Internationale Sicherheit

Der Programmbereich I untersucht und vergleicht die Sicherheitspolitiken der Staaten. Er analysiert sie auf die in ihnen enthaltenen normativen Orientierungen und Gerechtigkeits­ansprüche und deren Konflikt­haltigkeit hin und bewertet sie im Hinblick auf ihren möglichen positiven oder negativen Beitrag zu einer friedlichen Weltordnung. Die uns interessierende Frage ist, ob der Widerstreit unterschiedlichster nationaler Vorstellungen über die Gestaltung internationaler Sicherheit die Entwicklung nicht-hegemonialer Normen­systeme zulässt. Zu den empirischen Feldern, mit denen sich der Programmbereich befasst, zählen Rüstungskontrolle, Abrüstung und Nichtverbreitung, Rüstungs- und Militärpolitik, der Einsatz von Streit­kräften und nationale Diskurse über Sicherheit. Die Arbeiten orientieren sich am normativen Standard der Ab­senkung des Gewalt­­niveaus der zwischen­­staatlichen Beziehungen. Sie gehen von der Annahme aus, dass auch in einer sich globalisierenden Welt die Staaten in der Frage von Krieg und Frieden eine zentrale Stellung einnehmen.


Im Forschungsprogramm Just Peace Governance hat der Programmbereich zwei zentrale Aufgaben: Er untersucht erstens, welchen Stellenwert Gerechtigkeitsansprüche in der Außen- und Sicherheitspolitik der Staaten einnehmen und welchen Einfluss sie auf die Konflikthaftigkeit der zwischen­staatlichen Beziehungen einüben. Es gilt zweitens herauszufinden, welche Chancen und Einschränkungen eine friedliche und gerechte Weltordnung dadurch erfährt, wie Staaten mit ihren Gewalt­instrumenten umgehen. Behandelt die erste Perspektive Gerechtigkeit als eine „unabhängige Variable“, die auf staatliche Aktion und Interaktion wirkt, so erscheint sie in der zweiten Perspektive als „abhängige Variable“, auf die das Staatenhandeln einwirkt.

Ausgehend von Erkenntnissen über die Sicherheitspolitiken der Demokratien, die wir im voran­gegangenen Forschungs­programm Antinomien des demokratischen Friedens gewonnen haben, liegt der Schwerpunkt auf dem Politikvergleich zwischen verschiedenen politischen Systemen und Kulturen. Die Frage ist, ob es systematische Unterschiede zwischen Gruppen von Staaten gibt, die bestimmte Charakteristika teilen. Heuristisch lässt sich zur Zeit ein Aufeinanderprallen unterschiedlicher Gerechtigkeitsvorstellungen in der Weltpolitik vermuten: Auf der einen Seite stehen manifeste oder latente Gerechtigkeits­ansprüche nicht­westlicher Staaten bzw. Frustrationen und Ressentiments, die sich aus wahrgenommenen Ungerechtigkeiten der gegenwärtigen Weltordnung ergeben und durch die hegemoniale Stellung der westlichen Welt in den vergangenen Jahrhunderten und in der aktuellen Weltpolitik gespeist werden. Auf der anderen Seite gibt es die universalistischen Ambitionen westlicher Politik, die ihrerseits den nichtwestlichen Partnern beträchtliche Konzessionen hinsichtlich deren nationaler Souveränität abverlangen. Inwieweit diese Konfrontation im Gebiet der Sicherheitspolitik Risiken mit sich bringt und wie sie gegebenenfalls konstruktiv und produktiv zu behandeln ist, steht im Mittelpunkt mehrerer Forschungs­projekte.

Neben der Grundlagenforschung im Rahmen des Forschungs­programms verfolgt der Programmbereich anwendungsorientiert aktuelle Fragen der Politik mit dem Schwerpunkt auf Rüstungskontrolle, Abrüstung und Nichtverbreitung. Dies geschieht zum Teil als Neben­produkt der Grundlagen­forschung, zum Teil in selbständigen Projekten.