Die Politik der Anerkennung und nichtstaatliche bewaffnete Akteure

Wie ein nicht­staatlicher bewaffneter Akteur (ANSA) benannt diskursiv konstruiert wird, eröffnet Staaten bestimmte Möglich­keiten, mit ihnen umzugehen, und verschließt zugleich andere. Die Frage, ob man „mit Terroristen spricht" oder nicht, ist die prominenteste Version des Dilemmas, in dem sich Staaten – und manchmal auch inter­nationale Organi­sationen (IOs) – befinden, wenn sie ihre Optionen abwägen: Einer­seits könnten sie befürchten, gewalttätiges Verhalten zu belohnen und damit anderen Akteuren Anreize für ähnliche Strategien zu geben. Sie wollen keine Schwäche zeigen, indem sie Zwangs­strategien wie Terrorismus und Erpressung nachgeben. Andererseits werden sie in der Regel von dem Wunsch geleitet, Gewalt und be­waffneten Konflikten ein Ende zu setzen. Entscheidungs­träger*innen hoffen dann, den jeweiligen ANSA zu Wandel zu bewegen und ihn in ein fried­licheres politisches und Gesell­schafts­system aus Gesellschaft und Politik zu integrieren. Vor diesem Hinter­grund können sich Staaten und IOs dafür ent­scheiden, (geheime) Gespräche und Verhand­lungen aufzunehmen, gegen die jeweilige Gruppe gewaltsam vor­zugehen oder einen (positiven oder negativen) Wandel in der Deutung des jeweiligen ANSA vorzunehmen, der neue Wege der Konflikt­transformation (oder Eskalation) eröffnet.

All diese Inter­aktionsformen beinhalten Formen von Anerkennung, Nicht­anerkennung oder „verkennender Anerkennung“ (mis-recognition) des Akteurs durch den jeweiligen Staat oder die IO. Anerkennung beschreibt ein mensch­liches Grund­bedürfnis bei der Ausildung von Iden­titäten, sowohl auf individueller als auch auf kollektiver Ebene. Das Projekt versucht, das Konzept der An­erkennung in die Debatte über den Umgang mit nicht­staatlichen be­waffneten Akteuren einzubinden, sein aka­demisches und politisches Potenzial zu erforschen und anhand von Beispielen aus verschiedenen Welt­regionen seine Gültigkeit für das Verständnis von Konflikt­transformation und -eskalation zu diskutieren.

 

  • Das Projekt wird zusammen mit Anna Geis (Helmut-Schmidt-Universität / Universität der Bundeswehr Hamburg) und Maéva Clément (Universität Osnabrück) durchgeführt.
Projektleitung: