Demokratie und Gewalt im Heiligen Land

Im Band 2 der HSFK-Studienreihe analysiert Claudia Baumgart-Ochse das Verhältnis von Demokratie und politisierten religiösen Akteuren im Nahost-Konflikt

Warum ist der Osloer Friedensprozess gescheitert? Die Studien, die sich mit dieser Frage beschäftigen, verweisen auf die strukturellen Defizite der Osloer Verträge und die Sprengkraft der gewaltbereiten, meist religiös motivierten Oppositionskräfte. Bisher nicht in den Blick genommen wurde, welche Rolle das jeweilige Regierungssystem für das Verhalten der Konfliktparteien spielt. Die Theorien des demokratischen Friedens formulieren für die israelische Demokratie die Erwartung, dass sie möglichst gewaltfreie Wege der Konfliktlösung sucht - denn Bürger in Demokratien lehnen den Krieg aus normativen und rationalen Erwägungen ab. Welche Faktoren haben also dazu beigetragen, dass der Staat Israel entgegen dieser Erwartung einen Teil der Verantwortung für die neuerliche Gewalteskalation trägt?

In Band 2 der HSFK-Studienreihe beim Nomos-Verlag „Demokratie und Gewalt im Heiligen Land. Politisierte Religion in Israel und das Scheitern des Osloer Friedensprozesses“ lenkt Claudia Baumgart-Ochse den Blick auf die politisierten religiösen Akteure in Israel. Sie analysiert in ihrer Dissertation, wie die jüdische Siedlerbewegung das demokratische System Israels und die Ambivalenz des Zionismus nutzte, um den Osloer Friedensprozess zu behindern. Indem die Studie die jüngere Forschung zur Rolle der Religion in Konflikten für ihre Untersuchung heranzieht füllt sie die Leerstelle der Theorien des demokratischen Friedens im Hinblick auf die politische Relevanz moderner politisierter Religion.