Gerechtigkeitskonflikte in der Demokratieförderung

Im globalen „Nord-Westen“ gilt die liberale Demokratie als universell gültiges Modell nationaler Just Peace Governance, das es per Außen- und Entwicklungspolitik global zu verbreiten gilt. In der politischen Umsetzung trifft dieses Postulat allerdings auf gewichtige normative Probleme, die sich als Gerechtigkeitskonflikte interpretieren lassen. Dem Anspruch der Demokratieförderer, mit der Demokratie universelle individuelle Rechte zu verbreiten, steht die Forderung nach einem kollektiven Anrecht auf selbstbestimmte politische Entwicklung entgegen. Während die liberale Demokratie im globalen „Nord-Westen“ als einzig denkbare Form einer gerechten politischen Ordnung gelten mag, existieren in den „Empfängerländern“ mitunter abweichende Vorstellungen über angemessene Normen und Institutionen.

Diese normativen Spannungen, die der Demokratieförderung – als Förderung demokratischer Selbstbestimmung – eingeschrieben sind, haben seit Beginn des 21. Jahrhunderts an politischer Brisanz gewonnen, sehen sich internationale Demokratieförderer doch einer zunehmenden Infragestellung und teils aktivem Widerstand ausgesetzt. Der analytische Fokus auf Gerechtigkeitskonflikte erlaubte es dem Projekt, die normative Dimension dieser Prozesse der Kontestation von Demokratieförderung empirisch in den Blick zu nehmen. Konkret fragte das Vorhaben danach, (1) inwieweit Gerechtigkeitskonflikte die Interaktion zwischen „Gebern“ und „Nehmern“ im Feld der Demokratieförderung prägen, (2) wie Gerechtigkeitskonflikte zwischen „Gebern“ und „Nehmern“ ausgehandelt werden, (3) welche Implikationen dies für die bilateralen Beziehungen im Allgemeinen und die Konzeption und Praxis der Demokratieförderung im Besonderen hat, und (4) wie unterschiedliche Dynamiken und Konsequenzen von Gerechtigkeitskonflikten zu erklären sind.

Empirisch untersuchte das Projekt diese Fragen am Beispiel der gegenwärtigen politischen Auseinandersetzungen um Demokratieförderung durch externe Unterstützung der Zivilgesellschaft. In den letzten fünfzehn Jahren haben eine ganze Reihe von Ländern aus allen Regionen der Welt restriktive Regeln für die internationale Unterstützung zivilgesellschaftlicher Organisationen erlassen, die die Spielräume externer Demokratieförderung empfindlich einengen. Dieses Phänomen des „closing space“ gilt als die wichtigste Ausdrucksform des in Politik und Forschung diskutierten „backlash“ gegen die Demokratieförderung; in ihm manifestiert sich nahezu idealtypisch die oben benannte Gerechtigkeits­problematik. Das Vorhaben untersuchte die politischen Maßnahmen und deren Begründung auf Empfängerseite, die Reaktion (in Diskurs und Praxis) auf Seiten der Demokratieförderer sowie die Konflikte, Aushandlungs- und Anpassungsprozesse, die sich daraus im Verhältnis beider Seiten ergeben. Dabei kombinierte das Projekt die allgemeine Analyse aller einschlägigen Fälle mit einer vertieften, vergleichenden Untersuchung ausgewählter Einzelfälle.

Der Beitrag "The Normative Challenge of Interaction: Justice Conflicts in Democracy Promotion", der 2013 in der Zeitschrift Global Constitutionalism erschienen ist, skizziert den theoretisch-konzeptionellen Rahmen des Forschungsprojekts. Zentrale Ergebnisse sind als PRIF Report sowie in dem Aufsatz „The contested spaces of civil society in a plural world: norm contestation in the debate about restrictions on international civil society support“ in der Zeitschrift Contemporary Politics erschienen und in ein Sonderheft der Zeitschrift Democratization über “The negotiation of democracy promotion” eingeflossen. Das Vorhaben wurde im Rahmen des zwischen 2015 und 2019 von der Leibniz-Gemeinschaft geförderten Forschungsnetzwerks Externe Demokratisierungspolitik (EDP) durchgeführt.

Projektleitung:
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"Othering" Across and Beyond the Pond | 2018

Poppe, Annika Elena (2018): "Othering" Across and Beyond the Pond, PRIF Blog (Repost from AICGS blog contribution), 18.12.2018.

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"Othering" Across and Beyond the Pond | 2018

Poppe, Annika Elena (2018): "Othering" Across and Beyond the Pond, American Institute for Contemporary German Studies (AICGS), 4.12.2018.

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Democracy Promotion and the Challenge of Shrinking Civic Spaces | 2018

Poppe, Annika Elena/Wolff, Jonas (2018): Democracy Promotion and the Challenge of Shrinking Civic Spaces, in: Poppe, Annika Elena/Richter, Solveig/Wolff, Jonas (für das EDP Netzwerk) (eds), PRIF Report, (Vol. 13).

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6
Democracy Promotion in the 21st Century | 2018

Poppe, Annika Elena/Richter, Solveig/Wolff, Jonas (2018): Democracy Promotion in the 21st Century, in: Poppe, Annika Elena/Richter, Solveig/Wolff, Jonas (für das EDP Netzwerk) (eds), PRIF Report, (Vol. 13).

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Democracy Promotion under the Current US Administration | 2018

Poppe, Annika Elena (2018): Democracy Promotion under the Current US Administration, in: Poppe, Annika Elena/Richter, Solveig/Wolff, Jonas (für das EDP Netzwerk) (eds), PRIF Report, (Vol. 13).

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Shrinking Spaces. Eine Herausforderung der internationalen Demokratie- und Zivilgesellschaftsförderung | 2018

Baldus, Jana/Poppe, Annika Elena/Wolff, Jonas (2018): Shrinking Spaces. Eine Herausforderung der internationalen Demokratie- und Zivilgesellschaftsförderung, in: Afrika Süd, 47:5, https://www.afrika-sued.org/ausgaben/heft-5-2018/shrinking-spaces/.

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12
An Overview of Global Initiatives on Countering Closing Space for Civil Society | 2017

Baldus, Jana/Poppe, Annika Elena/Wolff, Jonas (2017): An Overview of Global Initiatives on Countering Closing Space for Civil Society, Washington, D.C.: CSIS Human Rights Initiative, www.csis.org/(...).

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15
The Contested Spaces of Civil Society in a Plural World | 2017

Poppe, Annika Elena/Wolff, Jonas (2017): The Contested Spaces of Civil Society in a Plural World. Norm Contestation in the Debate about Restrictions on International Civil Society Support, in: Contemporary Politics (open access), 23:4, DOI: 10.1080/13569775.2017.1343219.

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16
Schlechtes Vorbild Deutschland | 2017

Poppe, Annika Elena/Wolff, Jonas (2017): Schlechtes Vorbild Deutschland. Der Fall Attac im Licht globaler Einschränkungen zivilgesellschaftlicher Handlungsspielräume, PRIF Spotlight 2/2017, Frankfurt/M.

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17
Recalibrating the interest-values-nexus. US democracy promotion in the Middle East | 2017

Poppe, Annika Elena (2017): Recalibrating the interest-values-nexus. US democracy promotion in the Middle East, in: Orient, 58:2, 15–22.

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Demokratieförderpolitik: Rhetorische Wende bei gleichbleibender Politik? | 2017

Poppe, Annika Elena (2017): Demokratieförderpolitik: Rhetorische Wende bei gleichbleibender Politik?, in: Fehl, Caroline/Fey, Marco (Hg.), „America first“: Die Außen- und Sicherheitspolitik der USA unter Präsident Trump, Frankfurt/M, 21–22, HSFK-Report Nr. 1/2017.

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From Closing Space to Contested Spaces | 2015

Wolff, Jonas/Poppe, Annika Elena (2015): From Closing Space to Contested Spaces. Re-assessing Current Conflicts over International Civil Society Support, PRIF Report No. 137, Frankfurt/M.

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The Question of Self-Determination in International Democracy Promotion | 2014

Wolff, Jonas (2014): The Question of Self-Determination in International Democracy Promotion, PRIF Working Papers No. 19, Frankfurt/M.

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The Normative Challenge of Interaction | 2013

Poppe, Annika Elena/Wolff, Jonas (2013): The Normative Challenge of Interaction. Justice Conflicts in Democracy Promotion, in: Global Constitutionalism, 2:3, 373-406, DOI: https://doi.org/10.1017/S204538171200024X.

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25
Demokratischer Krieg am Hindukusch? | 2011

Müller, Harald/Wolff, Jonas (2011): Demokratischer Krieg am Hindukusch? Eine kritische Analyse der Bundestagsdebatten zur deutschen Afghanistanpolitik 2001-2011, in: Zeitschrift für Außen- und Sicherheitspolitik, Sonderheft, 4:3, 197-221, https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs12399-011-0211-x#citeas.

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26
Quo vadis, Obama? | 2011

Poppe, Annika Elena (2011): Quo vadis, Obama? US-amerikanische Demokratieförderpolitik nach dem Kalten Krieg, HSFK-Report Nr. 2/2011, Frankfurt/M.

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Whither to, Obama? | 2010

Poppe, Annika Elena (2010): Whither to, Obama? U.S. Democracy Promotion after the Cold War, PRIF Report No. 96, Frankfurt/M.

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