Harald Müller

Justice in international diplomacy

Abstract

Gerechtigkeitsbelange treten in den internationalen Beziehungen häufig auf. Sie sind in allen Verhandlungen präsent und daher ein Kernbestandteil internationaler Diplomatie. Einen Gegenstand mit dem Etikett  „Gerechtigkeit“ zu versehen, kann in derselben Weise als Sprechakt analysiert werden, wie der Vorgang der „Versicherheitlichung“ („securitization“).

 

„Justization“ definiert eine Sachfrage als moralisch relevant, emotional belastet und nur bedingt kompromissfähig. Der Sprechakt signalisiert internationalen Partnern eine harte Verhandlungsposition und dient der Mobilisierung der einheimischen Öffentlichkeit. Ist es zur „Justization“ gekommen, so haben Diplomaten und politische Führungen später Probleme, Verhandlungskompromisse an die Öffentlichkeit zu verkaufen, die zuvor mit Gerechtigkeitsansprüchen mobilisiert wurde. Öffentliche Diplomatie, in der Gerechtigkeitsbelange auftreten, macht daher Einigungen schwieriger. Da Gerechtigkeitsvorstellungen in kulturellen Traditionen verankert sind, die sich erheblich unterscheiden können, ist für Verständigung, Kompromiss und Lösungen die Brückenbildung über die Kulturgrenzen hinweg nötig. Das ist zwar nicht unmöglich, ist aber zugleich eine gewaltige Aufgabe.

 

Harald Müller beschäftigt sich in seinem HSFK-Arbeitspapier mit der Analyse von „Justization“ und ihren Folgen, die einen Wissenszuwachs über das Wesen von Verhandlungen verspricht, indem sie den herkömmlichen Interessenanalysen eine wichtige moralische Dimension hinzu fügt.

Bibliographic record

Harald Müller, Justice in international diplomacy, PRIF Working Papers, No.08, Frankfurt/M., 2011.

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