frieden mit dem Hessischen Friedens­preis auszeichnen und zugleich weiter befördern“, so Nicole Deitelhoff, Leiterin der HSFK und Kuratoriums­mitglied.

Der Friedens­schluss und eine darauf aufbauende Versöhnung der beiden Nachbar­staaten wecken Hoffnungen auf eine Stabilisierung der ganzen Region. Auch innen­politisch sind die von Abiy Ahmed Ali eingeleiteten Veränderungen bemerkens­wert: Seitdem Kaiser Haile Selassie im Jahr 1974 gestürzt worden war, gab es keinen Regierungs­wechsel im Land ohne Blut­vergießen. Die seit 1991 regierende Einheitspartei „Revolutionäre Demokratische Front der Äthiopischen Völker“ (EPRDF) ist eng mit dem äthiopischen Staat verwoben, kontrolliert alle Ebenen des föderalen Systems und hat immer wieder auf Repression gesetzt. Auch Abiys Regierung wird von dieser Koalition getragen, hat aber in den letzten anderthalb Jahren bedeutende Fortschritte in der politischen und wirtschaft­lichen Liberalisierung des Landes erzielt. Die in Folge der Verleihung des Hessischen Friedens­preises gesteigerte öffentliche Aufmerk­samkeit könnte als Mahnung wirken, nun nicht innezuhalten, sondern diese innen­politischen Reformen weiter friedlich und integrativ voran­zutreiben.

Abiy Ahmed Ali, geboren 1976 im äthiopischen Beshasha, wurde im April 2018 zum Minister­präsidenten Äthiopiens ernannt. Er gehört der ethnischen Gruppe der Oromo an, die sich lange als marginalisiert im politischen System Äthiopiens wahr­genommen haben. Er ist der erste Oromo, der Minister­präsident wurde. Der ehemalige Soldat der äthiopischen Armee hat Computer- und Kommunikations­technik, Kryptographie, Transformational Leadership und Business Administration studiert und 2017 den Doktorgrad in Management and Leadership von der University of Addis Abeba erhalten. Er diente unter anderem im eritreisch-äthiopischen Grenzkrieg von 1998 bis 2000. Von 2007 bis 2010 war er stellver­tretender Direktor der Information Network Security Agency (INSA), einer geheim­dienstlichen Behörde, die die Telekommunikation und das Internet in Äthiopien überwacht.

Seit 2010 ist er Mitglied des äthiopischen Parlaments, von 2015 bis 2016 war er Wissenschafts­minister des Landes. Er gehört der politischen Fraktion der „Demokratischen Organisation des Oromovolkes“ (OPDO) an, die Teil der regierenden Einheits­partei EPRDF ist. Seit März 2018 ist er Vorsitzender der EPRDF. Mit 42 Jahren ist er der jüngste Regierungschef Afrikas.

Stellvertretend für Abiy Ahmed nahm Muferihat Kamil, die äthiopische Friedensministerin, den Preis im Hessischen Landtag in Wiesbaden entgegen. Volker Bouffier hielt die Laudatio. 

Berichterstattung des Hessischen Rundfunks zur Preisverleihung

 

Muferihat Kamil beim Eintrag ins Gästebuch des Hessischen Landtags (Foto: HSFK).
Die Friedensministerin Muferihat Kamil verliest die Dankesrede von Abiy Ahmed (Foto: HSFK).
Die Urkunde wurde feierlich entgegengenommen (Foto: HSFK).