Demokratien und die „Revolution in militärischen Angelegenheiten“

Das Projekt geht dem scheinbaren Widerspruch nach, dass es ausgerechnet die westlichen Demokratien sind, die gegenwärtig die Rüstungsdynamik in Gestalt der „Revolution in Military Affairs“ und des „Cyberwar“ vorantreiben. Untersucht werden die entsprechenden Rüstungsprojekte und die sie begleitenden Diskurse in den USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland.

Der Ansatz der Antinomien des demokratischen Friedens ist angesichts seiner sehr kurzen Entstehungsgeschichte bisher ausschließlich auf die Identifizierung möglicher Antinomien in der Theorie des demokratischen Friedens beschränkt. Eine Untersuchung der unterschiedlichen Demokratieformen und deren Subtypen, die eine Antinomie zum Tragen kommen lassen, hat bisher nicht stattgefunden. Diese Lücke soll durch eine Untersuchung von vier Demokratien (Deutschland, Großbritannien, Frankreich und USA) verkleinert werden. Untersucht werden die Legitimationsdiskurse seitens der Legislative und Exekutive in Bezug auf die „Revolution in Military Affairs“ und „Strategien der Informationskriegsführung“.
Die Fragestellung der Untersuchung lautet, ob der Demokratietypus Einfluss auf die Entscheidung nimmt, zur Minimierung eigener Opfer in modernste Militärtechnologie zu investieren. Die Beantwortung der forschungsleitenden Fragen folgt damit dem rationalistischen Kalkül der Opfervermeidung von Demokratien. Dazu werden vier Demokratien unterschiedlicher Systemtypen anhand eines kontrollierten Vergleichs auf ihre Anfälligkeit für eine „Revolution in Military Affairs“ und „Strategien der Informationskriegsführung“ hin untersucht, die beide eine Umsetzung der Opervermeidung erst überhaupt möglich machen. Als Methode dient ein kontrollierter Vergleich (nach Mill) von vier Demokratieformen (koalitions-parlamentarisch, präsidentiell, semipräsidentiell und Westminister-parlamentarisch). Alternativ werden aus dem Realismus, der rationalistischen Allianztheorie und dem Konstruktivismus gewonnene Hypothesen zur Erklärung der Varianz geprüft.

Das Projekt führt die Debatte über den „Demokratischen Frieden“ weiter, die bislang die Unterschiede zwischen Demokratietypen vernachlässigt hat. Für die Theorie der Antinomien des demokratischen Friedens wird daher ein besseres Verständnis über die Bedingungen und Durchschlagskraft von Antinomien erwartet. Für die Empirie werden Aussagen über das Verhalten unterschiedlicher Demokratien gegenüber der RMA/Informationskriegsführung erwartet, die als Bedingungen betrachtet werden, dass Demokratien überhaupt erst in die Lage versetzt werden Kriege zu führen.

Mitarbeiter/innen:
  • Minkwitz, Olivier
  • Homolar-Riechmann, Alexandra
1
Democracy and Security | 2008

Matthew Evangelista/Harald Müller/Niklas Schörnig (eds.), Democracy and Security. Preferences, norms and policy-making, London and New York (Routledge), 2008.

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2
Opfersensibilität und Friedensdividende | 2007

Niklas Schörnig, Opfersensibilität und Friedensdividende. Legitimationsmuster einer aktiven amerikanischen Rüstungsindustriepolitik in den 1990er Jahren, in: Zeitschrift für internationale Beziehungen Jg. 14, Nr. 1, 2007, S. 9-42.

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3
Die „Revolution in Military Affairs” | 2005

Niklas Schörnig, Die „Revolution in Military Affairs“ - Hemmschwelle für eine kooperative Weltordnung, in: Ulrich Ratsch, Reinhard Mutz, Bruno Schoch, Corinna Hauswedell, Christoph Weller (Hg.), Friedensgutachten, Münster (LIT Verlag), 2005, S. 219-227.

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4
Ohne Hemmungen in den Krieg? | 2003

Olivier Minkwitz, Ohne Hemmungen in den Krieg? Cyberwar und die Folgen, HSFK-Report Nr. 10/2003, Frankfurt/M.

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5
Mit Kant in den Krieg? Das problematische Spannungsverhältnis zwischen Demokratie und der Revolution in Military Affairs | 2002

Harald Müller/Niklas Schörnig, Mit Kant in den Krieg? Das problematische Spannungsverhältnis zwischen Demokratie und der Revolution in Military Affairs. In: Die Friedenswarte Jg. 77, Nr. 4, 2002, S. 353-374.

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Förderer

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
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