Indien: Blockfreiheit ade?

Carsten Rauch beleuchtet in HSFK-Report 4/2008 die indische Außenpolitik seit der Unabhängigkeit

Enorme wirtschaftliche Wachstumsraten und ein kontinuierliches Bevölkerungswachstum machen Indien zu einer potentiellen zukünftigen Weltmacht. Umso dringlicher wird daher die Frage nach Indiens zukünftiger außenpolitischer Strategie. Eine Sichtweise diagnostiziert einen Paradigmenwechsel in der außenpolitischen Strategie. Indien ist hiernach nach dem Ende des Kalten Krieges und unter dem Druck einer neoliberalisierten Wirtschaftsordnung von seinem Ideal der Blockfreiheit abgerückt. Carsten Rauch kommt in seinem HSFK-Report Blockfreiheit ade? Wandel und Konstanz der indischen Außenpolitik seit der Unabhängigkeit zu einem anderen Schluss. Er überprüft die indische Außenpolitik seit 1947 auf Übereinstimmungen mit den Thesen der Blockfreiheit und zeigt, dass von Anfang an von diesem Ideal immer wieder abgewichen wurde. Übergeordnetes Ziel war stets, Indiens Unabhängigkeit zu wahren und seine Einflussmöglichkeiten zu steigern. Diese Bestrebungen Indiens werden auch in Zukunft die Richtung seiner Außenpolitik bestimmen. Eine Hinwendung zum Westen ist also keineswegs zwangsläufig, auch wenn eine westliche Orientierung weiterhin wahrscheinlich ist. Der Autor schließt mit der Empfehlung für Deutschland und Europa, die Entwicklungen im Auge zu behalten und Chancen zu nutzen, an den kooperativen Verbindungen mit Indien zu arbeiten.